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Waldgaenger 2
Gemeinfrei

"Im Stillen"

"Im Stillen

O trag des Lebens Last im stillen,
Nimm ruhig hin, was Gott dir schickt.
O juble nicht, wenn Glück dir lächelt,
Und klag nicht laut, wenn Leid dich drückt!

In Demut wandle deine Pfade,
Verlang nicht Gold, begehr nicht Ruhm!
Ein stilles Haus, umweht von Frieden,
O schätz es wie ein Heiligtum!

O wand're still durch stille Fluren
Und lenk den Blick auf Blümlein hin!
Wer einsam lebt, der lebt dem Himmel,
Denn freier, reiner ist sein Sinn.

Die Einsamkeit ist jene Stätte,
Wo Gott zu deinem Herzen spricht.
Durch stilles Denken, ernstes Forschen
Empfängst du für dein Inn'res Licht.

In stillen Stunden lenkst du gerne
Das Auge auf dich selbst zurück,
Das eig'ne Herz, das rätselvolle,
Erschließt sich klarer deinem Blick!

Im stillen, wie es Weise lieben,
Erfülle deine Pflicht getreu,
Und trachte, daß ein gut Gewissen
Dein Lob und schönster Lohn dir sei!

Ist dir je süßes Glück beschieden,
Genieße es verschwiegen still;
Denn ach, der Neid, er lebt noch immer,
Der Glück und Freud dir rauben will.

Hat dich ein Freund getäuscht, gekränket,
Und dir verursacht herbes Weh -
O klage es nicht andern Menschen,
Für ihn bei Gott um Gnade fleh!

Im stillen tue eifrig Gutes,
Dein Wirken sei wie milder Tau,
Der niederfließt in stillen Nächten
Auf Hain und Wald, auf Flur und Au.

Oh, nichts soll dir gering erscheinen
Auf deiner stillen Lebensbahn,
Die kleinste Last ist groß und kostbar,
Wenn sie aus Lieb zu Gott getan.

Und bleibt der Welt dein Werk verborgen,
Getrost! Dem Herrn ist‘s gut bekannt,
Von Engeln wird es aufgeschrieben
Und wird erzählt im Himmelsland.

Doch staune nicht, wenn für die Tugend
Hienieden dir kein Lohn erblüht,
Und statt des Lobes, statt des Dankes,
Die Trübsal dir entgegen zieht.

Denn wisse: Tragen und Entsagen
Ist stets der edlen Menschen los;
Denn nur im Leiden und im Dulden
Wird eine Seele stark und groß.

Doch wahrhaft groß ist der zu nennen,
Der seinen Schmerz der Welt verschweigt,
Am Fuß des Kreuzes weint und betet,
Die Wunden nur dem Heiland zeigt.

Du weißt ja, daß die Welt, die harte,
Des Schmerzes Träne nicht versteht,
An deinem Leid, an deiner Trauer
Mit trocknem Aug vorübergeht.

Doch, weil du stillverschwiegen duldest,
Wird auch im stillen Trost dir blüh'n.
O weißt du nicht, daß nach dem Sturme
Der Berge Spitzen gold'ner glühn?

In deiner schweren Ölbergstunde,
Wo deine Seele seufzt und ringt,
Wird stets ein Engel niedersteigen,
Der Tröstung dir und Labsal bringt!

Empor den Blick, betracht die Sterne
In einer klaren Sommernacht;
Ganz leis erlöschen sie am Himmel,
Wenn still sie ihren Lauf vollbracht.

So möge auch dein irdisch Leben,
Wenn dir der Ruf ertönt vom Herrn,
Erlöschen hier in Ruh und Frieden,
Erlöschen wie der Morgenstern!

Die Seele wird sich aufwärts schwingen,
Von Himmelshoffnung sanft umweht:
Denn jene, die sich hier erniedrigt,
Sie werden einmal dort erhöht
."

[Mit Imprimatur von 1956; Verfasser unbekannt]
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