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Verfolgung und Vertreibung der Christen in der Türkei Teil 2

Rechtssituation
Türkische Katholiken auf dem Petersplatz in Rom, 2009

Im Vertrag von Lausanne aus dem Jahr 1923, der in der Türkei bis heute gilt, wurden den Anhängern von zwei christlichen Konfessionen und des Judentums einige Minderheitenrechte zugesprochen. Demnach sind allerdings nur die griechisch-orthodoxe Kirche und die Armenisch-Apostolische Kirche als christliche Konfessionen anerkannt.
In der Türkei sind Aramäer als Minderheit nicht anerkannt. Ihre Kultur und Sprache können sie nur versteckt in den Kirchen praktizieren, die Kirchensprache wird heimlich gelehrt.

Nach Angaben der Gesellschaft für bedrohte Völker wurde der Lausanner Vertrag mittlerweile durch türkische Gesetze ausgehöhlt, sodass der Gebrauch der Minderheitenrechte kaum noch möglich ist.

Theologie kann von christlichen Studenten nur noch an islamisch-theologischen Fakultäten studiert werden. Pfarrer müssen sich entweder als Diplomaten ausweisen oder türkische Staatsangehörige sein. Der Titel „ökumenisch“ wird dem ökumenischen Patriarchen und Erzbischof von Konstantinopel Bartholomäos I. de jure aberkannt.

Hierzu ermittelt die türkische Staatsanwaltschaft gegen das Festhalten des Patriarchen an seinem Titel, trotz eines Gerichtsurteils. Bibeln und andere christliche Literatur dürfen auf den Straßen nicht verteilt werden, christliche Straßenfeste und Prozessionen sind verboten, christlichen Rundfunksendern wird grundsätzlich keine Lizenz erteilt.
Christen haben geringe bis keine Chancen in höhere Positionen der Politik, der Verwaltung und des Militärs aufzusteigen. Somit existiert bis in die Gegenwart eine politisch gewollte Diskriminierung gegenüber Christen durch Muslime.

Zu den weiterhin ungeklärten Problemen zählen die nicht mögliche Ausbildung von christlichen Geistlichen und die anhaltende Schließung des Seminars von Heybeliada und des Heilig-Kreuz-Seminars; der Rechtsstatus der nicht vom Lausanner Vertrag geschützten Kirchen, die lediglich als Vereine von Einzelpersonen existieren, sowie damit zusammenhängend der Erwerb oder Bau und die religiöse Nutzung von Immobilien. Auch die Renovierung alter Kirchen ist durch juristische Schikanen erschwert, Enteignungen von Kirchengütern noch immer Praxis.
Trotz Änderungen im Bau- und Vereinsrecht gilt nach Einschätzung von Missio: „Sicher auch mittelfristig nicht möglich sein wird der Bau von Gebetsstätten in Trägerschaft von Kirchen, da die Kirchen keinen Rechtsstatus haben.“

Die evangelischen Christen fordern, dass in der geplanten neuen türkischen Verfassung die Religionsfreiheit gestärkt wird.

Die Unterhalts- und Beschäftigungskosten von kirchlichen Bauten und anderen kirchlichen Immobilien, dem kirchlichen Personal sowie der kirchlichen Arbeit werden durch die jeweilige christliche Gemeinschaft allein getragen.

Eine finanzielle Unterstützung seitens des Präsidiums für Religionsangelegenheiten erfolgt nicht wie im Falle der Moscheen.

Ebenso werden christliche Begräbnisse nicht vom Staat finanziell getragen wie das bei den muslimischen der Fall ist.
Gemäß Artikel 24 der Verfassung der Republik Türkei ist die Teilnahme an dem am Sunnitischen Islam orientierten Religionsunterricht an Grundschulen und Mittelschulen für alle Schüler Pflicht.

Im Jahr 2008 stellte das Präsidium für Religionsangelegenheiten durch eine Fetva fest, dass eine Abkehr vom Islam hin zu einer anderen Religion erlaubt sei.

Der Koran sehe neben einer jenseitigen Strafe keine weltliche Strafe für den Abfall vom Islam vor. Dies ist relevant, besonders für Bürger der Republik Türkei, die vom Islam zum Christentum konvertieren. Der Übertritt sei aber aus islamischer Sicht nur erlaubt, „wenn der Übertritt nicht den Boden bereite für eine Auflehnung gegen den Islam und die rechtmäßige Ordnung“.
Die Todesstrafe für Abkehr vom Islam sei dann gerechtfertigt, wenn der Apostat gegen den Islam Krieg führe.
Missionierungsbestrebungen („Propaganda“) zählt die Behörde dabei ausdrücklich zur Kriegsführung.

Sakralbauten, Kirchen und Klöster

Tarsus, Paulus-Kirche
Die Pauluskirche in Tarsus, dem Geburtsort des Apostels Paulus, ist eine Pilgerstätte. Die ihm geweihte griechisch-orthodoxe Kirche wurde 1943 vom türkischen Staat beschlagnahmt, als Militärlager genutzt und ist heute ein Museum.

Eine Rückgabe an die Kirche schließt die türkische Regierung aus.

Tarsus, Paulus-Kirche, Innenansicht,
heutiger Zustand.

Die katholische Kirche und die orthodoxen Kirchen begingen 2008/2009 die Zweitausendjahrfeier der Geburt des Apostels mit einem Paulusjahr. Im Juni 2008 erlaubte das türkische Kultusministerium, die Kirche die Nutzung für Pilgergottesdienste im Paulusjahr.
Erzbischof Joachim Kardinal Meisner war bemüht, in Tarsus eine bestehende Kirche zu übernehmen oder eine neue Kirche bauen zu dürfen. Die türkische Regierung ließ allerdings auf ihre mündlichen Zusagen keine Taten folgen.

Die rechtliche Situation von entwidmeten oder umgewidmeten Kirchen, Klöstern und Friedhöfen ist unklar. Gewisse Gruppierungen fordern immer wieder, dass Kirchen, die zu Museen erklärt worden sind, in Moscheen umgewidmet werden. Unter dem Einfluss des stellvertretenden Ministerpräsidenten und ehemaligen Parlamentspräsidenten der Großen Nationalversammlung der Türkei Bülent Arınç wurde die leerstehende ehemalige Kirche Hagia Sophia in Nikäa in eine aktive Moschee zurückverwandelt.
In der besagten Kirche fand das Zweite Konzil von Nikäa statt. Im Jahre 2000 war dem Ökumenischen Patriarchen erlaubt worden, die Göttliche Liturgie dort zu feiern.
Viele christliche Bauten, Friedhöfe und andere teils sehr bedeutende Stätten des christlichen Glaubens befinden sich in einem entwidmeten bzw. umgewidmeten oder (teilweise mutwillig) zerstörten Zustand.
Kloster Mor Gabriel der syrisch-orthodoxen Christen im Südosten der Türkei
Das zum UNESCO-Weltkulturerbe zählende Kloster Mor Gabriel, eines der ältesten christlichen Klöster der Welt, ist Schutzburg und Wallfahrtsort für die syrische Minderheit der Türkei.
Das Kloster wurde im Jahr 397 gegründet.

Über Jahrhunderte Übergriffen von Türken und Kurden ausgeliefert, steht es zurzeit im Mittelpunkt einer politischen Kampagne. Seit 2008 wird das Kloster Mor Gabriel von drei kurdischen Dörfern wegen „rechtswidriger Ansiedelung“ verklagt. Dem Kloster wird vorgeworfen, dass hier illegal aramäisch unterrichtet wird. Ende Dezember 2008 fand in der nächstliegenden Stadt Midyat ein Gerichtsverfahren um den Fortbestand des Klosters statt, dessen Existenz damit seitens staatlicher Behörden in der Türkei durch Enteignung und Auflösung des Klosterbetriebes bedroht ist.
Neue Katasteramts-Registrierungen ermöglichen es angrenzenden Bauern, die bisher keinerlei Grundbuch-Urkunden besitzen, Ländereien des Klosters für sich zu fordern. Die Kläger werden durch lokale Politiker der regierenden AKP unterstützt. Die Europäische Union hat zu dem Prozess Beobachter entsandt.
Aufgrund von Beschlüssen des türkischen Verfassungsgerichtshofes musste 1970 das Priesterseminar der armenischen Christen in Üsküdar (Heilig-Kreuz-Seminar) den Lehrbetrieb einstellen, im Sommer 1971 das 1844 gegründete griechisch-orthodoxe Priesterseminar von Chalki und 1980, das in den 1950er Jahren eröffnete Syrisch-Orthodoxe klosterinterne Priesterseminar des Klosters Mor Gabriel die Pforten schließen.

In ostthrakischen Edirne, wo noch 1873 Bulgaren und Griechen über die Hälfte der Bevölkerung stellten, existieren heute nur noch zwei Kirchen, die in den 2000er Jahren restauriert wurden.
Im August 2011 entschied der türkische Ministerpräsident Erdoğan, durch einen Erlass einigen nichtmuslimischen Minderheiten in der Türkei in der Vergangenheit konfiszierte Immobilien und Sakralbauten zurückzugeben. Das Oberhaupt des Ökumenischen Patriarchats von Konstantinopel, Bartholomäus I., und Vertreter der Europäischen Union reagierten positiv und begrüßten die Entscheidung als Wiedergutmachung von früherem Unrecht.
Die Rückgabe der konfiszierten Immobilien ist eine Forderung der EU in den Beitrittsverhandlungen der Türkei mit der Europäischen Union.
Dieser Erlass gilt jedoch nur für das Ökumenische Patriarchat, für das Armenische Patriarchat und für die Türkischen Juden. Andere religiöse Gemeinschaften bleiben hiervon ausgeschlossen.

Im Ramadan 2016 wird vom Staatsfernsehen TRT täglich um 2.00 Uhr aus der Hagia Sophia in Istanbul die Rezitation von Koranversen übertragen. Darüber hinaus gibt es aus der Regierungspartei AKP Stimmen, die die Hagia Sophia wieder dauerhaft zur Moschee machen möchten.

Internationale Kritik
Die Beseitigung von Diskriminierungen der christlichen Minderheit gehört zu den Forderungen der Europäischen Union in den Beitrittsverhandlungen mit der Türkei an den Beitrittskandidaten Republik Türkei.
Der damalige deutsche Bundespräsident Christian Wulff rief den türkischen Staat im Oktober 2010 in einer Rede vor dem türkischen Parlament in Ankara auf, die Rechte der Christen im Land zu verbessern und ihnen freie Religionsausübung zu ermöglichen. „Das Christentum gehört zweifelsfrei zur Türkei“, erklärte Wulff in dieser Rede.
Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) kritisierte Ende 2005, dass sich die Lage der religiösen Minderheiten seit dem EU-Beschluss für Beitrittsverhandlungen eher verschlechtert habe.

Unter anderem sei es der Regierung Erdoğan auch 2004 nicht gelungen, Angriffe auf Christen und Kirchen zu verhindern.

Außerdem habe die Türkei einige Zusagen an die christlichen Gemeinden nicht erfüllt. Weiter wird das harte Vorgehen gegen Autoren, Bürgerrechtler und Journalisten verurteilt, die sich um eine Aufklärung des Völkermordes an den Armeniern zu Beginn des 20. Jahrhunderts bemühen.
2006 startete die IGFM einen internationalen Appell unter dem Motto „Türkei: Erst die Christen vertreiben, dann in die EU?“

Darin fordert die IGFM nochmals den EU-Ministerrat auf, „angesichts der negativen Entwicklung in der Türkei eine deutliche Klärung der Vorgänge in der Türkei zu verlangen und konsequent auf der Erfüllung der Kopenhagener Kriterien zu bestehen“.
Der Ökumenische Patriarch von Konstantinopel, Bartholomäus I., stellte 2006 fest, dass sich die Lage der Christen in der Türkei „vom Schlechten zum Schlechteren“ wende.
Laut Claire Evans, Regionalmanagerin der Organisation International Christian Concern, "macht die Türkei immer deutlicher, dass es keinen Platz für das Christentum gibt, obwohl in der Verfassung etwas anderes steht".
Durch diese Politik der Auslöschung und Diskriminierung sind nur noch 0,2 % der fast 80 Millionen Einwohner der Türkei Christen!
Noch gegen Ende des 19. Jahrhunderts, also vor ca.120 Jahren waren in der Türkei noch 25 % der Einwohner in der Türkei Christen, 1910 noch 20%, diese sind inzwischen fast alle ausgelöscht worden! Heute sind es nur noch 0,2 %!!!! Die meisten (85%) leben im Gebiet um Istanbul und sind aramäische Christen!
Das Gebiet der heutigen Türkei gehörte einst zum Imperium Romanum als Provinz Asia…More
Noch gegen Ende des 19. Jahrhunderts, also vor ca.120 Jahren waren in der Türkei noch 25 % der Einwohner in der Türkei Christen, 1910 noch 20%, diese sind inzwischen fast alle ausgelöscht worden! Heute sind es nur noch 0,2 %!!!! Die meisten (85%) leben im Gebiet um Istanbul und sind aramäische Christen!
Das Gebiet der heutigen Türkei gehörte einst zum Imperium Romanum als Provinz Asia Minor (=Kleinasien) und war praktisch christlich ab 412 n.Chr., ja Kernbereich des Christentums, man denke nur an den hl.Paulus aus Tarsus oder den hl. Bischof Nikolaus von Myra!!!!
Erst um 1000 n.Chr. eroberten mohammedanischen Seldschuken das Gebiet, was die mohammedanischen Osmanen übernommen bzw. ausgeweitet haben und das Byzantinische/Oströmische Reich dann 1453 hinweggefegt haben! Konstantinopel wurde Istanbul!
Von da an nahm der Anteil der Christen in der Türkei ständig abdurch massive Diskriminierung und Auslöschung,
sodass es heute um Istanbul konzentriert noch etwa 100.000 Christen gibt, hauptsächlich Aramäer bei ca. 80 Millionen Einwohnern, die meisten davon über 80 % sind Sunniten!
Die Türken haben ebenfalls eine erhebliche Vermehrungsrate, sie verdoppeln sich innerhalb von 36 Jahren!
Tertius gaudens likes this.
Bibiana
Äusserst bittere Realität für Christen in der Türkei.
Dennoch - einmal wird das Kreuz in der Hagia Sophia wieder verehrt werden!
Das können sich die Türken und wohl auch wir Christen heute nicht vorstellen...
soll aber mal so kommen.
Theresia Katharina likes this.
Das kommt auch so, denn das Unbefleckte Herz Mariens wird siegen! Noch senden die Mohammedaner extra an Ramadan den Muezzinruf von der Hagia Sophia, die ja eigentlich ein Moscheemuseum ist, um ihren Besitzanspruch zu dokumentieren, aber nicht für immer! Deren Zeit läuft mit der Zeit Satans ab!!
Die Hagia Sophia ist eine christliche Kirche und bestand schon, da gab es den Islam noch gar …More
Das kommt auch so, denn das Unbefleckte Herz Mariens wird siegen! Noch senden die Mohammedaner extra an Ramadan den Muezzinruf von der Hagia Sophia, die ja eigentlich ein Moscheemuseum ist, um ihren Besitzanspruch zu dokumentieren, aber nicht für immer! Deren Zeit läuft mit der Zeit Satans ab!!
Die Hagia Sophia ist eine christliche Kirche und bestand schon, da gab es den Islam noch gar nicht!!
Das nachträgliche Umstellen mit Minaretten wird ihnen auch nichts nützen, denn unser Herr Jesus Christus ist stärker!
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