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Die Kirche – göttlich und menschlich (MB FSSPX Mai 2020)

Die Kirche – göttlich und menschlich


Aus der Textsammlung: Das geistliche Leben (in Vorbereitung)

1. Nicht Anstoß nehmen

Wir müssen zwar an der Unfehlbarkeit der Kirche und des Nachfolgers Petri festhalten, aber wir müssen auch die tragische Situation eingestehen, in der sich unser katholischer Glaube befindet1 – aufgrund von Richtlinien und Dokumenten, die uns von Seiten von Kirchenmännern zukommen.2 Die Kirche ist göttlich, sie wird die ewige Wahrheit immer bewahren. Sie macht uns göttlicher Wirklichkeiten – und besonders der heiligen Eucharistie – teilhaftig, die den Ruhm unserer Seele im Himmel ausmachen werden. Ja, die Kirche ist göttlich, aber sie ist auch menschlich, und zwar noch um einiges mehr als unser Herr Jesus Christus. Er war der Heilige, der Gerechte schlechthin, er konnte nicht sündigen, während sie, die Kirche, sich aus sündigen Menschen zusammensetzt. Es ist wahr: Der Papst hat in einem gewissen Maß an der Göttlichkeit der Kirche teil durch das Charisma der Unfehlbarkeit, aber er bleibt Mensch, er bleibt Sünder. Außerhalb der Fälle, wo er sein Charisma der Unfehlbarkeit einsetzt, kann er irren, kann er sündigen. Warum also Anstoß nehmen und wie gewisse Leute sagen: Er ist nicht Papst; wie Arius von unserem Herrn gesagt hat: er ist nicht Gott? Wir wären auch versucht zu sagen: Das ist nicht möglich, er kann nicht Papst sein, wenn er tut, was er tut.3

Müssen wir uns von der Kirche von Rom loslösen und uns direkt – könnte man sagen – mit unserem Herrn Jesus Christus verbinden? Gefährlicher Irrtum! Sehr schön sagt Pius XII.:

[W]enn man in der Kirche einiges wahrnimmt, was die Schwäche unserer menschlichen Natur verrät, [fällt] das nicht ihrer rechtlichen Verfassung zur Last[,] sondern vielmehr der beklagenswerten Neigung der Einzelnen zum Bösen. Diese Schwäche duldet ihr göttlicher Stifter, auch in den höheren Gliedern seines mystischen Leibes, deswegen, dass die Tugend der Herde und der Hirten erprobt werde und in allen die Verdienste des Glaubens wachsen. […] Das ist kein Grund, unsere Liebe zur Kirche zu vermindern, sondern vielmehr mit ihren Gliedern größeres Mitleid zu haben.4

2. Nicht die Augen verschließen

Andere Menschen hingegen vergöttlichen die Kirche so sehr, dass sie der Ansicht sind, alles sei dort vollkommen. Folglich kommt es für sie nicht in Frage, sich irgendetwas zu widersetzen, was aus Rom kommt, weil sie meinen, dass in Rom alles göttlich sei. Sie ahmen jene nach, die sagten, unser Herr sei so göttlich gewesen, dass es nicht möglich gewesen sei, dass er leide. Er schien zu leiden, sagen sie, aber in Wirklichkeit litt er nicht, sein Blut floss nicht. Ebenso ist es heute bei gewissen Leuten, die sagen: Nein, nichts kann menschlich sein, nichts kann unvollkommen sein in der Kirche. Sie täuschen sich auch. Sie schauen der Wirklichkeit nicht ins Auge. Ja, bis wohin können die Unvollkommenheit, die Sünde in der Kirche, die Sünde im Verstand, die Sünde in der Seele, die Sünde im Herzen und im Willen gehen? Nun, die Tatsachen zeigen es uns. Ebenso, wie wir nie gewagt hätten, diese Worte auf die Lippen des Herrn zu legen: „Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen?“ (Mt 27, 46), so hätten wir auch nie gedacht, dass der Irrtum in diesem Ausmaß in das Innere der Kirche eindringen könne. Aber wir können die Augen nicht verschließen. Die Dinge liegen vor uns da, sie drängen sich uns auf. Wir sind Zeugen dessen, was sich in der Kirche abspielt, und dessen, was sich dort seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil an Schrecklichem abgespielt hat, dieser Ruinen, die sich von Tag zu Tag, von Jahr zu Jahr aufhäufen. Je länger es dauert, desto mehr verbreiten sich die Irrtümer und desto mehr verlieren die Gläubigen den katholischen Glauben. Eine kürzlich in Frankreich gemachte Umfrage besagte, man könne praktisch denken, dass es nicht mehr als zwei Millionen französische Katholiken gebe, die noch den wahren katholischen Glauben haben.5

3. Verlassen wir die Kirche nicht!

Unsere Seminare bestehen um der Liebe zur katholischen, römischen Kirche willen. […] Wir müssen daher beten, uns aufopfern, wie Maria zu Füßen des Kreuzes bleiben. Wir dürfen unseren Herrn Jesus Christus nicht im Stich lassen, selbst wenn er, wie die Schrift sagt, „wie ein Aussätziger“ (Is 53, 4) am Kreuz schiene. In diesem Augenblick hat die allerseligste Jungfrau Maria den Glauben bewahrt, und sie hat auch weiterhin Gott hinter diesen Wunden, hinter diesem durchbohrten Herzen gesehen. Nun, verlassen auch wir die Kirche nicht, trotz der Wunden der Kirche, trotz der Verfolgung, die wir erleiden, selbst von Seiten derer, die eine Autorität in der Kirche haben. […] Wir werden sie fortsetzen durch das Priestertum unseres Herrn Jesus Christus, durch das wahre Opfer unseres Herrn Jesus Christus, durch die wahren Sakramente, durch den wahren Katechismus.6

Erzbischof Marcel Lefebvre

fsspx.de/…/mb_2020-05_d_we…

1Vgl. den Abschnitt des in Vorbereitung befindlichen Werks Werks, der von der Tugend des Gehorsams handelt (Das Dilemma zwischen Glaube und Gehorsam und Ungehorsam sein können, um zu gehorchen)

2Predigt, Ecône, 13. Oktober 1974.

3Predigt, Ecône, 29. Juni 1982.

4Pius XII., Mystici Corporis, 29. Juni 1934, zitiert nach: Anton Rohrbasser, Heilslehre der Kirche, Freiburg in der Schweiz 1953, S. 501.

5Predigt, Ecône, 29. Juni 1982.

6Ebd.
alfredus
Die Ruinen wachsen von Tag zu Tag ... ! Je länger es dauert, um so mehr wächst der Irrtum ! Erzbischof Lefebvre hat das früh erkannt und würde trotzdem sehr erschrecken, wenn er den heutigen Zustand der Kirche sehen würde. Obwohl viele seiner Mitbrüder seiner Meinung waren, hat ihn keiner öffentlich unterstützt, zu groß war die damalige Konzil-Euphorie. Durch sein Auftreten und seiner …More
Die Ruinen wachsen von Tag zu Tag ... ! Je länger es dauert, um so mehr wächst der Irrtum ! Erzbischof Lefebvre hat das früh erkannt und würde trotzdem sehr erschrecken, wenn er den heutigen Zustand der Kirche sehen würde. Obwohl viele seiner Mitbrüder seiner Meinung waren, hat ihn keiner öffentlich unterstützt, zu groß war die damalige Konzil-Euphorie. Durch sein Auftreten und seiner Beharrlichkeit, musste ein Exempel stattfinden und man hat ihn deshalb Exkommuniziert ! Denn groß war die Angst, andere geistige Verbindungen könnten ihm folgen. Dabei wollte der Erzbischof Lefebvre nur das fortsetzen, was die Kirche zweitausend Jahre lang getan hat ...