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Noahs Weg mit Gott. Katastrophen, ihre Erinnerbarkeit und die Wolken am Horizont

Die Geschichte von Noah und der Sintflut ist auf den ersten Blick einfach und klar: Die Menschen sind vom Weg abgekommen, Gottes Zorn bordet über und die Sintflut rafft alle hinweg bis auf jenen Gerechten und seine Familie. Eben die, die auf Gottes Stimme zu hören bereit sind.

Die Geschichte von Noah hat sich bei vielen Völkern überliefert. Die Chinesen kennen ihn als Fu Xi, die Inder erinnern sich an eine Arche und im Gilgamesch-Epos finden wir eine ausführliche Beschreibung. All diese Berichte sprechen dafür, dass da irgendwo in alten Zeiten einer ist, der mit Gottes Hilfe Großes vollbringt, weil etwas Unerhörtes und noch nie Gesehenes geschah.

Zur Erinnerbarkeit von Katastrophen

Das Problem menschheitsgeschichtlicher Katastrophen ist grundlegender Natur. Wie gehen Kulturen mit einer existenziellen Gesamtkrise um? Wie handeln die Überlebenden? Und vor allem: Was haben sie der Nachwelt zu sagen und wie sagen sie es? Denn wie kann die Kontinuität der Überlieferung aufrechterhalten werden, wenn die Katastrophe die schriftliche Überlieferung vernichtet und die Seelen der Menschen erschüttert?

Es gibt eine bemerkenswerte, von Platon überlieferte Diskussion zwischen Kritias, Timaios und Sokrates vor nunmehr gut 2500 Jahren, in der Kritias eine ähnliche Fragestellung in die Diskussion einbringt. Anlass ist die Erinnerung des Kritias an den alten Dichter und Staatsmann Solon, der einst in Ägypten war und von dort nachdenkliche Berichte über Athen zurückbrachte. Denn auf Solons Rede vom hohen Alter Athens hatten die ägyptischen Priester spöttisch reagiert und folgenden Bericht vorgetragen:

„Da habe ein hochbejahrter Priester gesagt: ach, Solon, Solon! Ihr Hellenen bleibt doch immer Kinder, zum Greise aber bringt es kein Hellene. – Wieso? Wie meinst du das? Habe er, als er das hörte, gefragt. – Jung in den Seelen, haben jener erwidert, seid ihr alle: denn ihr hegt in ihnen keine alte, auf altertümliche Erzählungen gegründete Meinung noch ein durch die Zeit ergrautes Wissen. Davon liegt aber darin der Grund.

Viele und mannigfache Vernichtungen der Menschen haben stattgefunden und werden stattfinden, die bedeutendsten durch Feuer und Wasser, andere, geringere, durch tausend andere Zufälle. Das wenigstens, was auch bei euch erzählt wird, dass einst Phaethon, der Sohn des Helios, der seines Vaters Wagen bestieg, die Oberfläche der Erde, weil er die Bahn des Vaters einzuhalten unvermögend war, durch Feuer zerstörte, selbst aber, vom Blitze getroffen, seinen Tod fand, das wird wie ein Märchen berichtet; das Wahre daran beruht aber auf der Abweichung der am Himmel um die Erde kreisenden Sterne und der nach langen Zeiträumen stattfindenden Vernichtung des auf der Erde Befindlichen durch mächtiges Feuer. Dann pflegen demnach diejenigen, welche Berge und hoch und trocken gelegene Gegenden bewohnen, eher als die an Flüssen und dem Meere Wohnenden unterzugehen, uns aber rettet der auch sonst uns Heil bringende Nil durch sein Übertreten aus solcher Not.

Wenn dagegen die Götter die Erde, um sie zu läutern, mit Wasser überschwemmen, dann kommen die Rinder- und Schafhirten auf den Bergen davon, die bei euch in den Städten Wohnenden dagegen werden von den Strömen in das Meer fortgerissen. Hierzulande aber ergießt sich weder dann noch bei andern Gelegenheiten Wasser von oben her über die Fluren, sondern alles pflegt von Natur von unten herauf sich zu erheben. Daher und aus diesen Gründen habe sich, sagt man, das hier Aufbewahrte als das älteste erhalten; das Wahre aber ist, allerorten, wo es nicht eine übermäßige Kälte oder Hitze verbietet, lebt eine bald größere, bald kleinere Zahl von Menschen; was sich aber, sei es bei euch oder hier oder in andern Gegenden, von denen uns Kunde ward, Schönes und Großes oder in einer andern Beziehung Merkwürdiges begab, das alles ist von alten Zeiten her hier in den Tempeln aufgezeichnet und aufbewahrt. Bei euch und andern Völkern dagegen war man jedes Mal eben erst mit der Schrift und allem andern, dessen die Staaten bedürfen, versehen, und dann braucht, nach Ablauf der gewöhnlichen Frist, wie eine Krankheit eine Flut vom Himmel über sie herein und ließ von euch nur die der Schrift Unkundigen und Ungebildeten zurück, so dass ihr vom Anbeginn wiederum gewissermaßen zum Jugendalter zurückkehrt, ohne von dem etwas zu wissen, was so hier wie bei euch zu alten Zeiten sich begab.“ (Timaios, S. 149ff.)


Platons Gedanke ist beeindruckend: Wenn die Flutkatastrophe (oder kosmische Katastrophe, hier der Verweis auf Phaeton) groß genug ist, dann kann sie mit den Städten und den Gebildeten eines Volkes auch die Staatsarchive und Bibliotheken, die schriftliche Grundlage einer Kultur hinwegspülen, und ein Volk ins Jugendalter zurückwerfen.

Menschliche Gesellschaften können ihre Erinnerung, ihre Kultur, ihre Sitten und ihren Anstand verlieren, wenn die Katastrophe groß genug ist, die wirtschaftliche Entwicklung zu gut verläuft und die Erinnerungsgeschichte abreißt.

Wenn Noah einer der ganz Großen war, einer dessen sich die Menschheit Jahrtausende später noch erinnert, dann sollten wir seine Geschichte genauer lesen und auf die Botschaft hin untersuchen, die da mit Hilfe einer Erzählung durch die Zeit transportiert wird.

Noahs Abstammung

Noah ist von edler Abstammung. Wenn die Heilige Schrift uns einen von den Großen vorstellt, dann beginnt sie mit der Abstammungslinie. Wir kennen diese einleitende Genealogie vom Neuen Testament, ein Spross Davids tritt in die Welt und wird alles verändern. Auch die Einleitung zur Geschichte von Abraham aus Ur in Chaldäa beginnt mit einer Auflistung seiner Vorfahren. Bei Noah finden wir eine Liste seiner Vorfahren (Gen. 5), die ursprünglicher nicht sein kann.

Adam hat den Tod von Abel lange nicht verschmerzen können, aber im Alter von 130 Jahren erkannte er seine Frau Eva und sie gebar ihm einen Sohn Set. Danach lebte Adam noch 800 Jahre. Set zeugte mit 105 Jahren den Enosch, der mit 90 Jahren den Kenan. Kenan wird mit 70 Jahren der Vater von Mahalalel und der wiederum mit 65 Jahren der Vater von Jered. Jered zeugte Henoch im Alter von 162 Jahren. Henoch wird im Alter von 65 Jahren der Vater von Metuschelach. Metuschelach zeugte mit 187 Jahren den Lamech. Lamech wird im Alter von 182 Jahren der Vater von Noah. Lamech nennt seinen Sohn „Ruhe“ und sagt: „Er wird uns aufatmen lassen von unserer Arbeit und von der Mühe unserer Hände um den Ackerboden, den der Herr verflucht hat.“(Gen. 5,29) Irgendwas läuft damals besser mit der Landwirtschaft und Noah ist derjenige, mit dessen Namen diese Entwicklung verknüpft ist. Auch der Weinanbau soll von Noah stammen.

Wenn wir uns die Mühe machen, die Altersangaben der Genealogie nachzurechnen, dann stellen wir fest, dass Adam den Lamech noch kannte. Der jüdischen Legende nach stirbt Adam als Noah geboren wird, aber wer die Angaben aus der Heiligen Schrift nachrechnet, dem fehlen dafür ganze 21 Jahre (Ranke-Graves, S.134). Dennoch ist die Intention dieser Genealogie mehr als deutlich. Noah ist nur zu verstehen im Hinblick auf Adam und in gewisser Weise ein zweiter Adam, einer dessen Nachfahren wir alle sind. Das ist schon ein hohes Podest, auf das die Heilige Schrift diesen Noah stellt, vielleicht zu hoch, denn eine kleine Spitze hat sie sich nicht nehmen lassen. Noah heiratet erst mit 500 Jahren (Gen. 5,32), nicht gerade in jungen Jahren. Solange hatte sich vor Noah keiner Zeit gelassen. Er hat drei Söhne: Sem, Ham und Jafet. Auch in den folgenden Sätzen bleibt die Heilige Schrift vielsagend und andeutend. Noah „ging seinen Weg mit Gott“ (Gen. 6.9). Das ist ein Satz, der so vorher nur von Henoch gesagt wird. Der aber war dann nicht mehr da, „denn Gott hatte ihn aufgenommen“ (Gen. 5,24). Diesen Satz finden wir für Noah nicht, stattdessen heißt es hier: „Noah war ein gerechter, untadeliger Mann unter seinen Zeitgenossen.“ (Gen. 6,9) Das ist ein großes Lob, von dem man nicht weiß, ob es eine Kritik transportieren soll. Wir wissen schon, dass unter den Blinden der Einäugige König ist. Und von Noahs Zeitgenossen wissen wir, dass sie schlimm waren. War Noah nur im Verhältnis zu seinen schlimmen Zeitgenossen „gerecht und untadelig“? Oder will uns die Schrift hier ein besonderes Lob kundtun, dass es unter schlimmen Zeitgenossen um so schwerer ist, untadelig und gerecht zu bleiben? Beide Lesarten sind hier möglich, auffällig ist dennoch der Unterschied zu Henoch. Dort steht nur Lob, hier bei Noah werden mehrere Deutungen zugelassen. Als ob die Schrift uns hier ganz vorsichtig darauf vorbereiten möchte, dass dieser Noah nicht nur gut, gerecht und untadelig ist, sondern eben doch nur „unter seinen Zeitgenossen“ hervorsticht. Dann wäre es ein Hinweis der Schrift, dass Gottes Güte und Barmherzigkeit alles entscheidet.

Noahs Vater

Noah ist ein Großer, ein Held der Menschheitsgeschichte, einer von dem alle reden. Die Heilige Schrift aber will diesem überbordenden Lob nicht ganz folgen. Erst mit 500 Jahren heiratet er und untadelig ist er „unter seinen Zeitgenossen“. Und da ist noch ein weiterer Punkt, der angesprochen werden muss. Noahs Vater heißt Lamech. Von Lamech ist im Absatz vor der Abstammungsliste bereits die Rede. Lamech heiratet zwei Frauen, Ada und Zilla (Gen. 4,19). Mit Ada hat Lamech zwei Söhne, Jabal und Jubal, der eine Hirte und der andere Zither- und Flötenspieler. Mit Zilla hat Lamech einen Sohn, den Tubal-Kajin, „der die Geräte aller Erz- und Eisenhandwerker schmiedete“ (Gen. 4,22), und eine Tochter, Naama. In der heiligen Schrift folgt nun ein Satz, der aufhorchen lässt: „Ja einen Mann erschlage ich für eine Wunde, und einen Knaben für eine Strieme. Wird Kain siebenfach gerächt, dann Lamech siebenundsiebzigfach.“ (Gen. 4,23) Das klingt wie das Jubellied eines Gewaltmenschen, eines rücksichtslosen Erfolgsmenschen. Nehmen wir diesen merkwürdigen Klang aus dem Satz heraus, dann bleibt als Sachverhalt, dass Lamech in Beziehung zu Kain steht.

Lamech ist der Legende (Ranke-Graves, S. 139) nach ein großer Jäger und vom Geschlechte Kains. Obwohl Lamech alt und blind ist, geht er mit seinem Sohn Tubal-Kajin auf die Jagd. Lamech spannt den Bogen, Tubal-Kajin muss zielen. Die vermeintliche Jagdbeute aber ist ein Mann, aus dessen Stirn ein Horn wächst. Tubal-Kajin bringt die Nachricht und Lamech erkennt, dass er seinen Vorfahren getötet hat. Im Schmerz schlägt er die Hände zusammen und tötet dabei ungewollt auch noch seinen Sohn Tubal-Kajin. Am Abend finden die beiden Frauen den Lamech. Aber der Familienfrieden ist tief gestört. Zilla ist nicht zu beruhigen, weil Lamech ihren Stammvater Kain und ihren Sohn Tubal-Kajin getötet hat. Die Ehe steht auf der Kippe und so suchen alle drei, Lamech, Ada und Zilla, einen Schlichter auf. Der Schlichter und Richter ist Adam, er lebt um diese Zeit noch, und ihn bitten sie um sein Urteil. Adam entscheidet, dass ein versehentliches Unglück vorliegt und spricht sich für Versöhnung aus. Bald darauf gebiert Zilla einen Sohn, Noah.

Die ganze Geschichte von Lamech und dem Jagdunfall ist nicht in die heilige Schrift aufgenommen, auch wenn diese Geschichte den Sinn des Satzes von Lamech verständlicher machen würde. Auch ist der Bann von sieben Generationen, der Kain für den Mord an Abel auferlegt wurde, mit der Generation Lamechs zu Ende. Eigentlich ist alles gut. Und doch bleibt da ein Makel, dass Noah, dieser Held der Menschheit, mit Kain verwandt sein soll.

Die Sintflut

Als die Flut kommt, ist Noah bereits 600 Jahre alt. Mit dem Bau der Arche soll er sich ziemlich Zeit gelassen haben, in der stillen Hoffnung, dadurch die Katastrophe noch hinausschieben zu können (Ranke-Graves, S. 137). Eine Woche vor der Flut ist der Legende nach Metuschelach gestorben und die Woche der Trauer ist wohl ein letzter Moment umzukehren (Ranke-Graves, S. 138). Aber anders als später bei Jonas Auftritt in Ninive findet keine Umkehr der Menschen statt.

In der Heiligen Schrift bekommt Noah sieben Tage vor der Flut von Gott selbst die klare Anweisung: „Geh in die Arche, du und dein ganzes Haus, denn ich habe gesehen, dass du unter deinen Zeitgenossen vor mir gerecht bist.“ (Gen. 7,1) Von den reinen Tieren soll Noah sieben Paare, von den unreinen nur ein Paar mit an Bord nehmen. Nach sieben Tagen ist das Boarding der Arche abgeschlossen. „Dann schloss der Herr hinter ihm zu.“(Gen. 7,16) Vierzig Tage und vierzig Nächte wird es nun regnen. „An diesem Tag brachen alle Quellen der gewaltigen Urflut auf, und die Schleusen des Himmels öffneten sich.“ (Gen. 7,11) Auch nach den vierzig Tagen steigt die Flut noch weiter an. Erst nach einem Jahr ist die Erde wieder trocken.

Was aber ist der Grund, dass Gott zu einem Reset der Schöpfung ausholt und alles Lebende auslöschen will? Zu Noah sagt Gott: „Ich sehe, das Ende aller Wesen aus Fleisch ist da; denn durch sie ist die Erde voller Gewalttat.“ (Gen. 6,13) Diese Begründung ist aber seltsam, denn nach der großen Flut dient ein ähnlicher Satz zur Wiederbegründung des Bundes zwischen Gott und den Menschen. Noah hat nach der Flut einen Altar gebaut und von den reinen Tieren und Vögeln Brandopfer dargebracht. Als Gott Noahs Brandopfer riecht, spricht er bei sich: „Ich will die Erde wegen des Menschen nicht noch einmal verfluchen; denn das Trachten des Menschen ist böse von Jugend an. Ich will künftig nicht mehr alles Lebendige vernichten, wie ich es getan habe.“ (Gen. 8,21) In dieser Wiederbekräftigung des Bundes steckt eine Akzeptanz der Art und Natur des Menschen. Seine Bosheit sei ihm eigen, von Jugend an. Aber ist nunmehr der Mensch, so wie er ist, angenommen?

Ein weiterer Gedanke zur Ursache von Gottes Zorn ist im einleitenden Absatz zur Sintflutgeschichte angesprochen. Da ist von den „Gottessöhnen“ die Rede, die sehen, wie schön die Menschentöchter sind, „und sie nahmen sich von ihnen Frauen, wie es ihnen gefiel.“ (Gen. ) Gott gefällt das nicht: „Mein Geist soll nicht für immer im Menschen bleiben, weil er auch Fleisch ist; daher soll seine Lebenszeit hundertzwanzig Jahre betragen.“(Gen. 6,3) Aus den Verbindungen der Gottessöhne mit den Menschentöchtern entspringen Kinder: „Das sind die Helden der Vorzeit, die berühmten Männer.“(Gen. 6,4) Im Verhalten der Menschen ist etwas, was nicht stimmt und hier mit dem Wort von den Gottessöhnen in Verbindung gebracht wird. Die Bilder dieser Zeilen sind nicht leicht. Vielleicht hilft eine Überlieferung weiter, die von einem solchen Gottkönig im sumerischen Uruk handelt. Abraham stammt später aus Ur, und flieht vor den dortigen Gottesvorstellungen, wie uns Achior (Judith, 5,5 ff.) berichtet. In Uruk in Chaldäa herrschte einst Gilgamesch, ein Held der Vorzeit. In dem Epos, das mit seinem Namen verbunden ist, erfahren wir über die Suche des Menschen nach dem ewigen Leben. In der Heiligen Schrift ist dieser Hinweis unmittelbar nach der Vertreibung des Menschen aus dem Paradies zu finden. Nachdem der Biss in den Apfel die Erkenntnis von Gut und Böse gebracht hat, darf auf keinen Fall auch noch vom zweiten Baum gekostet werden. Auch hier geht es um die Sehnsucht des Menschen nach Ewigkeit, der Utopie des Göttlichen. Gott stellt vor diese Sehnsucht einen Engel, der mit brennendem Schwert den Zugang zum Paradies versperrt.

Die Heilige Schrift hält sich mit der konkreten Beschreibung der Flut zurück. Der Hinweis muss reichen, dass es sintflutartige Regenfälle waren und die Quellen der Urflut hervorbrachen. Im Epos von Gilgamesch erfahren wir mehr (Gilgamesch, S. 107 ff.). Dort heißt der Held der Sintflut Uta-napischti. Im Rat der Götter hat der Gott Enlil vor dem Göttervater Anu den Beschluss durchgesetzt, eine große Flut aufkommen zu lassen. Aber Ea, der Gott der Weisheit, hat Zweifel und spricht zu Uta-napischti in einem Traum: „Rohrhütte, Rohrhütte! Wand, Wand! / Rohrhütte höre und Wand pass auf! / Mann von Schuruppak, Sohn des Ubar-Tutu! / Reiß ab das Haus, erbaue ein Schiff! / Lass fahren Reichtum, dem Leben jag nach, / Besitz gib auf, dafür erhalt das Leben! / Bringe den Samen alles Lebendigen in das Schiff!“ (Gilgamesch, S. 107) Uta-napischti nimmt diesen Traum an, aber er stellt doch eine wichtige Frage: „Aber wie soll ich es der Stadt erklären, den einfachen Leuten, den Ältesten?“(Gilgamesch, S. 108) Einen vergleichbaren Hinweis finden wir bei Noah nicht. Kein Zögern, kein Mitleid, kein Zweifel. Uta-napischti fragt wenigstens und beginnt dann mit dem Bau der Arche. Von Noah hören wir nichts dergleichen.

Es geht den Menschen in der Zeit vor der Sintflut gut. In der Schrift ist davon die Rede, dass es seit der Geburt des Noah besser lief mit dem Ackerbau. Hier im Gilgamesch-Epos finden wir einen ähnlichen Satz: „Im Morgengrauen ließ man Küchlein, in der Abenddämmerung einen Weizenschauer niederregnen.“(Gilgamesch, S.110) In diese gute Zeit bricht die Flut herein. Uta-napischti hat das Wetter beobachtet: „Die Erscheinung des Wetters hatte ich beobachtet – das Wetter war fürchterlich anzusehen.“ (Gilgamesch, 110) Das ist der Moment, um mit der Familie, den Tieren und den Handwerkern in die Arche einzusteigen. Seinen gesamten Besitz vermacht Uta-napischti dem Schiffer Puzur-Enlil, der das Schiff mit Pech abgedichtet hat, und dessen Name bedeutet, dass er ganz auf den Gott Enlil vertraut.

Im Morgengrauen kündigt sich die Katastrophe mit finsterem Gewölk am Horizont an. Gewitterwolken, Blitz und Donner schreiten über Berg und Tal. Eine Flutwelle reißt die Boote an den Ankerplätzen los. Die Stauwehre laufen über. Vulkane brechen aus. Von der Totenstille des Adad ist die Rede: „Wie ein Stier zertrampelte er das Land, zerschmetterte es wie einen Tontopf.“ Vermutlich ist auch ein Erdbeben im Spiel. „Am ersten Tag wütete der Südsturm … rasend blies er – doch der Ostwind brachte die Sintflut. Wie eine Feldschlacht kam seine vernichtende Flutwelle über die Menschen, so dass der eine den anderen nicht mehr sehen konnte. Die Leute kennen einander nicht mehr angesichts der Vernichtung.“ (Gilgamesch, S. 110) Die Flut und Katastrophe ist so gewaltig, dass – laut Gilgamesch-Epos – sogar die Götter in Furcht geraten sein sollen. Und hier, angesichts der gewaltigen Katastrophe, beginnt ein Stimmungsumschwung im Rat der Götter. Da ist der Schrei der Mutter Erde, der nun im Gilgamesch-Epos erklingt: „Wie konnte ich nur in der Götterversammlung Schlimmes gebieten, eine Vernichtungsschlacht befehlen für meine Menschheit? / Habe ich (sie) doch geboren! Meine Menschen sind sie – aber wie Fischbrut füllen sie (jetzt) das Meer.“(Gilgamesch, S. 111) Selbst die Götter der Unterwelt klagen mit ihr und ahnen nun, dass ohne Menschen niemand mehr da ist, um den Göttern Opfer darzubringen. Ein Gedanke, den wir aus Psalm 6 (Bußgebet in Todesnot) kennen: „Denn bei den Toten denkt niemand mehr an dich. Wer wird dich in der Unterwelt noch preisen?“ Oder auch in Psalm 30 (Dank für die Rettung aus Todesnot): „Was nützt dir mein Blut, wenn ich begraben bin? Kann der Staub dich preisen, deine Treue verkünden?“

Nach der Katastrophe

Sechs Tage und sieben Nächte hält der Sturm noch an. Dann lässt der Sturm nach, und auch das Meer beruhigt sich. Uta-napischti schaut aus nach dem Wetter: „Da war Stille, und die ganze Menschheit war wieder zu Lehm geworden. Wie ein Dach so flach war die Aue. Ich öffnete eine Luke und Sonnenlicht fiel auf mein Antlitz, ich kniete nieder, saß da und weinte, die Tränen liefen mir über die Wangen.“(Gilgamesch, S. 111) Der Held Uta-napischti weint angesichts der Opfer, die die Katastrophe gefordert hat. Die Menschheit ist wieder zu dem geworden, woraus sie von Gott geformt wurde. Neuanfang. Dann folgt die Geschichte, wie der Held Uta-napischti mit Hilfe von Vögeln erkundet, ob die Erde schon wieder bewohnbar ist. Zuerst eine Taube, dann eine Schwalbe und schließlich schickt Uta-napischti einen Raben los. Die Geschichte kennen wir aus der Schrift anders und ohne Schwalbe. Es gibt weitere Ähnlichkeiten. Auch im Gilgamesch-Epos bringt der Held der Rettung zur Wiederbekräftigung des Bundes mit den Göttern „den vier Weltgegenden ein Opfer dar“. Er stellt Räuchergefäße auf. „Die Götter rochen den Duft, die Götter rochen den süßen Duft, die Götter scharten sich wie Fliegen um den Opferer.“ (Gilgamesch, S. 112) In der Heiligen Schrift heißt es: „Dann baute Noah dem Herrn einen Altar, nahm von allen reinen Tieren und von allen reinen Vögeln und brachte auf dem Altar Brandopfer dar. Der Herr roch den beruhigenden Duft …“ (Gen. 8,20).

Nach dem Brandopfer kommt es im Gilgamesch-Epos zwischen den Göttern zum Stimmungsumschwung. Enlil ist zwar zuerst zornig, weil einige Menschen die Vernichtung überlebt haben. Aber der Gott der Weisheit, Ea, der Uta-napischti bereits im Traum vor der Flut gewarnt hatte, tritt nun offen gegen Enlil an. „Du klügster unter den Göttern, du Held, / wie nur konntest du, ohne zu beratschlagen, eine Sintflut machen? / Auf den Sünder leg seine Sünde, / auf den Frevler leg seinen Frevel! / Lockere (den Zügel), damit er nicht (ganz) abgeschnitten / Wird, zieh (ihn) an, damit er nicht schlaff hängt! / Statt dass du eine Sintflut machst, / mag ein Löwe auftreten und die Menschen vermindern! / Statt dass du eine Sintflut machst, / mag ein Wolf auftreten und die Menschen vermindern! / Statt dass du eine Sintflut machst, / mag eine Hungersnot entstehen und das Land dezimieren! / Statt dass du eine Sintflut machst, / mag der Pestgott aufstehen und die Menschen umbringen! / Ich selbst habe das Geheimnis der großen Götter nicht offenbart! / Den Hochgescheiten ließ ich ein Traumgesicht sehen, und / so hörte er von dem Geheimnis der Götter. / Jetzt schafft für ihn Rat!“ (Gilgamesch, S. 113 f.) Im Grund spricht hier der Gott der Weisheit von der Verhältnismäßigkeit der Mittel, dass eine Strafe im Verhältnis zur Tat stehen muss, und die Vernichtung der ganzen Menschheit wohl nicht der Verdorbenheit des Menschen angemessen sein kann. Abraham wird am Vorabend der Vernichtung von Sodom und Gomorrha ähnlich argumentieren. Auch in der Heiligen Schrift ist bei der Wiederbekräftigung des Bundes zwischen Gott und den Überlebenden die Bosheit des Menschen nicht mehr ursächlich: „Ich will die Erde wegen des Menschen nicht noch einmal verfluchen; denn das Trachten des Menschen ist böse von Jugend an.“(Gen. 8,21) Das „denn“ in dem begründenden Nebensatz ist verwirrend, weil diese Begründung vor der Flut genau anders herum genutzt wird. Insofern hat es das Gilgamesch-Epos mit seinen vielen Göttern leichter, einen Stimmungswandel der Götter zu beschreiben. Enlil ist für den Vernichtungsbeschluss verantwortlich, Ea hat von Anfang an dagegen gearbeitet, zuerst den Uta-napischti gewarnt und schließlich mit einer entschiedenen Rede für die Verhältnismäßigkeit der Mittel auch den Enlil überzeugt. Enlil ändert seine Meinung und besteigt das Schiff und nimmt Uta-napischti und seine Frau an die Hand, führt sie nach draußen und berührt ihre Stirn, um beide zu segnen: „Früher war Uta-napischti ein Menschenkind, jetzt aber sollen Uta-napischti und seine Frau uns Göttern gleich werden.“(Gilgamesch, S. 114) Der Held der Sintflut wird mit samt seiner Frau in den Himmel aufgenommen.

Im Gilgamesch-Epos werden Uta-napischti und seine Frau in den Himmel aufgenommen. Ähnliches erfahren wir in der Heiligen Schrift nicht. Es gibt nur einen stillen Hinweis. Noah war „unter seinen Zeitgenossen“ ein gerechter und untadeliger Mann. „Er ging seinen Weg mit Gott.“ Diese Formulierung finden wir in der einleitenden Abstammungsgeschichte nur bei Henoch, und der ist eines Tages nicht mehr da, „denn Gott hatte ihn aufgenommen.“(Gen. 5,24) Die Heilige Schrift hat bereits in der Vorgeschichte zur Sintflut einige spitze Bemerkungen über Noah abgegeben. Nun in der Nachgeschichte zur Sintflut werden die Unterschiede zum Gilgamesch-Epos heftiger. Noah ist ein Held: „Noah wurde der erste Ackerbauer und pflanzte einen Weinberg.“(Gen. 9,20) Soweit geht die Schrift noch mit. Denn in einer Kultur von Brot und Wein, welch höheres Lob auf Noah kann verkündet werden? Aber die Schrift scheint keine Happy-Ends zu mögen, weil im wirklichen Leben die Helden auch immer nur halben Helden sind. Das Eine, die Heldentat, muss nicht heißen, dass dieser Mann heiligmäßig gelebt hat. Und bei Noah scheint das der Fall zu sein. Dass er „unter seinen Zeitgenossen“ ein Gerechter war, diesen Hinweis haben wir mehrfach gehört. Nun aber kommt es deftig, so heftig, dass die ganze Katastrophe wohl unaussprechlich bleiben muss. Noah trinkt zu viel, und Alkoholismus kann ganze Familien in den Abgrund führen. „Er trank von dem Wein, wurde davon betrunken und lag entblößt in seinem Zelt.“ (Gen. 9,21) Was dann passiert, bleibt dunkel. Denn Ham, der Vater von Kanaan, kommt ins Zelt, sieht seinen Vater und holt die Brüder. Alle drei decken ihn zu. Als Noah wieder nüchtern ist, verflucht er Kanaan. Wie bitte? Ham entdeckt die Schande, holt die Brüder, alle drei helfen dem Vater und der verflucht ob dessen, „was ihm sein zweiter Sohn angetan hatte“ (Gen. 9,24), dessen Sohn Kanaan. Robert Ranke-Graves und Raphael Patai geben in „Hebräische Mythologie“ einen Hinweis, dass hinter dieser Geschichte sich ein Vorfall verbergen kann, der in der griechischen Mythologie ungeniert überliefert wird. Dort wird von einem dramatischen Aufstand der Söhne gegen den Vater Uranos berichtet, die den Vater entmannen. Vielleicht hat Kanaan dem betrunkenen Großvater Gewalt angetan. Alkoholismus zerstört Familien und Vermögen. Vielleicht wollte Kanaan das Drama beenden. Noah lebt nach der Flut noch 350 Jahre, aber Priester kann er fortan – verstümmelt – nicht mehr sein (Deut. 23,2, Ranke-Graves S. 150). Die Schrift setzt in klarer Unterscheidung zum Happy-End im Gilgamesch-Epos ein bitteres, deutlich realistischeres und an den Alltags-Problemen orientiertes Zeichen. Auch Helden haben ihre Macken, können unausstehlich sein.

Die Gebote des Bundes

Und noch ein Unterschied zum Gilgamesch-Epos ist deutlich. Nach der Sintflut bekräftigt Gott seinen Bund mit den Menschen. „Solange die Erde besteht, / sollen nicht aufhören / Aussaat und Ernte, Kälte und Hitze, / Sommer und Winter, Tag und Nacht.“ (Gen. 8,22) Aber dieser Bund ist nicht geschenkt, sondern an Gebote gebunden. Gott segnet Noah und seine Söhne, nicht ohne Gebote auszusprechen. Im ersten Gebot wird Genesis zitiert und im Grunde auch die Konsequenz aus der Katastrophe gezogen. „Seid fruchtbar, vermehrt euch, und bevölkert die Erde.“(Gen.9,1) Das ist klassische Risikominimierung durch Dislokation, ein Verfahren, das wir aus dem Bereich der Finanzanlagen oder auch aus dem Militärischen kennen. Im zweiten Gebot ist klar geregelt, dass der Mensch den Tieren vorsteht. Im dritten Gebot werden alles lebende Getier und alle grünen Pflanzen dem Menschen als Nahrung gegeben. Allerdings darf Fleisch, so sieht es das vierte Gebot vor, nur gegessen werden, wenn es ausgeblutet ist. Im Blut wird die Seele des Lebens vermutet, und für das Leben setzen die Gebote die Wertschätzung sehr hoch an. Im fünften Gebot fordert Gott Rechenschaft von jedem, der menschliches Blut vergossen hat. Diese Rechenschaft fordert Gott auch vom Tier, nicht nur vom Menschen. Und diese Rechenschaft ist von jedermann gefordert, auch von den Brüder, was vielleicht gegen die Blutrache sich richtet und auf die Etablierung von Gerichten hinausläuft. „Wer Menschenblut vergießt, dessen Blut wird durch Menschen vergossen. Denn: Als Abbild Gottes hat er den Menschen gemacht.“ (Gen.9,6)

Der Bund, den Gott nach der Sintflut mit Noah schließt, gilt für alle: „Hiermit schließe meinen Bund mit euch und mit euren Nachkommen und mit allen Lebewesen bei euch, mit den Vögeln, dem Vieh und allen Tieren des Feldes, mit allen Tieren der Erde, die mit euch aus der Arche gekommen sind.“ (Gen. 9,9) Die Gebote des Noahidischen Bundes gelten für alle Menschen dieser Erde, auch für die Tiere, für alle Überlebenden der Arche. Das Zeichen des Bundes ist der Regenbogen.

Gedenke! Zachor!

In der Beschreibung der eigentlichen Flutkatastrophe ist die Schrift mit konkreten Hinweisen sparsam. Die Quellen der Urflut und die Schleusen des Himmels öffnen sich. Vielmehr erfahren wir nicht, aber das Ereignis kann die Schrift genau datieren. Es geschah am siebzehnten Tag des zweiten Monats. Das wäre dann drei Tage nach Vollmond gewesen, und wir hätten hier den indirekten Hinweis, dass auch noch eine Springflut am Werke beteiligt gewesen sein könnte. Auch in den folgenden Beschreibungen der Flut finden wir weitere Hinweise mit genauen Angaben, und erst nach genau einem Jahr am siebzehnten Tag des zweiten Monats ist die Erde wieder trocken. Diese Datierungen klingen wie Hinweise auf ein religiöses Fest. Etwa wenn wir heute sagen: Es geschah am zweiten Weihnachtstag, als infolge eines Erdbebens eine gewaltige Flutwelle die Küstenorte Thailands verwüstete und hunderttausende Menschen in den Tod riss. Im Gilgamesch-Epos gibt es ebenfalls einen Hinweis auf ein religiöses Fest in dem Abschnitt zum Bau der Arche. Uta-napischti schlachtete Rinder und Schafe für die Handwerker, er lieferte Gersten- und Weizenbier: „Öl und Wein gab ich den Arbeitern wie Flusswasser zu trinken. Sie feierten ein Fest wie am Neujahrstag.“ (Gilgamesch, S. 109)

Im Eingangstext haben wir die Frage nach der Erinnerbarkeit von menschheitsgeschichtlichen Katastrophen gestellt. Platon beschreibt im Timaios, dass die Griechen nach ägyptischen Quellen ihre eigene alte Geschichte nicht kannten, weil sie durch eine Flut, der Zerstörung der Archive und der Vernichtung der Gebildeten, ins Jugendalter zurückgeworfen worden waren. Hier in der Sintflut-Geschichte steckt ein Hinweis, wie Katastrophen erinnert werden können. Wie die Überlebenden eine Botschaft für die Nachwelt durch die Wirren der Zeit hindurch übermitteln können. Die Erinnerung der Sintflut könnte mit einem religiösen Neujahrsfest verbunden gewesen sein. Ranke-Graves spricht auch von einem rituellen Schiff, der Mondbarke (Ranke-Graves, S. 145). Dass auf dem Fest Wein wie Flusswasser getrunken wurde, verweist auf den bitteren Ausgang der Geschichte Noahs, seine Trunkenheit und die Gewalttaten in seiner Familie. Aber dass die Sintflut-Geschichte mit einem religiösen Fest verbunden gewesen sein könnte, ist ein wichtiger Hinweis. Denn gegen die Vernichtung der Archive und der Gebildeten hilft nur die Einbettung der Berichte der Überlebenden in Form einer mächtigen Erzählung in den Rhythmus eines wiederkehrenden religiösen Festes. Nur so kann die Erzählung eine eigene Wirkmächtigkeit entwickeln und über die Generationen weitergegeben werden.

Uns modernen Menschen kommt es befremdlich vor, dass hier Menschen aus fernen Zeiten mit uns kommunizieren wollen, und wenn wir ihre Bilder nicht mehr verstehen, es dann auch nicht ganz so schlimm ist, sofern wir die Geschichten nur weitererzählten, weil der Sender der Nachricht damit rechnete, dass wir die Botschaft nicht verstehen. Als ob wir nur zu Trägern einer Nachricht taugten – wir, die wir doch fast alles verstehen. Dass am Vorabend der Sintflut es den Menschen besser ging, weil der Ackerbau weniger mühselig war und es morgens Kuchen und abends Weizen regnete, das passt gut auf unsere Zeit. Auch dass sich am Vorabend der Katastrophe alle für Gottessöhne hielten und mit den schönen Menschentöchtern machten, „wie es ihnen gefiel“, ist ein uns nicht unbekanntes Verhalten. Den Kritiker des Zweiten Vatikanischen Konzils wird es ein Leichtes sein, diese Worte auf unsere Zeit erschreckend anschaulich zu übertragen. Und dass da ein Streben nach Ewigkeit im Spiel war, ist uns heute auch nicht unverständlich, wir würden es mit Gen-Technologie in Verbindung bringen, nur dass Gott damals auf die menschliche Sehnsucht nach Unsterblichkeit mit einem brachialen Gegenbeweis antwortet.

Der Rhythmus eines religiösen Festes sorgt dafür, dass bestimmte Geschichten Lesejahr für Leseart jeweils wieder anders und neu gehört werden. Wir kennen diesen Moment, wenn ein Text, den wir viele Jahre gehört haben, nun auf einmal eine ganze andere und neue Konnotation offenbart. Insofern wird die Geschichte von der Sintflut immer andere und neue Gedanken anstoßen können. Die vielleicht grundlegendste Botschaft der Geschichte von der Sintflut ist, dass Kulturen, die große Katastrophen überleben können wollen, mächtige Erzählungen und Erinnerungsrituale brauchen.

Wenn wir die alten Erzählungen hören, dann deuten wir diese Überlieferungen immer im Kontext unserer eigenen Zeit. Für Deutschland passt die Noah-Geschichte ganz gut in das Zeitgeschehen. Wir sehen die düsteren Gewitterwolken von Westen her schon am Horizont heraufziehen. Fürchterlich anzusehen diese Drohung. Aber die Frage ist damals wie heute: „Aber wie soll ich es der Stadt erklären, den einfachen Leuten, den Ältesten“ (Gilgamesch, S. 108), denn noch regnet es morgens Kuchen und abends Weizen. Noch will zum Horizont keiner aufschauen. Noch verhalten sich die Eliten wie der Schiffer Puzur-Enlil und suchen Schutz bei dem Gott, der ihren Untergang beschlossen hat.

Quellen:
Die Einheitsübersetzung
Das Gilgamesch-Epos. Übersetzt, kommentiert und herausgegeben von Wolfgang Röllig, Stuttgart, 2009 (hier: Tafel XI)

Ranke-Graves, Robert; Patai, Raphael: Hebräische Mythologie, Reinbek b. Hamburg 1986 (englisches Original von 1963)

Bild: de.wikipedia.org/wiki/Arche_Noah#/media/File:Fluttafel-tr-1238.jpg (Timo Roller)
Theresia Katharina
@Schäfchen Der Mann Lamech, der Noah zeugte, war der Sohn Mathusalas, der wiederum von Seth, dem 3. Sohn Adams abstammte (Genesis 1, Kap V, Vers 28)
a.t.m
@Schäfchen Vermutlich werden die 2 Henoch, einmal der in der Kain Erbfolge und einmal der Henoch in der Set Erbfolge miteinander verwechselt.

Gottes und Mariens Segen auf allen Wegen
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Apropos "neue Konnotation": Die "Rechten" sehen heute die düsteren Gewitterwolken vom Osten her am Horizont heraufziehen (der Islam), die "Linken" sehen im Westen düstere Gewitterwolken in Form eines Trump am Horizont aufziehen...
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Theresia Katharina
@eiss Das stimmt doch gar nicht, was Sie darlegen! Das sind doch apokryphe Geschichten, die Sie hier bringen!
Noah war kein Nachkomme Kains, sondern von Seth, dem 3. Sohn Adams, siehe hier Stammbaum der Bibel! www.stammbaum-der-bibel.de/baum.htm @Carlus @Sunamis 46 @Vered Lavan @Gestas @alfredus @Tina 13
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alfredus
Eine sehr lange Geschichte ! Aber was sagt sie aus ? Dass es schon immer Katastrophen und Unbilden gegeben hat, wie uns immer wieder gesagt wird ? Wir brauchen uns also keine so großen Gedanken zu machen, denn scheinbar können wir es nicht ändern ? ! Da liegt ein großer Trugschluss, denn wir wissen, es ist wie zu Noahs Tagen : .. die Menschen haben Gott vergessen, sie heiraten, kaufen und …More
Eine sehr lange Geschichte ! Aber was sagt sie aus ? Dass es schon immer Katastrophen und Unbilden gegeben hat, wie uns immer wieder gesagt wird ? Wir brauchen uns also keine so großen Gedanken zu machen, denn scheinbar können wir es nicht ändern ? ! Da liegt ein großer Trugschluss, denn wir wissen, es ist wie zu Noahs Tagen : .. die Menschen haben Gott vergessen, sie heiraten, kaufen und verkaufen und die Sünden nehmen Überhand. Durch den Verfall von Glaube, Moral und Sitte, Kindestötung und Homokult, steht die Menschheit am Abgrund. Die Zeichen vom Himmel sind unverkennbar : .. Katastrophen wie Erdbeben, Orkane, Überschwemmungen und das in immer kleineren Intervallen, sollten die Menschheit unruhig machen und aufrütteln .. ! Die Wissenschaft und auch die Kirchen wollen das so nicht sehen, deshalb werden diese Dinge zunehmen, weil niemand da ist der die Menschheit zur Umkehr und zum Glauben bewegt.
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