Landesbischof Dröge: Papst ohne Konzept für Ökumene mit Protestanten
Nachrichten 23/10/2011 05:11:08
Dröge betonte, die Haltung des Papstes berühre nicht das evangelische Selbstverständnis. «Wir warten nicht auf ökumenische Geschenke - das war das päpstliche Missverständnis in Erfurt.» Die Protestanten erwarteten «vielmehr eine ernste Auseinandersetzung, welches Kirchenverständnis dem Evangelium Jesu Christi am besten entspricht». Der Bischof bezog sich damit auf die Aussage von Benedikt XVI. in der Erfurter Augustinerkirche, Erwartungen an ein «ökumenisches Gastgeschenk» im Rahmen seines Besuchs seien «ein politisches Missverständnis des Glaubens und der Ökumene».
Der ökumenische Streit müsse «nicht um des evangelischen Selbstverständnisses willen geführt werden, sondern um die rechte Auslegung des Evangeliums», erklärte Dröge. Streit sei nötig für die Frauenordination, für die Rechte der gleichgeschlechtlich Liebenden und für die synodale Gestalt der Kirche und für die evangelische Form der Einladung zum Abendmahl.
Dröge bewertete den Papstbesuch zugleich als «enttäuschend» für die Katholiken. «Kein Wort zur Reformbedürftigkeit ihrer Kirche oder zur Gewissensentscheidung derer, die mit ihrem evangelischen Partner dem Ruf Jesu zum gemeinsamen Abendmahl folgen wollen. Keine empathische Reaktion auf die Bitte des Bundespräsidenten, barmherzig mit gebrochenen Biografien umzugehen. Nichts Versöhnliches zu den Streitthemen und den Flügelkämpfen innerhalb der katholischen Kirche», begründete er seine Einschätzung. Dröge ist Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz.



