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Der Umgang mit Religionslehrern in Wien

Aritkel von Ralf Siebenbürger auf andreas-unterberger.at:

Ralf Siebenbürger
Lautstark bejammern die Verantwortlichen der Erzdiözese Wien seit Jahren den Priestermangel, der sie zwinge, Pfarren aufzugeben und priesterliche Aufgaben durch Laien erledigen zu lassen. Dabei ist dieser Priestermangel zumindest teilweise selbst verschuldet. Ein Beispiel ist der Fall von Martin D., der aus vorauseilendem Gehorsam gegenüber kirchenfeindlichen Kritikern von den eigenen Vorgesetzten „abgeschossen“ wurde.

Der Vorfall erinnert an die Szene im Asterix-Comic, in der die Piraten auf hoher See wieder einmal einem Schiff mit den gallischen Helden Asterix und Obelix an Bord begegnen. Um der obligaten Schlägerei mit den Galliern zu entgehen, die immer mit der Zerstörung und Versenkung des Piratenschiffes endet, beschließen die Piraten, sich diesmal gleich selbst zu versenken. Vom untergehenden Schiff aus ruft der Piratenkapitän hinüber zu den Galliern: „Diesmal haben wir euch drangekriegt!“

Martin D. hat Theologie studiert. Er war bis vor kurzem Priesterseminarist der Erzdiözese Wien. Und er war Religionslehrer, zuletzt an der Vienna Business School (ehemals Handelsakademie) in der nach der Familie des Kardinals benannten Schönborngasse im achten Wiener Gemeindebezirk.

Nachdem Martin D. bereits an einigen Schulen in Wien gearbeitet hatte – stets zur Zufriedenheit und mit Lob seiner Vorgesetzten, Kollegen und sehr guten Anmeldezahlen für den Religionsunterricht – wurde er im September 2013 an die VBS Schönborngasse versetzt. Die Vorgängerin kam nicht mehr wieder und wollte auch nicht mehr an die Schule zurück. Überhaupt gestaltete sich dort das Klima von vornherein nicht besonders angenehm.
Im Oktober war es so weit: Es traf die Beschwerde einer Schülerin ein. Sie hatte oft den Unterricht gestört und war daher auch einmal gemaßregelt worden. Die Schülerin behauptete, dass der Lehrer sich vor sie gesetzt und gefragt habe, ob denn bei ihr und ihrem Freund, der neben ihr saß und sich ebenfalls angeregt im Unterricht unterhielt, alles in Ordnung sei. Dadurch fühlte sich die Schülerin in ihrer Privatsphäre gestört und beschwerte sich.
Eine erste Untersuchung durch das Schulamt der Erzdiözese verlief sachlich, ruhig und konnte zur Beilegung der Affäre führen – vorerst.

Doch das war der anderen Seite nicht genug. So wurde der Vorwurf gegen den Lehrer in unkonkreter Form an den Regens des Wiener Priesterseminars herangetragen. Wenn sich eine Schülerin gestört fühlt, müsse das Belästigung sein. Und wenn schon Belästigung, dann wäre doch gleich auch sexuelle Belästigung möglich. Nach Einschaltung des gesamten Priesterseminars, Kollegen, des Pfarrers, des Generalvikars und des Kardinals Schönborn ging eine Eingabe an die Ombudsstelle und zugleich eine Meldung an die diözesane Stabsstelle für Prävention von sexuellem Missbrauch und Gewalt. „Der Anzeiger war dabei nicht die Betroffene oder Zeugen, sondern kein Geringerer als der Regens des Wiener Priesterseminars, Dr. Richard Tatzreiter persönlich“, weiß Martin D., der bereits die aufkommenden Mediengewitter ängstlich roch.

Zuerst musste der Lehrer weg. Aber wie? Ein Bundesbedienstetenverhältnis kann nicht einfach aufgrund unbegründeter Annahmen, die keinem zweiten Blick standhalten, beendet werden. Also bat Herr Tatzreiter das Schulamt der Erzdiözese, Martin D. abzuziehen.

D. wurde ins Schulamt gebeten. Die Lage sei belastend für ihn und seine Gesundheit, erklärte man ihm, und es wurde ihm zugesprochen. Er solle doch das Dienstverhältnis einvernehmlich beenden. Man werde sich um ihn kümmern. Zur Not finde man eine Beschäftigung im Schulamt und ab Februar eine neue Schule. Natürlich müsse D. das nicht sofort entscheiden, aber nach 24 Stunden sollte man dann schon wissen, ob er das Angebot nicht annehmen möchte.
Bemerkenswert daran: D. wird empfohlen, sich als Ratgeber an jenen Regens Tatzreiter zu wenden, der als Anzeiger des angeblichen sexuellen Missbrauchs die Sache hintenherum angestoßen hat und nun den Unparteiischen spielen darf. Martin D. nimmt verstört an. Als er am nächsten Morgen ins Schulamt geht, wird ihm bereits das vorgefertigte Schriftstück in seinem Namen zur Unterschrift vorgelegt. Ab da an darf Martin D. sich mit monatsweise befristeten Dienstverhältnissen in der Diözese, die auf Wohlwollen des Herrn Regens angewiesen sind, durchs Leben kämpfen – in Teilzeit versteht sich.

Weiterlesen: www.andreas-unterberger.at/…/der-umgang-mit-…
Bellfrell @Bellfrell twitter.com/…/109161279227951…

Bellfrell hat Kronen Zeitung retweetet
Aus der Serie "Kinder in Österreich, die ihre Eltern so richtig stolz machen" *Sarkasmus*

twitter.com/…/109133720800980…
Aquila


Wir können sicher sein, dass es solche und ähnliche Fälle in vielen deutschsprachigen Bistümern gibt!
Da bräuchte es einen mutigen, engagierten Laien (den können die Ordinariate kaum maßregeln und zum Schweigen verurteilen), der alle Fälle von Ordinariats-Machtmissbrauch aufdeckt und in die Öffentlichkeit …
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Wir können sicher sein, dass es solche und ähnliche Fälle in vielen deutschsprachigen Bistümern gibt!
Da bräuchte es einen mutigen, engagierten Laien (den können die Ordinariate kaum maßregeln und zum Schweigen verurteilen), der alle Fälle von Ordinariats-Machtmissbrauch aufdeckt und in die Öffentlichkeit bringt! Ist keiner in Sicht?
Santiago74 likes this.
Er war wohl zu wenig Fundamentalist!
Eremitin
kopfschüttel und immer mehr Freude an der eigenen Pensionierung!