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Predigt von Erzbischof Johannes Dyba am Bonifatiusfest (4.6.2000) auf dem Domplatz von Fulda

Ca. 6 Wochen vor seinem plötzlichen Tod am 23. Juli 2000 hielt der Oberhirte von Fulda, Erzbischof Johannes Dyba, eine aufrüttelnde und glaubensstarke Predigt auf dem Bonifatiusfest, die wir hier vollständig dokumentieren.
Dieses Dyba-Foto ist wohl eines der ältesten Bilder aus seiner Zeit als Bischof:


Liebe Mitbrüder im Bischofs-, Priester- und Diakonenamt,
liebe Pilger, Schwestern und Brüder im Herrn!
Heute am Bonifatiusfest 2000 wollen wir im christlichen Herzen Deutschlands, am Grab des Heiligen Bonifatius, unseren Glauben erneuern, unsere Treue bekennen und auf die Fürsprache des Apostels der Deutschen den Segen des Allerhöchsten empfangen.
In 2000 Jahren hat sich der christliche Glaube aus dem kleinen Samenkorn zu dem gewaltigen Baum entwickelt, den Jesus von Nazareth den Seinen vorausgesagt hat.
Ja, der Glaube an den menschgewordenen Sohn Gottes, der Glaube an den Dreieinigen Gott – uns von Gott geoffenbart, von den Aposteln und Evangelisten bekannt und in die Welt getragen – die Jahrtausende haben ihn nicht erschüttern können!
Wir beten heute dasselbe Credo wie vor tausend Jahren. Und wir beten den gleichen Herrn an, dem sich vor 2000 Jahren die Fischer von Galiläa zu Füßen geworfen haben.
Liebe Brüder und Schwestern, was wir heute feiern können, ist die Erfüllung des Schriftwortes bei Johannes: “Was aus Gott geboren ist, überwindet die Welt” und “Das ist der Sieg, der die Welt überwindet: unser Glaube!”
Wie oft hat man versucht, ihn auszurotten, von den römischen Kaisern über die Potentaten aller Zeiten bis hin zu den Massenmördern des letzten Jahrhunderts. Sie alle konnten den Glauben nicht ausrotten. Nur Ströme von Märtyrerblut konnten sie fließen lassen, die aber dann immer wieder zum Samen für eine neue Blüte des Glaubens geworden sind.
Und wie oft hat man versucht, menschliches Wollen und menschliche Weisheit an die Stelle des Glaubens zu setzen. Die großen Ideologien unseres letzten Jahrhunderts, die den Glauben zum Aberglauben, ja zu Märchen, machen wollten, wo sind sie geblieben? Der Glaube aber erstarkt und breitet sich aus über den ganzen Erdkreis.
Und wenn immer uns eine sogenannte Aufklärung im Glauben verunsichern und die Göttinnen der Vernunft auf die Altäre heben will, sollten wir uns daran erinnern, dass die erste Aufklärung der Menschen schon von der Schlange im Paradies an Adam und Eva betrieben wurde. Und wir wissen, welche Folgen das hatte.

Vor zwölfeinhalb Jahrhunderten ist Bonifatius in unser Land gekommen und hat den Glauben erneuert und auf ein festes, kirchliches Fundament gestellt. Zwölfeinhalb Jahrhunderte – das sind über 40 Generationen, die den Glauben hier bekannt und gelebt haben.
Über 40 Generationen, ja die feiern heute alle mit! Wie werden sie sich freuen, dass sie zu ihrer Zeit den Glauben bewahrt haben! Wie werden sie sich freuen, dass wir heute hier den Glauben feiern! Wie werden sie für uns bitten, dass auch wir den Glauben bewahren und einmal im Reich Gottes alle vereint sein werden!
Liebe Schwestern und Brüder, wenn ich vom 2000-jährigen Triumph des Glaubens gesprochen habe, heißt das nicht, dass es nicht immer wieder auch schwere Krisen, ja Glaubensabfälle, gegeben hat, denn den Glauben kann man ja nicht einfach weitergeben von Generation zu Generation so wie ein Haus oder wie den Dom von Fulda. Jede Generation muss ihn aufs Neue in freier Entscheidung annehmen!
Und dass wir uns heute in Deutschland in einer Krise des Glaubens befinden, dass viel Glaubenssubstanz verloren gegangen ist, wird wohl niemand bestreiten können. Viele meinen heute beliebig auswählen zu können, was sie glauben möchten.
Wir hören von Umfragen mit ziemlich bestürzenden Zahlen und Ergebnissen. Ja, der Zeitgeist reibt sich bis zur Empörung an einer ganzen Reihe von Glaubenslehren. Und da, liebe Brüder und Schwestern, sind wir am entscheidenden Punkt. Das ist nichts Neues. Das hat es immer gegeben.
Selbst Jesus hat das erfahren. Nach einer Rede in der Synagoge von Kafarnaum – so berichtet das Johannesevangelium – sagten viele seiner Jünger, die ihm zuhörten: “Was er sagt, ist unerträglich! Wer kann das anhören?” – Und viele zogen sich zurück und folgten ihm nicht mehr. Da fragte Jesus die Zwölf: “Wollt auch Ihr weggehen?” - Simon Petrus aber antwortete ihm: “Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens.”
“Unerträglich! Wer kann das noch anhören?” - Wie oft hören wir das heute. Sind wir da nicht mitten in unserer Zeit? Und so kommt auch auf dich, du gläubiger Christ, der dramatische Augenblick zu, in dem die Geister sich scheiden. Mit den anderen unerträglich finden, was einem nicht passt? Weggehen?
“Aber wohin denn?”, sagt Petrus. Was können die aufgeregten Besserwisser von heute denn garantieren? Und wenn sie sich verlaufen haben, dann stehst du mutterseelenallein da und hast den Boden unter den Füßen verloren.

Wir wollen auf den vertrauen, an den glauben, dessen Worte ins ewige Leben führen, selbst wenn ich sie manchmal nicht verstehe. Sogar die Gottesmutter hat manchmal seine Worte nicht verstanden. Aber sie hat geglaubt, sie ist ihm gefolgt! Und so ist aus dieser kleinen gläubigen Frau die Regina Coeli geworden.
“Wohin sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens.” – In der Antwort des Petrus wird der Glaube zur Treue. Und jeder von uns muss sich entscheiden, ob er den überkommenen Glauben abstreifen oder ihm die Treue halten will. Danach entscheidet sich unser Schicksal.
Und jeder, der heute hier auf den Domplatz gekommen ist, um seinen Glauben zu erneuern, der gibt dem Herrn die Antwort des Petrus, reiht sich da ein und bekennt ihm seine Treue.
Wer aber in allen Versuchungen und Anfechtungen unserer Zeit seinem Glauben treu bleibt, dem gelten auch alle Verheißungen des Herrn an seine Getreuen: “Wer mich vor Menschen bekennt, zu dem werde auch ich mich bekennen vor meinem Vater im Himmel.”
Welche Chance haben wir da, von Gott angenommen und aufgenommen zu werden! “Wer an mich glaubt”, sagt der Herr, “hat das ewige Leben; und den werde ich auferwecken am jüngsten Tage.”
Ja, wer in diesem Leben durch dick und dünn treu bleibt, der wird einmal das Wort des Herrn hören: “Komm, du guter und getreuer Knecht. Du bist im Kleinen treu gewesen. Nun will ich dir Großes anvertrauen. Geh ein in die Freude deines Herrn.”
Und darum wollen wir treu sein. Nicht wegen der Vergangenheit, sondern wegen unserer Zukunft, wegen der Ewigkeit. Weil wir erkannt haben, die Treuen werden bleiben, wenn die Untreuen in Furcht und Zittern vergehen.
Und deshalb, meine lieben Pilger, lohnt es sich, treu zu sein. Und deshalb dürfen wir in Fulda stolz sein auf unsere lange Tradition der Treue zum Glauben.
An unserer Generation liegt es nun, an Euch allen hier, dass die Treue zum Glauben auch weiterhin der Ruhm Fuldas bleibt. Dass wir alle beweisen, dass es auch in unserem Land und auch in unserer Zeit möglich ist, im Glauben zu leben und glücklich zu sein in der Hand des Herrn.
Darum, liebe Brüder und Schwestern, wollen wir unseren Glauben erneuern und ihn in Treue bekennen. Dann werden wir auch den Segen empfangen, den der Herr seinen Treuen schon auf Erden zuteil werden lässt in ungeahnter Großzügigkeit.
Den Segen der Befreiung von Sünde und Schuld, den Segen eines immer wieder neuen Anfangs in seiner Gnade, den Segen seiner Gegenwart, den Segen seines Geistes, der uns – deren Leben doch so oft flach am Boden verläuft -, immer wieder zum Schöneren, zum Größeren, zum Höheren empor reißt.
Ja, Herr, segne uns, damit wir dir nie untreu werden, bis wir jubelnd in dein Reich einziehen. Segne unsere Familien, segne unsere Mütter und werdenden Mütter und die Frucht ihres Leibes. Segne unsere Häuser, segne unsere Städte und Dörfer, unsere Schulen und Arbeitsstätten.

Segne alle, die Verantwortung tragen in unserem Lande, dass sie sich ihrer Verantwortung vor Gott und den Menschen immer bewusst bleiben. Segne unsere Kranken und Leidenden, die Verzweifelten und Hoffnungslosen.
Ja, liebe Brüder und Schwestern, so wollen wir heute hier ein Zeichen setzen, unseren Glauben erneuern, unsere Treue bekennen und Gottes Segen empfangen!
Ja, mehr noch: Als aufrichtige Gläubige selbst zum Segen werden für alle Wankenden und Schwankenden und Kleingläubigen unserer Zeit. Das ist der Sieg, der die Welt überwindet: unser Glaube! Das Bekenntnis dieses Glaubens wollen wir jetzt vom Domplatz zu Fulda empor schallen lassen, dass man es hört, im Himmel und auf Erden: Credo! Credo! Credo! - Amen.
<<Der plötzliche Tod des Fuldaer Erzbischofs am 23. Juli 2000 hat viele Menschen im Bistum und weit darüber hinaus betroffen gemacht. Die hohe Wertschätzung, die Dyba genoss, zeigte sich vor allem an der großen Anteilnahme der Bevölkerung an seinem Tod. Tausende von Menschen warteten am Dienstag (25. Juli) geduldig, um an dem in der Michaelskirche aufgebahrten Sarg Abschied von ihrem Bischof zu …More
<<Der plötzliche Tod des Fuldaer Erzbischofs am 23. Juli 2000 hat viele Menschen im Bistum und weit darüber hinaus betroffen gemacht. Die hohe Wertschätzung, die Dyba genoss, zeigte sich vor allem an der großen Anteilnahme der Bevölkerung an seinem Tod. Tausende von Menschen warteten am Dienstag (25. Juli) geduldig, um an dem in der Michaelskirche aufgebahrten Sarg Abschied von ihrem Bischof zu nehmen. Auch dass über 10.000 Menschen zu den Trauerfeierlichkeiten am Freitag (28. Juli) gekommen waren, belegt, wie sehr ihnen das Ableben des Bischofs zu Herzen gegangen ist. Der Tod von Erzbischof Dyba war über Fulda und das Bistum hinaus auch ein bundesweites Medienereignis. Über 40 Bischöfe aus dem In- und Ausland haben Erzbischof Johannes Dyba die letzte Ehre erwiesen. Zum Requiem für den verstorbenen Oberhirten des Bistums Fulda fanden sich auch Repräsentanten anderer christlicher Konfessionen sowie Vertreter des öffentlichen Lebens in der Fuldaer Kathedralkirche ein. Nach dem Requiem fand in der Johanneskapelle die Beisetzung statt. Als der Sarg mit den sterblichen Überresten Dybas aus dem Blickfeld der Gläubigen fortgetragen wurde, war die Intensität des Abschieds vom Erzbischof erst in ihrem ganzen Umfang zu spüren. Gerade beim Sanctus von Schubert, gespielt von Kindern aus der Verwandtschaft, mussten viele weinen, und auch Geistliche schämten sich ihrer Tränen nicht. Eins ist sicher: Viele Mitglieder der Bistumsfamilie würden ihren verstorbenen Oberhirten sehr vermissen. Die Menschen im Bistum Fulda konnten auf vielfältige Weise von ihrem Bischof Abschied nehmen und seiner gedenken. Aber nichts würde ihn mehr freuen, als wenn sie die Worte achten, für die er so gekämpft hat.<<
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Sascha2801
Aber auch heute kann man solche Predigten noch hören. In den Messzentren der Priesterbruderschaft St. Pius X.
Sascha2801
So eine Predigt hört man heute wohl von keinem deutschen Diözesanbischof mehr. Wunderbare Predigt!
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