Hans Küng ruft nach 68er Reformen
Nachrichten 09/03/2011 07:57:00
(gloria.tv/ KNA) Die Zukunft der katholischen Kirche hängt nach Ansicht des Tübinger Theologen Hans Küng (82) von ihrer Reformfähigkeit ab.
Notwendig sei deshalb eine «gründliche und detaillierte Analyse» von Missständen, schreibt Küng in einem Beitrag für die «Süddeutsche Zeitung» (Mittwoch). Sie habe auf die wahren Ursachen zu zielen und nicht auf Oberflächensymptome. Konkret forderte der 82-Jährige den Papst auf, sich mehr um die Gemeinschaft zu bemühen. Es gehe darum, die römische Kurie zwar nicht zu zerstören, aber zu reformieren.
«Statt Günstlingswirtschaft zu betreiben», gelte es Fachpersonal zu suchen, rät der Theologe. «Glasnost» und «Perestroika» sollten für die Kirchenfinanzen eingeführt, die «Inquisition» abgeschafft werden. Zudem seien alle Formen von Repression zu beseitigen, und das Kirchenrecht gründlich neu zu gestalten. Weiter spricht sich Küng dafür aus, Priester und Bischöfen die Ehe zu erlauben sowie den Frauen alle Ämter zu öffnen. Die Abendmahlgemeinschaft mit den Kirchen der Reformation dürfe nicht länger verwehrt werden.
Insgesamt gehe es um «Wahrhaftigkeit ohne Ausreden und Verschweigen».
Nach der Enthüllung der sexuellen Missbrauchsskandale und deren «weltweiter Vertuschung durch das Versagen des Episkopats» zeichne sich derzeit ein «erfreuliches Erwachen des Reformgeistes» ab, stellt Küng fest. Dabei verweist er unter anderem auf das Theologen-Memorandum «Kirche 2011: Ein notwendiger Aufbruch».
Allerdings sei es bedauerlich, dass der frühere Reformtheologe Kardinal Walter Kasper «sich auch noch als Emeritus zum Apologeten des römischen Systems erniedrigt und sich zu den Dialog- und Reformverweigerern» gesellt. Dabei sei es genau dieses römische System, unter dem die katholische Kirche krank geworden sei.
Küng ist emeritierter Professor für ökumenische Theologie. 1979 hatte der Vatikan dem Priester die kirchliche Lehrerlaubnis entzogen. An diesem Donnerstag erscheint sein neues Buch «Ist die Kirche noch zu retten?»


