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Das ABC der Scholastik-Ein Gespräch

Hildegard51
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Das ABC der Scholastik – Ein Gespräch Aus dem Vorwort: Ein ABC der Scholastik zu schreiben, mag überdies nicht nur als etwas Weniges und Geringfügiges, sondern selbst als etwas ganz Antiquiertes …More
Das ABC der Scholastik – Ein Gespräch

Aus dem Vorwort:

Ein ABC der Scholastik zu schreiben, mag überdies nicht nur als etwas Weniges und Geringfügiges, sondern selbst als etwas ganz Antiquiertes und Verächtliches erscheinen, wie die Scholastik selbst dafür gehalten wird. Aber für desto wichtiger und großartiger und herrlicher und erhabener sehe ich es an. Denn ich bin überzeugt, daß es ohne dieses ABC der Scholastik keinen wahrhaft gebildeten Kopf, keine wahre Gelehrsamkeit, keine wahre Wissenschaft geben könne. Was aber in der Wissenschaft für wichtige, großartige, herrliche und erhabene Dinge liegen, und wohin die Menschheit ohne alles dies kommen müßte, das leuchtet von selbst ein.
Über dieses ABC der Scholastik erlaube ich mir ein Zwiegespräch, welches seinem wesentlichen Inhalt nach wirklich stattgefunden hat, anzustellen zwischen einem Akademiker, der die Scholastik haßt, und einem Scholastiker, der sie liebt; …
Endlich bleibt mir nur noch übrig, um unparteiische Zuhörer oder Leser zu bitten, und zu ersuchen, daß, was ohne Leidenschaft gesagt oder geschrieben ist, auch ohne Leidenschaft angehört oder gelesen werde, damit die Wahrheit ihr Recht und ihren Platz finde.
Gespräch zwischen einem Akademiker und einem Scholastiker

katholischglauben.info/das-abc-der-sch…

Akademiker:
Bei solcher Auffassung der Sache könnte man versucht werden, vor der Scholastik sogar Ehrfurcht zu fühlen; denn sie erscheint als eine sehr tief gehende und als eine eben so hehre und erhabene Methode, gegen welche sich nicht nichts einwenden läßt, sondern die man um so mehr bewundern muß, je mehr man sie kennen lernt.

Scholastiker:
Es ist bei ehrlichen Männern nur Unkenntnis und Vorurteil, wenn sie sich gegen diese durch ihr Altertum ehrwürdige, durch so lange Erfahrung erprobte, und durch den Gebrauch der heiligsten und gelehrtesten Männer sich empfehlende Methode ereifern; es muß aber tief verletzen, und bitter schmerzen, wenn man sieht und hört, wie Männer, die an Tugend und Gelehrsamkeit den heiligen Vätern und Lehrern der katholischen Kirche, wie armselige Zwerge, die bedeutungslos verschwinden, gewaltigen Riesen gegenüber stehen, welche die übrigen Menschenkinder durch alle Jahrhunderte überragen, nicht nur diese Form an ihnen verachten, sondern sie selbst in ihrer unübertroffenen Weisheit und Gelehrsamkeit wie unmündige Schulknaben behandeln, sie vor den Richterstuhl ihres aufgeblasenen Wissens schleppen, und wie unfehlbare Götter über sie urteilen; nebenbei aber selbst kaum etwas Gutes und Weises zum Vorschein zu bringen im Stande sind, was sie nicht aus deren unsterblichen Werken geschöpft haben, oder ihnen nachsprechen, und von dem Eigenen nicht selten nur Material für den Index liefern. Von solchen gelten die Worte der Schrift:

Wie ein zerstörtes Haus ist die Weisheit des Toren, und unverständliche Reden sind die Weisheit des Toren. Dem Toren ist die Lehre wie Fußeisen an den Füßen, und wie Handfesseln an der rechten Hand. (Ekkl. 21, 21 u. 22) Der Spötter sucht Weisheit, und findet sie nicht. (Prov. 14,6) Wo Hoffart ist, da wird auch Schmach sein: wo aber Demut ist, da ist die Weisheit. (Prov. 11,2)

Sie geben sich den Anschein, als besäßen sie das Monopol der Wissenschaft, und als kennten sie nichts über sich, neben sich, und vor sich, was Geltung hätte, so lange es nicht ihrer allerhöchsten Billigung oder Duldung sich erfreute. (Pius IX., Breve „Eximiam tuam“ 15. Juni 1857)

Akademiker:
Ich muß bekennen, daß mich die hochfahrende, selbstgenügende und rohe Sprache mancher Verfechter der modernen Wissenschaft selbst oft anekelte, und ich war stets überzeugt, daß auf solche Weise keine Verständigung und selbst kein Fortschritt unter den katholischen Gelehrten zu erzielen sei; denn was hat die Wissenschaft mit der Leidenschaft zu tun? Aber daß die Wissenschaft in letzterer Zeit denn doch ganz riesige Fortschritte gemacht habe, das werden Sie auch nicht leugnen?

Scholastiker:
… Berücksichtigen wir aber die Theologie und die Philosophie, und vergleichen wir deren Stand zur Zeit der Scholastik mit ihrem Stand zu unserer Zeit; so ergeben sich höchst traurige Resultate. Denn seitdem die Scholastik beseitigt worden, ist es möglich geworden, daß man in der Philosophie nichts mehr zu beweisen für gut finden, sondern, wie die Pythia auf dem Dreifuß, Lehrsysteme autoritätsmäßig ohne anderweitige Beweise feststellen, und von den Schülern nicht ein verstehen, sondern blinden Glauben fordern, daß Kant`s „Postulate der Vernunft“, Schellings „Alleinheitslehre“, Hegel`s „absolutes Sein“, und Fichte`s „idealistischer Ich-Götze“ an die Stelle der wahren Philosophie treten, und endlich die ganze Philosophie in Trümmer zerfallen konnte. Nach der Verbannung der Scholastik ist es möglich geworden, in der Theologie die Dogmatik auf das möglich geringste Maß zu beschränken, die Kasuistik abzuschaffen, und aus der Dogmatik wie aus der Moral verschiedene Zweige zu abgesonderten Fächern auszuscheiden, so aus dem Ganzen Teile zu schaffen, die aus ihrem Zusammenhang gerissen, nur mehr Trümmer bilden, und weder von den Professoren zweckmäßig vorgetragen, noch von den Schülern mit dem gehörigen Nutzen studiert werden können. Daher kommt es, daß unsere Theologen nicht selten selbst in der Dogmenlehre keine klaren und richtigen Begriffe mehr erhalten, in den Geheimnislehren aber vollständig unwissend bleiben, und in der Moral ohne feste Prinzipien nur in allgemeinen Anweisungen sich ergehen müssen. Es fehlen ihnen daher die Haupt-Grundlagen für ihren künftigen Beruf, und nach ihrem seichten und verflachten Wissen richtet sich dann auch der Standpunkt der Menge in der Kenntnis und im Verständnis der heiligen Religion.

Man zittert, wenn man in dieser Beziehung den Unterschied zwischen dem Volk zur Zeit der heiligen Väter und Lehrer der Kirche und selbst zur Zeit der Scholastik, und dem Volk unserer Tage in Betracht zieht. Die Folge der Beseitigung der alten Schule ist die Gleichgültigkeit, das Schwanken und selbst der Abfall in Bezug auf den Glauben und auf die Religion. Wenn jedoch in neuester Zeit von einzelnen Männern und Anstalten eine bessere Richtung eingeschlagen wurde, so geschah dies einzig dadurch, daß sie wenigstens teilweise auf die Scholastik zurück gegriffen haben. Das ist der praktische Schaden, der sich aus dieser Verwüstung der Wissenschaften ergeben hat; aber eben so trostlos ist der formelle Nachteil. Denn ohne die scholastische Methode kann man in den transzendentalen Wissenschaften weder die Klarheit in der Idee, noch das richtige Verständnis der Wahrheit in den Urteilen, noch die genaue Einsicht in den Zusammenhang der Schlußfolgerungen gewinnen; und die Folge davon ist, daß man keine Beweiskraft mehr erfaßt, und auch selbst keine Beweiskraft mehr besitzt. Daraus folgt aber notwendig die Verwirrung aller Begriffe, wie wir sie heute überall beobachten, und der unrichtige Gebrauch der Wörter und der Ausdrücke, die in ihrer Anwendung auf die Glaubens- und Sittenlehren selbst die bestgesinnten Männer, ohne daß sie es wissen und wollen, zu Redeweisen verleiten, die sich mit den Dogmen und und mit der Lehre der Kirche nicht vertragen.

Ohne Scholastik kann kein Kopf formiert werden, der in Allem richtig denkt, urteilt und schließt, der mit logischer Schärfe und Korrektheit sich in jedem gegebenen Stoff zu bewegen versteht. Wissen kann man Alles auch ohne die Scholastik; aber der Natur der Sache, der Natur des Geistes und der Natur der Sprache gemäß die Wissenschaft richtig und zweckmäßig verarbeiten kann man ohne Scholastik nicht. Endlich hat man sich auch alle Mühe gegeben, mit der Scholastik die lateinische Sprache aus der Theologie, und namentlich aus der Philosophie zu entfernen. Damit hat man die ganze kirchliche Terminologie, mit dieser das Verständnis der Dogmen, der Canonen, der Konzilien, der heiligen Väter und Lehrer, der ganzen kirchlichen Tradition, ja der Sprache der Kirche verloren; und welche verderblichen Folgen daraus entstehen mußten, kann jeder leicht ermessen, der weiß, wie viel an allem dem gelegen ist.
Sehen Sie, verehrtester Herr! Dies sind die riesigen Fortschritte, welche die Wissenschaft seit der Verbannung der Scholastik gemacht hat; und ob es Fortschritte zum Besseren, oder zum Schlimmeren, oder zum Allerschlimmsten waren, das zu beurteilen überlasse ich ihrem offenen und redlichen Sinn. (s. Alloc. PP. Pii IX. 9 Dec. 1852)
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