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Hesemanns Analyse über die deutsche Kirche: Weg ins Schisma oder in die Protestantisierung

Im Juni veröffentlichte Michael Hesemann diesen Artikel in der größten katholischen Tageszeitung Polens, NASZ DZIENNIK, die 150.000 Exemplare Auflage hat und 600.000 konservativ orientierte Leser erreicht:

"Katholische Kirche in Deutschland unter Beschuss
Maria 2.0 – Weg ins Schisma oder in die Protestantisierung?
Von Michael Hesemann

Die katholische Kirche in Deutschland steht weiterhin unter Beschuss. Modernistische Kreise, unterstützt durch Mitglieder der Bundesregierung aus dem Umfeld von Kanzlerin Angela Merkel, wollen sie möglichst von Rom abspalten und systematisch protestantisieren. Damit soll jeder Widerstand gegen die beabsichtigte Umgestaltung und „Modernisierung“ der deutschen Gesellschaft ausgeschaltet werden. Bislang waren es vor allem konservative Katholiken, die gegen eine Liberalisierung des Abtreibungs-„rechts“, die 2017 legitimierte Homo-„Ehe“, die Gender-Ideologie, die im Dezember 2018 zur offiziellen Einführung eines dritten Geschlechtes (neben männlich und weiblich jetzt „divers“) führte, aber auch den massenhaften Zuzug islamischer Einwanderer Widerspruch anmeldeten. Hatten sie bislang mit Rückendeckung aus Rom und von einigen lehramtstreuen deutschen Bischöfen rechnen können, sollen sie zunehmend von ihrer Kirche isoliert werden. Die meisten Bischöfe stehen dabei vor einem Loyalitätsproblem: Aus Rom kommen im Franziskus-Pontifikat oft nur unklare Signale. Ihr (fünfstelliges Euro-) Gehalt aber erhalten sie seit dem Konkordat von 1933 vom deutschen Staat, der darüber hinaus die „Kirchensteuer“ einzieht, jene jährliche, an das Einkommen gekoppelte Abgabe jedes registrierten Katholiken (und Protestanten), die ihre wichtigste Einnahmequelle ist.

Auslöser (oder Vorwand) der jüngsten Kampagne für „eine moderne, weltoffene, zeitgemäße Kirche“ war der Mißbrauchsskandal. Im September 2018 veröffentlichte die Deutsche Bischofskonferenz die Ergebnisse einer Studie, derzufolge 1670 Kleriker bezichtigt wurden, sich zwischen 1946 und 2014 an 3677 Kindern und Jugendlichen vergriffen zu haben. Das wären bis zu 5,1 % der Diözesan- und 2,1 % der Ordenspriester in Deutschland. Tatsächlich aber rechnete die Studie „Demütigung und Züchtigung“ von Jugendlichen, also die bis in die 1970er Jahren in Deutschland übliche Prügelstrafe, zu den „Mißbrauchsfällen“. Dass bis zu 80 % der Opfer Jungen sind und sich die meisten Fälle in den 1970er und 1980er Jahren ereigneten, lässt jene Analyse zu, die der emeritierte Papst Benedikt XVI. im April 2019 veröffentlichte: Dass in erster Stelle die „sexuelle Revolution“ als Folge der Studentenrevolte von 1968 und die damit verbundene „Offenheit“ und Toleranz auch und gerade gegenüber der Homosexualität die eigentliche Ursache der Mißbrauchskrise ist. Als Papst hat Benedikt XVI. rechtzeitig die Reißleine gezogen, als er im ersten Jahr seines Pontifikats, 2005, die Bischöfe anwies, Seminaristen mit „tiefsitzenden homosexuellen Neigungen“ die Priesterweihe zu verweigern. Tatsächlich nahm die Zahl der Missbrauchsfälle seitdem deutlich ab.
Ganz anders aber war die Reaktion der deutschen Medien auf die Veröffentlichung: Sie forderten die Abschaffung kirchlicher Autoritätsstrukturen („Klerikalismus“), eine neue, „tolerante“ kirchliche Sexualmoral, ein Ende des „Pflichtzölibats“ und die Zulassung von Frauen zu Weiheämtern. Als die Mißbrauchs-Synode im Vatikan das Thema erneut in die Schlagzeilen brachte, fühlte sich Deutschlands größte Zeitung, das Boulevardblatt „BILD“, zum neuen Martin Luther berufen. In ihrer Ausgabe vom 26. Februar 2019 veröffentlichte sie ganzseitig, zum Heraustrennen und Aufhängen an Kirchentüren, „12 Thesen für einen Neuanfang der katholischen Kirche“. Darunter „Glaubenskongregation abschaffen!“, „Mehr Demokratie wagen!“, „Verdammung von Homosexualität beenden!“ und „Frauen (zu Weiheämtern) zulassen!“ Dass sich ausgerechnet ein Revolverblatt, das sonst eher Klatsch und Tratsch verbreitet, zum Kirchenreformator berufen fühlt, war für Insider kein Wunder. BILD erscheint im Axel-Springer-Verlag. In dessen Aufsichtsrat sitzt nicht nur Joachim Sauer, der Ehemann von Bundeskanzlerin Angela Merkel, sondern auch der Argentinier Martin Varsavsky, ein Geschäftspartner des amerikanischen Großinvestors George Soros, der seit Jahrzehnten mit seinen Milliarden die „liberale Agenda“ finanziert, die „offene Gesellschaft“ propagiert und einen ideologischen Krieg gegen christliche Werte führt.

Die BILD-Kampagne führte zum Handlungszwang bei der deutschen Bischofskonferenz (DBK), die seit 2014 unter Leitung des liberalen Reinhard Kardinal Marx steht. Am 14. März 2019 beschloss die DBK einen "verbindlichen synodalen Weg" zur Aufarbeitung und Aufklärung der Missbrauchsfälle. Unabhängig von Rom wolle man Themen wie den "nötigen Machtabbau" bei den Klerikern, den Zölibat und die Sexualmoral der Kirche aufarbeiten. Letztere habe „entscheidende Erkenntnisse aus der Theologie und Humanwissenschaften noch nicht rezipiert“, erklärte Marx. Ebenso wolle man prüfen, inwieweit der Zölibat „immer zum Zeugnis des Priesters gehören müsse.“
Dem ultraliberalen „Zentralkomitee der deutschen Katholiken“ (ZdK) ging auch das nicht weit genug. Neben einer „Überwindung des Klerikalismus“ und einer (positiven) „Neubewertung der Homosexualität“ forderte der ZdK-Vorsitzende Thomas Sternberg „den Frauendiakonat und die Priesterweihe für verheiratete Männer“. Das ZdK steht der Merkel-Regierung nahe, Sternberg saß für Merkels CDU im nordrhein-westfälischen Landtag und gehört dem Landesvorstand ihrer Partei an. Zu den prominentesten Mitgliedern des ZdK gehört Annette Schavan, langjährige Merkel-Freundin und ehemalige Bildungsministerin, die ihr Amt verlor, als sich ihre Dissertation als Plagiat erwies. Die Bundeskanzlerin schickte sie daraufhin als Vatikan-Botschafterin nach Rom, wo diese einen Kreis liberaler Theologen aus der Opposition gegen Papst Benedikt XVI. um sich scharte und unterstützte.

Sternbergs Forderung wiederum war der Startschuss für eine sakrilegische Frauenbewegung, die den Namen der Gottesmutter missbrauchte und sich das „Friday for Future“-Schulschwänzen der Klima-„Prophetin“ Greta Thunberg zum Vorbild nahm. Die Initiative „Maria 2.0“ ging aus einem Münsteraner Frauenkreis hervor, der schon einmal vergeblich an Papst Franziskus geschrieben hatte, um „Zugang für Frauen zu allen kirchlichen Ämtern“ und „Aufhebung des Pflichtzölibats“ zu fordern. Anfang Mai rief sie zum „Kirchenstreik“ auf: Frauen sollten eine Woche lang keine Kirche betreten und jeden kirchlichen Dienst verweigern. Stattdessen sollten sie, in der traditionellen Sufragetten-Farbe Weiß gekleidet, vor den Kirchen eigene Gottesdienste feiern und protestieren.

Trotz massiver Unterstützung durch die deutschen Medien – jeder deutsche Fernsehsender berichtete in den Hauptnachrichten – trotz Unterstützung durch das ZdK, linkskatholische Frauenverbände und den liberalen Bischof Franz-Josef Bode (Osnabrück) wurde die Aktion zum Flop. An gerade einmal 0,5 % der deutschen Pfarrgemeinden (50 von 10.191 Pfarreien!) kam es zu Aktionen, an der zentralen Abschlusskundgebung nahmen nur 700 Frauen teil.

Die große Mehrheit der deutschen Katholiken reagierte dagegen mit Unverständnis und Ablehnung auf „Maria 2.0“. Demut und Dienstbereitschaft der Gottesmutter bedurften keiner Revision und Aktualisierung, befanden sie und warfen den Protestlerinnen „Maßlosigkeit und Mißbrauch der Gottesmutter“ vor: „Die Makellose braucht kein Update.“ „Maria 2.0 ist die Mutter von Christus 2.0 – dem Antichristen!“ – lautete ein Slogan der Gegner der Aktion: „Maria wollte als Magd dem Herrn dienen, nicht in persona Christi handeln“. Auch die Form des Protestes, die Verweigerung der Sonntagspflicht und damit der Eucharistie, zu der jeder Christ durch die Gnade Gottes geladen ist, stieß auf Widerspruch. Doch kein Symbol, keine Forderung der Bewegung entlarvte sie so sehr wie ein Transparent, das die Fachschaft Theologie der Albert-Ludwigs-Universität an der Freiburger Universitätskirche aufgehängt hatte: Es zeigte die Gottesmutter als blutrot klaffende Vulva. Trotz mehrerer Strafanzeigen wegen Blasphemie blieb das geschmacklose Sakrileg fast eine ganze Woche lang hängen, ohne dass das bischöfliche Ordinariat reagierte, nach eigenen Angaben um „eine weitere Eskalation zu vermeiden“: Indiz für eine desorientierte Kirche, die dem Zeitgeist nachhechelt und dabei ihren Auftrag aus den Augen verliert, aber auch für die desolaten Zustände in der deutschen Universitätstheologie."
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Der Merkelsche Weg ist der Islam,da bleibt sonst nichts mehr...
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Auf geistiger Ebene existiert schon ein Schisma, nur noch nicht auf dem Papier.
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alfredus
Die Protestantisierung erfolgt schon seit dem Konzil und das im Namen der Ökumene. Die Mehrzahl der deutschen Bischöfe ist wie von Sinnen, erklären sie doch Luther als Lehrer und Glaubensbringer. In der Kirche gibt es abgesehen von einigen treuen Priestern, kein Orientierung mehr. Da an den Schalthebeln der Kirche Modernisten sitzen, kann man erahnen welches leichte Spiel die vielen Dämonen am …More
Die Protestantisierung erfolgt schon seit dem Konzil und das im Namen der Ökumene. Die Mehrzahl der deutschen Bischöfe ist wie von Sinnen, erklären sie doch Luther als Lehrer und Glaubensbringer. In der Kirche gibt es abgesehen von einigen treuen Priestern, kein Orientierung mehr. Da an den Schalthebeln der Kirche Modernisten sitzen, kann man erahnen welches leichte Spiel die vielen Dämonen am Klerus haben. Niemand soll denken, dass es ein Umdenken geben wird, denn die Feinde der Kirche, vereint mit den Freimaurern, haben große Macht. Das wird so weiter gehen, bis zum Erscheinen des Antichrist .. !
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Gestas
Das ist ein guter Artikel der polnischen Zeitung. Von einer deutschen Zeitung kannst du das nicht erwarten
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Statt "oder" könnte man auch "und" sagen!
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CollarUri
... & statt Weg dorthin "wir sind schon da"
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@CollarUri
statt Weg dorthin "wir sind schon da"
Ich fürchte, da haben Sie recht. Zum großen Teil jedenfalls. Es gibt noch die eine oder andere Oase der Rechtgläubigkeit. Wie lange noch? Es gibt keinen Meisner, keinen Ratzinger mehr, an dem sich die deutsche Kirche aufrichten könnte. Mit dem Abgang dieser und anderer Glaubenszeugen setzte ein rasanter Niedergang ein.
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