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Mit Feinden wie Gerhard Kruip hat Kardinal Müller gut lachen. Von Don Reto Nay.

Bild: Gerhard Kruip, Juni 2009 (Bischöfliche Pressestelle Hildesheim)

Der Mainzer Sozialethiker Gerhard Kruip hat auf der deutschen Bischofs-Webseite „katholisch.de“ die jüngsten Kritiken von Kardinal Gerhard Ludwig Müller an der Homosex-Ideologie verreißen dürfen.

Sein Artikel vom 29. November stand unter dem Titel „Kann die Kirche in moralischen Fragen dazulernen?“ Die Antwort darauf lautet natürlich „Ja“. Dazulernen kann man immer und in jedem Bereich. Doch ehrlicherweise müsste der Titel lauten: „Kann die Kirche in unmoralischen Fragen dazulernen?“ Denn in Kruips Artikel geht es darum. In diesem Fall lautet die Antwort „Nein“.

Keine Spannung zum Katechismus

Kruip ist darüber entzückt, dass Amoris laetitia sagt, dass Gott (oder Papst Franziskus) das „frohe Genießen des Menschen“ liebe. Er schließt daraus, dass die „erotische Dimension der Liebe“ nicht als "Übel", sondern als „Geschenk Gottes“ zu betrachten sei. Kruip behauptet, dass das „in einer gewissen Spannung“ zum Katechismus der Katholischen Kirche § 2351 stehe, wo zu lesen ist:

„Unkeuschheit ist ein ungeregelter Genuss der geschlechtlichen Lust oder ein ungeordnetes Verlangen nach ihr. Die Geschlechtslust ist dann ungeordnet, wenn sie um ihrer selbst willen angestrebt und dabei von ihrer inneren Hinordnung auf Weitergabe des Lebens und auf liebende Vereinigung losgelöst wird.“

Es ist sogar für theologische Laien klar, dass Kruip hier Äpfel („erotische Dimension der Liebe“) und Birnen („Unkeuschheit“, „ungeordnete Geschlechtslust“) verwechselt. Darum ist seine Konklusion falsch, dass die Kirche in diesem Punkt "etwas dazugelernt hat" und Sexualität und Lust "inzwischen positiver beurteilt“ - ganz abgesehen davon, dass ein nachsynodales Schreiben nie die Autorität des Katechismus haben kann.

Kein Konsens, nur ein Denkverbot

Kriup denkt und schreibt sehr ungenau. So meint er, dass in „der“ Exegese ein „breiter Konsens“ bestünde, dass die „gegen Homosexualität angeführten Bibelstellen“ Gen 19,1-29; Röm 1,24-27; 1 Kor 6,10; 1 Tim 1,10 ein „solches Verbot“ nicht rechtfertigen können.

Erstens gibt es „die“ Exegese nicht, sondern nur Exegeten, die sich gerne widersprechen. Zweitens existiert ein „breiter Konsens“ zu Gunsten des Homosexualismus nicht aufgrund sauberer exegetischer Erkenntnisse, sondern weil in dieser Frage ein Denkverbot besteht. Man darf in der Schulexegese zu dem Thema nicht mehr offen reden. Wer sich nicht fügt, wird entlassen. Der „Konsens“ ist somit erzwungen. Drittens hängt der von Kriup verwendete Ausdruck „solches Verbot“ in der Luft. Er muss wirklich lernen, genauer zu formulieren.

Kriup verlangt, „offen“ darüber diskutieren zu dürfen, ob in der Homosex-Frage nicht ein „Lernfortschritt“ in der kirchlichen Sexuallehre notwendig sei. Doch das Problem ist genau umgekehrt: Man müsste endlich „offen“ den angeblichen „Lernfortschritt“ in dieser Frage in Frage stellen dürfen.

Es kann offenbar nicht verhindert werden, dass irgendwelche Theolunken den Homosexualismus als letzter Schrei aus der Parteimolkerei feiern. Aber zu behaupten, dass man dabei die Bibel auf der eigenen Seite habe, ist wissenschaftlich unredlich und unter moralischem Aspekt eine Lüge.

Lernprozesse oder Huldigung der Mächtigen?

Mit inzwischen gewohnter Ungenauigkeit nennt Kriup weitere Themen wie „Todesstrafe“, „Presse- und Meinungsfreiheit“, „Staatsreligion“, Heilsnotwendigkeit der Kirche, „Religionsfreiheit“, „Menschenrechte“, bei der die Kirche „moralische Lernprozesse der Gesellschaften“ mit einem gewissen Zeitverzug nachvollzogen habe. Es spreche somit nichts dagegen, dass solche „Nachvollzüge moralischer Lernprozesse“ auch in Zukunft stattfinden würden.

Kriup vergisst zu erwähnen, dass es auch einen nationalsozialistischen und kommunistischen – wie er sagen würde – „Lernprozess“ gab und gibt. In Deutschland existierten unter Adolf Hitler die Protestantischen „Deutschen Christen“ und in China gibt es immer noch die „Patriotische Vereinigung“, eine Art katholische Staatskirche, die sich dem kommunistischen Regime anbiedert. Die blutrünstige Französische Revolution wurde auch von Priestern angeführt. Sogar Stalin war ein Priesteramtskandidat, der durch einen gewissen „moralischen Lernprozess der Gesellschaft“ ging.

Den Mächtigen haben „Lernprozesse“ von Kirchenvertretern immer gefallen. Aber ist Kriup in seiner Staatstheologie-Blase so wirklichkeitsfremd geworden, dass er nicht merkt, welche Folgen solche „Lernprozesse“ für die Kirche haben?

Hat er nicht gemerkt, dass seine „Lernprozesse“ ein unfehlbares Rezept für den kirchlichen Untergang sind? Hat er nicht gesehen, was uns die protestantischen und anglikanischen „Lernprozess“-Kirchen seit Jahrzehnten vor Augen führen? Statt die Wirklichkeit zur Kenntnis zu nehmen, schmeißt Kriup mit Drohbotschaften um sich: Die Kirche, die sich seiner „Lernprozess“-Ideologie versagt „würde jede Relevanz verlieren und könnte ihrem Auftrag der Evangelisierung nicht mehr gerecht werden.“

Welche „Relevanz“ hat heute Deutschlands „Lernprozess“-Kirche? Welchem „Auftrag der Evangelisierung“ kommt sie heute nach? Bei den „Lernprozess“-Kirchen besteht Evangelisierung darin, das Credo des jeweils herrschenden Regimes nachzubeten. Doch wenn Welt und Kirche fusionieren, dann wird nicht die Welt, sondern die Kirche überflüssig. Die deutsche Kirche ist eine überflüssige Kirche.

Dem Mainzer Sozialethiker fehlt die notwendige Intelligenz, die Problematik zu erkennen, sonst würde er Kardinal Müllers Thesen zum Homosexualismus nicht „unerträglich“ nennen. Müsste ein Professor nicht nüchternere Worte finden, um theologische und moralische Thesen zu beurteilen? „Unerträglich“ bezieht sich auf Kriups psychologische Verfasstheit. Ist er seelisch instabil?

Was ist die Quelle der Moralität?

Für einen als „Professor“ vorgestellten Autor ist Kriup erneut ärgerlich ungenau, wenn er Kardinal Müller unterstellt, in dem LifeSiteNews-Interview vom 21. November behauptet zu haben, „dass allein der Glaube an Gott moralische Normen begründe“ und daraus folgert, dass solche „unhinterfragbare Positionen“ dazu führen „dass man sich erst über die richtigen religiösen Offenbarungstexte und Autoritäten einigen müsste, bevor man zu einer für das menschliche Zusammenleben nötigen gemeinsamen Moral kommen könnte“. Eben nicht.

In Wahrheit stellte Kardinal Müller fest, dass Gott „die Quelle der Moralität“ ist, eine Aussage, die in der natürlichen Theologie, wie sie zum Beispiel Thomas von Aquin in der Summa contra Gentiles darlegt, selbstverständlich ist. Wenn Kriup die Summa contra Gentiles nicht kennt, sollte wenigstens die Rede des Großinquisitors in Fjodor Dostojewskis Gebrüder Karamasow einem „Professor“ bekannt sein. Dort wird die Frage nach der Bedeutung Gottes für die Begründung jeder Moral auch erörtert.

Kriup scheint von der Unterscheidung zwischen natürlicher Theologie und Offenbarungstheologie nie gehört zu haben. Darum bringt er die natürliche Theologie, die Gott aus der Natur und dem Verstand erschließt, mit der Offenbarungstheologie, die sich auf die Heilige Schrift beruft, durcheinander.

Der Rest des Kriup-Artikels ist Geschimpfe. Er beendet seinen Artikel mit einem Ausrufezeichen.
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Fischl
Daß Herr Kriup denkt, ist eine unverdiente Unterstellung
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das Wort Moral existiert im Evangelium nicht. Jesus hat auf Fragen, wie man sich verhalten soll, immer mit Gleichnissen geantwortet, wo wir ein Leben lang nachdenken können, was die bedeuten sollen. Der Sinn ist, daß man sich angesichts der Allmacht Gottes verbrüdert, um ihn gemeinsam zu erfahren. Jesus ist der Richter und das Urteil ist noch nicht endgültig, erst am Jüngsten Tag. Aber man hat … Mehr
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CollarUri
10 Gebote in der Auslegung Jesu = kath. Moral. Der Rest ist nur zur Erläuterung.
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@Theresia Katharina ich bin skeptisch, wenn die Kirche aus dem alleinigen Grund für die Mann-Frau-Ehe ist, damit das Christentum nicht ausstirbt. Sicherlich kann man auch viel intelligentere Argumente zunichten machen, aber kein Mensch kommt auf die Idee, daß sich Männer Frauen wünschen und sie nicht bekommen können und das Homo wollen sie nicht. Frauen sind viel hübscher und ich z.B. will es … Mehr
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Tja, das sind die modernen Theologen, die untermauern doch gerne die häretischen Thesen von PF, dem Falschen Propheten der Bibel. Solche Leute wie Kriup braucht der doch dringend!
Kruip ist darüber entzückt, dass Amoris laetitia sagt, dass Gott (oder eher Papst Franziskus) das „frohe Genießen des Menschen“ liebe. Er schließt daraus, dass die „erotische Dimension der Liebe“ nicht … Mehr
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Santiago74
DAS ist mal ne theologisch fundierte Replik! Vergelts Gott!
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Antiquas
Kardinal Müller: Homosexuelle Handlungen sind „ungeordnet“, „widernatürlich“ und führen in die Hölle
Wenn Papst Franziskus und Gerhard Kruip Kerle wären, sollten sie klar sagen: "Homosexuelle Handlungen sind geordnet, natürlich und führen direkt in den Himmel." Jorge Mario Bergoglio sollte noch darauf achten, dass er ohne Soutane vor die entsetzten Katholiken tritt.
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