Erste Ansprache des neuen Bischofs Ivo Muser von Bozen-Brixen
Nachrichten 27/07/2011 06:45:09
lieber Herr Generalvikar und liebe Mitbrüder, cari confratelli,
verehrte Vertreter des öffentlichen Lebens,
liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Ordinariates,
geschätzte Vertreterinnen und Vertreter der Medien!
Am 14. Juli – ich verbrachte gerade einige Ferientage in Monterosso an der Ligurischen Küste – bekam ich einen Anruf vom Apostolischen Nuntius Erzbischof Giuseppe Bertello aus Rom. Er teilte mir mit, dass mich der Heilige Vater zum Bischof unserer Diözese Bozen-Brixen ernannt hat. Nach Tagen mit vielen Gedanken, Bildern und Gebeten im Kopf und im Herzen war ich dann am 19. Juli in der Nuntiatur in Rom und nahm dort durch meine Unterschrift diese Ernennung an. Heute, an diesem 27. Juli, stehe ich nun mit der Bitte vor Euch, dass Ihr mich annehmt, aufnehmt und unterstützt als zukünftigen Bischof.
Von Herzen grüße ich von dieser Stelle aus alle Gläubigen unserer Diözese: die Kinder und die jungen Menschen, die Familien, die die Keimzellen der menschlichen und kirchlichen Gemeinschaft sind; alle, die in den verschiedenen Lebensbereichen unserer Heimat, nicht zuletzt auch in Politik, Wirtschaft und Kultur besondere Verantwortung tragen. Herzlich grüße ich die Alleinstehenden, die Einsamen, die Kranken und vom Leben Gezeichneten, so wie die Menschen an ihrem Lebensabend. Einen herzlichen Gruß an alle, die sich mit Kirche und Glauben schwer tun und die sich aus recht unterschiedlichen Gründen von der kirchlichen Gemeinschaft entfernt haben, die die Beziehung zu Glaube und Kirche nur mehr zu seltenen und ausgewählten Gelegenheiten suchen und wollen und auch an alle, die den Eindruck haben, dass sie von der Kirche nicht verstanden werden.
Einen respektvollen und offenen Gruß richte ich an alle Menschen in unserem Land, die einer anderen christlichen Konfession oder auch einer anderen Religion angehören. Und ich denke nicht zuletzt an alle Menschen aus anderen Gegenden und Ländern, die aus den unterschiedlichsten Gründen in unser Land gekommen sind und die unsere ganz konkrete Hilfe und Solidarität brauchen.
Einen ganz besonderen Gruß richte ich an unseren Bischof Karl. Nur deswegen stehe ich jetzt hier, weil es ihm durch seine schwere Parkinsonerkrankung nicht mehr möglich ist den bischöflichen Dienst auszuüben, den er so gerne, so kompetent und so einsatzfreudig ausgeübt hat. Wir alle haben keine Antwort auf das Warum, das uns Menschen im Angesicht von leidvollen Erfahrungen durch Kopf und Herz geht. Wir haben aber die österliche Zusage des Glaubens: Im Kreuz ist Heil! Die große Gebetsgemeinschaft, die sich gebildet hat, nachdem der Bischof über seine schwere Krankheit informiert hat, gibt davon Zeugnis. Lieber Bischof Karl, die Nähe der ganzen Diözese ist Dir gewiss! Ich bitte Dich aufrichtig, dass Du auch weiterhin Dein Lebenskreuz dem Herrn hinhältst für unsere Diözese und jetzt auch für mich. Du verkündest jetzt vor allem mit Deinem Leben – und diese Verkündigung ist noch viel einprägsamer als alle unsere Worte und Predigten.
Durch das Sakrament der Weihe bilden Bischof und Priester das Presbyterium unserer Diözese. Ich bitte alle Priester, die jungen und die älteren und die alten Mitbrüder, dass sie mich aufnehmen als ihren Bischof und ich verspreche, dass mir die Sorge um die Mitbrüder – gerade auch in den nicht leichten Jahren, die vor uns stehen, und die uns auch schmerzliche Veränderungen und Umbrüche bringen und zumuten werden - nicht nur Pflicht, sondern Herzensanliegen sein wird.
Ich war 14 Jahre lang Regens unseres Priesterseminars. Dieser schöne Dienst hat mich sehr geprägt: Neue Priesterberufungen müssen für die ganze Diözese eine Priorität sein – nicht verkrampft, sondern mit Freude, Überzeugung und Vertrauen und auch mit großer theologischer und gläubiger Klarheit, dass wir die Priester und ihren sakramentalen Dienst brauchen.
Die Ständigen Diakone sollen eine eigenständige und wichtige sakramentale Präsenz in unserer Ortskirche sein – vor allem auch im sozialen und caritativen Bereich. Einen aufrichtigen und herzlichen Gruß an alle Ordensleute, Männer und Frauen. Wenn die Zahl der Ordensleute so stark abnimmt, wie es zurzeit geschieht, ist das eine ganz große Verarmung für unsere Ortskirche. Die verschiedenen Spiritualitäten bringen etwas vom Reichtum und von der bleibenden Aktualität des Evangeliums zum Leuchten.
Dabei denke ich an Pastoralassistentinnen und – assistenten, Religionslehrerinnen und – lehrer, Pfarrgemeinderäte und Pfarrverantwortliche, an die vielen, die einen liturgischen Dienst ausüben, auch an die Mesner und Mesnerinnen, an die Ministranten und Ministrantinnen, die Sängerinnen und Sänger unserer Kirchenchöre, die vielen, die mitarbeiten in der Katechese, in der Caritas, in der Verwaltung, in Gruppen, Vereinen und Verbänden, auf der Ebene der Diözese, der Pfarreien und Dekanate, der Seelsorgeeinheiten. Sie alle sind ein unverzichtbares Geschenk und ein großer Segen für unsere Ortskirche!
Und es mir noch ein ganz großes Anliegen in besonderer Weise all jene zu grüßen, die in unserem Land in großer Treue und gläubiger Haltung zu unserer Kirche stehen; die regelmäßig die Gottesdienste mitfeiern; denen das Wort Gottes, die Eucharistie und die Anbetung wichtig sind; die oft die unscheinbaren und doch so wertvollen Dienste übernehmen, ohne die das Leben in unseren christlichen Gemeinschaften und Gemeinden ganz anders aussehen würde; die oft still und ohne darüber zu reden, viel Gutes tun, und jene, die dort nicht fehlen, wo gerade sie nötig sind.
Ich stehe heute als neuernannter Bischof nicht mit einem Programm vor der Diözese, wohl aber mit einem großen Bekenntnis. Und dieses Bekenntnis des Apostels Petrus wird mein bischöfliches Leitwort sein: TU ES CHRISTUS. DU BIST CHRISTUS.
Christlicher Glaube ist keine Lehre, kein Buch, keine Lebensphilosophie, keine Struktur, keine Institution, kein Gebot, kein Verbot, keine schöne Idee und kein Konzept. Christlicher Glaube ist Bekenntnis und Beziehung zu einer lebendigen Person.
Für mich persönlich ist dieses entscheidende Bekenntnis – gerade auch in dieser Stunde meiner offiziellen Ernennung zum Bischof - eine ganz große Entlastung: Ich muss nicht das bischöfliche Amt und noch weniger den christlichen Glauben selber erfinden. Ich bin nicht der Erste, nicht der Wichtigste, nicht der Einzige und nicht der Letzte. Ich lasse mich vielmehr hinein nehmen in ein Bekenntnis, das größer ist als ich und als alles, was ich geben und versuchen, bringen und leisten kann. Und ich hoffe, dass ich entlang dieses Bekenntnisses mit Euch und für Euch wachse und reife – als Mensch, als Christ, als Priester und in Zukunft auch als Bischof.











