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Das Kreuz kehrt zurück - Kaiser Heraklius und das Kreuz

Kaiser Konstantin der Große hat das Zentrum der Macht von Rom nach Byzanz verlegt. Die Hauptstadt des römischen Weltreiches war fortan nicht mehr Rom, sondern Konstantinopel. Konstantin hatte mehrere Gründe, eine neue Metropole zu schaffen. Der allerwichtigste war ein strategischer Grund. Die Hauptbedrohung kam zu Beginn des 4. Jahrhunderts aus dem Osten.

Immer aufs neue stürmten die Perser heran, um ihr Machtgebiet auszudehnen. Konstantin wollte durch seine Anwesenheit und die ständige Einsatzbereitschaft des kaiserlichen Heeres jeden Angriff der Perser im Keim ersticken. Sobald die Perser eine Schwäche des römischen Reiches feststellen konnten, kam es zu Angriffen. Die Zielrichtung ging vor allem nach Syrien, Palästina und Ägypten.

Überall in diesen Ländern blühte der christliche Glaube. Die Klöster füllten sich mit Ordensleuten. Kirchen wurden gebaut und aufs herrlichste ausgestattet. Die Ikonenmalerei erlebte einen Höhepunkt. Im Zentrum stand Jerusalem. Es war für die Christen die heilige Stadt. Man pilgerte zur Grabeskirche, die Kaiser Konstantin der Große erbaut hatte. Man pilgerte zur Kreuzeskirche, die ihre Entstehung der Kaiserinmutter Helena verdankte.

Es gab theologische Auseinandersetzungen und kaiserliche Einmischung in religiösen Fragen. Die Kaiser hielten sich durchaus parteiisch. Bischöfe wurden berufen und abgesetzt. Man schickte sie in die Verbannung wie Chrysostomus, den Patriarchen von Konstantinopel, oder Athanasius, den Patriarchen von Alexandrien. Zeitweise war man so mit innerkirchlichen Streitigkeiten beschäftigt, dass man die Sicherheit des Reiches und seine militärische Schlagkraft völlig vernachlässigte.

Ja, man war bereit, den Persern Tribut zu zahlen, wenn sie geschlossene Verträge, die den Frieden garantierten, verlängerten. Dies zeigt bereits die Schwäche des Römischen Reiches, das auch in Italien zunehmend an Einfluss verlor und die germanischen Gebiete längst aufgegeben hatte.

Nachdem Kaiser Chosrau II. den persischen Thron 591 bestiegen hatte, waren die ruhigen Zeiten für die Kaiser von Konstantinopel endgültig zu Ende. Chosrau verfolgte eine Expansionspolitik. In kürzester Zeit besetzte er Armenien und Mesopotamien, Syrien und Ägypten. 614 eroberte er Jerusalem. Der heidnische Herrscher plünderte die Heiligtümer der Christen und betrachtete es als einen besonderen Triumph, dass er das Kreuz Christi erbeutet hatte.

Kaiser Heraklius konnte mit einem Heer, das schlecht besoldet und wenig motiviert war, den todesmutigen Persern keinen Widerstand leisten. Erst der Verlust der Heiligen Stätten und der Raub des Kreuzes Christi brachte die Wende. Der Kaiser konnte eine Reichsreform durchsetzen. An die Stelle von selbstherrlichen Provinzgouverneuren traten Generäle, die im Gehorsam geübt waren. Die Soldaten wurden gut bezahlt und erhielten bäuerliche Anwesen. Das sicherte ihnen und ihren Familien eine wirtschaftliche Existenz.

Nun konnte er daran gehen, die Perser in ihre Schranken zu weisen. Nach einer Reihe kleinerer Gefechte, die Heraklius alle siegreich bestand, kam es 627 zur entscheidenden Schlacht bei Ninive. Chosrau II. wurde vernichtend geschlagen und von den eigenen Leuten umgebracht. Im Friedensschluss konnte Kaiser Heraklius alle verlorenen Gebiete wieder zurückerhalten, und auch das heilige Kreuz wurde den Christen wieder zurückgegeben.

Der Kaiser selbst brachte es in einem wahren Triumphzug 628 nach Jerusalem.

Die Legende berichtet, vor den Toren der heiligen Stadt sei der Kaiser von seinem Pferd gestiegen, um eigenhändig das Kreuz in die Basilika zu tragen. Es sei ihm allerdings nicht möglich gewesen, auch nur einen Schritt zu machen. Es war als ob ihn eine überirdische Macht am Boden festhielt. Erst als er seine kaiserlichen Gewänder, die Krone und alle Zeichen der Herrschaft abgelegt hatte und nur mehr in einem leinenen Hemd dastand, sei er imstand gewesen, das Kreuz Christi durch das Tor hin zur Basilika zu tragen, wo es der Patriarch unter dem Jubel der Bevölkerung in Empfang nahm. Immer aufs neue erklang dabei der Ruf "Kyrie eleison".

Zum steten Gedenken an die Rückkehr des heiligen Kreuzes führte die Ostkirche damals das Fest der Kreuzerhöhung am 14. September ein, das auch von der römischen Kirche übernommen wurde und so Ost und West in der Verehrung des Kreuzes vereint.

Text: L. Gschwind
Bild: Kreuztragung des Kaisers Heraklius (Werkstatt von Hans Multscher, um 1440)
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