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Zosiasamosia

Neues Klima für Homosexualität seit Franziskus

Exerzitienmeister des Papstes will Kirche von ihren Dogmen „befreien“
24. Februar 2018 9
Jose Tolentino de Mendonça, Exerzitienmeister der Fastenexerzitien 2018 für Papst Franziskus und die Römische Kurie, mit der feministischen Theologin Sr. Teresa Forcades, die eine Queer-Revolution für die Kirche fordert.
(Rom) Gestern gingen in Ariccia bei Rom die Fastenexerzitien der Römischen Kurie zu Ende, an denen auch Papst Franziskus teilnahm. Der diesjährige Exerzitienmeister wirft einige Fragen auf.
Für die Exerzitien wurde von Papst Franziskus der portugiesische Priesterpoet José Tolentino de Mendonça gerufen. Er ist „als Fan von Sr. Teresa Forcades“ bekannt, so Corrispondenza Romana. Die katalanische Theologin, Jahrgang 1966, wird von ihren Anhängern als Vertreterin einer „feministischen Theologie“, einer „kritischen Theologie“ und der Befreiungstheologie bezeichnet.
Teresa Forcades i Vila
Forcades: Für eine Queer-Theologie
1990 schloß sie in Barcelona ein Medizinstudium ab, das sie durch eine Facharztausbildung für Innere Medizin in New York vervollständigte. In Harvard erwarb sie 1997 einen Studienabschluß in protestantischer Theologie und trat im selben Jahr in das Benediktinerinnenkloster von Montserrat bei Barcelona ein. In Katalonien absolvierte sie das Studium der katholischen Theologie, das sie 2009 mit dem Doktorat in Fundamentaltheologie abschloß. 2013 erhielt sie einen Lehrauftrag für Theologie und Geschlechterstudien an der Berliner Humboldt-Universität.
Seit 2013 tritt sie auch als Aktivistin für die Unabhängigkeit Kataloniens in Erscheinung. 2015 wurde sie mit Zustimmung des Vatikans exklaustriert und verließ ihr Kloster, um bei den katalanischen Parlamentswahlen kandidieren zu können. Sie gilt weiterhin als Ordensfrau, unterliege deren Verpflichtungen und könne jederzeit wieder in ihr Kloster zurückkehren, wie spanische Medien berichteten.
Unter anderem wirbt Forcades im Zuge ihrer feministischen Theologie international für die Anerkennung der Homosexualität durch die Kirche. Ob Zufall oder nicht, während Tolentino dem Papst und den Kurialen Exerzitien hielt, befand sich auch Forcades in Italien, um die italienische Ausgabe ihres Buches „Wir sind alle verschieden! Für eine Queer-Theologie“ vorzustellen.
Tolentino, ihr „Fan“, ist stellvertretender Rektor der Katholischen Universität von Lissabon und Consultor des Päpstlichen Kulturrates. Für Papst Franziskus und die Leitungsebene der vatikanischen Dikasterien wählte er als Thema: „Lob des Durstes“.
Neues Klima für Homosexualität seit Franziskus
Während er die Exerzitien gab, bzw. kurz zuvor, tourte Forcades durch Italien um für die Anerkennung der Homosexualität durch die Kirche zu werben, obwohl das offizielle Thema ihrer Vorträge meist „Die Theologie der Frauen“ lautete.
Auf der Internetseite Gionata eines Kreises „christlicher LGBT“ heißt es:
„Am Rande der Buchvorstellung betonte Forcades, das Verhältnis der Kirche zur Homosexualität habe sich durch die Wahl von Papst Franziskus endlich geändert. Er versucht das Möglichste zu tun, auch durch die Familiensynode, um die Haltung der Kirche gegenüber der Homosexualität zu wandeln.“
Nota bene: Forcades spricht nicht von der Haltung der Kirche gegenüber Menschen mit homosexuellen Neigungen, sondern von der Homosexualität.
Forcades enthüllt noch mehr:
„Bei der Familiensynode ist es ihm nicht gelungen, einen Schritt vorwärts zu machen, aber die Atmosphäre ist nicht mehr dieselbe wie vorher, bevor Papst Franziskus kam. Zum Beispiel Sr. Jeannine Gramick [bekennende Lesbe], die seit vielen Jahren in den USA dafür kämpft, daß es nicht nur akzeptiert wird, daß jemand homosexuell ist, sondern auch die homosexuellen Handlungen, die physische homosexuelle Liebe anerkannt wird. Sie hat gesagt, daß sie, seit Franziskus Papst ist, keinem Druck mehr ausgesetzt ist, den sie vorher erlebte.“
„Erneuerung“ der Kirche ist „queer“
Feministische Theologie in der Geschichte
Gerade in Südamerika und Ozeanien, so Forcades, mache die Kirche „große Schritte vorwärts“ im Dialog mit den Homosexuellen: „viel schneller als in Europa“.
Die „Erneuerung“ der Kirche ist für Forcades homosexuell, oder um es mit ihren Worten zu sagen: „queer“. Wörtlich spricht sie von einer „Queer-Revolution“.
2015 sagte sie in einem Interview des Corriere della Sera zur „Homo-Ehe“, daß sie dafür ist, weil „sexuelle Identitäten keine Schubladen seien, sondern Gott sie komplementär zueinander will, die einen und die anderen“. Und überhaupt: „Was soll an daran falsch sein? Sie scheinen glücklich. Warum sollten sie also nicht gesegnet werden? Warum nicht in der Kirche? Müssen wir uns nicht über die Liebe freuen, egal welche Form und Ausdruck sie hat?“
Wenige Monate später sagte sie im Februar 2016 der La Repubblica: „Die Liebe ist immer ein Sakrament Gottes.“ Sie sei auch für das Adoptionsrecht für Homosexuelle:
„Was Kinder brauchen, ist eine erwachsene, reife und verantwortungsbewußte Liebe von Eltern, die ihre Bedürfnisse für die Kinder zurückstellen. Ob sie mit zwei Frauen oder zwei Männern aufwachsen, stellt da kein Problem dar.“
Tolentinos „Modell“ für die Zukunft des Christentums
Tolentino bei den Fastenexerzitien in Ariccia
Die Berufung von Jose Tolentino als Exerzitienmeister nach Ariccia, eines Mannes, der sich der Kontakte zu einer zweifelhaften Theologin wie Forcades rühmt, wäre für jede katholische Gruppe von zweifelhafter Qualität. Seine Berufung, um für die Römische Kurie Exerzitien zu halten, „scheint Ausdruck eines politischen Planes“ zu sein, so Corrispondenza Romana. „Die Freundschaft“ zwischen Tolentino und Forcades „beruht auf einer offenkundigen Gleichheit des Denkens“. In Forcades Buch „Die feministische Theologie der Geschichte“ findet sich ein Vorwort von Tolentino. Darin träumt er von einer „anderen Geschichte“.
„Die Geschichte des Westens (und der Kirche) wäre vielleicht anders verlaufen, wenn eine symbolische, offene und sensible Art als Ansatz für das Reale angewandt worden wäre, anstatt die eindeutige, triumphalistische Grammatik zu schaffen, die wir kennen. Ich wiederhole: Vielleicht wäre die Geschichte eine andere. Genau hier kommt uns die außergewöhnliche Arbeit von Teresa Forcades i Vila, die feministische Theologie der Geschichte, die der Leser in Händen hält, zu Hilfe.“
Tolentino stellt Forcades Lehren als Modell dar, um das Christentum aus den dogmatischen Zwängen „zu befreien“. Forcades Ansatz, so der Priesterpoet,
„ist in jedem Fall mutig: die Widersprüche aufzeigen und alternative Interpretationen suchen, die einen Bruch von Bedeutung und Zivilisation unterstützen. Eine Überzeugung, die das Buch uns hinterläßt, ist, daß die Zukunft des Christentums besonders vom Entrümpelungsprozeß abhängt, der uns zu seiner Vergangenheit und seiner Gegenwart gelingt“.
Es sei das Verdienst Forcades, so Tolentino, die Wichtigkeit einer Beziehungsethik verdeutlicht zu haben, die frei von strengen und kodifizierten Normen ist.
„Teresa Forcades i Vila ruft uns das Wesentliche in Erinnerung: daß Jesus von Nazareth weder kodifiziert noch reguliert hat. Jesus lebte. Das heißt, er hat eine Ethik der Beziehung geschaffen; er wandelte die Poesie seiner Botschaft in die Sichtbarkeit seines Fleisches um; er zeigte als Prämisse seinen Körper.“
Corrispondenza Romana fragte sich also:
“Welche geistlichen Früchte können die Teilnehmer der Fastenexerzitien von Ariccia wohl daraus gewinnen?“
Text: Giuseppe Nardi
Bild: Youtube/Vatican.va (Screenshots)

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