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Interview zur Konversion: „Nach außen leben, was wir im Herzen glauben“

Bild: Coverfoto des Büchleins "Warum werden wir nicht katholisch"

(gloria.tv) Anfang August wurde bekannt, dass der lutherische Pfarrer Andreas Theurer zur katholischen Kirche konvertiert. Im Interview mit Gloria.tv äußert er sich über seine bevorstehende Konversion, neuprotestantische Irrtümer und die Ökumene.

Herr Theurer, Sie stehen gemeinsam mit ihrer Frau vor der Konversion zur katholischen Kirche. Sie beschreiben ihre Entscheidung als Prozess. Gab es einen konkreter Auslöser, jetzt zu konvertieren?

Theurer: Nein. Diese Entscheidung ist vielmehr das Ergebnis eines jahrelangen Denkprozesses, in dem uns Punkt für Punkt klar wurde, dass bei allen strittigen Themen die katholische und nicht die protestantische Lehre mit dem Glauben der Apostel und dem biblischen Zeugnis übereinstimmt. Daraus mussten wir schließlich auch die Konsequenz ziehen. Wir wollen ja auch nach außen leben, was wir im Herzen glauben.

Was war die Reaktion bei Ihren Freunden und Verwandten oder in Ihrer bisherigen Gemeinde?

Theurer: Sehr unterschiedlich. Für die meisten war es natürlich erst einmal ein Schock. Wir konnten das ja nicht jedem einzeln bekannt geben, sondern mussten zulassen, dass fast alle es aus den Medien erfahren haben. Den einen ist es nun ganz wichtig, uns zu sagen, dass sie weiterhin mit uns befreundet bleiben wollen. Andere gehen uns erkennbar aus dem Weg.

Hatten Sie in Ihrer Gemeinde Schwierigkeiten mit Ihrer theologischen Linie?

Theurer: Nein. Ich habe stets darauf geachtet, dass das, was ich öffentlich verkünde, der lutherischen Lehre, die ja in den meisten Punkten sehr nahe an der katholischen ist und der man auch offiziell in der württembergischen Landeskirche folgt, entspricht. Ich habe lediglich vermieden, einige inzwischen populäre neuprotestantische oder reformierte Irrtümer zu lehren, und damit war ich ja auch weitgehend im Einklang mit meinem Ordinationsgelübde.

Spezifisch katholische Lehren habe ich als evangelischer Pfarrer nicht öffentlich verbreitet. Nur in den letzten Wochen habe ich leichte Andeutungen gemacht, in der Hoffnung, der Gemeinde damit zu helfen, dass sie nicht aus allen Wolken fällt, wenn sie es erfährt.

Was sind das für „neuprotestantische und reformierte Irrtümer“?

Theurer: Beispielsweise ein Umgang mit dem Abendmahl, der die lutherische Unterscheidung zwischen gesegneten und ungesegneten Elementen und die Bindung der Abendmahlsverwaltung an das kirchliche Amt vernachlässigt. Oder die Unterordnung der Heiligen Schrift unter aktuelle Modeideologien wie Feminismus oder Gender-Mainstreaming.

Sie wurden wegen Ihrem Büchlein „Warum werden wir nicht katholisch?“ sofort amtsenthoben. Gibt es eine Doppelmoral in der evangelischen Kirche, weil man eigentlich nie hört, dass dort jemand wegen seiner Auffassungen im Glauben oder Unglauben bestraft würde.

Theurer: Als Doppelmoral würde ich es nicht bezeichnen, da es hier ja nicht um eine moralische Frage geht, sondern um die Wahrheit oder Unwahrheit theologischer Positionen.

Aber es ist tatsächlich für die meisten Menschen, mit denen ich spreche, absolut unverständlich, warum man einerseits fast jede Irrlehre toleriert: es gibt genügend Pfarrer, die in Wort und Schrift die Auferstehung Jesu oder die Geburt aus der Jungfrau Maria leugnen, die Wahrheit des biblischen Wortes bestreiten, die altkirchlichen Glaubensbekenntnisse und die Gültigkeit der biblischen Worte zur Sexualethik ablehnen, usw.

Der Oberkirchenrat unternimmt in der Regel gar nichts, um die Gemeinde vor solchen Lehren zu schützen. Sogar in unserer Landessynode, dem gesetzgebenden Organ unserer Kirche, ist es nicht mehr möglich, sich darüber zu einigen, ob Jesu Tod für uns Versöhnung mit Gott bedeutet, oder nicht!

Wenn aber – wie in meinem Fall – ein Pfarrer sich zur ganzen Heiligen Schrift und zum ganzen christlichen Glauben bekennt, aber dabei zum Schluss kommt, dass nicht die evangelische, sondern die katholische Kirche das richtige Verständnis von Kirche, Amt und Sakramenten hat, dann muss er suspendiert werden - am besten bevor die Gemeinde davon erfährt!

Was vor diesem Hintergrund die üblichen Bekenntnisse zur ökumenischen Verbundenheit bedeuten, wenn man gleichzeitig so unmissverständlich deutlich macht, dass ein evangelischer Geistlicher dazu verpflichtet ist, den katholischen Glauben für unzumutbar und falsch zu halten, fände ich durchaus einer näheren Betrachtung wert.

Gab es eine inhaltliche Kritik oder Replik auf das Büchlein?

Bisher nicht. Alle mir bisher zugänglichen Entgegnungen argumentieren nach dem Muster: „Wir lieben unsere protestantischen Sonderlehren, weil sie so gut zu unserem Lebensgefühl passen. Deshalb geben wir sie auch nicht auf“.

Nach dem, was Bibel und altkirchliche Lehre dazu sagen, wird anscheinend – allen gegenteiligen Beteuerungen zum Trotz - gar nicht mehr gefragt. Manche antworten noch etwas plumper: „Ein evangelischer Pfarrer darf so etwas einfach nicht schreiben!“

Der evangelischen Gemeinschaft noch mehr als der katholischen Kirche laufen die Kirchgänger davon. Wie ist es in unseren Tagen möglich, die Schäfchen in die Kirche zu locken?

Das ist ja das Problem aller auf kontinuierliche Mitarbeit angewiesenen Institutionen, dass die meisten Menschen heute viel unverbindlicher leben und sich möglichst mehrere Optionen gleichzeitig offenhalten wollen.

Kirchlicher Glaube als ethische und dogmatische Festlegung hat es da heute relativ schwer.

Trotzdem bin ich überzeugt, dass wir nicht vom Auftrag Jesu abweichen und die Verkündigung seiner Botschaft verwässern sollten, bloß weil die Leute lieber etwas anderes hören möchten. Der Maßstab für Gottes Gericht über unsere kirchlichen Werke und Aktionen wird vermutlich nicht sein, wieviele Menschen wir dafür interessieren konnten, sondern ob wir unserem Auftrag treu waren, die Versöhnung der Menschheit durch IHN zu verkündigen.

Was bedeutet für Sie Ökumene?

Wenn wir nur wirklich aufrichtig gemeinsam das Bekenntnis zur „einen, heiligen, katholischen und apostolischen Kirche“ sprechen könnten, wie es im Großen Glaubensbekenntnis auch für Protestanten verbindlich ist, auch wenn die meisten es gar nicht mehr kennen, weil es fast gar nicht gelehrt wird, dann wäre schon viel erreicht.

Weil den meisten protestantisch geprägten Christen dieses Bekenntnis zu den vier Kennzeichen der Kirche aber leider gar nicht wichtig ist, dauert die Spaltung ja bis heute fort und wird immer tiefer.

Die gemeinsame Rückbesinnung auf die Lehre der Apostel, wie sie uns in der Bibel und in den Schriften der Apostolischen Väter überliefert ist, könnte uns den Weg zur Einheit zeigen. Denn dann müsste meines Erachtens allen klar werden, dass sich die beiden protestantischen Zentraldogmen „Sola scriptura“ und „Allgemeines Priestertum“ (im protestantischen Sinne!) biblisch und theologisch nicht halten lassen.

Für den aber, der bereit ist, diese Irrtümer fahren zu lassen, müsste der Weg zur Einheit mit der katholischen Kirche eigentlich frei sein. Wenigstens haben wir es so erlebt.

Danke für das Gespräch.
Confiteor72
Ein wirklich hervorragendes Buch, in dem alle wesentlichen Unterscheidungslehren zwischen der katholischen Kirche und den Lutheranern fundiert behandelt werden und dem eine sehr weite Verbreitung zu wünschen ist!
Fromme Bücher
Andreas Theurer
Warum werden wir nicht katholisch?
Denkanstöße eines evangelisch-lutherischen Pfarrers
Augsburg 2012. 96 Seiten. Paperback
ISBN 978-3-940879-22-6

Und hier gibt's das Buch:
Dominus-Verlag
Goldrichtig

Ein altes Paar
saß auf der Bank
und sie kamen ins Reden
von den Kindern der Kinder
der Jugend der Heutigen
und der Hochzeit der Goldenen
und ob es immer Gold sei
das Schweigen …
wann haben sie
sich kennen gelernt
frage ich
da sagten die Alten
wir sind noch dabei...

Rudolf Weiß
simeon f.
@cyprianus
Echte Konvertiten wissen im Allgemeinen den Reichtum der Tradition zu schätzen. Für begrüßenswert hielte ich es allerdings, wenn verheiratete Pastoren sich vor der Priesterweihe zur Keuschheit verpflichten würden. Im allgemeinen sind sie ja in einem Alter, in dem die Familienplanung ohnehin abgeschlossen ist. Falls dies nicht der Fall ist, könnte man ja durchaus eine Wartezeit …Mehr
@cyprianus
Echte Konvertiten wissen im Allgemeinen den Reichtum der Tradition zu schätzen. Für begrüßenswert hielte ich es allerdings, wenn verheiratete Pastoren sich vor der Priesterweihe zur Keuschheit verpflichten würden. Im allgemeinen sind sie ja in einem Alter, in dem die Familienplanung ohnehin abgeschlossen ist. Falls dies nicht der Fall ist, könnte man ja durchaus eine Wartezeit vereinbaren, bis das jüngste Kind ein bestimmtes Alter (vielleicht 18 ?) erreicht hat.

Ein Priester, der sich um seine Familie kümmen muss, wird notwendigerweise etwas vernachlässigen müssen. Entweder die Gemeinde, oder das Gebet oder seine Familie. Im allgemeinen wird es wohl das Gebet sein, wo zuerst gestrichen wird. Und ein Priester, der nicht betet ist eine Katastrophe.
Kein protestantischer Konvertit fordert die Priesterehe...aus Erfahrung klug geworden, ist man froh, wenn die bestehende Ehe hält...geschiedene Konvertiten werden ja nicht geweiht!!
cyprian
Hoffentlich lässt der sich nicht auch wieder zum Priester weihen; denn diese Ex-Religionsdiener anderer christlicher Gemeinschaften tun das allzugern. Und sie erweisen damit der katholischen Kirche einen Bärendienst und giessen Wasser auf die Mühlen derer, die die "Priesterehe" fordern. Jeder protestantische Ex-Pastor, der also das Priestertum anstrebt und es auch erreicht, signalisiert: Ja, …Mehr
Hoffentlich lässt der sich nicht auch wieder zum Priester weihen; denn diese Ex-Religionsdiener anderer christlicher Gemeinschaften tun das allzugern. Und sie erweisen damit der katholischen Kirche einen Bärendienst und giessen Wasser auf die Mühlen derer, die die "Priesterehe" fordern. Jeder protestantische Ex-Pastor, der also das Priestertum anstrebt und es auch erreicht, signalisiert: Ja, Priester und Ehemann zu sein schliessen einander nicht aus.
Aber wer als "evangelischer" Pastor "berufen" war, ist deswegen noch lange nicht zum katholischen Priester berufen... - Hat sich eigentlich auch schon mal ein deutscher Bischof anerkennend über dieses Buch geäussert?? Wäre interessant zu erfahren. Aber ich fürchte, dass unsere scheuen Bischöfe... da lieber die Klappe halten. Wie heisst es immer wieder?: "aus ökumenischen Gründen" - und ich würde hinzufügen: aus purer Feigheit!!!
Quis ut Deus
Deo Gratias Maria Gratie ,beten wir für die 2 das Sie zur Tradition der Katolischen Kirche finden
hier pius.info
Latina
ein ganz hervorragendes büchlein,das ich allen hier nur empfehlen kann,auch für uns katholiken mal was in kürze zum wieder-auftanken und vor allem ein mitbringsel für nicht-katholische freunde..klar,solide,überzeugend! das richtige zur neuevangelisation,ich war beim lesen sehr angetan.
ultramontan
"Oder die Unterordnung der Heiligen Schrift unter aktuelle Modeideologien wie Feminismus oder Gender-Mainstreaming." und "[...] und die Gültigkeit der biblischen Worte zur Sexualethik [...]": Da ist dann eben Feierabend mit sola scriptura, wenn die Ideologie etwas anderes fordert!