Henckel-Donnersmarck war zwölf Jahre Abt von Heiligenkreuz
Nachrichten 08/02/2011 11:03:45
Gregor Ulrich Henckel-Donnersmarck, der scheidende Abt von Stift Heiligenkreuz im Wienerwald, ist qua Amt und qua Person eines der bekanntesten Gesichter der Kirche in Österreich. Weltläufig, gewinnend im persönlichen Gespräch und konservativ in der Sache, verbindet er Tradition in der Theologie und im Ordensleben mit medialer Modernität. So ertönt in den barocken Prachtgemächern des Abtes fast pausenlos der Samba-Klingelton seines Handys. Nach zwölf Amtsjahren tritt Henckel-Donnersmarck nun zu den Abtswahlen am Donnerstag nicht mehr an.
Geboren am 16. Januar 1943 im schlesischen Breslau, aufgewachsen in Klagenfurt, machte Henckel-Donnersmarck zunächst Karriere in der Wirtschaft. Nach seinem Studium der Betriebs- und Volkswirtschaftslehre leitete er in Spanien die Geschicke einer großen Speditionsfirma, bevor er, überraschend für sein damaliges Umfeld, mit 34 Jahren seiner geistlichen Berufung folgte. Am 15.
November 1977 trat er ins Zisterzienserstift Heiligenkreuz ein. Die Priesterweihe erfolgte im August 1982. Am 11. Februar 1999 wurde Henckel-Donnersmarck zum 67. Abt des Stiftes gewählt.
Seine zwölfjährige Amtszeit darf er getrost als eine Erfolgsgeschichte werten, hat das Stift doch einen unzeitgemäß hohen Zulauf bei den geistlichen Berufungen und den Theologiestudenten zu verzeichnen. 2007 kam Papst Benedikt XVI. zu Besuch und lobte Heiligenkreuz als eine «Oase geistlicher Kraft».
An Henckel-Donnersmarcks Garderobe im Eingang der Abtgemächer hängt unter anderem ein Arbeiterhelm. Er erinnert daran, dass der Abt von Heiligenkreuz auch Großgrund- und Forstbesitzer ist. Auch diese Verpflichtung des Eigentums nimmt der Abt, der sich stets auf die katholische Soziallehre beruft, ernst. Das schließt auch ein ethisches Wirtschaften dort ein, wo das Großunternehmen Heiligenkreuz mit seinen teils aus feudaler Zeit stammenden landwirtschaftlichen Strukturen im Wettbewerb der Globalisierung Schwierigkeiten mit sich bringt.
Vehement verteidigt Henckel-Donnersmarck den «medialen» Kurs des Stifts in den vergangenen Jahren, der innerhalb des Klosters sicher nicht nur auf Zustimmung gestoßen ist. «In unserer Zeit des Relativismus», meint er, «ist es wichtig, gute Gedanken in die Öffentlichkeit zu bringen.» Der Gefahr, als Sehenswürdigkeit «zwischen Lipizzanern und Wiener Sängerknaben» eingereiht zu werden, begegnen er und seine Mitbrüder mit dem Versuch, möglichst vielen Touristen auch etwas von der geistlichen Lebensweise der Zisterzienser zu vermitteln. «Wenn Käse die einzige Sensation eines Klosters ist, dann ist das Kloster Käse.»
Auch wegen gesundheitlicher Probleme verzichtet Henckel-Donnersmarck auf eine weitere Amtszeit. Gemäß der Ordensregel wird er aber weiter in Heiligenkreuz bleiben. 1977, bei seinem Eintritt, hatte der Altabt den Novizen prüfend gefragt: «Überlegen Sie sich gut, ob Sie wirklich hier sterben wollen.» Beobachter - und vielleicht auch der künftige Altabt selbst - warten nun nicht ohne Spannung, welchen Kurs das Stift unter seinem Nachfolger einschlagen wird.

