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Gloria.TV-Interview mit Kardinal Burke über Abtreibung, Alte Messe, Pro Multis und Handkommunion

(gloria.tv) Das wichtigste Mittel im Kampf gegen die Abtreibung sei die Bildung. Das sagte der Präfekt der Apostolischen Signatur, Kardinal Raymond Leo Burke (62), in Rom im englischen Videointerview mit „Gloria.TV“.

Viele Leute wüßten wegen der verschleiernden Sprache nicht mehr, was die Abtreibung ist. Sie hörten Erklärungen wie die Beendigung oder Entfernung einer Schwangerschaft. Kardinal Burke ermutigt die Bischöfe, öffentlich gegen die Abtreibung einzutreten. Bischöfe hätten nicht nur das Recht sondern die Pflicht dazu.

Nur positive Erfahrungen mit der Alten Messe

Mit der außerordentlichen Form der Messe machte der Kardinal nur positive Erfahrungen. Als er 1995 Bischof der Diözese La Crosse in Wisconsin wurde, bat ihn eine große Gruppe von Gläubigen um eine Messe im überlieferten Ritus. Kardinal Burke entsprach der Bitte, erfuhr aber auch einen großen Widerstand aus dem liberalen Flügel im Klerus. Diese Priester waren in seinem Alter oder noch älter.

Burke erklärte den Priestern, dass die damalige „Indultmesse“ nur Gutes bewirken könne. Er unterstrich im Gespräch, dass er selbst ebenso wie die rebellierenden Priester mit dieser Messe aufgewachsen sei und sie ihre Berufung geprägt habe: „Warum sollten wir nicht damit fortfahren, diesen Ritus zu lieben?“ Gleichzeitig betonte Kardinal Burke, dass damit nichts Negatives über die Messe Paul VI. ausgesagt sei.

2004 kam Burke in die Diözese Saint Louis in Missouri. Auch dort baten die Gläubigen um die überlieferte Messe. Als Diözesanbischof konnte er eine der schönsten Kirchen der Stadt für diesen Ritus zur Verfügung stellen. Auch in dieser Diözese sei die Messe Pius V. ein großer Segen gewesen.

Ursache der Liturgiemißbräuche: zu anthropozentrische Sicht

Zum Ritus selbst erklärte Kardinal Burke, dass er auf die Zeit Papst Gregor des Großen (540-604) zurückgeht. Diese Messe bereichere die Liturgie der ganzen Kirche.

Die Liturgiemissbräuche nach dem Zweiten Vatikanum seien vom Konzil nicht intendiert gewesen, aber geschehen. Als Ursache nannte der Kardinal eine zu anthropozentrische Sicht der Liturgie – „als ob es etwas wäre, dass wir erfunden und mit dem wir experimentieren könnten“. Dagegen erklärte Kardinal Burke, dass die Liturgie ein Geschenk Christi an die Kirche sei, das sie schützen müsse. Der übernatürliche Charakter der Liturgie müsse unterstrichen werden.

Warum sind viele Bischöfe gegen die traditionelle Messe?

Zum Widerstand vieler Bischöfe gegen die außerordentliche Form der Messe sagte Kardinal Burke, dass auch Bischöfe eine Hermeneutik der Diskontinuität vertreten würden. Diese besage, dass mit der überlieferten Messe etwas grundlegend falsch gewesen sei. Mit dieser Position könne die sogenannte traditionelle Messe nicht akzeptiert werden. Doch diese Meinung sei falsch, so Kardinal Burke.

Als weiteren Grund für den Widerstand der Bischöfe nennt der Kardinal eine Abneigung der Priester, von der sich die Bischöfe entmutigen ließen. Bei den Gläubigen hat Kardinal Burke kaum Schwierigkeiten gegen die außerordentliche Forme der Messe gefunden.

Pro multis: auf die Bischöfe warten

Zur Frage nach den mit „für alle“ übersetzten Wandlungsworten „pro multis“ erklärte Kardinal Burke, dass sich der Priester immer an den approbierten Text halten müsse. Selbst mit guten Gründen könne niemand von sich aus Änderungen im Messritus vornehmen.

Kardinal Burke konsekriert selbst, wenn er die Messe auf Englisch feiert, mit der Variante „for all“. Das englische Messbuch mit einer korrigierten Form „for many“ ist aber bereits approbiert und tritt im Advent 2011 in Kraft.

Zum Widerstand der Bischöfe gegen eine korrigierte Übersetzung rät der Kardinal, Beschwerden an die Gottesdienstkongregation zu richten. Er vertraue, dass die Kongregation intervenieren und die Situation korrigieren werde.

Zur Frage, ob ein Indult für die Handkommunion im Petersdom abgeschafft worden sei, besaß Kardinal Burke keine besonderen Informationen. Er weiß nichts von einer allgemeinen Richtlinie. Es sei aber nicht seine Zuständigkeit. Zur Situation in Ländern, wo die Handkommunion grundsätzlich erlaubt ist, sagte er, dass der Priester sie nicht verweigern dürfe.
Iosephus Venator
Der Präfekt der Apostolischen Signatur Kardinal Burke weiß nichts von der Aufhebung des Indults für die Handkommunion im Petersdom. Es scheint sich bei dieser Meldung also tatsächlich um eine "Ente" zu handeln, zumal bis jetzt immer noch keine offizielle Bestätigung aufgetaucht ist. Schade!