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Schäfchen

Kölner Dom: Keine säkulare Nutzung

„Silent Mod“ ist out – und Kaspar, Melchior und Balthasar heißen „nur“ noch die Heiligen Drei Könige im Schrein des Kölner Doms. Möglicherweise haben sie das ihren Namenvettern zu verdanken, die als Industrieroboter einstens, vor einem Jahr, bei der Gamescom das Innere des Kölner Doms mit Blaulicht ausleuchteten. Der Auftritt und Einsatz war spektakulär, die Schlange vor dem Dom war lang. Nicht jeder, der in den Dom hineinwollte, passte auch hinein. Aber wie gesagt: „Silent Mod“ war gestern. Vor mehr als einem Jahr.

Zur Erinnerung hier der Artikel aus der Bild: www.bild.de/…/der-dom-macht-b…
Und aus dem Kölner Stadtanzeiger: www.bild.de/…/der-dom-macht-b…
www.ksta.de/koeln/lichtinstallati…

Völlig unspektakulär kommt jetzt die kirchenpolitische Richtungsänderung daher. Leise, eher im Nebensatz, im Kölner Stadtanzeiger, im Lokalteil, heute, 12. September 2017, auf der dritten Seite, im Aufmacher. Nicht in einer eigenen Pressekonferenz. Es geht um Silvester, an dem die Stadt Köln auch in diesem Jahr ein Zeichen des Friedens usw., weil ja gerade in Köln an Silvester usw. Die Lichtinstallation vom vorigen Jahr hat sich außerordentlich bewährt und soll wieder usw.

Nun aber kommt der Satz, den ich zitieren will. Es ist der erste Satz des Textes: „Die Lichtkünstler, die die Stadtverwaltung für ihre Silvesterveranstaltung auf dem Roncalliplatz engagieren will, dürfen die Fassade des Doms nicht in ihre Darbietungen einbeziehen. […] Begründet wurde das mit der ,in jüngster Vergangenheit getroffenen Entscheidung, den Dom grundsätzlich nicht für säkulare Anlässe als Projektionsfläche zur Verfügung zu stellen’.“
(KSTA, 12.9.2017, S. 25)

In Großbuchstaben: NICHT FÜR SÄKULARE ANLÄSSE ALS PROJEKTIONSFLÄCHE

In Übersetzung: Kein Spektakel, keine politische Instrumentalisierung, keine Plakate, aber auch keine Tiger und Pandabären, Krokodile und andere Geschöpfe als Lichtinstallationen wie 2015 in Rom.

Eine Kirche ist eine Kirche ist eine Kirche ist eine Kirche.
Und ein Dom ist ein Dom ist ein Dom.

Oder auf Kölsch:
Mer losse d'r Dom en Kölle, denn do jehööt hä hin.
Wat sull di dann woanders, dat hätt doch keine Senn.
Mer losse d'r Dom in Kölle, denn do es hä ze huss.
Un op singem ahle Platz, bliev hä och joot en Schuss,
un op singem ahle Platz, bliev hä och joot en Schuss.
(Bläck Fööss)

Ich habe – auf den Internetseiten des Erzbistums Köln, vielleicht sogar völlig losgelöst und versunken – einen Aufsatz als PDF-Datei gefunden über die Zukunftsfähigkeit des deutschen Staatskirchenrechts. Der Aufsatz scheint älter, möglicherweise ist er noch aus dem vorigen Jahrhundert, zumindest finde ich keinen zitierten Text aus dem 21. Jahrhundert. Auch folgt der Text den alten Rechtschreibregeln. Und dennoch: Dieser Text ist aktueller denn je – und offensichtlich wurde er gelesen und verstanden. Im X. Kapitel auf Seite 26 spricht Prof. Dr. jur. Josef Isensee von der Selbstsäkularisierung der Kirche:

„Die sublimste, zugleich die schwerste Gefahr der Delegimation droht dem
Staatskirchenrecht von den Kirchen selbst: daß sie nicht mehr die Kraft und
den Willen zur Religion aufbringen. Für die Kirche ist es Lebensgesetz, die
Spannung zwischen religiöser Selbstbehauptung und Anpassung an das sä-
kulare Umfeld durchzuhalten. Verzichtet sie auf Anpassung, so verliert sie
ihre Wirksamkeit. Doch paßt sie sich restlos an, so hört sie auf, Kirche zu
sein.“
www.erzbistum-koeln.de/…/Isensee.pdf

Fazit: Eine schwere Gefahr ist vom Kölner Dom abgewendet. Und wir werden gar nicht aufhören, Kirche zu sein.

Gott sei Dank.

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Schäfchen
Apropos Selbstsäkularisierung: Eiss hat auch darüber in seinem Buch geschrieben. "Kuckucksrufe und Eselsklagen. Einspruch gegen die freudige Selbstabschaffung der Kirche". Sie finden's auf www.eissings.de