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Ursprung und Geschichte der Rosa mystica

Titelbild: Südseite der Notre-Dame mit der Außenansicht der links gezeigten Rose

Ich zitiere aus Johannes A.E van Dodewaard: Die lauretanische Litanei:

Die geheimnisvolle Rose (Rosa mystica)

Im fernen Altertum wie auch in unseren Tagen gilt die Rose als eine der schönsten und beliebtesten Blumen. Sie ist reich an Form, verwandelt sich von Stunde zu Stunde, wenn sie nach und nach ihre Blätter entfaltet und aufrollt, und vermag einen Raum ganz mit ihrem Duft zu erfüllen.

Als ein altjüdischer Sänger unter göttlicher Eingebung die Weisheit Gottes besang, bezeugte er von dieser Weisheit, "dass sie aufsprieße wie eine Palme zu Engedi und wie Rosensträucher in Jericho" (Sir 24,19). Die Kirche wandte das, was in diesem jüdischen Kirchenbuch von der Weisheit Gottes gesagt wurde, auf Maria an, uns so kommt es, dass Maria als "geheimnisvolle oder mystische Rose" angesprochen wird. Der Name muss beim christlichen Volk beliebt gewesen sein, denn bevor unsere Lauretanische Litanei allgemein eingeführt wurde, waren unter dem Volk Marienlitaneien im Umlauf, darunter eine, die Maria als Rose besang. Die Heilige Jungfrau wurde darin angesprochen als "Rose ohne Dornen", "Immer blühende Rose", "Rose, Freude der Patriarchen", usw.

Außerdem hatte man an der Form und dem Aufbau der Rosenblüte im Altertum schon viel Geheimnisvolles entdeckt: zieht man nämlich in einer bestimmten Art Linien über die Blattspitzen, so erhält man ein geheimnisvolles sternförmiges Zeichen, das im Altertum und im Mittelalter zum Symbol für ein Geheimnis wurde. Nach dem Volksglauben fürchtete sich selbst der Teufel davor, und so findet man dieses Sternmotiv auch als Rosenfenster an gotischen Kathedralen und oft als Abschluss der Gewölbe. Selbst an Decken der Herbergen wurde es angebracht, und wenn man "unter dieser Rose - sub rosa" mit jemandem sprach, war man zur Geheimhaltung verpflichtet.

Dieser Hintergrund macht es verständlich, dass man Maria als die "geheimnivolle Rose" ansprach, denn wenn jede Rose ein Geheimnis in sich barg, dann doch sicher die wunderbare Mutter-Jungfrau! Noch ein Schritt weiter, und auch Mariens Kind, der Erlöser, der von dem Zweig Jesses (Davids Vater) abstammte, wurde Rose genannt. Maria wurde als der blühende Rosenzweig Jesses gesehen, aus dem die Rose Jesus entspross. Davon singen wir jtzt noch in der Weihnachtszeit:

Es ist ein Ros entsprungen
aus einer Wurzel zart.
Wie uns die Alten sungen,
aus Jesse kam die Art.

Eine einzige Anrufung kann viel Geheimnisvolles und Lehrreiches enthalten.
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Ja - der Titel kommt auch in der Lauretanischen Litanei (de.wikipedia.org/wiki/Rosa_mystica).
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