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Ursachen, warum die heutigen Prälaten nicht mehr die Wunder der Apostel wirken

245. Dies sind die Ursachen, warum die Prälaten und Priester in gegenwärtiger Zeit nicht mehr die Wunder wirken, welche die Apostel und Jünger des Herrn beim Entstehen der Kirche gewirkt haben und welche so viele andere Seelenhirten wirkten, die, von glühendem Eifer für Gottes Ehre und für die Bekehrung der Seelen entflammt, das Leben der Apostel nachgeahmt haben. Das sind die Ursachen, warum die der Kirche anvertrauten Schätze des Leidens und Sterbens Jesu Christi weder in den Priestern und Kirchendienern noch in den übrigen Sterblichen Frucht bringen. Denn wenn die Priester diese Schätze verachten und nicht daran denken, sie für sich nutzbar zu machen, wie werden sie dieselben an die übrigen Kinder der Familie Christi austeilen? Das sind die Ursachen, warum sich gegenwärtig nicht mehr wie ehedem die Ungläubigen zur Erkenntnis des wahren Glaubens bekehren, obgleich sie unter den Augen der Kirchenfürsten, Kirchendiener und Verkündiger des Evangeliums leben. Die Kirche ist heutzutage mehr als je bereichert mit zeitlichen Gütern, Einkünften und Besitztümern; sie hat Ueberfluss an gelehrten Männern, welche sich reiche Wissenschaft erworben haben, Ueberfluss an hohen Prälaturen und einträglichen Stellen. Und da man alle diese Güter dem Blute Jesu Christi zu verdanken hat, so sollte man auch alles nach dem Willen und Wohlgefallen des Herrn verwenden, d. h. man sollte es verwenden zur Bekehrung der Seelen, zur Unterstützung der Armen Christi, zur Unterhaltung des Kultus und zur Verherrlichung des heiligsten Namens Jesu Christi.

246. Ob dies geschieht, das mögen die Gefangenen sagen, welche mit den Einkünften der Kirchen aus der Sklaverei losgekauft wurden; die Ungläubigen mögen es sagen, welche bekehrt, und die Ketzereien, welche ausgerottet werden; sie mögen sagen, welche Summen aus den Kirchengütern für fromme Zwecke verausgabt werden. Ja, sagen werden es die Paläste, welche vom Gute der Kirche erbaut, die Majorate, welche damit gestiftet, die prächtigen Landhäuser, welche damit hergestellt sind, und, was noch trauriger ist, sagen werden es die profanen und schändlichen Ausgaben derjenigen, welche, den obersten Hohepriester Jesum Christum entehrend, von der Nachfolge des Herrn und ihrer eigenen Amtsvorgänger, der Apostel, ebensoweit entfernt sind, als die verkommensten Weltleute dem Herrn fernestehen. Und wenn die Predigt derjenigen, die das Wort Gottes verwalten, tot, kraftlos und unfähig ist, die Zuhörer zu beleben, so liegt die Schuld nicht an der Wahrheit und Lehre der Heiligen Schrift, sondern an dem schlechten Gebrauche, welchen die Prediger davon machen, indem sie sich von verkehrten Absichten leiten lassen. Sie verfehlen den Zweck der Predigt und vertauschen die Ehre Jesu Christi mit ihrer eigenen Ehre und eitlen Hochschätzung, den geistlichen Nutzen mit dem schnöden zeitlichen Gewinn; und haben sie diese ihre beiden Zwecke erreicht, dann kümmern sie sich um keine weitere Frucht ihrer Predigt. Sie nehmen darum auch der gesunden und heiligen Lehre die Lauterkeit und Reinheit (manchmal auch die Wahrheit), mit welcher die hl. Verfasser sie geschrieben und die heiligen Kirchenlehrer sie ausgelegt haben. Was sie sagen, das sind nur Spitzfindigkeiten und Erfindungen ihres eigenen Geistes, welche in den Zuhörern mehr Bewunderung und Beifall erregen, als dass sie ihnen Nutzen bringen. Gelangt aber das Wort Gottes an die Ohren der Sünder in einer so entstellten Form, so erkennen sie in der Lehre nicht so sehr die Liebe Christi als vielmehr den Geist des Predigers; und dann hat die Predigt nicht die Kraft und Wirksamkeit, in die Herzen einzudringen, mag sie auch noch so künstlich ausgearbeitet und darauf ausgelegt sein, die Ohren zu erfreuen.

Maria v. Agreda, Die Mystische Stadt Gottes.

Ganzer Text von der glühenden Aposteltätigkeit der Urkirche bis zur Strafe Gottes über die heutige Kirche: ~>liebechristi.jimdo.com/…/zerfall-der-kir…