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WARUM FEIERE ICH DIE HEILIGE MESSE EXKLUSIV Im DER ÜBERLIEFERTEN RITUS? (1)

“Ist es denn ein Problem, die lateinische Messe, die so lange Zeit die Norm war, heute wieder zuzulassen? Ich glaube, diese Leute haben einen Sinn für das Heilige, das Mysterium der Messe und einen Respekt für die Sitten. Warum geben wir den Leuten also nicht die Freiheit, die Messe so zu feiern?”

Dario Kardinal Castrillon Hoyos als ehemaliger Präfekt der Kleruskongregation

1. Vorbemerkung: Es wurde die Bitte an mich gerichtet die vorliegende Vortragsreihe in einem etwas grösseren Rahmen zur Verfügung zu stellen. Dieser Bitte soll damit entsprochen werden.

2. Vorbemerkung: Der vorliegende Text diente als Vortragsreihe für Seminaristen der Theologie der St. Petrusbruderschaft, deren Gründungsanliegen es im Jahre 1988 war, die Liturgie der Hl. Messe exklusiv im Ritus von 1962 zu feiern. Das Ziel der Vorträge war es, die Zuhörer in der Treue zum Ursprung ihrer Gemeinschaft zu stärken. Ich bin der festen Überzeugung, dass Gott Menschen eigens für diese Aufgabe beruft, um die klassische römische Liturgie für die Kirche zu bewahren, die nicht nur ein überaus kostbares kulturelles, sondern in höchstem Masse ein religiöses Gut darstellt. Der vorliegende Text ist unwesentlich um persönlich Erlebtes des Autors im Zusammenhang mit der überlieferten Liturgie gekürzt worden.
Schliesslich lege ich grossen Wert auf folgende Feststellung: Da ich mehrere Jahre selber die Hl. Messe gemäss der neuen Liturgie feierte, masse ich mir nicht an, jemandem wegen der Zelebration der neuen Liturgie einen Vorwurf zu machen. Ich tue es auch nicht: weder den Gläubigen noch den Mitbrüdern. In dieser Frage muss jeder selber für sich nach seinem Gewissen entscheiden, nachdem er die Sache studiert und den Heiligen Geist um Erleuchtung gebeten hat.
Was mich persönlich betrifft, so danke ich dem Lieben Gott für die Gnade, wieder die Hl. Messe im überlieferten Ritus feiern zu dürfen mit Erlaubnis oder wenigstens mit Duldung der zuständigen Bischöfe, in deren Diözesen ich tätig bin und gewesen war. Es ist für mich wie eine zweite Berufung, diese Liturgie wieder feiern zu können, die man wegen ihrer theologischen Klarheit und Eindeutigkeit, wegen ihrer Ehrfurcht und Schönheit rühmen muss.

Das Thema der Vortragsreihe lautet also: “Warum feiere ich exklusiv die heilige Messliturgie im überlieferten Ritus?”

Es sollen damit einige Überlegungen vorgelegt werden, die vielleicht für den einen oder anderen auch eine Antwort sein können auf das Problem der Biritualität innerhalb der St. Petrusbruderschaft, vor das sich ihre Priesterbruderschaft durch den einen oder anderen Mitbruder gestellt sieht. Dazu gleich die Zitation eines Wortes des ehemaligen Kurienkardinals Joseph Ratzinger, das er als Präfekt der Glaubenskongregation in einem persönlichen Gespräch am 4. Mai 1993 einem mir befreundeten Priester gegenüber geäussert hat:

“Biritualität hilft nicht unseren Zielen. Bleiben Sie treu; wir brauchen Zeugen!

Und der verstorbene Schweizer Kardinal Charles Journet hatte seinerzeit dem Abt Dom Gérard des Klosters Ste. Madeleine in F-Le Barroux über den überlieferten Ritus gesagt:

“Machen Sie weiter! Sie sind Zeugen, Richtpunkte für später, für die Wiederentdeckung der grossen katholischen Liturgie” (in DER FELS, 7-8/1989).

Ein ebenso eindrückliches Zeugnis für die Feier der überlieferten Liturgie sind die folgenden Worte Josef Kardinal Ratzingers in seinem Buch “Salz der Erde”:

“Ich bin ... der Meinung, dass man viel grosszügiger den überlieferten Ritus all denen gewähren sollte, die das wünschen. Es ist überhaupt nicht einzusehen, was daran gefährlich oder unannehmbar sein sollte. Eine Gemeinschaft, die das, was ihr bisher das Heiligste und Höchste war, plötzlich als strikt verboten erklärt und das Verlangen danach geradezu als unanständig erscheinen lässt, stellt sich selbst in Frage. Denn was soll man ihr eigentlich noch glauben? Wird sie nicht morgen wieder verbieten, was sie heute vorschreibt? ... Leider ist bei uns die Toleranz selbst für abenteuerliche (liturgische) Spielereien fast unbegrenzt, die Toleranz dagegen für die alte Liturgie praktisch inexistent. Damit ist man sicher auf dem falschen Weg.”

Rückblick

Bevor wir zum eigentlichen Thema kommen, mögen Sie mir bitte verzeihen, wenn ich zuerst ein wenig aus meinem liturgischen Werdegang erzähle, also einen kleinen Rückblick halte, Ihnen damit etwas Einblick gebe in meinen Weg, der mich wieder zum überlieferten Ritus führte. Ebenso möchte ich Ihnen zeigen, dass ein schüchternes “appeasment” und Diplomatie nicht immer zum Ziele führen, sondern dass man im Vertrauen auf die Hilfe Gottes in dieser so wichtigen Sache zu den einmal als richtig erkannten Grundsätzen - wenn auch immer höflich - in Festigkeit und Treue stehen muss.
Die Priesterweihe empfing ich noch im überlieferten Ritus am 8. Dezember 1963 im Priesterseminar einer Ordensgemeinschaft, also nach Abschluss der ersten Konzilssession des 2. Vaticanums. Dieses hatte am 4. Dezember 1963 die Konstitution über die heilige Liturgie “SACROSANCTUM CONCILIUM” veröffentlicht. Nebenbei bemerkt: bei der Priesterweihe, also vier Tage nach der offiziellen Publikation der Liturgie-Konstitution, war der Altar im Seminar bereits von der Wand weggerückt.
Nach Ostern begann das Pastoraljahr in einer Pfarrei Münchens, wo ich zusammen mit etwa fünfzig anderen Priestern eine Einführung in die neue Messliturgie durch Seine Eminenz Julius Kardinal Döpfner erhielt. Der Pfarrer beauftragte mich, dies im sonn- und werktäglichen Pfarrgottesdienst konkret umzusetzen. Ich wusste, dass der Wortgottesdienst von nun an “versus populum” zu halten war und bereits recht viele Texte in der Muttersprache gebetet werden sollten. Es gab noch keine Rubriken, weder für den Priester noch für die Ministranten, so dass ich selber entsprechend den Möglichkeiten den Gottesdienst gestalten musste. Bis im Oktober 1975 habe ich ausnahmslos die neue Liturgie gefeiert mit all den Entwicklungen, die sie bis dahin durchlaufen hatte.
Die Krise der Orden bewog mich, in den Weltklerus überzutreten, der, wie mir schien, den Boden unter den Füssen noch nicht so sehr verloren hatte. Aber auch hier begann allmählich die Krise sich bemerkbar zu machen. Ich persönlich erlebte sie am intensivsten in der Jugendarbeit. Selbst blühende katholische Jugendvereine, die noch nach Geschlechtern getrennt geführt wurden, löste man gewaltsam auf und machte aus ihnen gemischte Jugendgruppen mit Namen wie z. B. “Jugendteam” oder “Jugendforum” usw. Es würde vom Thema wegführen, wollte ich Ihnen die Situation in diesen Jugendvereinen schildern. Der Hinweis möge genügen, dass das sittlich/moralische Niveau eine Katastrophe war.
Aber all dies hatte mich noch nicht zur überlieferten Liturgie gebracht. Das entscheidende Erlebnis war, als bei einer Dekanatsversammlung der Bischofsvikar befahl, es müsste vor Weihnachten und Ostern in all den Pfarreien die sakramentale Generalabsolution erteilt werden, die bereits die Bussfeiern durchgeführt hatten. Da erst begann bei mir die Alarmglocke zu läuten. Ich kam in einen echten Gewissenskonflikt, weil dies ja gegen eine der geoffenbarten Glaubenswahrheiten über dieses Sakrament ist. Das machte mich fast krank. Ich besprach mich mit einem als konservativ bekannten Priester, der mich auf die sogenannten “Traditionalisten” aufmerksam machte, von denen ich vorher nichts gehört hatte. So besuchte ich eines der privaten Messzentren für die überlieferte Liturgie, von denen es damals in der Schweiz erst zwei bis drei gab.
Kurz entschlossen schrieb ich meinem Bischof, dass ich unter den gegebenen Umständen aus Gewissensgründen nicht mehr in der Diözese mitarbeiten könne. Mein Bischof Dr. Johannes Vonderach von Chur, ein liebenswürdiger, gütiger Mitbruder, schickte mir “pro forma”noch den Bischofsvikar ins Haus, um mich umzustimmen. Als dies aber nichts fruchtete, schrieb er mir: “Letztlich anerkenne ich selbstverständlich Ihren Gewissensentscheid und wünsche Ihnen weiterhin alles Gute ... Ich bin selbstverständlich gern bereit mit Ihnen in Kontakt zu bleiben und danke Ihnen für Ihren priesterlichen Einsatz in N. N. und N. N.” (Brief vom 4. Oktober 1975). Das war für mich ein grosser Trost, mein Gewissensproblem im Frieden mit meinem Bischof gelöst zu haben. Dieser schriftlich gegebene bischöfliche Entscheid dürfte wahrscheinlich in der neueren Kirchengeschichte einzigartig sein!
Von da an arbeitete ich zusammen mit etwa drei bis vier anderen Priestern bei den Gruppen von Gläubigen - Kirchen standen uns kaum mehr zur Verfügung, z. B. in der Diözese Chur noch drei -, also bei Gläubigen, die in Hotelsälen, Autogaragen, Büroräumen, Restaurants, Luftschutzkellern usw. die Hl. Messe im überlieferten Ritus feierten, sogar in einem Werkschuppen eines Schrebergartens, dem zwei Tage vor der ersten Feier der Hl. Messe eine Längswand fehlte. Aber am Sonntag hatten die Gläubigen alles perfekt hergerichtet, selbst mit Statuen und Bildern geschmückt. Der ehemalige Schuppen sah aus wie eine kleine Missionskirche.
Im Mai des Jahres 1977 kam dann ein Schreiben der Schweizer Bischofskonferenz heraus, das uns auch noch die letzten offiziellen Kirchen nehmen sollte, mit der Begründung, die Feier der überlieferten Liturgie würde die Einheit zerstören. In dieser Situation schrieb ich an meinen Bischof folgenden Brief:

“Sehr geehrter, hochwürdigster Herr Bischof,

Erlauben Sie mir, trotz Ihres reich befrachteten Tagewerks, Ihre stets wohlwollende Aufmerksamkeit in Anspruch zu nehmen. Es geht um das Schreiben der Schweizerbischöfe vom 4. 5. a.c. zu Fragen der Einheit im Gottesdienst. Als Seelsorger fühle ich mich zum Schreiben verpflichtet, nicht so sehr wegen meiner Person, als vielmehr der betroffenen Gläubigen wegen, von denen ich eine grosse Zahl betreue und deren Not ich kenne.
Als ich im Herbst 1975 aus der Pfarrei von N. N. wegging, habe ich Ihnen geschrieben, ich sei überzeugt, dass in der Schweiz der katholische Glaube bewusst zersetzt und zerstört werde. Deshalb wolle ich solchen Menschen zu helfen versuchen, die unter dieser Situation leiden und die Priester suchen, welche ihnen den Glauben unverkürzt und unverfälscht verkünden. Ich habe dies zu tun versucht, ohne nach links oder nach rechts zu schauen. Sollten mir jemals Zweifel gekommen sein, ob ich den richtigen Weg eingeschlagen habe, so weiss ich es mindestens seit dem 12. Mai, dass ich richtig gehandelt habe. An diesem Tag brachte das Schweizerradio und die Schweizerische Kirchenzeitung die Nachricht, dass unsere Bischöfe jenen Mitchristen ausdrücklich die Benützung von kirchlichen Räumen verbieten, welche das Hl. Messopfer im althergebrachten Ritus feiern möchten. Ich gestehe, dass ich zuerst sehr empört war. Übriggeblieben ist Traurigkeit über so viel Ungerechtigkeit und Lieblosigkeit. Aber diese Tat hat mir weit mehr die Augen geöffnet über den wahren Zustand der Kirche in der Schweiz, mehr noch als das Schweigen unserer Oberhirten zu den Irrlehren der Theologen in den Seminarien, auf den Kanzeln und in den Massenmedien, mehr noch als das Schweigen zu den ehrfurchtslosen ‘Liturgien’ in unseren Gotteshäusern oder das Schweigen zur Sittenlosigkeit und Brutalität in der Schweiz, die unser Volk zu zerstören drohen.
Glauben Sie mir doch, hochwürdigster Herr Bischof, dass diese Tat nicht nur für uns ein Ärgernis war, sondern auch für viele Andersgläubige. Ich kann das bezeugen.
Ich gebe mir Mühe einzusehen, dass uns die Schweizerbischöfe eigentlich einen Dienst erwiesen haben. Sie haben uns, diese kleine und unbedeutende Herde katholischer Gläubigen, zur armen Kirche gemacht, von der die konziliare Kirche so viel redet. Sie haben uns damit ein wenig dem armen Herrn Jesus Christus ähnlicher gemacht, der selber arm, verachtet und aus der religiösen Gemeinschaft auch ausgestossen war. Vielleicht hat uns der Herr, obwohl wir es wirklich nicht wert sind, ein klein wenig auserwählt, Zeichen sein zu dürfen, damit auch in der Kirche des Westens Sein Antlitz wieder ein wenig sichtbarer werde. Denn die Bischöfe müssen sich bewusst sein, dass sie durch ihr Handeln viele kleine und unbedeutende Gläubige, die sich nicht wehren können, dem Spott, der Verachtung und dem täglichen Terror ausgesetzt haben. Wir müssten eigentlich den Bischöfen dafür dankbar sein.
Da ich aber ein schwacher Mensch bin, der Leiden und Ungerechtigkeiten ohne Widerspruch noch nicht annehmen kann, erlauben Sie mir, wenigstens einige Fragen zu stellen, weshalb das geschehen musste.
Es gibt unter diesen so unrecht behandelten Gläubigen wirklich Menschen - ich rede nicht von lieblosen und gehässigen Fanatikern - die aus ehrlicher und innerster Gewissensüberzeugung den neuen Ordo nicht mitfeiern können. Seit wann darf man eigentlich in der katholischen Kirche, der Mutter aller Gläubigen, nicht mehr nach seinem Gewissen leben, zumal dieser Gewissensentscheid weder gegen den Glauben noch gegen die Moral gerichtet ist? Trotzdem wird mit einer seltsamen Rücksichtslosigkeit gegen die Feier der alten Hl. Messe vorgegangen. Ich wage zu behaupten, dass der neue Ordo nicht die Zustimmung der Konzilsväter gefunden hätte, wenn er ihnen damals in seiner heutigen Form vorgestellt worden wäre.
Warum gewähren die Schweizerbischöfe vielen gequälten und verunsicherten Gläubigen nicht den gleichen Raum der Gewissensfreiheit wie im Falle der Enzyklika ‘Humanae vitae’? Erklärten doch die Bischöfe 1968: ‘Wenn sie (die Ehegatten) im Einzelfall nicht alle Weisungen der Enzyklika über die Empfängnisregelung erfüllen können, dabei aber nicht aus Egoismus und Bequemlichkeit handeln, sondern in Ehrlichkeit danach streben, den Willen Gottes immer vollkommener zu tun, dürfen sie annehmen, dass sie vor Gott nicht schuldig sind.’ Hier entschieden doch die Bischöfe in einer viel wesentlicheren Frage - es geht um Sünde oder nicht Sünde - gegen die klare und eindeutige Lehre Papst Pauls VI. und gegen die einhelligen und authentischen Entscheidungen seiner Vorgänger. Eine Enzyklika hat doch lehramtlich einen sehr hohen Stellenwert.
Weiter möchte ich fragen, wie das Schreiben der Bischöfe zu verstehen ist im Zusammenhang einer Kipa-Meldung, ebenfalls datiert vom 4. 5. 1977. Der erste Abschnitt lautete u.a.: ‘In seiner Audienzansprache an die Teilnehmer der Feiern anlässlich des 400-jährigen Bestehens des päpstlichen griechischen Kollegs in Rom bekräftigte Paul VI. die Notwendigkeit, dass sich ‘auf dem Fundament der Einheit im Glauben’ unterschiedliche Riten, Traditionen und Institutionen behaupten sollen. Denn dieser ‘Sinn für die Einheit der Kirche in der Verschiedenheit ihrer Ausdrucksformen’, so betonte der Papst, sei ein ‘Beweis für die Vitalität’ der ganzen Kirche und weise auch auf ihr Wachstum ‘von innen heraus’ hin. Dadurch werde auch, so fügte er wörtlich hinzu, ‘jede flache und vielleicht auch unangebrachte Uniformität’ überwunden.’
Schliesslich darf ich einen wesentlichen Gedanken aus dem Schreiben der Schweizerbischöfe aufgreifen, der mein Verstehen vollständig übersteigt. Er lautet: ‘Ein Nachgeben gegenüber den Forderungen dieser Gruppen hätte zur Folge, dass der Gottesdienst, vor allem die Eucharistie, das Zeichen der Einheit, zum Zeichen der Spaltung würde ...’ Schon die theologische Sprache verblüfft mich. Die katholischen Gläubigen reden vom ‘Hl. Messopfer’ oder von der ‘Hl. Messe’. Ist die bischöfliche Sprache die Sprache unseres katholischen Glaubens, wie er heute bezeugt werden müsste? Aber noch viel verblüffender, ja erschreckend, ist der Inhalt des Satzes. Wie kann plötzlich eine so ehrwürdige und geheiligte Feier des Hl. Messopfers, wie es die tridentinische Form darstellt, ‘zum Zeichen der Spaltung’ werden? Eine Feier, die Millionen von katholischen Gläubigen durch Jahrhunderte geheiligt hat, die Ungezählten die Kraft und die Stärke gab, für den Glauben das Blutzeugnis abzulegen! Wie kann eine so kostbare Form der Hl. Messe, die überdies jahrhundertelang allein Gültigkeit besass und das einzig Richtige war, sozusagen über Nacht zum Zeichen der Spaltung werden? Oder sich so sehr gegen die nachkonziliare Kirche richten, dass diese Feier keinen Platz mehr in den Gotteshäusern haben darf? Nach der Handlungsweise der Schweizerbischöfe muss der Schluss gezogen werden, dass alter und neuer Ordo sich gegenseitig ausschliessen, dass sie unvereinbare Gegensätze darstellen. Was sich aber so stark ausschliesst, kann nicht gleichzeitig derselben Wahrheit dienen. Das ist doch selbstverständlich. In diesem Falle aber gebietet nicht nur der religiöse Glaubensinstinkt, sondern auch der praktische Verstand, anzuerkennen, dass nicht das Bewährte das ‘Zeichen der Spaltung’ sein kann, sondern das Unbewährte. Auch hier gilt das Wort des Herrn, dass man einen Baum an seinen Früchten erkennen kann.
Zum Schluss darf ich die ungeheuerliche Frage stellen, ob vielleicht in der katholischen Kirche wirklich das vorgeht, was der Präsident der Abgeordnetenversammlung des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes, Dr. Peter Vogelsanger, Pfarrer am Fraumünster in Zürich, beim Namen nennt: ‘Mit dem Konzil sei in der katholischen Welt eine Reform aufgebrochen, die - mit 400-jähriger Verspätung - einer weitgehenden Übernahme der Reformation gleichkommt. Das ist ein Ereignis von revolutionärer Kraft’.’ (Zit. aus ‘Die Weltwoche’ vom 8. 9. 76 / Nr. 36, S.42) Sollte das zutreffen, dann möchte ich nicht mit jenen sterben müssen, welche diese ungeheure Verantwortung einmal vor Gott zu tragen haben.
Mit Ihnen, hochwürdigster Herr Bischof, im Gebet um die Erhaltung unseres katholischen Glaubens verbunden, grüsst Sie mit aufrichtiger Hochachtung (A. B.).”


Die Antwort des Bischofs war sehr gütig und freundlich. Er hat nicht den geringsten Versuch gemacht, meine Argumente zu widerlegen; er hat einfach an den Gehorsam appelliert. Trotzdem durften wir die bis dahin in seiner Diözese zur Verfügung gestellten drei Kirchen weiterhin für die Zelebration des überlieferten Ritus benutzen, obwohl er, wie er mir später einmal erzählte, deswegen vom Präsidenten der deutschen Bischofskonferenz im Namen dieser Konferenz unter Druck gesetzt worden war, sie für uns zu schliessen..
Ich bilde mir nun nicht ein, dass diese gütige Haltung des Bischofs wegen meines Schreibens zustandegekommen ist. Der Grund war vielmehr die heimliche Liebe des Bischofs zur überlieferten Liturgie. Als ich Kaplan in N. N. war, kam er zur Firmung. Der Pfarrer und ich assistierten bei der Firmungsmesse; natürlich die neue Liturgie, bei der jedes gesprochene und gebetete Wort bis in den hintersten Winkel der Kirche mit Hilfe der Lautsprecheranlage hörbar war. Bei der Opferung jedoch begann der Bischof plötzlich leise zu sprechen. Als ich genauer hinhörte, bemerkte ich zu meiner Überraschung, dass er die lateinischen Opferungsgebete der überlieferten Messe betete.

Fortsetung folgt

BILD: Messe Papst Gregors d. Gr.
Wilhelmina
www.horeb.org/…/20180807cr.mp3..... hier Argumente der anderen Seite ohne das ich sie gut heiße - man muß schon die Liturgieform im ganzen sehen - oder anders die Beweggründe weshalb sie entstanden ist. Im Kern und da gab es eine lange Auseinandersetzung im ll Vat. Konzil war die Frage „ ...was ist Elementar und darf nicht verändert werden“ - nach Hw.Dr.Dr.G.Hesse ist in bestimmter Form die … Mehr
Vered Lavan
Danke für diesen beeindruckenden Bericht.
Copertino
Sehr eindrücklicher Bericht, dessen Kerntext nach den Initialen A. B. vielleicht vom verstorbenen Kaplan Alfred Betschart stammen könnte. Dieser war später Seelsorger im Kurhaus Marienburg, Pelagiberg.
Wie auch immer, so wie jener Priester es beschreibt haben wir es auch erlebt in unserer Familie, als wir in der Dorfkirche nach der kompromisslosen Aufzwingung der neuen Liturgie mit Volksaltar, … Mehr
Kosovar
@alfredus ja klar kann man sich denken was genau gesagt wird bei den Dingen, die der Priester vorne tut und man ed ableiten kann alleine vom tun des Priester (vor der Eucharestie wenn er den Kelch hebt usw)

Aber trotzdem wäre es schön jedes Wort genau zu kennen. Ich lerne aber zurzeit hebräisch und nebenbei gucke ich ins Altgriechische fürs Bibelstudium... da ist latein erst auf dem 3. Platz … Mehr
alfredus
Es wird immer wieder der Einwand gebracht, durch die lateinische Sprache versteht man nichts. Das ist so nicht richtig, denn die Antwortgesänge kann man schon bald mitsingen und weiß dann auch, was sie bedeuten. In der NOM verstehen die Menschen zwar die Worte, aber sie hören sie nicht mit ihrem Herzen. In der alten Messe öffnet sich das Ohr für die feierlichen Melodien die so das Herz erreichen.… Mehr
@Kosovar
Es gibt Messbücher für Laien, wo der Text in Latein und Deutsch
nebeneinander zu lesen ist: www.booklooker.de/…/titel=Das+volls…
Eugenia-Sarto
Da kommen mir die Tränen! So ähnlich, verglichen mit diesem Zeugnis, erleben wir, die traditionstreuen Gläubigen, jeder auf seine persönliche Art diesen Leidensweg. Man kann es kaum in Worten aussprechen.

Danke für diesen Bericht!
Kosovar
Ich habe vor bald mal eine lateinische Messe zu besuchen und freue mich darauf auch wenn ich wohl kaum was verstehe^^
Es sollte solche Papiere geben an den Bänken die das Lateinische ins Deutsche übersetzen... so könnte man auch etwas lateinisch lernen. Das wäre richtig toll