언어
클릭 수
1.3천
Schäfchen

Der Kölner Stadtanzeiger verabschiedet die "Meisnerkirche"

Köln hat am Samstag Abschied von Joachim Kardinal Meisner genommen – und ganz gewiss wurde die gesamte Zeremonie von vielen sehr aufmerksam verfolgt. Selbstverständlich auch von Joachim Frank im Kölner Stadtanzeiger.

Schon am Samstag ist sein Bericht im Internet zu lesen: Eine sachliche und präzise Schilderung der Abläufe. Nachrichtlich und mit journalistischem Weitblick, keineswegs aber kommentierend. www.ksta.de/koeln/trauerfeier-im-…

Nun aber ist schon Montag (17.7.2017), auf meinem Frühstückstisch liegt der Kölner Stadtanzeiger aus Papier und Joachim Frank nimmt auf Seite 2 mit Aufmacher-Überschrift „Abschied von der Meisnerkirche“. Will sagen: Joachim Frank nutzt die Gelegenheit, mit dem Kardinal zugleich eine Form der Kirche zu beerdigen, die ihm persönlich noch nie genehm war. Um nicht ungerecht zu sein: Ich weiß, dass er nicht der einzige ist, dem diese Form der Kirche nicht genehm ist.

Vorab auch noch: Auch dieser Artikel ist mit journalistischem Weitblick, viel katholischem Fundament, mit Respekt und auch mit einer gewissen Achtung geschrieben. Aber die Überschrift ist Programm – auch wenn sich die Sehnsucht nach einer neuen Kirche in diesem Artikel nicht explizit formulieren darf, kann oder soll.

Optisch: Als „Thema des Tages“ greift der Artikel von Seite 2 auf Seite 3 über. Da ihm aber die erste Spalte auf Seite 2 nicht gegeben ist, auf Seite 3 nur zwei Spalten für ihn eingeräumt werden, ist die Platz-Summe nicht viel größer als eine Zeitungsseite. Es hat umfassendere „Themen des Tages“ im Kölner Stadtanzeiger gegeben – doch ist ja über Meisners Tod und die darauf folgende Trauerzeit im Laufe der Woche im Kölner Stadtanzeiger immer wieder viel berichtet worden. Umfangreich und mit Würdigungen vieler Meisner nahestehender Personen. Zu kurz gekommen sind Meisners Tod und Beerdigung hier also gewiss keineswegs. Heute sieben Fotos. Und Benedikts XVI. Abschiedswort, die Kurienerzbischof Georg Gänswein verlesen hat, im Wortlaut. Auf der Kommentarseite noch ein Kommentar von Joachim Frank, vor allem zum Wortlaut Benedikts.

Das Gegengewicht auf Seite 3: Vier Spalten über die neue Folge von „Game of Thrones“. Verfasst sozusagen als Einarbeitungshilfe für alle, die sich dem neuen Trend noch nicht oder nicht ganz angeschlossen haben. Nachhilfe für Uneingeweihte. Vielleicht auch Missionsarbeit für Noch-Nicht-Bekenner. Dass diese Gegenüberstellung nun nur Zufall sein soll, mag ich nicht glauben. Was dem Kölner Stadtanzeiger damit geglückt ist, passt gut in den alten französischen Aufruf:

„Der König ist tot, es lebe der König!“

Ich versuche eine Gegenüberstellung:

Joachim Frank beschreibt in seinem Artikel über die Begräbnisfeierlichkeiten im Dom die Sorgfalt in der liturgischen Form, das Maßnehmen am Begräbnis Kardinal Höffners 1987, nennt die Parallelen – und lässt die katholische Kirche sowohl selbst beeindruckt als auch mit sanftem Spott als Meister der (liturgischen) Inszenierung in Erscheinung treten.

Das Gleiche lässt sich von Game of Thrones sagen: Meisterhaft inszeniert. Ein Welterfolg in siebter Staffel. Die Handlung ist fiktiv – und Wikipedia legt Wert auf die Feststellung: angelehnt an das europäische Mittelalter.

Joachim Frank sieht in seiner Beschreibung des Trauergottesdienstes Kardinal Meisners den aktuellen Priestermangel und auch die aktuelle Bedeutungslosigkeit der katholischen Kirche innerhalb der nicht mehr katholischen modernen Gesellschaft mehrfach gespiegelt und bestätigt: Hunderte säumen die Prozession mit Meisners Sarg von St. Gereon zum Dom. 1987 bei Höffner waren es Tausende. Und einen ungenannten Priester der bei beiden Begräbnisfeiern zugegen war, lässt Frank vom „Priestermangel auch hier“ sprechen. Unausgesprochen bleibt, dass so mancher Priester wohl eben nicht zur Beerdigung seines ehemaligen Chefs gekommen ist.

Joachim Franks Fazit: „Insofern ist der Abschied von Meisner auch ein Abschied von der Meisnerkirche.“ Um den Kontrast zu schärfen, hatte er vorab berichtet „Meisner hat diese Entwicklung wahrgenommen, sie euphemistisch als Gesundschrumpfen zu deuten versucht. Aber wenn man Menschen aus seiner Umgebung fragt, dann wissen diese zu berichten, dass er in seinem Element war, wenn der Dom aus allen Nähten platzte und sich seine Kirche kraftvoll in Szene zu setzen wusste.“

Nun ist es an mir, süffisant zu antworten: Ganz offenbar kann Joachim Frank hier nicht auf eigene Erfahrungen zurückblicken. Man braucht aber keine Menschen aus Meisners Umgebung zu fragen, um diesen Unterschied bemerkt zu haben. Nur hat Frank ein wenig an der Beziehung von Ursache und Wirkung gedreht. Zu Meisners Zeiten musste ich – sofern ich einen vordern Platz im Sonntags-10-Uhr-Pontifikalamt im Dom bekommen wollte – etwa eine halbe Stunde vor der Zeit im Dom auflaufen. Seit Woelkis Amtsantritt ist das im Normalfall nun nicht mehr nötig. Außer bei außerordentlichen Anlässen reicht es vollkommen aus, um kurz vor 10 Uhr den Dom zu betreten, um dann auch noch einen schönen Sitzplatz mit guter Sicht zu bekommen.

Der Abschied von der Meisnerkirche hat insofern also tatsächlich stattgefunden. Dem weltoffenen neuen Erzbischof zumindest begegnet sein Fan-Club nicht im Dom, und den Fan-Club, den ihm die Presse einst spiegelte, den sehe ich auch nicht mehr. Im Dom sind es aber die Gläubigen der Meisnerkirche, die dort nun genügend Plätze im Pontifikalamt frei lassen.

Zum Thema Religion in „Game of Thrones“ finden wir auf Wikipedia einen markanten Hinweis des Serienautors:

„Wie George R.R. Martin in der ARTE-Produktion „Durch die Nacht mit Sibel Kekilli und George R. R. Martin“ herausstreicht, sieht er die Betonung der einzelnen Religionen als ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal zum Herr-der-Ringe-Universum. Er führt an, dass er die mangelnde Darstellung der verschiedenen Glaubensrichtungen als größte Schwäche der sehr gelungenen Herr-der-Ringe-Reihe ansieht und deshalb diesem Punkt besondere Aufmerksamkeit schenkte.“

de.wikipedia.org/wiki/Game_of_Thrones

Ich verstehe Herrn Martin gewiss richtig, wenn ich ihn so deute, dass die Vielfalt der Religionen – und vor allem ihre szenische und inhaltliche Ausarbeitung den Erfolg der Serie ausmacht. Wir sind hier zugespitzt bei der liturgischen Meisterhaftigkeit, die Joachim Frank den Katholiken soeben anlässlich der Beerdigung eines ihrer großen Kardinäle attestiert hat.

Da nun Religion als Schlüsselthema von „Game of Thrones“ benannt ist, hier eine kurze Übersicht, auch aus Wikipedia:

„In Westeros ist die älteste Religion die der alten namenlosen Götter. Diese wurden zuerst von den Kindern des Waldes verehrt. Die Ersten Menschen hatten die Kinder zunächst bekämpft, infolgedessen erschufen diese die Weißen Wanderer, doch kam es schließlich zu einem Ausgleich, und die Ersten Menschen übernahmen diesen Glauben. In Wehrholzbäume wurden Gesichter geschnitzt, dort wurden dann die alten Götter verehrt. Die Kinder des Waldes praktizierten ihren Glauben mit Hilfe von Schamanen und sogenannten „Grünsehern“.

Mit der Invasion der Andalen, die von Essos nach Westeros einfielen, kam ein neuer Glaube auf den Kontinent. Es handelte sich um eine einzige Gottheit, die aber sieben Facetten besitzt (Vater, Krieger, Schmied, Jungfrau, Mutter, Altes Weib und Fremder). Die Andalen vernichteten die Wehrholzbäume im Süden und löschten im Laufe der Zeit den Glauben der alten Götter dort faktisch aus. Nur sehr wenige Häuser im Süden sind noch Anhänger der alten Götter, während der Glaube im Norden und jenseits der Mauer fortbestand. Die Andalen üben ihren Gottesdienst in sogenannten Septen ("septem", lateinisch für "sieben") aus; Priester werden Septon, Priesterinnen Septa genannt.“


In seinem Abschiedswort an Kardinal Meisner hatte Benedikt XVI. mit dieser Gesellschaft abgerechnet: Das Wort von der Kirche als „Boot, das manchmal bis zum Kentern gefüllt ist“ ist schon vielerorts zitiert worden.

Joachim Frank, der mit dem Abschiednehmen noch lange nicht fertig ist, hält Benedikt XVI. dieses Wort als Beleidigung der Lebenden vor. Eine Abrechnung mit dem Zeitgeist, den auch er selbst nicht hätte steuern können. Der Abschied von Meisner, der auf Seite 2 und 3 noch pietätsvoll geschehen muss, verliert seine Höflichkeit im Kommentar. Joachim Frank rechnet hier nämlich statt mit Meisner mit Benedikt ab, der zusammen mit oder gleich wie Meisner die Kirche eben nicht habe retten können.

Franks Fazit: „Es gäbe viel Anlass, die kirchlichen Koordinaten neu zu bestimmen.“ Es folgen als Vorschläge: die Rolle der Frauen, als Kritik die Beteiligung der ev. Kirche bei diesem Abschied nur als Zaungast „Weil katholische Hierarchen die Symbole so gut beherrschen, sollten ihr solche Beobachtungen zu denken geben. Mindestens so schwer wie die immer gleichen Rundumschläge des Papa emeritus aus Rom.“

Nun gut: Viele Dinge sind in „Game of Thrones“ tatsächlich nach Zeitgeist verwirklicht. Es gibt Priester und Priesterinnen. Und dem Autor lag ein der Ausarbeitung der einzelnen Religionen. Ganz wie der Zeitgeist eben, den man, wie wir gerade von Joachim Frank gelernt haben, nicht beleidigen darf.

Als Zuspitzung hier noch eine Beschreibung aus dem Deutschlandfunk – den Satz mit der katholischen Form habe ich gefettet:

Komplex sind in "Game of Thrones" auch die Religionen. Da wäre zunächst der "Glaube an die Sieben", die vorherrschende Religion. Sie erinnert – zumindest was die äußere Form betrifft – stark an die katholische Kirche des Mittelalters, mit Priestern, Nonnen und prächtigen Sakralbauten. Statt der Dreifaltigkeit – Vater, Sohn und Heiliger Geist – gibt es hier eine Siebenfaltigkeit. George R. R. Martin, Autor des Fantasy-Epos, erklärt die sieben Aspekte des von ihm geschaffenen Gottes:

"Es gibt drei männliche Aspekte: den Vater, den Krieger und den Schmied. Es gibt drei weibliche Aspekte: die Mutter, die Jungfrau und die alte Frau. Der siebte Aspekt ist der Fremde. Er ist weder männlich noch weiblich und repräsentiert das Unbekannte und den Tod."


www.deutschlandfunk.de/religionen-in-g…

Und noch einen Schluss-Satz nicht nur für Joachim Frank: Die katholische Kirche ist tot – es lebe die katholische Kirche.

댓글 쓰기…
elisabethvonthüringen
<<Vielleicht ist es aber auch nur die Wehmut, die das Gedenkwort des alten Papstes an dieser Stelle so dunkel erscheinen lässt.<<
Na, dann ...kann man dem Alten Papst nur viele wehmütige Momente wünschen, die dann in erhellenden Kommentaren in BILD-hafter Sprache wiedergegeben werden...
Joachim Frank: Die katholische Kirche ist tot – es lebe die katholische Kirche.
Joachim Meisner:..
der Herr seine Kirche nicht verlässt, auch wenn manchmal das Boot schon fast zum Kentern angefüllt ist.