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Betrachtungen vom 22.April

Betrachtung am 22. April - Von der Demut unseres Herrn Herr, in meines Herzens Wehmut Seh` ich dich, die Majestät, Wie sie in der tiefsten Demut Auf des Lebens Pfaden geht. Mächtig winkt dein Beispi…More
Betrachtung am 22. April - Von der Demut unseres Herrn

Herr, in meines Herzens Wehmut
Seh` ich dich, die Majestät,
Wie sie in der tiefsten Demut
Auf des Lebens Pfaden geht.
Mächtig winkt dein Beispiel mir.
O zieh, Jesu, mich nach dir.


1. Ermüden wir nicht, auf den Spuren unseres demütigen Heilands zu gehen. Sieh, die Demut ist die niedrige Himmelspforte. Werden wir nicht gleich den Kindlein, so können wir nicht eingehen in das Himmelreich. Diese heilige Tugend ist die Grundveste und Hüterin aller wahren Tugenden, und wer ohne sie bauen will, der zerstört. Jesus liebt sie als den vorzüglichsten Schmuck seiner Krone. Ja er selbst brachte sie vom Himmel, die vor seiner Ankunft den Heiden nicht einmal dem Namen nach bekannt war, weswegen auch alle ihre Tugenden falsch waren, weil durch Hoffart und Eitelruhm vergiftet. Betrachte seine demütige Geburt in einem armen Stall, seine Verborgenheit zu Nazareth, sein öffentliches Leben und seinen Tod am Kreuz, und sieh, wie sein ganzes heiligstes Leben ein beständiger Akt dieser Demut war.

2. Doch, o mein Erlöser, nicht nur dein ganzes menschliches Leben hast du die Hoffart der Welt zu Boden getreten, sondern du hast auch deine Demut uns als ein Vermächtnis vor deinem Opfertod hinterlassen, und gabst uns, unser Herr und Meister, ein Beispiel, worüber alle Zeiten sprachlos erstaunen, als du zu den Füßen deiner Jünger gekniet und gleich einem Knecht sie gewaschen hast. O präge dieses wunderbare Beispiel dir tief in dein Herz! Sieh, gekommen ist Jesus, die Hoffart Satans zu zerstören. Und weil die Demut das einzige Schwert ist, diesem Laster das Haupt abzuschlagen, schärfte er es durch Lehren, Taten und Beispiele, damit wir es nach ihm gebrauchen.

3. Ja, o wunderbarer Jesus, auch dies genügte dir noch nicht. Bis zum schmählichsten Tod am Kreuz erniedrigtest du deine Majestät, dies Schwert uns führen zu lernen, weil die Demut in uns selbst ihren bittersten Widersacher findet, der nicht ohne große Gewalt kann überwunden werden, nämlich unsere unglückselige Gier nach eigener Ehre und Verherrlichung. Sind wir nach solchen Beispielen unseres Herrn noch so stolz und hochfahrend, und streben nach den ersten Sitzen: was wäre erst geschehen, wenn das Licht seiner göttlichen Beispiele uns nicht zur Demut antreiben würde. Matthäus 11,29: "Lernt von mir, denn ich bin gütig und von Herzen demütig."
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22. April

Die heiligen Martyrer Epipodius, Martyrer von Lyon,
+ 22.4.177,
und Alexander, Martyrer von Lyon,
+ 24.4.177,
und die heilige Opportuna, Äbtissin von Montreuil,
+ 22.4.765 - Fest: 22. April


Epipodius und Alexander, dieser gebürtig aus Lyon, jener aus Griechenland, stammten beide aus edlen Familien und waren junge Männer, nicht weniger ausgezeichnet durch Wohlgestalt, als durch …More
22. April

Die heiligen Martyrer Epipodius, Martyrer von Lyon,
+ 22.4.177,
und Alexander, Martyrer von Lyon,
+ 24.4.177,
und die heilige Opportuna, Äbtissin von Montreuil,
+ 22.4.765 - Fest: 22. April


Epipodius und Alexander, dieser gebürtig aus Lyon, jener aus Griechenland, stammten beide aus edlen Familien und waren junge Männer, nicht weniger ausgezeichnet durch Wohlgestalt, als durch Wissenschaft und wahre Tugend. Schon als Schulkameraden waren sie Freunde und diese Freundschaft wurde mit den Jahren noch stärker und fester und gottgefälliger. Sie wurden von ihren Eltern zum Christentum erzogen, bestärkten sich aber auch gegenseitig im Glauben und in der Frömmigkeit. Durch Nüchternheit, Zurückgezogenheit, Aufrichtigkeit und alle Werke der Barmherzigkeit bereiteten sie sich früh schon vor auf den Opferweg der Nachfolge Christi in jener Zeit der Verfolgung.

Die beiden Freunde waren junge Männer und noch nicht verheiratet, als im Jahr 177 zu Lyon eine blutige Verfolgung gegen die treuen Bekenner Jesu ausbrach. Obrigkeit und Volk schienen sich in höchster Erbitterung zur völligen Ausrottung der Christen verschworen zu haben. Mit den vielfältigsten Martern wurde gegen sie verfahren, und man verbrannte sogar die Körper der Hingemordeten zu Asche und verstreute diese in der Rhone, damit auch nicht die geringste Spur auf Erden von ihnen übrig bleibe. Mit stolzer Selbstgefälligkeit rühmte sich der kaiserliche Statthalter, alles Land, das unter seinem Befehl stehe, von den Bekennern des Gekreuzigten gesäubert zu haben. Epipodius und Alexander wichen, als das Feuer der Verfolgung aufloderte, derselben dem Rat des Evangeliums gemäß. Sie gingen heimlich aus der Stadt und versteckten sich in einem Dorf in der Nähe in der Hütte einer frommen christlichen Witwe. Die Verschwiegenheit ihrer Wirtin und die Unscheinbarkeit ihrer Zufluchtsstätte schützten sie eine Zeit lang vor der Entdeckung; allein in die Länge konnte ihr Aufenthalt den überall herumspürenden Heiden nicht unbekannt bleiben. Sie wurden aufgefunden, und als sie den Häschern eben durch eine kleine Hintertür entfliehen wollten, verlor Epipodius einen Schuh, welchen die gute Witwe als einen köstlichen Schatz sorgfältig aufbewahrte. Kaum waren sie in Haft genommen, als man sie in den Kerker warf, ohne sie vorher zu verhören, obwohl die römischen Gesetze diese Förmlichkeiten vorschrieben.

Drei Tage danach führte man sie, die Hände auf den Rücken gebunden, vor den Richterstuhl des Statthalters. Sobald sie das Bekenntnis ihres christlichen Glaubens abgelegt hatten, stieß das Volk ein grimmiges Wutgeschrei gegen sie aus. Der Statthalter schrie voller Wut: „Was haben denn unsere Peinigungen genützt, wenn es immer noch Leute gibt, welche der Lehre jenes Christus folgen?“ Besorgt darüber, dass die beiden Heiligen sich gegenseitig stärken und ermuntern, nahm er Epipodius, den er für den Jüngeren und darum für den Schwächeren hielt, auf die Seite und versuchte ihn zu verwirren. Er stellte ihm das Beispiel aller Völker vor, die froh den Göttern huldigten und freudenreich lebten, und dagegen den traurigen Dienst der Christen, verbunden mit Entbehrungen und Leiden, den sie dem Gekreuzigten leisten. Der junge Mann aber entgegnete ihm mutig: „Dein Mitleiden und die Ergötzungen, die du mir anbietest, rühren mich nicht. Eure schändlichen Freuden erlustigen den Leib, töten aber die Seele. Was ist nun das für ein Leben, wo der edelste Teil des Menschen Schaden leidet? Der Welt wegen bekriegen wir den Körper, der Seele wegen bekämpfen wir die Laster. Euer Gott ist der Bauch, und ihr meint, dass wie bei den Tieren nach einem durchschwelgten Leben mit dem Tod alles ein Ende habe. Wir hingegen, so viele von uns auch durch eure Verfolgungen umkommen, gehen, indem wir das Zeitliche verlassen, in das ewige Leben ein.“ Diese schneidende Antwort erzürnte den Richter und er befahl den Schergen, dass sie den Mund des Martyrers mit Fäusten zerschlagen sollten. Aber Epipodius, obwohl mit Blut überströmt, fuhr fort zu reden: „Ich bekenne, dass Jesus Christus mit dem Vater und dem Heiligen Geist ein Gott sei; und es ist recht, dass ich ihm die Seele, die er erschaffen und erlöst hat, hingebe. Denn so wird mir das Leben nicht genommen, sondern in ein besseres verwandelt.“ Auf diese Worte hin ließ ihn der Statthalter an der Folter aufziehen und seine Seiten mit eisernen Krallen zerfleischen. Der Bekenner aber blieb unter diese grausamen Marter so standhaft und ruhig, dass die blutdürstige Menge, der das Verfahren der Henker zu langsam erschien, plötzlich ein tobendes Geschrei erhob und den jungen Mann verlangte, um ihn zu steinigen oder in Stücke zu zerreißen. Der Statthalter war besorgt um sein richterliches Ansehen und gab den Befehl, den heiligen Blutzeugen wegzuführen und sogleich zu enthaupten. So diente nach Gottes weiser Fügung die Ungeduld der Verfolger zur schnelleren Vollendung der Marter.

Zwei Tage danach wurde Alexander vor den Richterstuhl gestellt. Der Statthalter redete ihn an: „Noch ist es in deiner Gewalt, dem Schicksal deiner Vorgänger zu entgehen. Bedenke es wohl! So ganz und gar haben wir die Bekenner Christi ausgerottet, dass du von allen allein noch übrig bist; denn auch Epipodius, der Genosse deiner Torheit, ist unterlegen. Daher rate dir besser und streue den Göttern zu Ehren Weihrauch.“ Der Heilige entgegnete: „ Was du mir da sagst, macht mir nur Mut, dem Beispiel der Martyrer, besonders aber meinem teuren Freund Epipodius nachzufolgen. Der christliche Glaube kann nicht vernichtet werden; er ist zu fest von Gott gegründet.“ Jetzt ließ ihm der Richter die Beine weit auseinander spreizen, worauf ihn drei einander abwechselnde Henkersknechte aufs Grausamste mit Ruten schlugen. Diese Peinigung dauerte lange, ohne dass der Heilige einen einzigen Seufzer hören ließ; und als man ihn fragte, ob er noch immer bei seinem Bekenntnis bleibe, antwortete er: „Wie sollte ich nicht dabei bleiben! Eure Götter sind Teufel; der Gott aber, den ich anbete, ist der allmächtige, der unsichtbare, der ewige. Er wird mich in meinem Glauben und in meinem Vorsatz beschützen.“ Da nun der Richter sah, dass er die Standhaftigkeit des Martyrers nicht besiegen könnte, verdammte er ihn zum Kreuz, sagend: „Man muss diesen wahnsinnigen Christen nicht Gelegenheit geben, sich durch die Langwierigkeit der Qualen bei den Ihrigen Ruhm zu erwerben.“ Alexander, am ganzen Körper so zerfetzt, dass man ihm bis an die Eingeweide hineinsehen konnte, lebte nicht lange mehr am Kreuz und hauchte, mit sterbender Stimme noch den Namen „Jesus!“ ausrufend, alsbald seinen seligen Geist aus.

Die Christen trugen die Leichname der beiden Martyrer in der Nacht heimlich hinweg und begruben sie auf einem Hügel nahe der Stadt, in einer durch dichtes Gesträuch verborgene Höhle. Dieser Ort wurde bald berühmt durch fortwährende Wunder. Der Staub von den Gräbern der Heiligen wurde in alle Länder getragen und gab überall den Kranken die Gesundheit wieder. Ähnliche Wunder wurden durch den Schuh bewirkt, den jene fromme Witwe als Andenken an Epipodius aufbewahrt hatte, so dass der Unglaube der Hartnäckigsten unter so vielen unwidersprechlichen Zeichen sich beugen musste.

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Die heilige Opportuna wurde zu Seez in der Normandie geboren und erzogen, und hing schon in ihrer Kindheit am Gebet und am Kirchenbesuch. Als sie einst vom Priester die Worte des Evangeliums lesen hörte: „Gehe hin, verkaufe alles was du hast, gib es den Armen und folge mir nach,“ beschloss sie bei sich selbst, dieser Ermahnung Christi nachzukommen und ihm zu Liebe allen zeitlichen Gütern und Freuden zu entsagen. Sobald sie nach Hause kam, warf sie sich vor ihren Eltern auf die Knie und sprach: „Ich beschwöre euch im Namen des Heilandes, dessen Worte ich so eben in der Kirche gehört habe, sagt mir nichts mehr von einem irdischen Bräutigam, denn ich habe mir den Sohn der jungfräulichen Mutter erwählt, und diesem allein will ich mich vermählen.“ Nun kamen viele und begehrten die Jungfrau zur Ehe, angezogen von ihrem Adel, ihrem Reichtum und ihrer einmaligen Schönheit. Aber Opportuna beschied sie mit kurzen Worten: „Ich hab den gefunden, den meine Seele lieb hat; ich will ihn halten und niemals verlassen.“ Um von weiteren Anträgen frei zu sein, begab sie sich mit Erlaubnis ihrer Eltern in das Kloster der Benediktinerinnen zu Montreuil, drei Stunden von Seez. Ihr Bruder Chrodegand, Bischof von Seez, gab ihr das Ordenskleid.

Die Worte des Herrn: „Lernt von mir, weil ich sanftmütig und von Herzen demütig bin,“ waren fortan die Richtschnur ihres Tuns und Lassens. Dabei führte sie die strengsten Bußübungen aus. Nie aß sie Fleisch oder trank Wein; an den Mittwochen und Freitagen nahm sie gar keine Nahrung zu sich, und nur am Sonntag genoss sie etwas Gerstenbrot und ein Stücklein Fisch. Als man sie fragte, warum sie so streng faste, gab sie zur Antwort: „Adam und Eva haben uns durch ihre Gier das Paradies verschlossen; wir müssen jetzt danach trachten, durch Abtötung und Fasten uns das Paradies wieder zu eröffnen.“ Der gebenedeiten Jungfrau war sie von frühester Kindheit an mit ganzem Herzen zugetan. In allen Anliegen nahm sie zu ihr Zuflucht und bat sie um ihre Fürsprache bei dem göttlichen Sohn.

Ihrer seltenen Tugenden wegen wurde Opportuna nach dem Tod der Äbtissin von der Genossenschaft zur Nachfolgerin erwählt, und der Erfolg lehrte, dass sie alle Fähigkeiten zur Verwaltung dieser Stelle besaß. In der Überzeugung, dass eine Oberin ihren Schwestern mit gutem Beispiel vorleuchten müsse, verdoppelte sie bei allen Übungen ihren Eifer. Oft brachte sie die ganze Nacht im Gebet zu. Bei aller Strenge gegen sich selbst, war sie ihren Untergebenen die liebevollste und zärtlichste Mutter. Sie sorgte Tag und Nacht, wie sie alles herbeischaffen könne, was sie zu ihrem leiblichen Unterhalt nötig hatten. Und noch mehr war sie bedacht für das Heil ihrer Seelen. Zu dem Ende gab sie ihnen die lehrreichsten Unterweisungen und munterte sie zu rastlosem Eifer im Dienst Gottes auf. Dabei begegnete sie allen mit wunderbarer Sanftmut. Nie sah man sie zornig, nie hörte man aus ihrem Mund ein böses Wort. Ihre Liebe erstreckte sich auch auf die Armen und Leidenden, und diesen zu helfen, war eine ihrer größten Freuden. Manche Nacht brachte sie am Bett eines Kranken zu.

Der Herr bot seiner treuen Dienerin auch den Kelch des Leidens. Ihr Bruder, der Bischof Chrodegand, hatte nach der damals üblichen Sitte eine Pilgerfahrt nach Rom und Jerusalem gemacht, um die heiligen Gräber zu besuchen. Bei seiner Abreise übertrug er die Verwaltung seines Sprengels seinem Vetter Chrodebert, der aber das in ihn gesetzte Vertrauen schändlich missbrauchte. Er streute das Gerücht aus, der Bischof sei unterwegs gestorben, und eignete sich so die Würde des angeblich Toten an. Nach Verlauf von sieben Jahren kam Chrodegand zurück. Sein treuloser Vetter aber, der den Bischofsstab nicht mehr lassen wollte, sendete ihm Meuchelmörder entgegen, die ihn in Nonant ermordeten. Tief betrübte Opportuna die Nachricht von dem traurigen Ende ihres Bruders; doch der Herr tröstete sie mit der Offenbarung, dass Chrodegand als ein Martyrer der Gerechtigkeit in den Himmel eingegangen sei. Sie holte den Leichnam und ließ ihn in ihrem Kloster bestatten. Die französische Kirche hat Chrodegand unter die Zahl der Heiligen gesetzt.

Hegte Opportuna schon immer das Verlangen, aufgelöst und bei Christus zu sein, so wurde diese Sehnsucht durch den Tod ihres Bruders nur noch mehr erweckt. Der Herr neigte sich der Bitte seiner frommen Dienerin und suchte sie bald darauf mit einer schweren Krankheit heim, die ihr den nahen Tod ankündigte. In den zwölf letzten Tagen wurde sie mit himmlischen Erscheinungen erfreut, wie sie diese auch schon in ihrem früheren Leben öfter gehabt hatte. Sie sah die heilige Jungfrau in Begleitung der Martyrinnen Cäcilia und Lucia vom Himmel niederschweben, und ihr Gemach wurde von überirdischem Glanz erfüllt. Aber auch der Versucher blieb nicht von ihrem Sterbebett weg. Ihm, der in schrecklicher Gestalt zu ihren Füßen stand, rief sie zu: „Du wirst die Braut Jesu Christi nicht überwinden, wie du Eva überwunden hast!“ Um das Ende des zwölften Tages sprach sie in Gegenwart der um ihr Lager versammelten Schwestern plötzlich mit lauter Stimme: „Sehet, da kommt meine liebste Mutter Maria, mich abzuholen! Ich empfehle euch ihrer Fürbitte.“ Dann streckte sie ihre beiden Arme in die Höhe, als wollte sie die Erscheinung umfangen. So ging sie ein in die Freude des Herrn am 22. April des Jahres 770.

Der heilige Milles, Bischof und Märtyrer von Susa, Persien,
der heilige Abrosimus, Priester und Märtyrer von Persien,
und der heilige Sina, Diakon und Märtyrer von Persien,
+ 342 – 350 – Fest: 22. April


Der heilige Milles, in der Landschaft der Razichäer geboren, wurde am persischen Hof erzogen, und bekleidete eine ansehnliche Stelle im Kriegsheer. Als er aber das Christentum angenommen hatte, zog er sich nach Elam in Susiana zurück (Susa oder Sus, die Hauptstadt von Chusistan, dass das Land der Urii oder Huziten, Lapeta, Elam oder Ilam – so genannt von Elam, dem Sohn des Sem – in sich begreift). Durch sein Beispiel und seine Ermahnungen bekehrten sich viele Ungläubige. Endlich ließ er sich die heiligen Weihen erteilen, um dieser aufkeimenden Kirche desto besser wirken zu können. Kurz danach wurde er zum Bischof von Susa erwählt, und vom heiligen Gadiabes, Bischof von Lapeta, geweiht, der auch sein Blut für den Glauben vergoss. Mit unermüdlichem Eifer arbeitete er nun an der Ausrottung des Lasters und der Abgötterei, allein mit geringem Erfolg. Er wurde sogar von den Heiden misshandelt, die ihn oft an den Haaren durch die Straßen schleiften, grausam schlugen und vielfache Schmach ihm zufügten.

Die Stadt Susa war groß und reich, und obgleich von Alexander geplündert, hatte sie sich doch wieder zu einem blühenden Wohlstand erhoben. Man sah daselbst noch den alten Palast, der mehrere Jahrhunderte vorher erbaut wurde und eines der größten und prachtvollsten Gebäude der Welt gewesen war. Allein die Laster hatten sich als eine Folge des Reichtums furchtbar verbreitet, und es herrschte da eine schreckliche Sittenlosigkeit. Die Christen, obgleich in geringer Zahl, vergaßen das Evangelium, und ließen sich vom allgemeinen Verderbnis mitreißen. Der heilige Milles entschloss sich daher sowohl wegen ihres verstockten Sinnes als der beständigen Verfolgungen durch die Götzendiener, und der bürgerlichen Unruhen, Susa zu verlassen, nachdem er zuvor den lasterhaften Einwohnern das herannahende Strafgericht Gottes angekündigt hatte.

Der heilige Milles, voll Verlangen, die heiligen Orte und die durch ihre Tugenden berühmten Diener Gottes zu sehen, reiste nach Jerusalem und dann nach Ägypten. Er trug nichts bei sich, als sein Evangelienbuch. Seine Reise war der Andacht, der Buße und der Geistesversammlung gewidmet. In Ägypten besuchte er den heiligen Ammonius, Schüler des heiligen Antonius, und Vater der Weiner. So nannten die Perser die Ordensmänner, wegen des schwarzen Kleides, das sie trugen. Auf seiner Rückreise in sein Vaterland besuchte er den heiligen Jakob von Nisibis, der damals seine große Kirche bauen ließ. Von Nisibis nahm er den Weg nach Assyrien, wo er einen großen Vorrat von Seide kaufte, den er dem heiligen Jakob zur Ausschmückung seiner Kirche schickte.

Zu Seleucia und Ktesiphon fand er große Verwirrung und Unordnung unter den dortigen Christen. Das Übel war veranlasst worden durch den Übermut und Trotz des dortigen Bischofs Papas, der sich seine Geistlichkeit abwendig gemacht, und durch unerbaulichen Wandel eine Spaltung veranlasst hatte (Seleucia und Ktesiphon an den beiden Ufern des Tigris erbaut, konnten als eine Stadt angesehen werden. Sie war Persiens Hauptstadt unter den Sassaniden. Die Könige hielten da ihr Hoflager. Zuweilen wohnten sie auch zu Fedan, der Hauptstadt der Huziten, und häufig zu Lapeta. Bagdad, das die Sarazenen auf den Trümmern Seleucias erbauten, das sie im Eroberungskrieg zerstört hatten, liegt nahe beim alten Babylon am Euphrat, in Chaldäa. Strabo und Diodor von Sizilien, die unter Augustus Regierung schrieben, sagen, dieser Ort sei beinahe öde gewesen. Eusebius sagt auch, er sei zu seiner Zeit eine Wüste gewesen. Nach dem heiligen Hieronymus hatten die persischen Könige dort einen Park für die Rotwildjagd angelegt. Der Jude Benjamin von Tudela in Navarra, der im 12. Jahrhundert schrieb, sagt in seinen Reisen, er habe Babylon gänzlich zerstört gefunden; man sehe die Trümmer des nabuchodonosorischen Palastes; die Gegend sei, nach dem Buchstaben, die Wohnung der Schlangen, die sich da in so großer Anzahl aufhielten, dass niemand zu nahen sich getraue. Sicher kann man den Ort, wo Babylon stand, nicht genau bestimmen. Die Erzbischöfe von Seleucia führten einen Titel, der eine Art Patriarchenwürde ausdrückte. Dieser Ursache wegen werden auch ihre Nachfolger, die den Nestorianismus annahmen, nestorianische Patriarchen genannt). Man hielt auch damals gerade ein Konzil zu Seleucia, um den eingeschlichenen Missbräuchen abzuhelfen, und die von mehreren Bischöfen gegen Papas erhobenen Klagen zu vernehmen. Der heilige Milles redete ihn kraftvoll und frei an. „Warum verachtest du deine Amtsgenossen? Hast du die Vorschrift Christi vergessen. Der Größte unter euch sei wie der Kleinste, und der Oberste, wie ein Diener?“ „Tor“, fuhr ihn Papas zornig an, „du willst mich unterrichten, als wüsste ich meine Pflicht nicht.“ Milles langte sein Evangelium hervor, legte es auf den Tisch, und wandte sich dann zu Papas mit den Worten: „Errötest du, von mir deine Pflicht zu vernehmen, der ich ein elender Sterblicher bin, so lerne sie wenigstens aus dem heiligen Evangelium.“ Papas, außer sich vor Wut, schlug auf das Buch und rief: „Sprich Evangelium, sprich.“ Milles nahm, erschrocken über diese gottlose Rede, das Buch zurück, drückte es ehrerbietig auf seine Lippen und auf seine Augen, wandte sich dann gegen Papas mit den Worten: „Der Engel des Herrn wird dich strafen, dass du das Wort des Lebens schmähtest. Hinstarren wird dir die Hälfte deines Leibes, und du wirst nicht daran sterben. Einige Jahre wirst du noch leben zum warnenden Beispiel der göttlichen Gerechtigkeit.“ Alsbald wurde die eine Seite des Papas vom Schlagfluss getroffen, und er stürzte zur Erde nieder. Ein neuerer Schriftsteller glaubt, dieser Schlagfluss könne eine Folge der Wut gewesen sein, von der sich der Unglückliche habe hinreißen lassen (Es ist wohl billig, dass man da keine Wunder annehme, wo sich etwas besser auf natürliche Weise erklären lässt. Allein warum denn lieber wundersam zusammentreffende Möglichkeiten annehmen, als ein ganz natürlich wundervolles Ereignis für das gelten lassen, was es ist? Wenn der Prophet dem König David den Tod seines Sohnes als Wunderstrafe ankündigte, konnte diese freilich auch aus natürlicher Ursache gestorben sein, aber wer wollte denn behaupten, dass der Prophet nicht geweissagt habe, und dass der Tod des Kindes nicht Sündenstrafe gewesen sei?); sollte er aber nicht natürlicher die Wirkungen des göttlichen Strafgerichtes sein, das oft natürlicher Ursachen sich bedient, um den Sünder zu züchtigen? Das fragliche Ereignis trug sich 314 zu. Papas nahm den heiligen Simeon zum Amtsgehilfen, und starb 326, ein Jahr nach dem Konzil von Nicäa, wo er sich durch den heiligen Sciadustes oder Sadoth als seinen Abgeordneten hatte vertreten lassen.

Der heilige Milles zog von dannen in das Land Maisan, von den Lateinern Mesena genannt, am Euphrat, wo er bei einem Einsiedler wohnte. Der Herr dieses Landes, der schon seit zwei Jahren war, erhielt durch das Gebet des Heiligen seine Gesundheit wieder. Durch dieses Wunder wurden viele Ungläubige bekehrt. Von da kehrte Milles in die Landschaft der Razichäer zurück, wo er eine große Anzahl Heiden taufte. Als aber im Jahr 341 Sapors blutige Verordnungen gegen die Christen erschienen, wurde er vom Statthalter der Provinz, Hormisdas Guphrizius, zusammen mit dem Priester Abrosimus und dem Diakon Sina ins Gefängnis geworfen, und gebunden nach Maheldagdar, der Hauptstadt der Razichäer abgeführt. Zweimal geißelte man sie und gebrauchte noch mehrere andere Mittel, um sie dahin zu bringen, dass sie der Sonne opferten, allein sie blieben unüberwindlich und lobten Tag und Nacht mit vereinigtem Gesang den Herrn in ihrem Gefängnis.

Zu Anfang des Jahres, das heißt im Oktober (die Chaldäer haben allzeit ihr Jahr am ersten dieses Monats angefangen), machte Hormisdas Vorbereitungen zu einer großen Jagd. Am Abend vor dem zur Jagd bestimmten Tag ließ er den Milles vor sich führen, und drohte, nach mehreren Vorwürfen, ihn wie ein Wild im Geschütz zu töten, wofern er nicht die Wahrheit seiner Religion beweisen könne. Der Heilige antwortete ihm bescheiden aber festen Mutes. Plötzlich versetzte ihm der grausame Statthalter einen Dolchstich in die Seite; und Narses, des Hormisdas Bruder durchstach die andere Seite. Gleich darauf verschied der Heilige. Abrosimus und Sina wurden auf zwei sich gegenüberliegenden Bergen von Soldaten gesteinigt. Am folgenden Tag verfolgten beide Brüder einen Hirsch und durchstachen sich gegenseitig; ihre Leichen blieben unbegraben den Vögeln und wilden Tieren zur Beute (Wer möchte wohl hier auch wieder das göttliche Strafgericht mißkennen? Sie, diese Meuchler, die am Tag vorher blutdürstig und voll grausame Leidenschaft den Heiligen mit ihren Dolchen durchbohrt hatten, erlegten sich wechselseitig wie gereiztes Wild in ihrer blinden unmenschlichen Lust. Die Grausamkeit hat fast immer ihre Belohnung in sich selber gefunden.). Die Gebeine dieser unglücklichen Brüder wurden dann nach der Gewohnheit der alten Perser verbrannt, ein Brauch, der bis ins 6. Jahrhundert bestand, wo ihn die Mohammedaner, als die Eroberer des Landes, abschafften. Indessen haben die Christen auch in Persien. Wie in anderen Ländern, ihre Toten begraben.

Die Leiber der drei Märtyrer wurden in die Burg Malcan gebracht, und dort in einem für sie bereiteten Grab beigesetzt. Die Einwohner des Landes glaubten es ihrem Schutz zu verdanken, dass sie in der Folge nicht mehr, wie vorher, den Einfällen der sabäischen Araber ausgesetzt waren.

Unsere heiligen Blutzeugen litten im Jahr 341, dem 32. Jahr der Regierung Sapors II., am 13. Des Monats November, der damals nach dem Sonnenjahr auf den ersten eben dieses Monats fiel. Der römische Martyrologium nennt diese Heiligen mit mehreren anderen persischen Märtyrern, am 22. April, mit gebührendem Lob; die Menäen der Griechen erwähnen ihrer am 10. November.

Der heilige Leonidas, Martyrer von Alexandria, Vater des Origenes,
+ 22.4.202 - Fest: 22. April


Unter der Regierung des römischen Kaisers Severus brach in Ägypten, und besonders in der Stadt Alexandrien, eine Verfolgung gegen die Christen aus, in der zahllose Zeugen der Wahrheit die herrliche Krone der Martyrer erlangten. Diese grausame Verfolgung dauerte mit kurzen Unterbrechungen mehrere Jahre, weshalb hier mehrere Martyrer, die zwar nicht zur gleichen Zeit, aber an diesem Ort und in dieser Verfolgung den Martertod erlitten haben, zusammengestellt sind.

Leonidas war der Vater von sieben Söhnen und ein sehr eifriger Christ. Er wurde des christlichen Bekenntnisses wegen ergriffen und ins Gefängnis geworfen. Sehr merkwürdig ist, was die Geschichte zu diesem Anlass von seinem ältesten Sohn, der siebzehn Jahre alt war, und Origenes hieß, erzählt. Mit viel Sorgfalt wurde er, wie seine Geschwister, in seiner Jugend schon im Christentum unterrichtet und durch das ausgezeichnete Beispiel der Eltern im Glauben gefestigt. Als man seinen Vater in den Kerker geführt hatte, wurde der feurige junge Mann von so heftigem Verlangen ergriffen, in Fesseln und durch Marter und durch den Tod Zeugnis für Jesus Christus zu geben, der durch Leiden und Tod die Freiheit der Kinder Gottes und uns ewiges Leben erworben hat, dass er sich freiwillig den Feinden des Christentums ins Gefängnis und in den Martertod ausliefern wollte. Das dringende Zureden und die Bitten seiner Mutter hielten ihn einige Zeit von der Ausführung dieses Entschlusses zurück. Bald aber wurde sein Verlangen nach dem Martertod so heftig, dass weder Bitten noch Tränen imstande waren ihn zu bremsen. Die bekümmerte Mutter kam endlich auf den Gedanken, seine Kleider zu verstecken, und so nötigte sie ihn zu Hause zu bleiben. Während er gezwungen war das Haus zu hüten, beschäftigte er sich immerfort mit den Vorstellungen vom Glück der Märtyrer. Er schrieb die rührendsten Briefe an seinen Vater in das Gefängnis, in denen er ihn aufmunterte, im christlichen Bekenntnis standhaft zu verharren, und ihn dringend bat, dass er sich durch die Sorge um seine Kinder ja nicht wankend machen lassen solle.

Wenn der Vater dieser Ermunterung auch nicht bedurfte, so mussten doch solche Gedanken des geliebten Sohnes ihm größte Freude verschaffen und seine Bereitschaft und das Verlangen nach der Marterkrone noch mehr entflammen. Leonidas wurde als christlicher Martyrer enthauptet. Nach seinem Tod sah sich Origenes mit seiner Mutter und sechs jüngeren Brüdern in größte Armut versetzt, da das väterliche Vermögen von der heidnischen Obrigkeit eingezogen worden war. Eine reiche Frau nahm ihn in ihr Haus auf. Mit den großen Geistesgaben, mit denen er von der gütigen Vorsehung beschenkt wurde, und mit seinem rastlosen Fleiß machte er so große Fortschritte in den Wissenschaften, dass er allgemein bewundert wurde und bald öffentlichen Unterricht erteilte. Mit dem Unterricht in den weltlichen Wissenschaften verband er immer auch die Lehre des Heils durch das Christentum, weshalb ihm vom Bischof Demetrius die öffentliche Schule anvertraut wurde, in der diejenigen in der christlichen Lehre unterrichtet wurden, die sich zur Annahme des Christentums entschlossen oder es wirklich schon angenommen hatten. Jetzt entsagte er ganz dem Lehramt in den weltlichen Wissenschaften und widmete sich einzig dem heiligen Unterricht, mit einem Eifer, der auch heut zu Tage noch die höchste Bewunderung verdient. Er lebte so streng, dass er mit der täglichen Ausgabe von zwölf Kreuzern seine Bedürfnisse bestritt, übte sich in Fasten und strengen Abtötungen, widmete den Tag dem Unterricht und den Diensten der Liebe und den heiligen Schriften den größten Teil der Nacht. Die kurze, dem Schlaf bestimmte Zeit ruhte er nicht in einem Bett, sondern auf dem harten Fußboden. Der Statthalter Aquila quälte die Christen in harter Verfolgung. Währenddessen widmete sich Origenes in heiliger Liebe dem Dienst der gesamten alexandrinischen Christengemeinde. Er bekräftigte die Christen und Christinnen im Glauben, verkündete mit apostolischer Freimütigkeit den Heiden das Evangelium, besuchte die Bekenner Jesu Christi in ihren Fesseln, begleitete sie zum Verhör und zur Richtstätte und stand ihnen bei bis in den Tod. Dadurch erregte er gegen sich den bittersten Hass der Gegner der Christen. Sie rotteten sich zusammen, warfen Steine nach ihm, besetzten seine Wohnung mit Soldaten und misshandelten ihn sehr grausam auf verschiedene Weise mit der Absicht, ihn aus dem Weg zu räumen. Allein Gottes Hand schützte ihn und bewahrte sein für die Christen so kostbares Leben. Nicht nur durch seine Lehre, sondern durch seine gute Lebensweise gewann er unzählige Seelen für Jesus Christus. „Wie seine Lehre, so war auch sein Leben; und wie sein Leben, so auch seine Lehre“, sagt der Geschichtsschreiber Eusebius. Darum zog er unter dem mächtigen Einfluss der göttlichen Gnade so viele mit sich auf den Weg des ewigen Lebens.

Er sah bald einige seiner Jünger, die er dem Heidentum entrissen hatte, als Märtyrer sterben. Plutarchus war der erste, den er zum Glauben an den Sohn Gottes geführt hatte, und unter seinen Jüngern auch der erste Märtyrer. Origenes besuchte ihn im Gefängnis und verließ ihn bis zum Tod nicht. Bis zum letzten Atemzug stand er ihm bei und würde deswegen vom Volk, das ihm den Tod dieses jungen Mannes anrechnete, getötet worden sein, wenn nicht eine besondere göttliche Fügung ihn auch diesmal beschützt hätte. Der zweite Märtyrer von den Schülern des Origenes war Serenus, dessen Glaube im Feuer geprüft und bewährt befunden wurde. Der dritte war Herazides und der vierte Heron. Alle wurden durch das Schwert hingerichtet. Einer war erst getauft worden, einer war aber noch Katechumen, also durch die Bluttaufe Jesu Christi geheiligt. Ein anderer Schüler von Origenes, der auch Serenus hieß, duldete viele Marter und wurde schließlich enthauptet.

Auch Frauen aus der Schule des Origenes erkämpften sich in dieser Verfolgung die Marterkrone. Herais erhielt die Taufe durch das Feuer, das heißt, sie war noch Katechumen und wurde lebendig verbrannt.

Potamiäna war die Magd eines heidnischen Herrn, der von dem wilden Feuer der Wollust ganz beherrscht wurde. Er ließ sich von ihrer einzigartigen Schönheit betören und machte ihr die schändlichsten Anträge, die er durch Bitten und Versprechungen durchzusetzen versuchte. Die heilige Jungfrau widersetzte sich ihm mit fester Standhaftigkeit. Sie ließ sich durch keine Bitten bewegen, durch keine Versprechung blenden und durch keine Drohung erschrecken, sondern war entschlossen, eher das Leben, als den köstlichen Schatz der Unschuld zu verlieren. Darüber geriet der wollüstige Mann in Wut, überlieferte sie dem Statthalter mit einer Summe Geldes und mit der Bitte, sie durch Schrecken zu bewegen, dass sie sich seiner Lust ergebe, sie aber, wenn sie sich nicht dazu entschließen wollte, töten zu lassen. Der unmenschliche Statthalter ließ sie verschiedene grauenvolle Marter erdulden und drohte ihr schließlich, dass er sie den wilden Lüsten der Schergen preisgeben werde, wenn sie nicht Christus verleugnen und ihrem Herrn gehorsam sein wolle. Sie gab darauf eine Antwort, die für die Heiden wie eine Lästerung war. Sogleich erhielt ein Soldat, Basilides mit Namen, den Befehl, sie zur Hinrichtung abzuführen. Sie sollte entkleidet und in einen Kessel voll siedenden Peches verbrannt werden; dies war die schreckliche Todesstrafe, die der grausame Richter aussprach. Die schamhafte Jungfrau fürchtete sich mehr vor der schamlosen Entkleidung, als vor der schmerzlichen Todesstrafe. Sie bewog deshalb den Richter durch ihre dringenden Bitten, dass ihr die Kleider am Leib gelassen wurden. Sie wurde nun wirklich in das siedende Pech eingetaucht, zuerst mit den Füßen und nach und nach tiefer, bis es das Haupt erreichte und sie ihren Geist aufgab. Auch Marzella wurde durch den Martertod vollendet.

Als Potamiäna zum Marterplatz geführt wurde, drängte sich das Volk mit großem Ungestüm hinzu und stieß Schmähungen und unzüchtige Worte gegen sie aus. Der Soldat Basilides schreckte das Volk zurück und erwies sich gegen sie mitleidig und freundlich. Die heilige Martyrin wurde gerührt durch dieses Betragen des Kriegers und sprach zu ihm, er solle guten Mutes sein, sie werde nach ihrem Tod Gott für ihn bitten, der ihm seine an ihr erwiesene Menschenfreundlichkeit gewiss vergelten würde.

Bald nach ihrem Tod geschah es, dass die Mitsoldaten den Basilides zu einem Eid veranlassen wollten. Er erklärte, dass er nicht schwören dürfe, weil er ein Christ sei. Die Soldaten glaubten, dass er scherze. Als er aber auf dem Bekenntnis, ein Christ zu sein, verharrte, wurde er vor den Richterstuhl geführt, und weil er auch da den heiligen Glauben bekannte, in Fesseln gelegt und ins Gefängnis geworfen. Mehrere Gläubige besuchten ihn im Gefängnis und fragten ihn nach der Ursache seiner plötzlichen Bekehrung. Diesen erzählte er, Potamiäna sei ihm 3 Tage nach ihrem Martertod bei Nacht erschienen, habe ihm einen Kranz auf das Haupt gesetzt und erzählt, dass sie für ihn beim Herrn gebetet habe, dass sie erhört worden sei und dass er in Kürze bei ihr sein werde. Basilides wurde hierauf von den Gläubigen im Gefängnis getauft, legte am folgenden Tag vor dem Statthalter ein herrliches Bekenntnis von Jesus Christus ab und wurde enthauptet.

Der heilige Wolfhelm von Brauweiler, Abt und Mystiker,
+ 22.4.1091 – Fest: 22. April


Wolfhelm entstammte einem adeligen Geschlecht der Köln-Jülicher Gegend. Das Erziehungserbe, das ihm die Eltern auf den Lebensweg mitgegeben, war das Beste, was sie ihm bieten konnten: tiefe Religiosität, innige Frömmigkeit, Wohltätigkeitssinn. Schon als kleiner Junge hing er dem beschaulichen Leben nach; hätte doch nur sein unentwickelter Geist ein tieferes Eindringen in die unergründlichen Geheimnisse Gottes gestattet. Umso eifriger strebte er in der Tugend voran. Keuschheitsglanz und strenger Bußgeist schauten aus seinem engelgleichen Antlitz. In Köln sollte er die weitere Ausbildung erhalten. Sein glänzendes Talent warf sich mit besonderem Eifer auf das Studium der Heiligen Schrift. Seine frühzeitige Reife ließ ihn bald die geistige Führung unter den Schülern gewinnen. Ja, sein Lehrer übertrug ihm einen Teil der schweren Last, die ihm die lose Jugend aufbürdete.

Man kann nicht zwei Herren zugleich dienen. Um Gott noch mehr als bisher, ja ihm ausschließlich sich hingeben zu können, brach Wolfhelm die Fesseln der Welt und trat im Kloster St. Maximin in Trier unter die geistliche Leitung des ehrwürdigen Vaters Bernard. In der Profess vollends Gott geweiht, schwang er sich mit Seraphsflügeln auf zu den Höhen der Geheimnisse Gottes in der göttlichen Ruhe der Beschauung, innerlichst im Herzen unlöslich dem Kreuz Christi verbunden. In Köln vermisste man längst schon Wolfhelm und den Segen, den seine Heiligkeit über die ganze Stadt ausströmte. Da erfuhr man, dass er zu Trier durch Werke der Buße und des Gebetes die Vollkommenheit zu erlangen trachte. Nun war guter Rat teuer, wie man ihn wieder für Köln gewinnen könne. Diese schwierige Aufgabe übertrug der dortige Erzbischof Hermann auf das Drängen des Volkes hin Wolfhelms Onkel Heinrich, dem Abt des großen Klosters St. Pantaleon. Da Wolfhelm aber nicht zur freiwilligen Rückkehr zu bewegen war, forderte ihn der Erzbischof von Bernard, seinem geistlichen Vater, der nur ungern seinen heiligmäßigen Schüler ins Kloster des heiligen Pantaleon ziehen ließ. Abt Heinrich erkannte bald Wolfhelms Liebe zur Einsamkeit, seine Friedenssehnsucht im Weltgetriebe der Stadt, das seine Wellen auch in die stillen Mauern des Klosters warf. Deshalb übertrug er ihm die Leitung und Heranbildung der jungen aufstrebenden Klostergemeinde von Gladbach, in welchem Amt er sich auch glänzend bewährte.

In Köln war indessen Hermann im Jahr 1056 gestorben und Anno auf den erzbischöflichen Stuhl erhoben worden. Anno war ein eifriger Anhänger der Reformgedanken, die damals das Mönchtum unter dem Einfluss großer Abteien wie Cluny in Frankreich, Hirsau in Deutschland, Fruttuaria in Italien bewegten. Letzteres Kloster, dessen Gewohnheiten auf Cluny zurückgingen, machte Anno zum Stützpunkt seiner Reformen und Stiftungen in seinem Sprengel. Seine bedeutendste und zugleich seine Lieblingsgründung war Siegburg, wo er auch sein müdes Haupt zur Ruhe legte. Zur Errichtung und Leitung des Klosters aber glaubte er keinen besseren wählen zu können als Wolfhelm, den Abt von Gladbach, dessen Ruf schon weit in die Lande gedrungen war. Wolfhelm tat auch sein Vollstes an Kraft, setzte Geist und Körper in ihrer Ganzheit ein. Aber gegen das Werken und Schaffen, wie es bei der ersten Einrichtung und Instandsetzung eines Klosters nun einmal nicht zu vermeiden ist, sträubte sich sein still beschauliches Gemüt, das mit ungeteilter Kraft sich Gott hingeben wollte, um im Genießen seiner Gnade und im Schauen seines Wesens zu ruhen. Nun hatte in der Nähe Siegburgs der Markgraf Ezzo ein Klösterlein in die stille Einsamkeit gebettet, Brauweiler. Dort sollte sich der Lobpreis und die Danksagung der Schöpfung dem Gottesdienst der Mönche vereinen zum großen Gotteswerk und Gottesdienst von Mensch und Ding. Die Abgeschiedenheit und Weltferne des Klosters war wie geschaffen für das nach innen gekehrte Gemüt Wolfhelms und so ließ er sich nicht lange bitten, als ihm die Abtwürde dortselbst angetragen wurde.

Wolfhelm war ein eifriger Verehrer des hochheiligen Altarsakramentes. Mit größter Inbrunst brachte er täglich das heilige Opfer dar, was damals keineswegs herrschende Übung war; sogar auf einer Wallfahrt zu den Apostelgräbern, die er als Abt von Gladbach machte, ließ er nicht ab von seiner trauten Gewohnheit. Für die Ehre des allerheiligsten Sakraments kämpfte er auch mit seiner Feder. Der Priester Berengar von Tours hatte nämlich die Behauptung aufgestellt, Brot und Wein seien nur die Sinnbilder des Fleisches und Blutes Christi, würden nicht in ihrem Wesen umgewandelt. Wolfhelms Standpunkt in seiner Streitschrift gegen den Irrlehrer war ohne weiteres gegeben in dem der Kirche, die seit 1050 Berengars Ansichten auf zahlreichen Synoden als Irrtümer zurückwies. Dazu war er gefestigt durch seine eigene Erfahrung: täglich wirkte er das Wunder der Wesensverwandlung, täglich erlebte er die Gegenwart Christi fühlbar in sich selbst, Jesus im heiligsten Sakrament hob ihn mit seiner göttlichen Kraft zu den Höhen der Beschauung.

Man darf jedoch nicht glauben, dass der selige Abt deswegen für weltliche Geschäfte gar keinen Sinn gehabt hätte; nein, in der Verteidigung der Rechte seines Klosters stellte er ganz seinen Mann. Eine fromme adelige Dame wollte sich die Seligkeit sichern durch die Stiftung eines Gutes namens Kloten an die Kirche von Brauweiler. Nach deren Tod verlieh Erzbischof Anno diese Stiftung einer anderen Kirche. Zwar versprach er auf dem Sterbebett die Rückgabe, starb aber, ehe er das Versprechen einlösen konnte. Sein Nachfolger Hildolph verweigerte die Herausgabe. Wolfhelm wandte sich an Kaiser Heinrich IV. und an Papst Gregor VII., die beide zu seinen Gunsten entschieden. Da erboste Hildolph gegen Wolfhelm, bezichtigte ihn der Verleumdung beim Papst, drohte ihm schließlich mit Absetzung. Doch Wolfhelm wirft das Gewissen keine Schuld vor, seine unerschütterliche Ruhe verwirrt die Gegner und verdammt ihre Hetze zur Fruchtlosigkeit. Auch eine persönliche Aussprache des Erzbischofs mit dem Abt brachte keine Klarheit, erst auf ein mahnendes Traumwort hin lässt sich Hildolph zur Rückerstattung des unrechtmäßigen Gutes herbei.

„Wir haben hier keine bleibende Stätte, wir suchen eine zukünftige“ und „unsere Wohnung ist im Himmel“. Von dem Geist dieses Bibelwortes ganz erfüllt, wandelte Wolfhelm nur mehr dem Leibe nach auf dieser schweren Erde. Sein Sinnen und Trachten war ein himmlisches, ein einziges Gebet zu nennen. Aus ihm floss jene Glut der Andacht, die ein Vorbild und eine Zierde war für die ganze Kölner Gegend. Trotz der hohen Stufe der Beschauung, auf der er mit Gott verkehrte, blieb er ein bescheidener Mönch. Wenn auf seine Fürbitte Wunder Geschahen - u–d das war nicht selten –, so war er ängstlich bedacht, jede Andeutung eines eigenen Verdienstes abzuwehren.

Endlich kündigte ihm ein Gesicht seine bevorstehende Auflösung an. Sie bedeutete für Wolfhelm nur die Erfüllung dessen, was er auf Erden seit seiner Kindheit ersehnt und erstrebt: die Losschälung, die Befreiung vom Körper, die Vereinigung der Seele mit Gott, um in seinem Genuss ewig zu ruhen. Seine letzten Tage schienen ein einziger Schlaf zu sein, sie waren ein Vorgenuss des Schauens von Angesicht zu Angesicht. Im Jahr 1091, am 22. April schlummerte er friedlich hinüber, in die Arme Gottes sinkend. Das zart gehauchte Rot, das bis zur Bestattung auf seinen Wangen nicht erlöschen wollte, gab noch lebendiges Zeugnis von seiner Liebesglut der Andacht.

Der heilige Wolfhelm hat den großen Grundgedanken des christlichen Lebens erfasst: Gemeinschaft mit Gott. Jeder Christ muss sie auf Erden zu erlangen trachten, indem er eingeht in den Geist Christi und der ist ein Geist der Opferliebe. Die Opferliebe ist der Weg zur Einigung mit Gott: Verstehen seines Geistes, volles Hingeben des Menschen an seinen Willen, ein weites Aufschließen der Seele, dass Gottes Gnade in ihr sich auswirke. Nicht jeder kann sich so vollständig und ausschließlich Gott hingeben wie unser seliger Abt; er wird tagaus tagein, Woche für Woche und ein Jahr wie das andere, Werktagsarbeit verrichten müssen. Aber diesen Trost ruft uns der selige Abt Wolfhelm zu: „Wer es nicht in allem kann, der tue es soweit er kann!“ Dann wird Gott auch das Seinige tun und solchen wenigstens in der Ewigkeit den Genuss seiner seligen Beschauung, die Gnade der wahren Himmelsmystik gewähren.

Der selige Franziskus Venimbeni von Fabriano,
Franziskaner, italienischer Priester,
+ 22.4.1322 – Gedenktag: 22. April


Der gottselige Franziskus Venimbeni, aus einer ehrbaren Familie zu Fabriano in Italien geboren, glaubte sich auf wunderbare Weise zum Klosterstand berufen. Er trat in den Orden des heiligen Franziskus, durch dessen Fürbitte er in seinem Kindesalter von einer Krankheit genas. Als eifriger Novize und Ordensmann bewies er immerhin, dass er die Gnade seines Berufes zu schätzen wisse. Seiner großen Neigung zum Gebet ungeachtet, versäumte er nicht die nötigen Wissenschaften zu erlernen. Er wurde ein geschickter Prediger, seine Unterredungen waren so kraft- und salbungsvoll, dass er drei seiner Neffen, die in der Welt großes Glück zu hoffen hatten, bewog, sich Gott im Orden der mindern Brüder zu weihen. Seine Demut waren eben so groß, als seine Geistesfähigkeiten. Zum heiligen Messopfer hatte er eine besondere Andacht. Man erzählt, dass, als er eines Tages am Schluss der Messe für die Verstorbenen gesagt habe: Requiescant in pace, man mehrere Stimmen freudig Amen antworten gehört habe. Er starb in seinem 71. Lebensjahr am 22. April 1322. Seit dem Oberhirtenamt Papst Pius VI. verehrt man ihn in seinem Orden am 12. April. Im Jahr 1775 wurde er seliggesprochen.

Gebet am 22. April

Geliebte Fürsprecherin der Sünder, ich bitte dich, unterlasse nicht bei dem furchtbaren Übergang in die Ewigkeit, meiner betrübten und von Versuchungen bestürmten Seele beizustehen. Und weil mir dann vielleicht die Stimme fehlen wird, um deinen und deines Jesus Namen anzurufen, die ihr doch all meine Hoffnung seid, so rufe ich dich und deinen Sohn schon jetzt an, damit ihr mir in diesem letzten Augenblick beistehen möget, und spreche deshalb: Jesus und Maria, euch empfehle ich meine Seele an. Amen