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Das Haus Habsburg in der Wiener Synagoge

(gloria.tv) Im Auftrag des Senders ‚k-tv Austria‘ schrieb die Theologin Gabriela Maria Mihlig von den Trauerfeierlichkeiten von Otto und Regina Habsburg. Von Gabriela Milig.

Otto von Habsburg gab durch seine entschiedenen Taten zeit seines Lebens vielen Menschen guten Grund zur Hoffnung auf eine bessere Zukunft, die auf christlichen Prinzipien und menschlichen Werten fußt. Auf der Basis seiner grundlegenden Idee eines „wieder-errichteten Österreichs“ setzte er sich bis zur Verteidigung des Konzeptes der „Donau-Rekonstruktion“ und der Fortführung einer internationalen Expansion der Idee der Pan-Europa Union, welche er 1952 dem Kongreß in den Vereinigten Staaten vorlegte, mit ganzer Kraft für das „Land“ ein.

Das sogenannte „Land“ war stets präsent in seinem Denken, Reden und Handeln. Jenes „Land“ hat er damit vor seinem geistigen Auge gehabt, in dem der Friede und die Gerechtigkeit regieren sollten. Otto von Habsburg war sich der Tatsache wohl bewußt, daß es ohne Berücksichtigung der religiösen Aspekte und Dimensionen keinen wahren Frieden zwischen den Völkern geben kann. Er unternahm auch Pilgerreisen nach Israel, zu den berühmten jüdischen und christlichen Gedenkstätten, um für den Frieden und die Wiedervereinigung zu werben und zu beten. Oftmals lenkte er die Aufmerksamkeit auf das Faktum, daß die größere Macht Europas und die Idee der Europäischen Union nicht werden überleben können, wenn nicht der grundlegende Respekt vor Gott und die Berücksichtigung der göttlichen Präsenz im Leben die Völker miteinander verbindet.

Während der Trauer-Zeremonien in Österreich, wurde auf eine Bitte von Karl von Habsburg hin, der damit das genuine Anliegen seines Vaters, des verstorbenen Otto von Habsburg, zum Ausdruck gebracht hatte, eine Einladung des Oberrabbiners Paul Chaim Eisenberg in die Wiener Synagoge, genannt „Stadttempel“, ausgesprochen. Am Freitag, dem 15. Juli 2011, fand dort am Abend vor dem Schabbat-Gebet ein besonderer Empfang für die Habsburger statt, bei dem der politische Einsatz Otto von Habsburgs wie auch seine Friedensverhandlungen gewürdigt wurden.

Die Jüdische Gemeinde gedachte des Verstorbenen. Oberrabbiner Paul Eisenberg hieß die Gäste in der Hauptsynagoge von Wien willkommen und Karl von Habsburg dankte der Jüdischen Gemeinde im Namen seiner Familie.

Dabei lenkte Oberrabbiner Eisenberg die Aufmerksamkeit vor allem auf folgende geschichtliche Fakten:

Er wies darauf hin, daß Kaiser Franz I. im Jahre 1826 die Erlaubnis gegeben hat, diese Synagoge, den sogenannten „Stadttempel“ in der Seitenstettengasse, als Hauptsynagoge in Wien zu errichten. Auf einer Gedenktafel in der Synagoge ist die Dankbarkeit der Jüdischen Gemeinde vermerkt.

Sodann zeigte er den anwesenden Mitgliedern des Hauses Habsburg eine weitere Gedenktafel, auf der die Namen vieler jüdischen Soldaten verzeichnet sind, die in den Kämpfen für Österreich während des Ersten Weltkriegs ihr Leben gelassen haben. In diesem Zusammenhang wies Karl von Habsburg darauf hin, daß sein Vater wiederholt erwähnt habe, der erste österreichische Soldat, der im Ersten Weltkrieg fiel, sei ein Jude gewesen.

Der Oberrabbiner führte die anwesenden Mitglieder der Familie Habsburg auch noch zu einer Gedenktafel, welche an die Opfer des Holocaust erinnert. Dabei gedachten der Oberrabbiner wie auch Karl von Habsburg der Opposition des verstorbenen Otto von Habsburg gegenüber den Nazis.

Oberrabbiner Eisenberg sprach auch von dem Einsatz Ottos von Habsburg für ein Vereintes Europa und betonte dabei, daß die Europäische Rabbinenkonferenz des Jahres 1956 als erste Europäische Gründung lange Zeit vor der EU in Leben gerufen worden sei.

Er legte den Gästen auch ein altes Gebetbuch zur Einsicht vor, in welchem Gebete für den Kaiser in deutscher Sprache gedruckt sind.

Im Anschluß an den Empfang nahm die Familie Habsburg am “echten” Schabbat teil, wobei Oberrabbiner Eisenberg den Gebrauch erklärte, daß sich zu Beginn des Schabbats die ganze Gemeinde dem Eingang zuwendet. Im Gebet für die Begrüßung des Schabbats heißt es: „Laßt uns willkommen heißen Königin Schabbat!“

In humorvoller Weise erläuterte er, daß, wenn eine Königin oder ein König einen Raum betritt, sich ein jeder zum Eingang hin zu wenden habe, um sie oder ihn zu begrüßen.

Bei dem Empfang in der Synagoge war auch Seine Exzellenz Weihbischof Dr. Andreas Laun anwesend, ein enger Freund und geistlicher Schutzherr des verstorbenen Otto von Habsburg.
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