Grünenpolitikerin referiert bei Erzdiözese Freiburg: „kirchliche Frauenfeindlichkeit“
Nachrichten 26/03/2011 12:59:39
(gloria.tv/ KNA) Eine Diskriminierung von Frauen in der katholischen Kirche hat die Grünenpolitikerin Christa Nickels beklagt.
«Frauenfeindlichkeit ist in unserer Gesellschaft ein Alleinstellungsmerkmal der katholischen Kirche. Und das ist für Frauen zutiefst verletzend und ungerecht», sagte Nickels am Freitagabend in Freiburg. Immer mehr Frauen wendeten sich von der Kirche ab, weil sie ihren Ausschluss aus Führungspositionen nicht mehr akzeptieren wollten. «Das ist ein lautloser Exodus.» Nickels sprach als Gastrednerin beim Festakt zum 100-jährigen Bestehen des Seelsorgeamts im Erzbistum Freiburg.
Dennoch seien es noch immer vor allem die Frauen, die das Gemeinde- und Glaubensleben vor Ort trügen, sagte Nickels: «Meine Kirche ist damit eine ausschließlich von Männern geleitete Frauenkirche.» Sie warf der Kirchenführung mangelnden Reformwillen und ein Festhalten an überkommenen Machtstrukturen vor.
Nickels, die lange kirchenpolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion war, forderte mutige Kirchenreformen. Nur so könne der Ansehens- und Bedeutungsverlust der Kirche gestoppt werden. Nach ihrer Einschätzung suchen gerade heute viele Menschen nach geistlichem Halt und Antworten auf Sinnfragen. Kirche sei heute aber immer weniger in der Lage, verständliche und glaubwürdige Antworten zu geben, da sie in ihrer Lehre und in der Form des Glaubenslebens nicht «in der Moderne angekommen» sei und sich damit der modernen Lebenswirklichkeit verschließe.
«Kirche muss ihre Glaubenssätze endlich hermeneutisch in die Moderne bringen. Die Menschen darben danach», so Nickels. Dazu sei es aber nötig, dass Kirche gerade auf jene höre, «denen sie Redeverbote erteilt hat». Kirche sollte auch viel stärker auf «Außenstehende und Sünder» zugehen, um von ihnen zu lernen. Zugleich sei jeder einzelne Christ gefragt, mutiger und fröhlicher die frohe Botschaft des christlichen Glaubens zu bezeugen. «Wer bekommt denn schon im Kontakt mit uns noch Sehnsucht nach Jesus Christus?»
Trotz vieler Bedenken betonte Nickels, die auch Mitglied des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken ist, dass der nun vom Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz Erzbischof Robert Zollitsch begonnene Dialogprozess zu wichtigen Kirchenreformen führen könne. Für einen Aufbruch müssten einzelne vorangehen, sagte sie. «Wenn der Dialog aber als Sackgasse mit einer Gummiwand endet, an der alle Argumente abprallen, dann wird er nur zu einem weiteren Abwenden von der Kirche führen.»


