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Pater Bernward Deneke über "dumme Dogmen" (Kasper)

Der Artikel erschien in der Schweizerischen Sonntagszeitung.

Manche Sätze bleiben für immer an demjenigen hängen, der sie einmal geäußert hat. So wurde Walter Kardinal Kasper oft mit einer Aussage konfrontiert, die er 1972 als 39jähriger Professor niederschrieb. Sie lautet: „Dogmen können durchaus einseitig, oberflächlich, rechthaberisch, dumm und voreilig sein.“

Es ist leicht nachvollziehbar, daß diese Behauptung viele Katholiken entsetzte. Wer wollte es ihnen verübeln, wenn sie ihrer Empörung darüber einen zuweilen heftigen Ausdruck verliehen? Schließlich geht es bei den Dogmen ja nicht um eine Nebensächlichkeit der Glaubenslehre, sondern um diese selbst.

Die Wahrheit und Zuverlässigkeit dessen, was die Kirche uns mit dem Anspruch höchster Autorität und Verbindlichkeit zu glauben vorlegt, steht hier zur Frage. Wenn diese Lehren „einseitig, oberflächlich, rechthaberisch, dumm und voreilig“ sein können, wem sollen wir dann überhaupt noch trauen?

Der Verteidiger jenes Satzes wird einwenden, Dogmen seien nun einmal geschichtlich gewordene Aussagen des Lehramtes. Auch nach kirchlichem Selbstverständnis gingen sie nicht auf direkte göttliche Eingebung, vergleichbar der Schriftinspiration, zurück; vielmehr sei der Beistand des Heiligen Geistes in ihrem Fall nur von schützender Art, indem er Verfehlungen gegen die Wahrheit der Offenbarung verhindere.
Weil Dogmen zumeist gezielt auf bestimmte Probleme ihrer Zeit antworteten, blieben in ihnen naturgemäß manche Aspekte unberücksichtigt. Unbeschadet der Richtigkeit ihres Inhaltes könnten ihnen also sehr wohl die aufgezählten Mängel anhaften.

Sehen wir ein wenig genauer hin! Zunächst heißt es, Dogmen könnten „einseitig“ sein. Das will sagen, daß an einem komplexen Sachverhalt eine Seite stark beleuchtet wird und die andere folglich unterbelichtet bleibt.
In Wirklichkeit aber ist das gerade nicht die Eigenschaft des Dogmas, sondern seines Widerparts, der Häresie. Das Dogma stellt jeweils die Innenspannung der Glaubenswahrheiten dar, indem es z.B. die Einheit und die Dreifaltigkeit Gottes, die göttliche und die menschliche Natur Jesu Christi, die Macht der Gnade und die Freiheit unseres Willens, die Notwendigkeit von Glaube und Werken, von Schrift und Tradition lehrt, während die Häresie – etwas vereinfacht gesagt – das Und streicht, nur noch eine Seite gelten läßt und somit die Spannung der Wahrheit, die unseren Verstand überragt, auflöst. Auf die Häresie, nicht auf das Dogma trifft folglich die Bezeichnung „einseitig“ zu.

Nicht anders verhält es sich mit der „Oberflächlichkeit“. Wer davon überzeugt ist, daß in den Formulierungen des kirchlichen Lehramtes die Geheimnisse Gottes unfehlbar zur Sprache kommen, um sich unserem glaubenden Blick zu erschließen und aufzutun wie die Seele eines geliebten Menschen bei Betrachtung seines Antlitzes: Wie kann der die Dogmen „oberflächlich“ nennen?

Mit der Unterstellung, sie seien auch „rechthaberisch“, hat es seine eigene Bewandtnis. Um jeden Preis Recht haben und behalten und sich von niemandem eines Besseren belehren lassen zu wollen, ist ein sicheres Indiz für Sturheit, Selbstherrlichkeit und Ideologie.

Anders liegt die Sache, wenn Gott gesprochen und seine Wahrheit einer Institution zu treuen Händen gegeben hat. Wäre es vonseiten der Verwalter dann nicht anmaßende Eigenmächtigkeit gegenüber ihrem Herrn, wenn sie die empfangene Lehre nun in falscher Demut vor der Welt abschwächen, zur Disposition stellen und mit hundert Fragezeichen versehen würden? Nein, „rechthaberisch“ ist nicht das Dogma, sondern der Theologe, der sich zum Kritiker über es aufwirft.

Der Leser möge Verständnis dafür haben, daß die Behauptung, die unfehlbare Glaubensverkündigung der Kirche könne sogar „dumm“ sein, hier unkommentiert bleibt; denn allzu groß ist die Versuchung des Verfassers dieser Zeilen, jetzt den Tonfall über Gebühr zu verschärfen... Es trifft jedenfalls auch auf die angeblich denkbare „Dummheit“ der Dogmen zu, was bereits zu ihrer „Oberflächlichkeit“ geäußert wurde.
Bleibt noch die Meinung, sie könnten „voreilig“ sein. Gewiß kommt es vor, daß etwas zu früh bekanntgegeben wird. Eltern, Erzieher und Lehrer wissen darum und kennen die Schwierigkeiten, die dadurch zuweilen entstehen. So wäre es wohl auch denkbar, daß die Zeit für die Verkündigung einer bestimmten Glaubenslehre noch nicht reif ist.
Und die Kirchengeschichte kennt ja tatsächlich jahrhundertelange Theologendispute, die der abschließenden Dogmatisierung einer Lehre vorausgingen.

Dennoch war die betreffende Lehre schon immer wahr und befand sich bereits, wenngleich noch nicht voll erschlossen und entfaltet, im Schatz der göttlichen Offenbarung, der in der Kirche hinterlegt ist.

Ein gläubiger Katholik sollte den Zeitpunkt einer definitiven Verkündigung vertrauensvoll der himmlischen Vorsehung und der Klugheit der Kirchenleitung überlassen.

Einseitige, oberflächliche, rechthaberische, dumme und voreilige Dogmen? Nein, sie sind in Wirklichkeit katholisch-umfassend, unfaßbar tief, demütig der Autorität Gottes verpflichtet, voller Weisheit und unserem nach Wahrheit dürstenden Geist zu jeder Zeit willkommen!
Santiago74
Pater Garrigou- Lagrange hätte dem Kasper da durchaus weiterhelfen können:
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Magee
„Dogmen können durchaus einseitig, oberflächlich, rechthaberisch, dumm und voreilig sein.“ -- Dogmen nicht, aber Kardinäle schon!
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CollarUri
wenn sie denn ihr Amt nicht aufgrund beharrlicher Verleugnungen verlassen haben
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Severin
Innerkichlich haben wir mittlerweile längst einen Zustand erreicht, wo es Bischöfe und Kardinäle gibt, die nicht mal mehr als normale Katholiken ohne Weihen zu gebrauchen sind. In vergangenen Zeiten wären diese auch öffentlich exkommuniziert worden.
Auf der anderen Seite ist es wieder so weit, dass schon einzelne Kardinäle und Bischöfe ins Gefängnis gehen müssen. Die einen als Täter, die anderen …Mehr
Innerkichlich haben wir mittlerweile längst einen Zustand erreicht, wo es Bischöfe und Kardinäle gibt, die nicht mal mehr als normale Katholiken ohne Weihen zu gebrauchen sind. In vergangenen Zeiten wären diese auch öffentlich exkommuniziert worden.
Auf der anderen Seite ist es wieder so weit, dass schon einzelne Kardinäle und Bischöfe ins Gefängnis gehen müssen. Die einen als Täter, die anderen als Zeugen.
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