Seewald: Ratzinger größer für das Konzil als vermutet
Nachrichten 10/04/2012 08:24:15
Die neuere Forschung zeige, dass der Beitrag Joseph Ratzingers als Konzilsberater des Kölner Kardinal Josef Frings weit größer gewesen sei, als er selbst dies erkennen lasse, erinnerte Seewald. Ohne Zweifel habe er an Konzilstexten wie «Lumen gentium» oder «Dei verbum» maßgeblichen Anteil. Ratzinger sei aber kein Bilderstürmer gewesen. «Katholische Art ist für ihn, Konflikte nicht unbedingt zu ver-, sondern zu entschärfen.» Als Papst habe er nun die Aufgabe, dieses Konzil «gewissermaßen wetterfest zu machen», betonte der Publizist. Als Mann der Mitte werde Benedikt XVI. das weniger Gute zurückdrängen und das Gute entschieden fördern.
Auch auf die anhaltende Diskussion um die von Benedikt XVI. in seiner Freiburger Konzerthausrede geforderte Entweltlichung der Kirche ging Seewald ein. Ratzinger habe schon 1958 diesen Begriff verwendet. Gemeint sei damit «Abkehr von Macht, vom Mammon, von der Kumpanei, vom falschen Schein, von Betrug und Selbstbetrug».
Entweltlichung bedeute vielmehr Hinkehr zu den Seelen, Erhaltung der geistlichen Ressourcen der Menschheit, die überlebenswichtig geworden seien. Mit einem Rückzug aus dem gesellschaftlichen und politischem Engagement habe dies nichts zu tun.

