언어
클릭 수
576
Schäfchen

St. Martin reitet durch den Blätterwald - sein Ziel: Weltkulturerbe

Die ersten Stollen liegen im Supermarkt, das passt zum Regen und der urplötzlich eingebrochenen Herbstkälte. Als wäre der Sommer schon lange vorbei. Auch die Lehrerin, die über die Kleiderordnung sprach, versprach uns, dass es bald wieder Sommer werden würde. Als wäre der Sommer schon lange vorbei.

Nun kommt aber nach dem hoffentlich goldenen Oktober und vor dem großen Stollengeschäft noch der Weckmann dran. Am 11. November. In Westfalen ist’s der Stutenkerl. Der Weckmann, so lese ich in der Tageszeitung, soll Weltkulturerbe werden. Nein, so ist’s nicht ganz richtig. Der Martins-Zug soll Weltkulturerbe werden. Zwei Martinsfreunde aus dem Kreis Viersen kamen unlängst auf diese Idee.

www.wz.de/…/rheinischer-san…
www.ksta.de/nrw/martinsumzuege-…
www.general-anzeiger-bonn.de/region/Sankt-Martin-so…

Nun sei den Martinsfreunden dank – aber ist denn der Zug tatsächlich auf Nordrhein-Westfalen begrenzt? Und der Weckmann wechselt ja schon zwischen Rheinland und Westfalen seinen Namen – er wird zum Stutenkerl, der den Kindern manchmal auch erst am Nikolaustag – und auch da gibt’s dann einen Laternenzug – ausgehändigt wird.

Also liebe Rheinländer und liebe Westfalen: Weltkulturerbe ja gern, aber kein Alleinstellungsmerkmal in Nordrhein-Westfalen. Wiki weiß weiter: „In vielen Regionen Deutschlands, Österreichs, der Schweiz, in Luxemburg sowie in Ostbelgien, Südtirol und Oberschlesien sind Umzüge zum Martinstag üblich. Bei den Umzügen ziehen Kinder mit Laternen durch die Straßen der Dörfer und Städte. Begleitet werden sie häufig von einem auf einem Schimmel sitzenden Reiter, der mit einem roten Mantel den heiligen Martin als römischen Soldaten darstellt. In Bregenz wird dieser Brauch Martinsritt genannt, im Rheinland Martinszug und in Vianden (Luxemburg) Miertchen.[13][14] Häufig wird auch die legendarische Schenkung des Mantels an den Bettler nachgestellt. Bei dem Umzug werden Martinslieder[15] gesungen, häufig begleitet von einer Blaskapelle. Die Laternen werden oft vorher im Unterricht der Grundschulen und in Kindergärten gebastelt.“
de.wikipedia.org/wiki/Martinstag

Für alle, die der Martinsgesänge nicht mehr mächtig sind, hat die Rheinische Post ein Rätsel – im Multiple-Choice-Muster – verfasst. Hier können Sie augenverdrehend zumindest textlich wieder sattelfest werden und am 11.11. gleich mit den Kindern singen, die ganz gewiss auch durch Ihre Straßen ziehen werden.
www.rp-online.de/…/traditionszug-s…

Der Vorschlag der beiden Kempener ist übrigens nicht einmal neu, das Domradio berichtete schon im Juni von ihrem Plan. (www.domradio.de/…/rheinische-mart…) Womöglich muss die Presse jetzt gerade das kleine Loch nach den Sommerferien füllen. Vielleicht sollen wir auch alle wieder uns innerlich christlich abendländisch einstimmen.

Wirkliche Neuigkeiten gibt es vielleicht aber schon übermorgen: „Für den Antrag haben die Initiatoren nach eigenen Angaben rund 300 Martins-Vereine vom Niederrhein bis zur Voreifel und jenseits des Rheins bis nach Düsseldorf zu Einzelheiten ihrer Züge befragt. Bei einem Treffen mit über 70 Vereinen Wollen die Initiatoren diesen Freitag (15. September) die Ergebnisse der Befragung für den Antrag auf einen Nenner bringen.“
www.welt.de/…/Rheinischer-San…

Über das Weltkulturerbe selbst wird erst im nächsten Jahr entschieden. Aber das ist wahrscheinlich nicht das Wesentliche der Berichterstattung. Das wirkliche Geschehen ist Folgendes: Das christliche Abendland packt seine Schatztruhe. Und dahinein gehören offensichtlich Weihnachtslieder, Weihnachtsmärkte, Martinsumzüge. Nennen wir das mal den gemeinsamen christlichen Nenner. Auf den wir uns alle liebend gern verständigen. Wie notwendig ein solcher nennenswerter Nenner der christlichen Gemeinsamkeit tatsächlich ist, sehen Sie, wenn Sie sich – wie ich – in den Klauen der Bundeszentrale für politische Bildung verfangen: Themenblätter im Unterricht, aus dem Jahr 2006, unter der Frage „Wie christlich ist das Abendland“. Hier ein Auszug aus einem Fragebogen:

a) Bitte kreuzen Sie entsprechend an: Es ist typisch christlich …
+ ja, typisch
- nein, gar nicht
o nicht nur christlich


… alten Menschen über die Straße zu helfen
… in der Bibel zu lesen
… Weihnachten zu feiern
… auf den Kirchentag zu gehen
… jeden Sonntag in die Kirche zu gehen
… kirchlich zu heiraten
… Sterbehilfe abzulehnen
… keine Verhütungsmittel zu benutzen
www.bpb.de/system/files/pdf/6RU43O.pdf

Auf, sattelt die Pferde, wir reiten los fürs christliche Abendland! Aber halt: Unterwegs auf keinen Fall Verhütungsmittel benutzen, sonntags an der nächsten Kirche anhalten wegen der heiligen Messe, auf dem Weg den Alten über die Straße helfen und dabei jede Form der Sterbehilfe ablehnen.

Bleibt dann noch eins zu sagen: "St. Martin mit dem Schwerte teilt den warmen Mantel unverweilt." Typisch christlich eben.

Vielleicht sollten wir mehr das Christentum und weniger das Abendland retten.

댓글 쓰기…
PalmerioCattolico
@Gestas
du bist von Beruf eine Troll-Jaeger?
Gestas
@Valoris
Es wird sich mit der Zeit herausstellen, ob sie ein Troll sind. Ich hoffe nicht. Ich werde sie beobachten. Schönen Gruß
Gestas
@Valoris ist der alter, schon mehrfach gelöschter Troll aus Saarland.
Manche Nutzer meinen, "ach der ist harmlos" aber wenn man ihn lässt, zeigt er später sein anderes, wenig harmloses Gesicht
Nach der BTW? Liebe @Valoris, da wird jeder Deutsche und jede Deutschin den jeweiligen Mantel teilen MÜSSEN! Manche nennen diese Aktion dann "Bürgerkrieg"! Oder ??
Eremitin
ja liebe Eli, Ö ist eben noch moderner als D und jetzt schmeckt mir der gekaufte Lebkuchen am besten. Nee nix die ollen vom Osterhasen, sondern ofenfrische ,gefunden in meinem Supermarkt...LOL
Bei uns gibt's einfache Weckmänner zu St.Martin oder gar nur Einback und Bleckweck...am Nikolaustag dann die Wecktypen mit Pfeife. Hol ich mir jedes Jahr einen. Mit Butter und Marmelade schmeckt er noch am Folgetag.
Ja, es wird höchste Zeit, den Mantel zu teilen...

Fast 32.000 muslimische Schüler gehen in Wiener Volksschulen oder Neue Mittelschulen (NMS), nur noch knapp 30.000 Pflichtschüler sind katholisch. Drittgrößte Gruppe sind die Schüler ohne Religionsbekenntnis, zeigen aktuelle Zahlen (siehe Grafik).
Ha jaaa...
"St. Martin mit dem Schwerte teilt den warmen Mantel unverweilt." Ab dem 24. Sept. dann gilt das als Gesetz in Deutschem Lande!!!