Katholische Jugend fordert Reformen und Dialog ohne Tabus
Nachrichten 22/05/2011 16:17:00
(gloria.tv/ KNA) Der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) will im offenen Dialog mit den Bischöfen über Veränderungen in der Kirche und einen neuen Aufbruch reden. Dabei dürften aber auch der Zölibat und die stärkere Beteiligung von Frauen in der Kirche keine Tabuthemen sein, hieß es am Sonntag zum Abschluss der BDKJ-Hauptversammlung in Altenberg bei Leverkusen.
Außerdem forderte der Dachverband der katholischen Jugendorganisationen eine jugendgerechtere Politik und das Wahlrecht ab 14. Darüber hinaus riefen die Delegierten die Politik zu stärkeren Anstrengungen im Kampf gegen den Hunger in der Welt auf. Dirk Tänzler (42) wurde für weitere drei Jahre im Amt des Bundesvorsitzenden bestätigt.
Im Mittelpunkt der dreitägigen Versammlung stand die Debatte über den Dialogprozess in der katholischen Kirche. Geschlechtergerechtigkeit, Beteiligung und Spiritualität seien dabei besonders dringliche Eckpunkte, heißt es in einem Papier mit dem Titel «Freiheit der Kinder Gottes», das die Hauptversammlung verabschiedete. Wichtig sei, dass es im Dialog keine Tabuthemen gebe, und das gelte auch für schwierige Fragen, die nur auf weltkirchlicher Ebene entschieden werden können.
In dem Eckpunkte-Papier kritisiert der BDKJ eine «einseitige Rollenverteilung der Geschlechter». Die Jugendverbände möchten deswegen über den Zugang von Frauen zu allen kirchlichen Ämtern sprechen, betonte die BDKJ-Bundesvorsitzende Ursula Fehling. Ferner vertritt der BDKJ in der Debatte die Meinung, dass der Zölibat keine verpflichtende Zugangsvoraussetzung für das Weiheamt sein muss. Zudem hält er die aktive Mitwirkung von Laien an der Wahl von Amtsträgern für möglich.
In einer Erklärung bedauerte der BDKJ-Bundesvorstand «Missverständnisse», die zu Beginn der Versammlung am Freitag deutliche Kritik der Bischofskonferenz hervorgerufen hatten. Deren Sprecher Matthias Kopp hatte eine zunächst als «Thesenanschlag» angekündigte Aktion als «weder hilfreich noch zielführend» bezeichnet. Bestimmte Forderungen dieser Aktion seien «mit der Lehre der Kirche unvereinbar».
BDKJ-Chef Tänzler betonte daraufhin, dass man lediglich «Zwischenergebnisse aus einer Kleingruppenarbeit» aufgehängt habe, um deutlich zu machen, dass auch das Gespräch über kontroverse Themen sehr wichtig sei. Aber natürlich gelte weiterhin: «Die katholische Kirche ist unsere Heimat.»
Die BDKJ-Hauptversammlung ist das höchste demokratische Gremium des BDKJ. Rund 100 Delegierte aus der ganzen Bundesrepublik nahmen daran teil. Der BDKJ ist Dachverband von 17 katholischen Jugendverbänden und -organisationen und vertritt damit die Interessen von rund 660.000 Kindern und Jugendlichen.


