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Kommentar: Der moderne Heilige

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Kommentar: Der moderne Heilige

Boot
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Beschlagnahmtes Boot vor dem Kölner Dom: Kulisse für die Erbsünde! Foto: picture alliance / dpa
Kommentar
 

Der moderne Heilige

Ein beschlagnahmtes Flüchtlingsboot soll dem Kölner Kardinal Woelki zu Fronleichnam als Altar dienen. Weil wir „auf Kosten dieser Menschen“ leben und daher „moderne Sklavenhaltung“ betreiben. Auf wessen Kosten dieser moderne Heilige lebt, sollte vielleicht auch erwähnt werden. Ein Kommentar von Fabian Schmidt-Ahmad.
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Dank dem Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki konnte ein Geheimnis der Bibel entschlüsselt werden. Jetzt wissen wir, das Goldene Kalb ist sieben Meter lang, aus Holz und wird während der Messe zu Fronleichnam dem katholischen Geistlichen als Altar dienen. Davor schmuggelte das kleine Boot Menschen über das Mittelmeer. Bis zu hundert Personen auf einmal, schaudert es Woelki, der sich sein neuestes Utensil extra aus Malta hat kommen lassen.

Dort soll es dann am Donnerstag dem katholischen Geistlichen als Kulisse dienen. Für die Erbsünde! Für das Weltgericht! Für das große Ganze! Das Boot erinnere an unsere Pflicht, den Einwanderern „zu helfen, ihnen ein Leben in Frieden, eine Perspektive zu bieten“, sagte er dem Kölner Express. Warum? „Weil unser Wohlstand für das Elend anderswo in der Welt in höchstem Maße mitverantwortlich ist.“ Ja, tatsächlich: „Wir leben auf Kosten dieser Menschen – und betreiben dadurch moderne Sklavenhaltung.“

Gefühlskitsch trifft Prophetenattitüde

Es ist unschwer zu erkennen, zumindest in Köln sind die Zeiten scholastischer Gelehrsamkeit vorbei. Wo früher ein Albertus Magnus lehrte, setzt nun die Woelki-Show zum großen Rausch an. Gefühlskitsch trifft Prophetenattitüde: „Wir wollen den Menschen auf der Flucht deutlich machen, daß Christus sich so mit ihnen identifiziert, daß er mit ihnen im Boot sitzt. Sie sollen hier bei uns eine neue Lebensperspektive gewinnen“, erläutert der Kardinal in einer Pressemeldung.

In Malta wurde das Boot beschlagnahmt. Malta, der alte Sitz des Johanniterordens. Von hier aus brachen christliche Ordenskrieger mit getarnten Kriegsschiffen auf, islamische Piraten zu stellen, erbeutete Sklaven zu befreien und die Peiniger Europas dorthin zu schicken, wo sie hingehörten. Auf der Kölner Domplatte wird das Boot stehen. Eben auf jenem Platz also, wo deutsche Frauen zum Jahreswechsel auch eine ganz „neue Lebensperspektive“ kennenlernen durften. Sinnbild ist das Boot in der Tat, da hat Woelki durchaus recht.

Der moderne Heilige hat eine Vollkasko-Versicherung

Gewiß, das Christentum hat im Laufe seiner zweitausendjährigen Geschichte einiges Skurriles hervorgebracht. Heilige, die Gott näher sein wollten und ihr Leben auf einer Säule beschlossen; Mönche, die ihre Demut dadurch zum Ausdruck brachten, sich ausschließlich von Abfall zu ernähren; Flagellanten, die in der eigenen Geißelung sich von der Sünde befreien wollten und noch viel mehr. Doch allen war gemeinsam: Es war ihre eigene, freie Entscheidung, sich diese Marter aufzuerlegen. Und sie legten sie niemand anderem auf als sich selbst.

So nötigen sie uns doch Respekt ab, so fremd ihre Geisteshaltung uns auch sein mag. Aber unsere modernen Heiligen haben die Arbeitsteilung für sich entdeckt. Ihrer ist das Himmelsreich. Die Marter allerdings, die überlassen sie lieber uns. So sonnen sie sich im Glanze ihrer Demut, genießen ihr behagliches, komfortables Dasein und preisen denjenigen, der ihnen das alles ermöglicht hat. Der moderne Heilige hat eine Vollkasko-Versicherung.

Mit wem er diesen Vertrag abschloß, und was er dafür verkaufen mußte, darüber kann er sich selbst am besten Auskunft geben.

Beschlagnahmtes Boot vor dem Kölner Dom: Kulisse für die Erbsünde! Foto: picture alliance / dpa
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