Clicks184

Betrachtungen vom 9.Juni

Betrachtung am 9. Juni - Ergebung in Leiden Herr, aus tiefbetrübtem Herzen Tönt mein traurig Lied zu dir. Doch mein Trost sind Kreuz und Schmerzen, Denn du sandtest selbst sie mir; Und nur dadurch …More
Betrachtung am 9. Juni - Ergebung in Leiden

Herr, aus tiefbetrübtem Herzen

Tönt mein traurig Lied zu dir.

Doch mein Trost sind Kreuz und Schmerzen,

Denn du sandtest selbst sie mir;

Und nur dadurch kann ich rein,

Und dir, Jesus, ähnlich sein.

1. Gepriesen, mein Gott, sei dein heiliger Name in dieser Stunde. Denn deine Hand ist es, die diese bitteren Trübsale mir sendet. Immer aber wird deine Hand von deinem Herzen, und dein Herz von deiner Liebe geleitet. Darum auch, mein Gott, ist deine Züchtigung mir nicht sowohl ein Zeichen deines Zornes, als ein Beweis deiner Liebe. Willkommen also sei mir deine Zuchtrute, denn du strafst als Vater, und weniger schwer als die Hand der Menschen ist deine Hand, weil deine Barmherzigkeit sie führt. Fällt auch die Pein des Augenblicks der Natur schmerzlich, so ist doch deine milde Strafe eine heilsame Arznei, die meine Seele reinigt, heilt und erleuchtet.

2. Unendlich mehr, mein Gott, - dies erkennt meine Seele, - haben meine Sünden und meine Nachlässigkeit verdient. Denn, fürwahr, ein böser Knecht bin ich, der ich den Willen meines Herrn erkannt, und nicht getan habe. Und gut tut es mir, dass du in dieser Zeit mich gelinde bestrafst, um mich nicht auf ewig zu verwerfen. Auch ist es mir ein großer Trost, dass du, wenn du mich bestrafst, und nichts Gutes in mir findest, das deiner Belohnungen würdig ist, wenigstens Schmerz und Elend findest, die deiner Erbarmungen würdig sind. Darum, o mein Gott, bitte ich dich: Sende mit dem Kreuz mir zugleich Geduld, damit ich es zu deiner Ehre trage, deine Gerechtigkeit besänftige, und deine Gnade verdiene.

3. Was auch, o Jesus, mein Gott und Erlöser, sind alle meine Leiden, wenn ich sie mit den unsagbaren Schmerzen vergleiche, die du in unendlicher Liebe am heiligen Kreuz erlitten hast, von ewigen Schmerzen mich zu befreien. O gib mir einen Funken dieser feurigen Liebe, dass mein ganzes Herz für dich erglüht, und ich im Leiden mich dir gleichförmig bilde. Nimm, Herr, dieses geringe Leiden als ein Opfer auf, das ich dir, meinem gekreuzigten Heiland, bringe, und vereinige es mit deinem unermesslichen Opfer, damit es dadurch geheiligt, und deinem himmlischen Vater wohlgefällig werde. Mit dir, meinem göttlichen Heiland, spreche ich: "Vater, nicht mein, sondern dein Wille soll geschehen!" (Lukas 22,42b)
matermisericordia and one more user like this.
matermisericordia likes this.
Tina 13 likes this.
Die selige Anna Maria Taigi

Von ihrer Kindheit bis zur Hochzeit

Von Siena nach Rom

Die Wiege der Anna Maria stand in Siena, der berühmten italienischen Stadt mit ihrem noch ganz mittelalterlichem Aussehen. Hier blühte die Liebe zu den Künsten. Das beweisen die prächtigen Kathedrale mit der berühmten Kanzel des Nikolaus Pisano, den wunderbaren Freskogemälden des Pinturicchio, ferner die …
More
Die selige Anna Maria Taigi

Von ihrer Kindheit bis zur Hochzeit

Von Siena nach Rom

Die Wiege der Anna Maria stand in Siena, der berühmten italienischen Stadt mit ihrem noch ganz mittelalterlichem Aussehen. Hier blühte die Liebe zu den Künsten. Das beweisen die prächtigen Kathedrale mit der berühmten Kanzel des Nikolaus Pisano, den wunderbaren Freskogemälden des Pinturicchio, ferner die Johanneskirche mit ihrem berühmten Taufbrunnen, die stolzen Paläste, der Gaiabrunnen und viele andere Sehenswürdigkeiten.
Aus Siena stammen viele hervorragende Persönlichkeiten. Es seien hier nur angeführt die zwei großen Päpste Alexander III. und Pius II., der mit jugendlicher Tatkraft es versuchte, den großen Traum der Befreiung Europas von der türkischen Herrschaft zu verwirklichen. Ganz besonders sei erinnert an die bekannte heilige Katharina Benincasa und den heiligen Bernardino von Siena, zwei Heilige, durch welche der Name dieser christlichen Stadt auf dem ganzen Erdkreis bekannt wurde.
Hier wurde die Selige am 29. Mai 1769 abends im Hause der Rossstraße Nr. 32 geboren und am anderen Tag in der St. Johanneskirche getauft. Sie bekam in der Taufe die Namen Anna Maria Antonia Jesualda und war das einzige Kind ihrer Eltern Alois Giannetti, Apotheker, und der Santa Masi. Diese pflanzten ins Herz des kleinen Kindes die Keime des christlichen Denkens und christlichen Lebens.
Als Anna Maria sechs Jahre alt war, musste sie mit ihren Eltern Siena verlassen. Ihr Vater hatte durch eigene Schuld den wirtschaftlichen Bankrott seines Geschäftes herbei geführt. Der Karmeliterpater Philipp, Beichtvater der Seligen, schreibt: „So ehrbar und sittsam ihr Vater war, so war er dich auch wunderlich und leichtsinnig. Infolge dessen musste er wegen seines geringen Geschäftssinnes Siena verlassen.“
Gottes Vorsehung führte die Familie Giannetti nach Rom. Es war im Jubeljahr 1775, nachdem der hl. Vater Pius VI. mit der Öffnung der heiligen Pforte von St. Peter das Zeichen zum Beginn der Ablässe des hl. Jahres gegeben hatte. Vielleicht hatte sie sich den Pilgerzügen, die durch Siena gingen, angeschlossen, um an den geistigen Freuden des hl. Jahres teilzunehmen und um so mit Gottes Hilfe in der Stadt der Päpste das tägliche Brot durch eine ehrenvolle Beschäftigung zu verdienen.
Im ärmsten und volksreichsten Stadtviertel mietete man ein Wohnung. Alois Giannetti nahm eine leichte Dienerstelle an. Aber er bekam so wenig Lohn, daß er damit seine kleine Familie nicht ernähren konnte. Das bezeugte seine Enkelin Sofia im Seligsprechungs-Prozeß ihrer Mutter mit den Worten: „Meine Großmutter musste sich wegen ihres Mannes sehr plagen, welcher in Rom sein Glück nicht machte und sich nicht schämte, tatsächlich auf Kosten seiner Gemahlin zu leben. Sie war gezwungen, da und dort als Dienstfrau soviel zu gewinnen, um den Gatten und die Tochter zu ernähren.“

Anna Maria in der St. Agatha-Schule

In jener Zeit hatte in Rom die selige Lucia Philippina Schulen gegründet, die in der Erziehung der Mädchen wahre Glanzleistungen zu Tage förderten. So war im Stadtviertel die Monti, wo die Familie Giannetti wohnte, die von Lucia Philippina gegründete St. Agatha-Schule die beste. Anna Maria besuchte diese Schule zwei Jahre lang, lernte dort lesen, solide Frömmigkeit, praktische Anleitung zu häuslicher Beschäftigung und Liebe zur Arbeit. Infolge der Pockenkrankheit, die auch das schöne Mädchen nicht verschonte, musste es seine frommen Lehrerinnen verlassen. Daher konnte es den Unterricht im Schreiben nicht mehr mitmachen. So kam es, daß das hoch begabte Kind in seinem Leben niemals schreibkundig war.
Schule und Elternhaus wirkten harmonisch zusammen, um ihm eine christliche Ausbildung zu geben. Denn es gibt keine echte Erziehung und Kultur ohne Religion, eine Wahrheit, die heute leider vielfach nicht beachtet wird.
Was menschliches Können nicht vermochte, das bewirkte die Gnade Gottes. Mit größter Andacht und lebendigem Glauben empfing Anna Maria im Alter von 11 Jahren das hl. Sakrament der Firmung und etwas später mit heißer Sehnsucht die hl. Kommunion. Was sie damals ihrem Heiland versprach, hielt sie ihr Leben lang. So wurde das Liebesband zwischen ihr und dem Heiland ein unzerreißlich festes.

Das gute Beispiel ihrer Mutter

Großen Eindruck machte auf das 14-jährige Mädchen das Sterben des seligen Josef Benedikt Labre… Am meisten weilte er in der Mutter Gottes Kirche des Armenviertels der Stadt, wo die Familie Giannetti wohnte. Auf der Treppe dieser Kirche brach der fromme Pilger, kaum 35 Jahre alt, ohnmächtig zusammen. Man trug ihn in ein kleines Haus in der Nähe der Kirche, wo er am 16. April 1783 seine Seele aushauchte. Santa, die Mutter der Anna Maria, war herbei geeilt, um den Leichnam zu waschen und zu kleiden. Große Scharen von Kindern durchzogen die Stadt und riefen: „Der Heilige ist gestorben.“
Arme und Reiche drängten sich um die sterbliche Hülle des Seligen. Als dieselbe in die oben erwähnte Marienkirche zur Aufbewahrung und öffentlichen Verehrung überführt wurde, hatte der Leichenzug das Aussehen eines Triumphzuges. Ähnliches sah man in Rom nur noch nach dem Tode des Philippus Neri.
Dieses Ereignis konnte Anna Maria nie vergessen. Besonders wirkte auf sie das gute Beispiel ihrer Mutter, die am toten Leib des Seligen ein so schönes, christliches Werk der Barmherzigkeit vollbracht hatte. Von ihrer guten Mutter hatte sie gelernt, ebenfalls gegen Arme mitleidig und barmherzig zu sein.
Darum hatte ihre Mutter Santa sich niemals über unartiges oder freches Benehmen ihrer Tochter zu beklagen, im Gegenteil konnte sie ihr das Lob spenden, daß sie immer ruhig, gehorsam und lernbegierig gewesen sei.
In der Tat glich Anna Maria einer Blume, die den Wohlgeruch christlicher Tugenden verbreitete.

Braut und Hochzeit

Die göttliche Vorsehung hatte für Anna Maria Giannetti einen Mann ausersehen, der Diener war im Hause Chigi, das dem Hause Marini gut befreundet war. Dieser Auserwählte war Dominikus Taigi (sprich: Taidschi)…
Dominikus hatte gute Eigenschaften, wenn er auch in mancher Hinsicht seine Schattenseiten hatte. Alle, bei denen sich Anna Maria erkundigte, versicherten ihr, daß er einen tadellosen, sittenreinen Lebenswandel geführt habe.
Das war für sie die Hauptsache. Auch konnte Dominikus mit seinem bescheidenen Einkommen eine Familie ernähren; er war ebenfalls von schöner Gestalt und eifrig in Erfüllung seiner christlichen Pflichten. So stellte sie ihm ihre Zusage in Aussicht, trotzdem der junge Mann verschiedenes an sich hatte, was sie hätte abschrecken können. Denn es fehlten ihm feine Manieren, er war ohne jedes Zartgefühl, grob und jähzornig.
Aber sie wußte, daß sie wegen ihrer Armut ihre Ansprüche an einen Bräutigam nicht zu hoch stellen konnte, da sie außer ihren natürlichen und sittlichen Eigenschaften keine anderen Güter hatte, als ihre geschickten und fleißigen Hände…
Die Verlobungszeit dauerte nicht lange. Denn schon nach 40 Tagen fand die Trauung statt. Die Zeit zwischen Verlobung und Hochzeit benützten beide Brautleute zu eifrigem Gebet, um Gottes Gnaden recht reichlich für den Ehestand zu erlangen.

Wie alle guten Brautleute so empfing auch Dominikus mit seiner Braut vor dem Eintritt in den Ehestand die hl. Sakramente der Buße und des Altares, um am Hochzeitstage von Gott alle für den Ehestand notwendigen Gnaden zu erlangen.
Am 7. Januar 1790 wurde die Ehe in der schönen St. Marcelluskirche, ihrer Pfarrkirche, abgeschlossen…
Als Anna Maria Giannetti sich dem Altare näherte, um Dominikus Taigi die Hand zum ehelichen Bund zu reichen, zählte sie 20 Jahre und 7 Monate. Sie stand in der Blüte ihrer Jugend, strahlte im Glanz vollständiger Reinheit ihres Herzens und suchte das Ideal einer christlichen Frau zu verwirklichen.
Dominikus war 28 Jahre alt und band sich an seine Lebensgefährtin mit der ganzen Leidenschaft einer reinen, aufrichtigen Liebe.
Trotz der Verschiedenheit der Charaktere blieb der Friede und die Liebe in dieser Ehe stets erhalten, weil sie mit dem Segen Gottes und vor den Stufen des Altares gegründet wurde, und weil beide von dem besten Streben beseelt waren, in der Ehe ein christliches Leben zu führen, um im Himmel ewig miteinander vereinigt zu sein.
Da Dominikus ein guter und getreuer Diener beim Fürsten Chigi war, so erhielt er anläßlich seiner ehelichen Verbindung mit Anna Maria eine bescheidene Wohnung im Palast seines Herrn.
Hier wurden die lieben Kinder geboren, und hier wurden Tugenden geübt, die in der ganzen Welt ein weites Echo von Bewunderung fanden. –
aus: Wilhelm Kirchgessner, Das Leben der seligen Familienmutter Anna Maria Taigi, 1928, S. 4-12
MonsZ Was sind Sie denn für ein Wolf im katholischen Schafpelz?
1.
Den User @CSc diffamieren, der die Gruppe fördern will, die katholische Familienwerte in der Öffentlichkeit vertritt! Und ihm wünschen, er solle zur Hölle fahren!
2. Die Lügereien von PF, die Kardinal Vigano in der Öffentlichkeit angeprangert hat, als "Notlüge" herunterspielen!
3. Zur Tarnung dann Papst Benedikt XVI als Threa…More
MonsZ Was sind Sie denn für ein Wolf im katholischen Schafpelz?
1.
Den User @CSc diffamieren, der die Gruppe fördern will, die katholische Familienwerte in der Öffentlichkeit vertritt! Und ihm wünschen, er solle zur Hölle fahren!
2. Die Lügereien von PF, die Kardinal Vigano in der Öffentlichkeit angeprangert hat, als "Notlüge" herunterspielen!
3. Zur Tarnung dann Papst Benedikt XVI als Thread einstellen mit dem Titel, das Volk Gottes klage das Unrecht im Vatikan an!
4. Unter katholischem Mäntelchen streuen Sie portionsweise Ihr Gift unters Gtv-Volk, ganz genauso wie PF!!
5.Sie greifen vor 11 Stunden die Userin Hildegard51 wegen der Betrachtungen zum Fest Mutter der Gnade vom 8.Juni
Zur Erinnerung Ihr Kommentar :
Der 9. Juni ist vorbei. Was soll das?
Will die Redaktion ablenken?

Und das alles, innerhalb von 24 Stunden nach Ihrer Anmeldung auf Gtv!
Gestas @Vered Lavan @Tina 13 @Sinai 47 @Eremitin @Eugenia-Sarto @nazard223 @Tesa @HerzMariae @matermisericordia @Ratzi@Hildegard51
PaulK and one more user like this.
PaulK likes this.
Waagerl likes this.
MonsZ Was soll Ihre freche Unterstellung? Die Gottesmutter kann unter Ihrem Ehrentitel "Mutter der Gnade" das ganze Jahr angerufen werden und das ist nicht auf den 9.Juni beschränkt!
@Hildegard51
matermisericordia and one more user like this.
matermisericordia likes this.
Waagerl likes this.
Eremitin and one more user like this.
Eremitin likes this.
geringstes Rädchen likes this.
Gestas likes this.
Gestas likes this.
Bibiana
Jesus Christus ist unser Erlöser. Und Maria ist die Mutter des Erlösers,
drum am 9.Juni das schöne Fest Mutter der göttlichen Gnade.
Theresia Katharina and one more user like this.
Theresia Katharina likes this.
Gestas likes this.
Saarländerin likes this.
Heilige des Tages

9. Juni

Maria, Mutter der Gnade

Die heiligen Brüder Primus und Felicianus,

Martyrer von Mentana, Italien,

+ 9.6.286 - Fest: 9. Juni

Primus und Felicianus, ein edles Brüderpaar aus Rom, führten ein erbauliches Leben, ermunterten sich gegenseitig zur Übung aller Arten guter Werke und nahmen sich besonders der verfolgten Christen an, die sie auf das Liebevollste unterstützten…More
Heilige des Tages

9. Juni

Maria, Mutter der Gnade

Die heiligen Brüder Primus und Felicianus,

Martyrer von Mentana, Italien,

+ 9.6.286 - Fest: 9. Juni

Primus und Felicianus, ein edles Brüderpaar aus Rom, führten ein erbauliches Leben, ermunterten sich gegenseitig zur Übung aller Arten guter Werke und nahmen sich besonders der verfolgten Christen an, die sie auf das Liebevollste unterstützten und auf jede Weise im Glauben zu befestigen versuchten. Tage und Nächte brachten sie in den Gefängnissen zu, um den Bekennern alle Dienste zu erweisen. Sie wagten es sogar, auf den öffentlichen Marterplätzen zu erscheinen, wo sie die Bekenner zur Standhaftigkeit ermunterten und die Abgefallenen dem Heiland wieder zu gewinnen sich bemühten. Trotz dieses offenkundigen Eifers entgingen sie mehreren blutigen Verfolgungen und hatten unangefochten bereits ein hohes Alter erreicht, als es dem Herrn gefiel, auch sie zur Marterkrone zu berufen.

Die Götzenpfaffen, aufgebracht über die ungemeine Verbreitung der christlichen Religion, beklagten sich bei den Kaisern Diokletian und Maximian, wie die Götter erzürnt seien, keine Orakelsprüche mehr gäben und ihre Wohltaten zurückhielten, weil das ihnen verhasste Geschlecht der Christen von Tag zu Tag zunähme. Vorzüglich erklärten sie Primus und Felicianus der Rache der Götter verfallen und forderten zur strengen Bestrafung derselben auf. Sogleich wurden die beiden Brüder ergriffen und vor den Prätor von Rom geschleppt, der sie, als sie seinem Befehl, den Götzen zu opfern, nicht gehorchten, an Händen und Füßen gefesselt ins Gefängnis werfen ließ. In der Nacht aber erschien ihnen ein Engel des Herrn, tröstete sie und löste ihre Bande, und voll Dankes sangen sie das Lob Gottes und baten um seine Gnade zu dem bevorstehenden Kampf.

Tags darauf wurden sie bis auf das Blut gegeißelt und dann nach Nomento abgeführt, wo Promotus, ein wilder Christenfeind, Statthalter war. Der übergab sie den Händen der Henker, die sie auf das Grausamste folterten, aber durch alle ihre Kunstgriffe sie nicht zum Abfall bringen konnten. Der Statthalter meinte nun eher zum Ziel zu gelangen, wenn er die Brüder voneinander trenne und jeden einzeln vornehme. Daher ließ er Primus in das Gefängnis abführen und behielt nur Felicianus bei sich. Diesem redete er zu, dass er seines hohen Alters schonen und nicht mutwilliger Weise sich den schrecklichsten Peinigungen aussetzen möge. Der Martyrer aber entgegnete: „Ich zähle jetzt achtzig Jahre, und dreißig sind es, seitdem ich Gottes Wahrheit erkannt und mich Jesus dem besten Herrn, als Diener untergeben habe. Jetzt wo ich so nahe daran bin, den Lohn ausbezahlt zu bekommen, soll ich meinem Herrn untreu werden? Verfahre mit mir, wie du willst, Promotus! Aber zu einer solchen Torheit wirst du mich nie verleiten.“ Daraufhin ließ ihn der ergrimmte Heide an einem Pfahl aufziehen und drei Tage lang ohne Nahrung schmachten.

Nun kam die Reihe an Primus. Diesem spiegelte der Statthalter mit arger List vor, als hätte sein Bruder sich dem Befehl der Kaiser gefügt und den Götzen geopfert, und ermunterte ihn, nun auch solchem Beispiel zu folgen und durch gleiche Willfährigkeit an der Huld der Kaiser teilzunehmen. Der Heilige, der durch höhere Erleuchtung von dem herrlichen Bekenntnis seines Bruders Kunde hatte, antwortete dem Nichtswürdigen: „Schäme dich der Lüge! Felicianus bleibt seinem Heiland treu und wird für ihn sterben; das will auch ich.“ Im höchsten Zorn ließ jetzt der Statthalter den Martyrer schlagen, dass die Haut in Fetzen vom Leib fiel, und dann die Wunden mit Fackeln anbrennen. Unter diesen Penigungen rief Primus mit dem Psalmisten aus: „Du hast uns geprüft, o Herr, durch Feuer geläutert, wie man läutert das Silber. Wir gingen durch Feuer und Wasser, aber du führtest uns heraus in die Erquickung.“ Damit Felicianus Zeuge der Qualen seines Bruders sei, ließ ihn der Statthalter aus dem Kerker herbeiführen, und er musste zusehen, wie man Primus geschmolzenes Blei in den Mund goss. Aber durch ein Wunder Gottes brannte das Blei nicht und schien dem Martyrer vielmehr mildes Öl zu sein, und freudig rief dieser aus: „O mein Bruder, sieh die Macht unseres Gottes, der dem Feuer seine Kraft nimmt und siedendes Metall in einen Labetrank verwandelt!“

Der Statthalter hatte aber seine Grausamkeit noch nicht erschöpft. Er ließ zwei ungeheure Löwen, deren Brüllen schon die Herzen der Zuschauer entsetzte, gegen die beiden Bekenner los. Aber die blutdürstigen Bestien legten sich gleich zahmen Lämmern zu den Füßen der beiden nieder, und gleiches taten zwei wilde Bären, die man ihnen nachsendete. Da riefen die heiligen Brüder mit lauter Stimme dem wütenden Statthalter zu: „Unseliger, erkennst du noch nicht die Macht und Herrlichkeit unseres Gottes? Sieh die Tiere geben von ihm Zeugnis und gehorchen seinen Dienern! Willst du noch länger verstockten Herzens bleiben?“ Auf das Volk machte der wunderbare Vorfall einen solchen Eindruck, dass viele, den Gott der Christen preisend, sich zum Glauben bekehrten. Promotus aber, wilder als die Tiere der Wüste, blieb verhärtet und ließ die edlen Brüder durch das Schwert hinrichten – am 9. Juni 286. Die Christen bemächtigten sich insgeheim ihrer Leiber und begruben sie in einer Sandgrube bei Nomento. Im siebenten Jahrhundert wurden ihre Reliquien auf Befehl des Papstes Theodorus nach Rom gebracht und in der Kirche des heiligen Stephan auf dem Berg Cölius beigesetzt.

Der heilige Hercumbert, Bischof von Minden,

+ 9.6. um 806 – Fest: 9. Juni

Als der Sachsenherzog Widukind vom Kaiser Karl dem Großen in vielen Schlachten besiegt worden war, begab er sich im Bettlergewand, um nicht erkannt zu werden, in das kaiserliche Lager zu Attigny und sah, wie der Kaiser und sein ganzes Heer in den Ostertagen kommunizierend aus der Hand des Priesters ein wunderschönes Kind empfingen, das bei vielen lieb lächelnd, bei andern voll Abscheu sich abwendend, im Mund eines jeden verschwand. Staunend fragte der heidnische Herzog, den der Kaiser an seinem krummen Finger erkannt hatte, nach der Bedeutung der wunderbaren Erscheinung, und er bat einen Priester, ihm und seiner Gemahlin die Anfangsgründe der christlichen Religion beizubringen. Zu jenen Zeiten befanden sich im Gefolge des Kaisers ausgezeichnete Gelehrte, unter anderen Hercumbert, ein Mann von vorzüglicher Heiligkeit und hohen Geistesgaben. Er wurde vom Kaiser zum Unterricht des Herzogs auserkoren und brachte es durch seinen Fleiß und seine ausdauernde Bemühung in kurzer Zeit dahin, dass Widukind nebst seiner Gattin noch in demselben Jahr getauft wurde.

Hercumberts Seeleneifer begnügte sich mit dieser für das ganze Sachsenvolk bedeutungsvollen und segensreichen Errungenschaft nicht. Der Herzog Widukind hatte ihm eine Wohnung auf einer seiner westfälischen Burgen angeboten, wenn er Frankreich verlassen und mit ihm nach Westfalen gehen wollte. Zugleich versprach er ihm, dass er ihm einen geeigneten Platz zum Bau einer Kirche und die erforderlichen Einkünfte zum Unterhalt der Geistlichen anweisen wolle. Auch Karl der Große verhieß dieser Kirche verschiedene Schenkungen, sobald die Zeiten nach den beständigen Unruhen friedlichere würden. Sehr gern fand sich Hercumbert bereit, Widukind nach Westfalen zu begleiten, denn er sah voraus den großen Vorteil für die Kirche, wenn ein so berühmter Mann treu in der eben angenommenen christlichen Religion beharrte.

Deshalb begleitete Hercumbert den Herzog Widukind auf seiner Rückreise nach Westfalen, fest entschlossen, sein Leben für Christus zu opfern oder die wilden Scharen der Heiden zum ewigen Heil zu führen. Sein erster Aufenthalt soll in der Widukindsburg an der Weser gewesen sein. Um anzudeuten, dass der Platz und das Bistum beiden gemeinsam sein sollte, nannte Widukind die Stätte „Myn dyn“, d.h. „Mein dein“, wovon die Stadt Minden ihren Namen erhalten haben soll.

Von dort aus durchzog der seeleneifrige Bischof die ganze Umgegend, unterrichtete das Volk im christlichen Glauben und frommen Übungen und erreichte die glücklichsten Erfolge, denn nach dem Beispiel ihres hochverehrten Herzogs strömten viele Sachsen herbei, um sich taufen zu lassen. Seine Hauptsorge wandte er Widukind und dessen Haus zu, den er durch öftere Unterredungen und Ermahnungen so sehr im Glauben befestigte, dass er von der Zeit an ebenso eifrig auf das Wohl der Kirche und Förderung des christlichen Lebens bedacht war, wie er früher Aufruhr erregte.

Unter verschiedenen Tugenden Hercumberts wird besonders seine Freigebigkeit gerühmt. Außer vielen anderen Schenkungen gab er dem Kloster Fulda 253 Knechte, 23 Dörfer, 170 Joch Ackerland zum Geschenk. Nachdem er sein bischöfliches Amt ruhmvoll und segensreich verwaltet hat, starb er am Anfang des neunten Jahrhunderts am 9. Juni, dem Fest der heiligen Märtyrer Primus und Felician.

Der heilige Ephräm der Syrier, Diakon von Edessa, Kirchenlehrer,

+ 9.6.373 - Fest: 9. Juni

Der heilige Ephräm kam um das Jahr 306 in der Gegend zwischen den Flüssen Euphrat und Tigris als Bauernsohn zur Welt. Zwölfjährig hatte er einmal einen sonderbaren Traum. Es träumte ihm, er läge der längelang auf einer Wiese. Da sprosste aus seinem Mund ein Weinstock hervor, der schnell wuchs, bis er an das Firmament reichte. Viele Blätter waren an dem Stock und noch mehr Trauben, und es kamen Leute und pflückten die Trauben, und je mehr sie pflückten, desto mehr Trauben reiften an dem Weinstock heran. Es war ein fremdartiger Traum, aber Ephräms späteres Leben war sehr schön darin vorgedeutet.

Als Junge war Ephräm kein übler Kerl, als er aber in die Flegeljahre kam, entwickelte er sich zu einem regelrechten Strick, der eines Tages einen Streich vollführte, für den es wohl keine Entschuldigung gibt. Es soll dieser Streich weder verschwiegen noch beschönigt werden, denn es liegt darin einerseits eine ernste Mahnung an alle, es doch nicht zu toll zu treiben, und andererseits dient es auch zur Erbauung, wenn man erfährt, dass die Heiligen nicht immer heilig waren, dass sie aber durch den Kampf gegen ihre Fehler Heilige geworden sind.

Aus lauter Übermut trieb nämlich eines Tages der fünfzehnjährige Ephräm die Kuh des Nachbarn vor sich her, weiter und weiter, in einen dichten Wald. Da kam ein Wolf und zerriss das Tier. Das hatte Ephräm natürlich nicht gewollt, aber es war geschehen. Heulend lief er heim und bekannte, was er getan hatte. Verdientermaßen züchtigte ihn der Vater. Die Kuh musste dem Nachbarn ersetzt werden, aber weit schlimmer noch war es, dass die Polizei den Übeltäter verhaftete. Im Gefängnis hatte Ephräm dann Muße genug, um zur Einsicht zu gelangen.

Dass der junge Mann einige Tage bei Wasser und Brot fassten musste, machte ihm weniger aus, aber vor der kommenden Gerichtssitzung hatte Ephräm eine unheimliche Angst. Gott und allen Heiligen gelobte er, sich zu bessern, wenn er ungeschoren davonkäme. Tatsächlich ließ der Richter Nachsicht walten und begnügte sich mit einer ernsten Verwarnung, auf Ephräm aber machte die öffentliche Verhandlung einen solch tiefen Eindruck, dass er die Erinnerung daran nie mehr verlor, und sooft er daran dachte, stellte er sich das Gericht am Jüngsten Tag vor, bei dem in Gegenwart aller Menschen eines jeden Sünden restlos aufgedeckt werden. Das waren wohl heilsame Gedanken, die Ephräm da bei sich trug.

Nachdem Ephräm dann daheim die Eltern reumütig um Verzeihung gebeten hatte, begab er sich zu einem Einsiedler, der ihn nach einer längeren Prüfung als Jünger annahm. In kurzer Zeit wurde aus dem jungen Mann ein besserer Mensch, denn er hatte ja Lehrgeld genug bezahlt. Später machte sich Ephräm als Einsiedler selbstständig und ging nach Syrien, weshalb man ihn Ephräm den Syrer nennt. Bald auch war er nicht nur wegen seines heiligmäßigen Lebens, sondern ebenso wegen seiner gotterleuchteten Weisheit im Land berühmt. Weil er sich nicht würdig erachtete, Priester zu werden, erteilte ihm der Bischof die Diakonatsweihe, damit er wenigstens als Prediger auftreten könne.

Ephräm war ein hinreißender Prediger, der besonders häufig und eindrucksvoll auf der Kanzel über das Letzte Gericht redete. Seine Predigten und seine gelehrten Schriften sind heute noch erhalten, und ihretwegen zählt er zu den Kirchenlehrern. Eine weitere Eigentümlichkeit des Tagesheiligen bestand darin, dass er sich auch als Dichter betätigte, der viele Kirchenlieder verfasste, die so schön waren, dass sie nicht nur beim Gottesdienst, sondern auch in den Familien von den Leuten gern gesungen wurden. Unwillkürlich denkt man da an den eingangs erwähnten Traum. Ephräms gottliebende Seele war der himmelanstrebende Weinstock, an dem die Trauben seiner heiligen Lieder hingen. Die Menschen kamen zuhauf und pflückten die Trauben, und je mehr sie die Lieder sangen, desto mehr Trauben reiften an dem Weinstock.

Der heilige Ephräm ist ein Heiliger geworden, weil er immerfort an das Letzte Gericht dachte, bei dem alle Gedanken, Worte und Werke vor aller Welt offenbar werden.

Die selige Anna Maria Taigi, Ehefrau und Mystikerin,

+ 9.6.1837 – Gedenktag: 9. Juni

Wie sind oft die Sorgen und Lasten einer armen Familie, des Vaters und der Mutter, die mit schwerer Händearbeit für den Unterhalt des Hauses schaffen müssen, hart und drückend! Und wenn noch außerordentliche Heimsuchungen sich in einer Familie melden – und wo fehlen sie? – ist es dann unter solchem Druck der Mühen und Arbeiten noch möglich, sich zu heiligen? Gewiss, da erst recht! Ein hellleuchtendes Beispiel einer heiligen Familienmutter ist für unsere Zeit die selige Anna Maria Taigi, die erst am 30. Mai 1920 der Ehre der Seligsprechung teilhaftig geworden ist.

Anna Maria, geboren zu Siena in Oberitalien am 29. Mai 1769, war die Tochter des Apothekers Ludwig Gianetti. Schwere Vermögensverluste brachten die Familie schier an den Bettelstab, so dass sie genötigt war, eine bescheidene Dienststelle in Rom anzunehmen. Die Tochter wurde zu Ordensfrauen geschickt, die sich mit der Erziehung armer Kinder beschäftigten, und musste, kaum dreizehn Jahre alt, ihr Brot als Seidenspulerin und dann als Kammerjungfer verdienen. Den Lockungen der Welt, die auf Mädchen ihres Alters so großen Reiz ausüben, konnte auch Anna nicht widerstehen. Lebenslustig, wollte sie alle Freuden genießen, ohne zu ahnen, welchen Gefahren sie sich aussetzte. Nur ihre gute religiöse Erziehung bewahrte sie vor dem Fall.

Im Jahr 1790 vermählte sich Anna Maria mit einem braven Herrschaftsdiener. Im ersten Jahr ihrer Ehe frönte sie noch der Eitelkeit und Vergnügungssucht. Gottes Gnade aber pochte immer eindringlicher an ihr Herz, um sie mehr und mehr vom Irdischen abzuziehen. Da raffte sie sich zu einer Lebensbeichte auf und fand nach anfänglichem Missgriff einen Seelenführer, der sie nach ihrer entscheidenden „Bekehrung“ zum gefügigsten Werkzeug in Gottes Hand machte. Ihre reichen Naturanlagen, ein klarer Verstand, ein tiefes edles Gemüt, eine alle und alles umfassende Hochherzigkeit, stellte sie auf das eine Streben ein, das Vollkommenste in ihrem Stand zu erreichen. Sie entsagte allem unnötigen Kleideraufwand, wie einst die heilige Franziska Romana, die ja auch eine römische Hausfrau war, und gab sich mit großem Eifer religiösen Übungen hin. Der Zug ihres großen Herzens war nach Gott gerichtet. Diesem Zug zu folgen, musste sie sich freilich oft der Nachtruhe berauben, wie sie überhaupt gerne zu Opfern und äußeren Bußübungen bereit war. Nur ihre ehelichen und mütterlichen Standespflichten und ihr Seelenführer konnten ihrem Bußeifer Schranken setzen.

Im religiösen und innerlichen Leben der seligen Anna Maria Taigi war gerade das der Mittelpunkt, was er für jeden Christen sein soll, was auch der Brennpunkt aller Geheimnisse des Erlösers ist, die heilige Eucharistie. In ihr fand sie die Süßigkeiten des göttlichen Kindes von Betlehem, sein verborgenes Leben zu Nazaret, die Verdemütigungen von Kalvaria. Der Anblick der heiligen Hostie rührte die Selige zu Tränen. Immer wieder musste sie an die unermessliche Liebe Jesu denken, der Nahrung für unsere Seele werden wollte, um stets bei uns zu sein und ganz sich mit uns vereinigen zu können. Kardinal Pedicini, der Jahre lang mit ihrer religiösen Gedankenwelt vertraut war, versichert: „Es fällt überaus schwer, Anna Marias glühende Begeisterung für dieses erhabene Geheimnis glaubwürdig darzustellen. Auch reichen die Worte nicht aus, genau die Gefühle zu beschreiben, die sie vor dem Tabernakel hatte, oder die himmlischen Gunstbezeigungen zu schildern, die ihr da selbst so reichlich zuteilwurden.“ Es war immer ein mächtiger Eindruck, den die tiefe Sammlung und engelgleiche Haltung auf alle Augenzeugen ausübte, wenn Mutter Taigi vor dem Allerheiligsten kniete. Ihre Augen waren halb geschlossen, doch hier und da konnte man ihren strahlenden Blick gewahren. Kein Geräusch lenkte sie ab. Wie es schien, merkte sie gar nichts von der Außenwelt, so war sie vertieft in Betrachtung des Geheimnisses der Liebe. Was in ihrem Inneren vorging, das verrieten reichliche Tränen und tiefe Seufzer. Solche, die neben ihr in der Kirche knieten, versichern, sie hätten bei ihr ein dumpfes Geräusch vernommen, wie wenn das Herz die Rippen sprengen wollte, die es noch hinderten, zu dem in der Eucharistie verborgenen Gott zu fliehen. Andere bezeugen, sie habe ein so feines Gefühl gehabt für die Gegenwart Jesu im Sakrament, dass sie beim Betreten einer bislang fremden Kirche von selbst gleich herausfand, in welchem Altar das Allerheiligste aufbewahrt wurde. Als heranwachsende Jungfrau ging Anna Maria jeden Sonn- und Feiertag zum Gastmahl der Liebe, als Hausfrau und Mutter, soweit dies ihr Zustand erlaubte. Von 1790 an war sie fast täglich bei der Heiligen Messe und an der Kommunionbank zu sehen.

Ach ja, wird da manche geplagte Familienmutter seufzen, wer das kann! Ich habe anderes zu tun. Nun, auch Mutter Taigi wusste dies und andere fromme Übungen so einzurichten und zu so früher Stunde vorzunehmen, dass keinerlei Pflichten darunter litten und die Hausgeschäfte nicht die geringste Schmälerung erfuhren. Ihre Frömmigkeit war eine durchaus praktische. Ihre allererste Sorge war und blieb, ihre Pflichten als Gattin und Mutter aufs genaueste zu erfüllen. Darin suchte sie ihre Vollkommenheit. Ihr Mann Dominikus Taigi, dessen Namen sie unsterblich gemacht hat, war zwar religiös und gutherzig, jedoch etwas beschränkt, launisch und auffahrend. Da besaß die treffliche Gattin aber stets so viel Selbstbeherrschung, dass sie allen seinen Wünschen, wo immer sie konnte, mit der größten Liebe und Freundlichkeit entgegenkam. Wie ihr Mann später vor dem geistlichen Gericht selber offenherzig erklärte, sei es gar oftmals vorgekommen, dass er, wenn er vom Dienst nach Hause kam, seine Frau von einer Menge Leute in Anspruch genommen sah. Es war in der Zeit, wo sie in ganz Rom als hochbegnadete Heilige gesucht und bekannt war. Da habe sie sogleich alle, auch die höchsten Herrschaften, stehen lassen und sich dem Mann mit aller Dienstfertigkeit gewidmet. Von Herzen gerne hätte sie ihm die Schuhe ausgezogen, wenn er es geduldet hätte. Gar oft sei er ermüdet, traurig oder übel gelaunt zurückgekommen; da habe sie aber durch ihre Liebenswürdigkeit ihn gleich wieder zu beruhigen und aufzuheitern gewusst. Mit höchstem Zartsinn und unvergleichlicher Güte habe sie ihn zur Ablegung von Fehlern gemahnt und es klug verstanden, den Frieden in der Familie aufrecht zu erhalten. Das sei bei den verschiedenen Charakteren nicht so leicht gewesen. Eine Schwiegertochter, die Frau des ältesten Sohnes, die mit bei ihnen wohnten, sei höchst störrigen Sinnes gewesen und habe in allem die Herrin spielen wollen. Aber die selige Mutter habe diese immer in höchst passender Weise in den Grenzen zu halten verstanden, und das habe sie mit so viel Leutseligkeit getan, dass es nicht zu sagen wäre. Also ganz die gleichen Schwierigkeiten wie in so vielen unserer Familien!

Die Verwaltung des Hauswesens, die Erziehung der Kinder und die Sorge des Unterhaltes der nicht kleinen Familie lag praktisch in den Händen der Mutter. Sieben Kindern hatte sie das Leben gegeben, wovon indes zwei in jugendlichem Alter starben. Außerdem musste sie auch ihre alten Eltern mitversorgen. Wurden ihr später reichliche Unterstützungen angeboten, so nahm sie doch nie etwas für sich und die Ihrigen an. Als die Königin Luise von Etrurien ihr aus Verehrung ein mit Gold gefülltes Kästchen anbot, wies sie es mit den Worten zurück: „Wie Sie doch einfältig sind! Ich diene einem Herrn, der viel reicher ist als Sie.“ Durchdrungen vom christlichen Geist, blieb ihre Familie arm, aber nichtsdestoweniger höchst zufrieden. Morgens und abends versammelte die Mutter die ganze Familie zum gemeinsamen Gebet oder zu einer frommen Lesung, woran sie belehrende Gespräche knüpfte. Wie ein sichtbarer Schutzengel überwachte sie ihre Kinder. Als sie, schon herangewachsen, in den Ehestand zu treten wünschten, gestattete sie den jungen Verlobten nicht, ohne Aufsicht miteinander zu verkehren.

Wie Christus nicht ohne Kreuz, so ist auch kein Christ ohne Leiden zu denken. Schon gar nicht eine Mutter. Die selige Anna Maria Taigi hatte nie Mangel an Leiden. Innere Verlassenheit, schmerzliche Krankheiten, äußere Verfolgungen seitens gehässiger Menschen kamen über sie. Oft hat es ihr geschienen, wie sie selber sagt, als ob das qualvolle Martyrium nicht mehr ertragen werden könne. Die starkmütige Opferseele ertrug es aber weiter.

Der Güte Gottes gefiel es, Anna Marias außerordentliche Tugendhaftigkeit, die sie sorgsam hütete, auch auf außerordentliche Weise der Mitwelt kundzutun. Viele wunderbare Dinge sind von ihr durch sichere Zeugen beglaubigt. Durch übernatürliche Erleuchtungen erkannte sie den Zustand der Gewissen, zukünftige Dinge, die Absichten der Vorsehung bei den Bedrängnissen der Kirche, für die sie sich dann wieder durch Gebet und Opfer verzehrte. Groß war ihre Einsicht in die Geheimnisse des Glaubens, mächtig ihre Sehnsucht nach dem Besitz Gottes. Da kniet sie einmal in der St.-Karls-Kirche in seliger Erwartung des glücklichen Augenblickes, da sie den empfangen soll, der die Sonne des Tages für sie ist. Kann sie oder kann der göttliche Liebhaber der Seelen den gnadenvollen Augenblick nicht mehr erwarten? Schon wendet sich der Priester zum Volk und beginnt: Ecce agnus Dei, ecce qui tollit . . . Noch hat er den Satz nicht vollendet, als sich die heilige Hostie aus seiner Hand löst, einige Sekunden frei in der Luft schwebt, dann legt sie sich vor aller Augen auf die Zunge der in glühender Sehnsucht harrenden Seligen.

Bei solcher Gnadenauszeichnung der frommen Frau, die ja Gott seinen Getreuen meist um der Mitmenschen wegen gibt, war es nicht zu verwundern, dass das kleine Häuschen Taigis einen der stärksten Anziehungspunkte der Ewigen Stadt bildete. Leute jeden Standes, die höchsten Persönlichkeiten, geistliche und weltliche, empfahlen sich dem Gebet der angesehenen Dienerin Gottes und erbaten ihren Rat. Selbst die Päpste Pius VII., Leo XII., Gregor XVI. legten die größte Hochachtung vor der armen Arbeiterfrau an den Tag. Sie selber aber betrachtete sich immer als die letzte Frau des Volkes, die nur da sei, um anderen zu dienen. So fügte es sich, dass sie auch ganz unbeachtet, ohne Aufsehen aus dem Leben schied. Um so herrlicher wurde ihre Grabstätte in S. Chrysogono, die gerne von den Rompilgern besucht wird.

Die selige Anna Maria Taigi sollten besonders die Eltern verehren, die ihre Kinder auf die erste heilige Kommunion vorbereiten. Denn hierin erwies sich die vorbildliche Mutter als eifrigster und erfolgreicher Katechet ihrer eigenen Kinder. Das Ziel der Sonntagsspaziergänge der ganzen Familie war gewöhnlich der Besuch des Allerheiligsten in einer entfernteren Kirche.

Die heilige Pelagia von Antiochien, Jungfrau und Martyrin,

+ um 306 – Festtag: 9. Juni

Die morgenländische Kirche verehrt drei Jungfrauen mit dem gleichen Namen Pelagia an einem Tag, dem 8. Oktober. Doch nur von einer lässt sich noch das leuchtende Lebensbild einigermaßen aus dem Dunkel der Geschichte und dem Gewirr der Legende herausstellen. Es ist die heilige Jungfrau und Martyrin Pelagia von Antiochien.

Ihr Leidenstod fällt in die furchtbare Heimsuchung, die die diokletianische Christenverfolgung, die blutigste, längste und ausgedehnteste unter allen, über die Kirche Gottes heraufführte. Hatte auch die Verfolgung im Abendland nach der Abdankung des Kaisers im Jahr 305 unter dem milderen Herrscher Konstantius Chlorus, dem Vater Konstantins des Großen, ein rasches Ende gefunden, so wütete sie um so heftiger noch Jahre lang unter den Kaisern Galerius und Maximinus Daza durch alle Kirchen des Morgenlandes. Die Zahl der Opfer war außerordentlich groß. Zu den gefeiertsten unter ihnen zählt die fünfzehnjährige Pelagia. Der heilige Chrysostomus, der gleich ihr aus Antiochien gebürtig war, ehrte ihr Andenken in zwei noch erhaltenen Lobreden. Der heilige Ambrosius setzte ihr sowie ihrer heiligen Mutter und ihren jungfräulichen Schwestern ein nicht weniger würdiges Denkmal im dritten Buch seiner Abhandlung über die Jungfrauen.

Der geschichtliche Vorgang ihres Martyriums war kurz folgender: Als der Verfolgungssturm über Antiochien hereinbrach, wurde Pelagia von den Häschern aufgegriffen und sollte um ihres Glaubens willen vor Gericht geschleppt werden. Furchtlos sah sie dem Tod ins Auge. Um so mehr glaubte sie aber für ihre Unschuld fürchten zu müssen. „Denn zu Qualen, Martern und Peinen,“ versichert der heilige Chrysostomus, „war sie wohl bereit, aber vor dem Verlust der Krone der Jungfräulichkeit bangte ihr.“ „Hätte sie beides, die Jungfräulichkeit und die Krone des Martyriums, zugleich wahren können, würde sie keinesfalls dem Gang zum Gericht ausgewichen sein.“ Welchen Plan fasste sie nun? Oder vielmehr welchen Entschluss gab ihr der Seelenbräutigam innerlich ein? Denn ob auch äußerlich von Mutter und Schwester getrennt, „war sie doch innerlich nicht allein,“ wie wiederum der heilige Chrysostomus hervorhebt, „sondern hatte Jesus zum Berater. Er stand ihr bei, er rührte ihr Herz, er stärkte ihren Mut und bannte die Furcht. Nicht ohne Grund ließ die Martyrin sich zu jenem Beginnen fortreißen; sie hatte sich vielmehr zuvor seines Beistandes würdig erwiesen.“ Unter dem Vorgeben, den Brautschmuck zum Todesgang anlegen zu wollen, erbat sie sich von den Schergen die Erlaubnis, sich für einige Augenblicke ins Innere des Hauses zurückziehen zu dürfen. Doch statt zurückzukehren, enteilte sie über die Treppe nach oben und stürzte aus der Höhe in die Tiefe, um so mit dem Leben zugleich ihre Unschuld in die Hände ihres Schöpfers und Erlösers zurückgeben zu können. Vor die Wahl zwischen Tod und Tod gestellt, wählte sie auf inneren Antrieb jenes Martyrium, das ihr in der gegebenen Notlage als das gottwohlgefälligere dünkte, indem es zwei Siegeskronen zugleich vereinigte, die des Glaubens und der Jungfräulichkeit. „Es wäre in ihren Augen recht töricht gewesen, nur nach einer Siegeskrone auszulangen, da beide erreichbar schienen.“

Mutter und Schwestern, letztere ebenfalls Jungfrauen, folgten ihr in den selbstgewählten Leidenstod. Des heiligen Ambrosius Lobrede enthält hierüber Folgendes: „Sobald die verächtlichen Häscher der keuschen Beute sich verlustig sahen, fingen sie an nach der Mutter und den Schwestern zu fahnden. Noch erreichten diese indes, wie auf geistigen Schwingen der Keuschheit, das freie Feld. Da sahen sie sich plötzlich von der einen Seite durch die nahenden Verfolger, von der anderen durch einen reißenden Fluss von der Flucht abgeschnitten, oder vielmehr schon eingeschlossen, um die Siegeskrone zu verdienen. Was bangen? sprechen sie, seht, da ist Wasser! Wer hindert uns, dass wir getauft werden? (Apg 8,36) Auch das ist eine Taufe, durch die die Sünden vergeben, das Himmelreich erworben wird. Auch das ist eine Taufe, nach der niemand mehr sündigt. Möge das Wasser uns aufnehmen, das die Wiedergeburt bewirkt . . ., den Himmel öffnet, die Wehrlosen deckt, den Tod birgt, Martyrer schafft! Dich, o Gott, Schöpfer der Dinge, bitten wir, dass die Flut selbst unsere Leiber nicht trennen möge! . . . Nein, die gleiche Standhaftigkeit, der gleiche Tod und das gleiche Grab einige uns! So sprachen sie und schürzten das Gewand, um die Schamhaftigkeit zu wahren und doch den Gang nicht zu behindern, die Hände wie zum Reigen geschmiegt. So schritten sie in die Mitte des Strombettes vor. Wo die Strömung am reißendsten, wo die Tiefe am jähesten war, dahin lenkten sie den Schritt. Keine zog den Fuß zurück, keine hielt den Gang inne . . . Da hätte man die besorgte Mutter sehen sollen, wie sie mit krampfhafter Hand die Lieblinge umschlang. Diese Opfer, betete sie, bringe ich dir dar, Christus: Hüterinnen der Keuschheit, Führerinnen des Weges, Genossinnen des Leidens . . .! Die Flut,“ so schließt der Heilige, „entblößte ihre Leichen nicht, die reißende Strömung trug sie nicht fort. Noch hielt die heilige Mutter, obschon der Sinne beraubt, die Kinder in Liebe umfangen und löste das fromme Band, das sie geschlungen, selbst im Tode nicht. Wie sie der Gottesverehrung ihren schuldigen Tribut geleistet hatte, so sollte im Tod der Mutterliebe das Erbe bleiben. Noch im Tod durfte sie die Kinder, die sie zusammen ins Martyrium geführt hatte, in ihre Arme aufnehmen.“

Fast noch ein Kind, ging die fünfzehnjährige Pelagia als Sieghafte Streiterin der Keuschheit, als heldenmütige Martyrin „ins Haus ihrer Ewigkeit“, ein leuchtendes Vorbild jungfräulicher Seelen. Der schönste Nachruf steht auch von ihr zu lesen im Buch der Weisheit, Kapitel 4: „O, wie schön ist ein keusches Geschlecht im Tugendglanz! Unsterblich ist sein Andenken, und bei Gott und den Menschen ist es anerkannt. Ist es da, ahmt man ihn nach; entzieht es sich dem Blick, sehnt man sich danach. Und ewig triumphiert es mit der Siegeskrone und trägt den Kampfpreis unbefleckter Reinheit davon.“

Der heilige Joseph Anchieta aus der Gesellschaft Jesu,

Missionar, Priester und Ordensmann, + 9.6.1591 – Fest: 9. Juni

Joseph Anchieta, der Apostel Brasiliens, stammte aus einer edlen Familie Spaniens, die auf den kanarischen Inseln ansässig war, wo er 1533 geboren wurde. 17 Jahre alt trat er zu Lissabon in die Gesellschaft Jesu und reiste schon 1553 in die Mission von Brasilien. Zunächst blieb er in Piratininga (St. Paul) und unterrichtete die portugiesische Jugend. Dabei verlegte er sich auf die Erlernung der einheimischen Sprache und erlangte darin eine solche Fertigkeit, dass er eine Grammatik, einen großen und einen kleinen Katechismus, religiöse Lieder und ein großes religiöses Drama verfasste. Durch sein heiliges, opferwilliges Leben gewann er bei den Eingeborenen die Verehrung von Alt und Jung. Im Jahr 1566 erhielt Joseph Anchieta in Bahia (S. Salvator) die heilige Priesterweihe. Schon vorher hatte er wiederholt den Pater Robrega, den ersten Jesuitenmissionar Brasiliens, auf seinen Wanderungen zu den wilden Eingeborenen begleitet. Jetzt begann er mit neuem Eifer seine apostolischen Reisen zu den wildesten Stämmen, die zum Teil noch Kannibalen waren. Unter unsäglichen Mühen und Gefahren wanderte er gewöhnlich barfuß bis in das Innere des gewaltigen Urwalds. Durch Gottes sichtbare Hilfe und durch unzählige Wundertaten gelang es ihm, viele Eingeborene zu bekehren. Großen Widerstand fand er oft an den portugiesischen Kolonisten, die glaubten, der seeleneifrige Apostel hindere sie in ihrem Sklavenhandel und anderen Geschäften. Sie zettelten sogar eine förmliche Verschwörung gegen ihn an, so dass er sich genötigt sah, an der Spitze seiner bekehrten Eingeborenen mit Waffengewalt sich gegen ihre Angriffe zu verteidigen. Dagegen war er immer bereit, den Kolonisten in den gefahrvollsten Feindseligkeiten seitens der Indianer durch mutige Vermittlung erfolgreichen Beistand zu leisten.

Einmal brachten die französischen Hugenotten, die sich in Rio de Janeiro angesiedelt hatten, den katholischen Statthalter in große Gefahr. Als dieser die bekehrten Indianer zu Hilfe rief, begleitete Joseph Anchieta seine Leute und befreite den Statthalter.

Auch als Provinzial der Mission unterließ der Diener Gottes seine apostolischen Wanderungen in den Urwald nicht. Zahlreiche Wunder werden von ihm berichtet. Er erweckte Tote zum Leben, heilte die Kranken, war zu gleicher Zeit an zwei Orten zugegen, die Tiere des Urwalds legte sich ihm zahm zu Füßen und spielten mit ihm. Man nannte ihn allgemein den Wundertäter. In der Stadt Allerheiligen war ein Mann mit Namen Diego gestorben. Er war wohl im Glauben unterrichtet, aber noch nicht getauft worden. Schon stand man im Begriff, den Toten ins Grab zu senken, als er plötzlich die Augen öffnete und mit lauter Stimme sagte, Anchieta solle ihn taufen. Die Leute wussten, das er weit entfernt war. Aber im selben Augenblick stand der Missionar da und taufte ihn. Gleich darauf starb Diego wieder.

Das Leben dieses großen Glaubensboten ist auch reich an auffallenden Zügen der Vorsehung, womit Gott sein Wirken zum Heil der Heiden unterstützte, jener erhabenen göttlichen Vorsehung, die keinen redlich die Wahrheit suchenden und heilsbegierigen Menschen ohne Hilfe sich selbst überlässt, mag er auch in den glühenden Gefilden des inneren Afrika oder auf unbekannten Eilanden des weiten Meeres hausen, wohin das Licht des Evangeliums bis jetzt noch nicht hineingeleuchtet, oder mögen ihm in den Prachtvillen der „Glücklichen“ oder den finsteren Gelassen der „Enterbten“ geflissentlich und absichtlich Christi Wort und Heilsgnade entzogen werden. Der ehrwürdige Missionar Joseph Anchieta unternahm wieder eine seiner apostolischen Wanderungen durch die weiten Gebiete des Landes. Wie wenn eine unwiderstehliche Ahnung, eine höhere Macht ihn zöge, über die er sich selbst keine Rechenschaft zu geben wusste, trieb es ihn auf einmal von seinen Gefährten hinweg ins tiefe Dickicht und Dunkel des Waldes. Nachdem er einige Zeit ziellos, wie es schien, gegangen war, traf er auf einen Greis, der von Alter und Ermüdung gebrochen schien, unter dem Laubdach eines Baumes sich niedergelassen hatte um nie wieder aufzustehen. Aus den Antworten, die der Greis mit matter Stimme auf die gestellten Fragen gab, ging hervor, dass er ein Heide war, der eine nicht ganz unrichtige Erkenntnis Gottes hatte, in allen wichtigen Punkten sein Leben lang treu der mahnenden Stimme des Gewissens gefolgt war und der nun in dunkler Sehnsucht nach einem höheren Licht und größerem Gut aus seinem fernen Wohnplatz weggegangen war, um die neue Heilsbotschaft der christlichen Missionare aufzusuchen. Von Gottes Güte gerührt, verkündete ihm Joseph Anchieta auf der Stelle die Hauptwahrheiten des christlichen Glaubens und taufte ihn mit den Regentropfen, die an den dornigen Gewächsen ringsherum hingen, dem einzigen Wasser in der Nähe, wobei er ihm den Namen Adam gab. In froher, dankerfüllter Herzensstimmung schied der alte Heide als neuer Christ aus der Welt, nachdem seine Augen so gnadenreich das Heil gesehen haben, das Licht zur Erleuchtung der Heiden. Die glücklichen Hände aber, die ihn getauft hatten, gruben ihm auch sein Grab im sandigen Boden auf dem Platz seiner Wiedergeburt. Dann falteten sie sich zum innigen Dankgebet, indem der treue Apostel Christi die Worte des heiligen Petrus wiederholt haben mag: „In Wahrheit habe ich nun erfahren, dass bei Gott kein Ansehen der Person gilt, sondern wer unter jeglichem Volk ihn fürchtet und Gerechtigkeit übt, der ist ihm angenehm“ (Apg 10,34).

In St Vinzenz sprach der Heilige eines Abends zu einem jungen Indianer: Bist du bereit, diese Nacht mit mir zu gehen, um eine Seele zu retten? Sehr gern, lautete die Antwort. Sie machten sich auf den Weg. Nach 9 Stunden kamen sie an einen Fluss. Da stand ein Boot, das auf sie zu warten schien. Sie setzten über. Bald hörten sie Lärm. Joseph Anchieta lief darauf zu. Eben waren die Eingeborenen im Begriff, einen jungen Indianer zu schlachten. Er drang durch die Menge, bedrohte sie mit dem Zorn Gottes, wenn sie nicht von ihrem Vorhaben abständen. Ohne dass jemand wagte, ihm entgegenzutreten, entriss er den jungen Mann ihren Händen. Er nahm ihn mit sich und rettete durch die Taufe auch das Leben der Seele.

Gott hatte seinem treuen Diener die Zeit des Todes offenbart. In Rerigtiba brach er bei einem Liebesdienst für einen kranken Mitbruder zusammen. Am 9. Juni 1591 (1597) gab er mit den Namen Jesus und Maria auf den Lippen seine edle Seele in die Hände seines Schöpfers zurück. Er war 64 Jahre alt, von denen er 44 in Brasilien gelebt hatte. Die Leiche wurde nach S. Spirito gebracht. Es war ein Weg von drei Tagereisen. Dennoch trugen seine lieben Indianer den Sarg auf ihren Schultern dorthin. Dreitausend Menschen begleiteten ihn eine weite Strecke Weges. Im Jahr 1611 ließ der General der Gesellschaft Jesu, Claudius Aquaviva, die kostbaren Gebeine nach Bahia übertragen. Papst Johannes Paul II. hat den Diener Gottes Joseph Anchieta am 22.6.1980 seliggesprochen, am 3.4.2014 folgte die Heiligsprechung durch Papst Franziskus.

Aus dem Leben des Paters Joseph Anchieta lernen wir, welchen Wert der kindliche Glaube und das unerschütterliche Vertrauen in den Augen Gottes haben. Durch sie wurde Joseph Anchieta der große Wundertäter und der Apostel Brasiliens.

Gebet am 9. Juni

Gnadenreiche Jungfrau! Erquicke doch meine dürstende Seele mit dem Tau deiner Gnaden, umfange sie mit den freundlichen Armen deiner großen Milde und drücke sie mit mütterlicher Liebe an dein Herz.

O du Trösterin der Betrübten! Tröste mich in meiner Trübseligkeit.

O du Heil der Kranken! Heile mich von meinen leiblichen und geistlichen Gebrechen!

O du Versöhnerin der Sünder! Versöhne mich mit deinem Sohn, sprich für mich bei deinem Sohn, stelle mich deinem Sohn vor und erwirb mir Verzeihung aller meiner Sünden. Amen.

Andenken an die seligste Jungfrau

Am heutigen Tag im Jahr 610 hat Kaiser Heraklius, mit einem Muttergottesbild bewaffnet, den ersten Sieg über den Tyrannen Phokas erhalten. Phokas war von 602 bis 610 Kaiser des Oströmischen bzw. Byzantinischen Reiches. Der erste erfolgreiche Usurpator der byzantinischen Geschichte gilt traditionell als ein despotischer Herrscher, dessen Regierung das Oströmische Reich erschüttert haben soll.
Theresia Katharina and 2 more users like this.
Theresia Katharina likes this.
Saarländerin likes this.
Tina 13 likes this.