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Heilwasser
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Natürliche und übernatürliche Verhaltensweise

ÜBERNATÜRLICHES LEBEN

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Wenn du den übernatürlichen Sinn deines Lebens
aus dem Blick verlierst, ist deine Liebe bloß
Menschenfreundlichkeit; deine Reinheit bloß
Anstand; deine Abtötung bloß Dummheit; deine
Selbstzucht bloß Geißel; und all deine Werke
sind nutzlos.


Quelle: Josemaría Escrivá, Der Weg.

Betrachtung

Die Worte des Heiligen sind zwar schon Betrachtung,
doch wir sollten sie sozusagen wieder rückbetrachten,
damit wir den Sinn tiefer erfassen.

Wie sollen wir den übernatürlichen Sinn unseres Lebens
im Blick behalten, wenn wir vielleicht gar nicht wissen,
was der übernatürliche Sinn des Lebens überhaupt ist?
Weil in der Folge natürliche Verhaltensweisen stehen,
müssen wir sie auf die übernatürliche Ebene zurückführen.

Erst einmal ist es erstaunlich, wenn wir lesen, dass eine
bloße Menschenfreundlichkeit noch keine übernatürliche
Liebe sein soll, sogar Reinheit ohne übernatürlichen Sinn
nicht mehr als Anstand sei. Abtötung sei sogar Dummheit,
Selbstzucht Geißel und überhaupt alle Werke nutzlos. Der
letzte ist der springende Punkt: es gibt verdienstvolle
Werke und verdienstlose. Mit der Taufe beginnt das
Gnadenleben und allein die übernatürliche Gnade verleiht
all unseren Werken das wahre Verdienst, das im Himmel
angerechnet wird und wonach sich der Lohn richtet.

Auch unter glaubenslosen, irdisch gesinnten Menschen
oder unter Gutmenschen kommt es vor, dass man
dem andern schon oft geholfen hat, dass man sich für
gute Projekte einsetzt, dass man seine körperliche Reinheit
weitgehend bewahrt hat, dass man gefastet hat und Verzicht
geübt hat, doch aus welchen Gründen? Hat man es für sich
getan? Um vor den andern gut dazustehen? Um sein Ge-
wissen zu beruhigen? Um in der Verwandtschaft gut da-
zustehen? Weil man halt gut erzogen worden ist?
Da Gott, der Allmächtige, der Schenker des ewigen
Lebens ist, der Richter über unsere Verdienste und da
Er in der Übernatur lebt und weil Er uns die Sakramente
geschenkt hat, die uns die übernatürlichen Verdienste
vermitteln, sollten all unsere Gesinnungen und Vorhaben
im Stande der Gnade geschehen. Dann erwirtschaften
wir reichlich Verdienste, die im Himmel eingelöst werden.

Die übernatürliche Liebe ist nicht nur irgendein Werk
der Menschenfreundlichkeit, sondern man hilft dem
Nächsten aus bewusster Liebe zu unserem Herrn und
Gott und aufgrund Seiner Liebe zu uns, aufgrund Seines
Willens, dass die Menschen in Harmonie leben sollen.

Die übernatürliche Reinheit wird nicht aus lediglich
menschlichen Gründen wie Anstand praktiziert, sondern
aus dem Willen heraus, Jesus zu gefallen und aus dem
Wissen, dass ein spirituell gelingendes Leben auf der
Reinheit aufbaut. Je reiner die Gesinnungen eines Men-
schen, desto mehr aufgeschlossen ist die Seele für neue
Gnaden. Via purgativa, via illuminativa, via unitiva,
die Drei-Wege-Lehre sagt es uns wieder mal. Der erste
Weg ist jener der Reinigung. Ohne ihn wird es keine
Erleuchtung und keine Einigung mit dem Herrn geben
können.

Warum ist die Abtötung ohne übernatürlichen Sinn
Dummheit und die Selbstzucht nur Geißel? Ja hier
berühren wir schon einen tiefergehenden Punkt. Hierzu
braucht man schon tieferes Wissen über geistige Zu-
sammenhänge. Wer im Glaubensleben schon weiter
fortgeschritten ist wie die Heiligen, kennt die Kraft
des Verzichtens, des Fastens, des Opferns, des Leidens
und weiß, dass Jesus nicht von jedem genau dasselbe
in diesen Bereichen fordert, sondern was der jeweiligen
Berufung entspricht. Ja sogar Selbstgeißelung kann
viel übernatürlichen Wert haben, in früheren Klöstern
hieß dies „Disziplin“, das Opus Dei hat sogar noch
die Handhabe des Bußgürtels. Das ist nichts für jeder-
mann und bedarf der Erlaubnis eines guten geistlichen
Seelenführers. Aber auch ohne das Leid bewusst zu
suchen, kommt es im Leben oft vor und dann hat es
nur übernatürlichen Wert, wenn man es für den Herrn
protestlos trägt und für Seine Zwecke, Seiner Passion
zu Ehren, aufopfert. Darum wäre "Abtötung" ohne die-
sen geistigen Sinn tatsächlich Dummheit.

Wer sich im Leben vor vielen Sünden bewahrt hat,
möge alles Jesus aufopfern, wer viel gesündigt hat,
möge umkehren, doch jeder bedarf jeden Tag wieder
der Umkehr. Natur und Übernatur ist ein Unter-
schied wie Nacht und Tag. Das übernatürliche Leben
wird sich einst in die Herrlichkeit des ewigen Tages
im Himmel verwandeln, denn was der Herr in uns
vorfinden wird – an übernatürlicher Gnade und über-
natürlichem Verdienst – , wird Er in ewige Freude
verwandeln.

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