Kardinal Marx: Internetforen verschiedener Coleur verschärfen den Ton
Nachrichten 24/05/2011 05:43:00
Besorgt zeigte sich Marx über eine zunehmende Polarisierung in der katholischen Kirche in Deutschland. Internetforen verschiedener Couleur hätten ihren Anteil daran, dass sich der Ton verschärft habe. «Wir müssen fähig werden, Unterschiede auszuhalten und trotzdem einmütig zusammen zu bleiben», betonte der Kardinal.
Zum von den Bischöfen initiierten Dialogprozess erklärte Marx, es gebe vor allem an den Rändern der Kirche «viele, die möchten, dass es zu einem Eklat kommt». Dies dürfe nicht passieren. Klar sei, dass in dem Dialog nicht einfach alles zur Disposition gestellt werden könne. Das heiße jedoch nicht, dass bestimmte Themen von vornherein ausgeschlossen seien.
Marx sprach sich für ein vielfältiges Medienengagement der katholischen Kirche aus. «Dass es nur eine Sicht der Dinge gibt, war immer falsch», meinte er. Die Geschichte zeige, dass sich kirchliche Positionen immer in einem kommunikativen Geschehen ausgebildet hätten. Zudem sei eine demokratische und plurale Gesellschaft ein Fortschritt. Der Weg der Kirche könne nicht zurück in eine Zeit führen, in der angeblich alles einfacher und weniger kompliziert war.
Zwiespältig beurteilte der Kardinal die Beschleunigung des Nachrichtengeschäfts. Zum einen bestehe der Zwang, zeitnah zu reagieren, «um im Gespräch zu bleiben». Zum anderen erwarteten die Menschen zu Recht von der Kirche gründliches Nachdenken. Die Äußerungen ihrer Vertreter sollten über den Tag hinaus Bestand haben.
Bei der Veranstaltung stellte sich auch der neue geistliche Direktor des ifp, der Freiburger Domdekan Wolfgang Sauer, vor. Dass die Kirche die öffentliche Meinungsbildung und den Beitrag der Medien dazu vorbehaltlos bejahe, sei wichtig für das Programm einer katholischen Journalistenschule, sagte er. An ihr müsse die «ständige Suche nach einem journalistischen Ethos» gepflegt werden, «das der Wahrheit stärker verpflichtet ist als der Emotion». Sauer bezog sich auf die Pastoralinstruktion «Communio et Progressio», die am Tag genau vor 40 Jahren in Rom veröffentlicht wurde. Das päpstliche Lehrschreiben gilt bis heute als «Magna Charta» der katholischen Journalisten.



