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Sklaverei IV

Der Moraltheologe J. P. Gury wirft die Frage auf:
„Kann ein Mensch ein Eigenthumsrecht über einen andern Menschen haben?“

Die differenzierte Antwort lautet:
„1) Nein, in Bezug auf das eigentliche Eigenthumsrecht, welches Gott allein zukommt, da [...] unter den einzelnen Menschen metaphysische Unabhängigkeit besteht. 2) Ja, an und für sich, in Bezug auf das nützliche Eigenthumsrecht oder auf die Handlungen des Menschen, weil jeder Mensch Herr seiner Handlungen ist, und folglich dieselben auch zum eigenen Nutzen veräußern, oder, was dasselbe ist, in das Eigenthumsrecht eines Andern übertragen kann. Denn der Herr kann über das Objekt des Eigenthumsrechtes nach Belieben verfügen.
Es kann also 1) der Mensch nach dem Naturrechte auch für immer sich an einen Andern verkaufen, so weit es das nützliche Eigenthumsrecht betrifft. Denn wenn er das nützliche Eigenthumsrecht von seiner Person einem Andern auf einige Zeit übertragen kann, so kann er es auch für immer thun, weil er eben das abtreten kann, was er nur immer besitzt. 2) Die Sclaverei oder der immerwährende Stand der Unterwürfigkeit ist an und für sich nach dem Naturrechte in dem Sinne nichts Ungereimtes, als sich Jemand verpflichtet, um Kost einem Andern alle seine Dienste zu leisten.“

Gury nennt vier Gründe, aus denen jemand gerechter Weise zum Sklaven werden kann:
„1) aus Verabredung oder eigener Entsagung; denn es liegt kein Widerspruch darin, wenn Jemand seiner Freiheit entsagt, um seine eigene Noth zu erleichtern oder um Schulden abzutragen, deren Zahlung der nicht gewachsen ist u. dgl. 2) Aus dem Kriegsrechte, denn der Sieger kann manchmal die Dienstbarkeit als Strafe auferlegen. Da es bisweilen in seiner Macht stünde, zur Sicherung seines Volkes die Gefangenen zu tödten, so kann er sie um so mehr zu Sklaven machen. 3) Aus einem Verbrechen oder einer gerechten Verurtheilung; der Schuldige kann zum Tode verurtheilt werden, also um so mehr zur Sklaverei, da es mit Recht als die höchste Strafe gilt, ihm das Leben zu nehmen. 4) Aus der Geburt im Stande der Sklaverei: denn diejenigen sind nach dem Rechte Sklaven, welche von Sklaven durch Geburt abstammen. So entscheidet nach der gewöhnlichen Meinung das Völkerrecht.“

(J. P. Gury, Moraltheologie. In's Deutsche übertragen von Johann Georg Wesselack. Nach der neuesten Ausgabe des lateinischen Originals bearbeitete, sehr vermehrte und verbesserte Auflage, Regensburg 1869, S. 250f.)