Stimmen über den neuen Präfekten der Glaubenskongregation
Nachrichten 03/07/2012 04:22:17
Ferner wird der bisherige Regensburger Bischof Präsident der Kommission «Ecclesia Dei», die für die Gespräche mit den Traditionalisten zuständig ist, sowie Präsident der Päpstlichen Bibelkommission und der Internationalen Theologenkommission. Diese Ämter sind traditionsgemäß mit der Leitung der Glaubenskongregation verbunden. Über einen Wechsel Müllers nach Rom war seit mehreren Monaten spekuliert worden.
Die katholische Kirche in Deutschland gratulierte dem neuen Präfekten der Glaubenskongregation. «Die Deutsche Bischofskonferenz ist stolz, dass einer ihrer Mitbrüder künftig diese wichtige Aufgabe an der römischen Kurie wahrnehmen wird», erklärte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, in Bonn.
Müller sei «einer der profiliertesten Theologen der Gegenwart», fügte Zollitsch hinzu. Als Professor für Dogmatik und Dogmengeschichte habe er die zeitgemäße Darstellung des kirchlichen Glaubens weltweit geprägt. Wesentlich habe der Ökumene-Beauftragte der Bischofskonferenz auch zum theologischen Austausch mit den evangelischen Kirchen und der Orthodoxie in Deutschland beigetragen.
Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) sprach von einer «ehrenvollen Ernennung». Präsident Alois Glück betonte zugleich, dass die Vorbereitungen zum geplanten Katholikentag 2014 in Regensburg weiter gingen. «Ich bedaure, dass wir Sie nun als Gastgeber des 99. Deutschen Katholikentags in Regensburg verlieren», so der ZdK-Präsident an die Adresse des Erzbischofs.
Auch die Reforminitiative «Wir sind Kirche» gratulierte. Müller übernehme das Amt in einer äußerst schwierigen Phase der Kirchengeschichte, in der es um die Rezeption und Umsetzung des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) gehe, erklärte sie. Es werde sich schnell zeigen, ob mit Müller ein Neudenken der Gottesfrage möglich sei oder ob es eine dogmatische Stagnation gebe.
Die Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche Deutschlands (VELKD) äußerte die Hoffnung, dass Müllers Erfahrungen im Dialog mit den Lutheranern hilfreich seien, wenn sich die Glaubenskongregation mit Dokumenten der bilateralen Ökumene beschäftige. Er habe manchmal den Eindruck, «dass sich die Glaubenskongregation mit der Aufnahme ökumenischer Dokumente auch deshalb schwer tut, weil vielen Mitgliedern ein direkter Einblick und eine persönliche Erfahrungen mit dem ökumenischen Dialog fehlen», so der Braunschweiger Landesbischof Friedrich Weber.
Unterdessen wurde bekannt, dass Müller auch als Präfekt der Glaubenskongregation die Gesammelten Schriften von Joseph Ratzinger herausgeben werde. Diese Aufgabe sei Müller persönlich übertragen worden und nicht an den Regensburger Bischofsstuhl gebunden, bestätigte sein theologischer Referent Christian Schaller. Müller hatte 2008 in Regensburg das Institut Papst Benedikt XVI. errichtet, das ihn bei der Editionsarbeit unterstützt. Bisher sind sechs Bände erschienen. Geplant sind weitere zehn Bände.

