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Leserbriefe in der FAZ zu Traditionis custodes

Der gemeinsame Schatz aller Katholiken (19.8.2021)

Wenn Daniel Deckers, der Autor des Beitrags „Ende eines Spuks“ (F.A.Z. vom 17. Juli), die nach dem „außerordentlichen“ Ritus gefeierte katholische Messe, wie sie von Benedikt XVI. autorisiert worden war, als eine „aus vielerlei theologischen Gründen überholte Form“ der Eucharistiefeier kritisiert, dann begeht er nicht nur einen Kategorienfehler: Die heilige Messe ist kein Automodell, das auf eine ständige Anpassung an den Markt nach dem Kriterium modern/unmodern bedacht sein muss; er verzichtet außerdem auf eine inhaltliche Begründung seiner Ablehnung der ihm zufolge „überholten“ Theologie als Grundlage des „außerordentlichen“ Ritus.
Der Leser fragt sich also, ob Deckers wohl jemals einen solchen Gottesdienst besucht hat. Wäre das nämlich der Fall, dann hätte er selbst die Spezifika dieses Ritus kennengelernt, und er käme vielleicht zu einem anderen Urteil. Konkret geht es um die folgenden Unterscheidungsmerkmale des „außerordentlichen“ Ritus: 1. Der Priester ist nicht dem Volk, sondern dem Tabernakel als dem Hause Christi zugewandt – damit wird sinnfällig, dass die Messe zuallererst nicht eine Begegnung des Volkes mit dem Priester, sondern mit Gott ist. Nunmehr, seit Vatikan II, ist es der Priester, der in den Mittelpunkt der Messe, den Tabernakel im Rücken, gerückt ist; bis dahin war seine Funktion eine dienende, die des Organisators der Messe, jetzt ist die Präsenz Gottes im Wortsinn in den Hintergrund geraten. 2. Die wichtigen Gebete, Vaterunser und Glaubensbekenntnis, und das Gloria werden von Gemeinde und Priester in Latein gesprochen, was bedeutet, dass auch der Gläubige, der die Messe in Rom oder Sydney oder Dakar besucht, mitbeten kann, denn die lateinische Sprache der Gebete ist der gemeinsame Schatz aller Katholiken; im Übrigen sind alle Gebete, in Latein und in der Landessprache, im Messbuch mitzulesen.
3. Nach dem Credo gibt es kein „Gebet für die Welt“, das, häufig von Laien verfasst, in seiner gut gemeinten Banalität („Für den Weltfrieden, für eine gerechtere Welt“ et cetera) wie ein Fremdkörper im Verlauf der bis hierher auf die Eucharistie zentrierten Messfeier wirkt; seine liturgische Entbehrlichkeit wird umso schmerzhafter spürbar, misst man es an der theologischen und literarischen Qualität der zuvor gelesenen Texte aus dem Alten und Neuen Testament. Stattdessen fordert im Gottesdienst des „außerordentlichen“ Ritus der Priester, zwischen Evangelium und Predigt, das Volk auf, mit ihm, laut und in der Landessprache, für die Weltkirche und Papst Franziskus (!) zu beten: ein Vaterunser und ein Gegrüßet seist du, Maria. 4. Nach dem „Friede sei mit euch“ wird die Gemeinde nicht zu einer allgemeinen Verbrüderung aufgerufen, die in der Messe nach Vatikan II in der Gemeinde unweigerlich zu einem wimmelnden Shakehands führt und sich damit höchst störend auf die Andacht und Versenkung der Gläubigen in das Mysterium der Eucharistie auswirkt. 5. Ja, nach dem Motto „Für Gott ist das Schönste gerade gut genug“ entfalten die Messen der „Tradis“ in der Tat alle Pracht, die sich aus den Beständen der jeweiligen Kirche an liturgischem Gerät, Messgewändern et cetera und dem gregorianischen Gesang mobilisieren lässt. Was daran ist so verwerflich, dass es die Verdammung durch den Papst rechtfertigte? Das soll der „Spuk“ sein, den Deckers in seinem Beitrag so streng verurteilt?
Leider ist es so, dass Papst Franziskus mit seinem Verbot des „außerordentlichen“ Ritus einen der ganz wenigen blühenden Zweige der katholischen Kirche abschneidet, ohne Not: Hier in Besançon, wo die Bruderschaft St. Peter den Gottesdienst in diesem Ritus feiert, drängen sich Sonntag für Sonntag die zu ihrer Anhängerschaft zählenden Gläubigen, unter ihnen sehr viele Kinder, in die größte Kirche der Stadt, Ste-Madeleine, die ihnen vom hiesigen Erzbischof wohlwollend zugewiesen worden war und die sie bis zum letzten Stehplatz füllen. Dem Erzbischof dürfte bewusst sein, wie viel Vitalität und Zukunftsfreude für den gesamten Katholizismus von diesen Gottesdiensten ausgehen – ihre Besucher sind mit durchschnittlich circa 30 Jahren deutlich jünger als die Teilnehmer an den Messen nach Vatikan II.
Dieses Beispiel, von dem man annehmen darf, dass es für die im „außerordentlichen“ Ritus insgesamt gefeierten Messfeiern repräsentativ ist, sollte F.A.Z.-Autor Deckers zu denken geben, bevor er sie als „Spuk“ der Ewiggestrigen verunglimpft. Dr. Klaus Oppelt, Besançon, Frankreich
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Eine Neuschöpfung der Traditionalisten (21.8.2021)

Zu dem Leserbrief „Der gemeinsame Schatz aller Katholiken“ in der F.A.Z. vom 19. August: Am 19. Dezember 1964 wurde ich zum katholischen Priester geweiht – nach der damals einzig vorhandenen römischen Liturgie, die heute als „tridentinisch“ bezeichnet wird. Das 2. Vatikanische Konzil hatte bereits ein Jahr vorher, am 4. Dezember 1963, die „Konstitution über die heilige Liturgie“ beschlossen und damit auch die Reform der Messordnung eingeleitet. Die „neue Messe“ wurde ab Sonntag, 7. März 1965, in mehreren Stufen überall in den katholischen Gemeinden und Kirchen eingeführt. Insofern kann ich sagen, dass ich zur allerletzten Generation derer gehöre, die noch die „alte Messe“ als selbstverständliche Norm von Kindheit an erlebt und dann selbst als Priester praktiziert haben. Da ich damals mein „Zelebrationsexamen“ bestanden habe, kann ich mich als Kenner der alten Messform ansehen.
Dies veranlasst mich, einige Behauptungen über die alte Messform als „gemeinsamen Schatz aller Katholiken“ in dem Brief des Lesers Dr. Klaus Oppelt richtigzustellen: Der Priester sei bei der alten Messe „dem Tabernakel als dem Hause Christi“ zugewandt: Es hat damals viele Messen an vielen Altären gegeben, weil jeder Priester üblicherweise jeden Tag die Messe hielt, oft genug an einem „Nebenaltar“ ganz ohne Gemeinde. Alle „Nebenaltäre“ waren ohne Tabernakel, außerdem grundsätzlich (nicht immer wirklich) die Hauptaltäre in Dom- und Abteikirchen. Die Messe, das zeigen ihre Texte, hat sich damals wie heute aber an Gott, nicht an Christus gerichtet. „Die lateinische Sprache der Gebete ist der gemeinsame Schatz aller Katholiken.“ Ich habe in der letzten Stunde vor dem Neuanfang die festen Formeln im Religionsunterricht eines 8. Schuljahrs auf Latein vorgegeben und die Übersetzung abgefragt. Die damals für mich traurige Wahrheit: Keiner von den Jugendlichen hat alle übersetzen können. Gemeinsamer Schatz – oder gemeinsame Ahnungslosigkeit?
Nach dem Credo der alten Messe habe es kein „Gebet für die Welt“ (die heutigen Fürbitten) gegeben; stattdessen würde im „außerordentlichen Ritus“ der Priester zwischen Evangelium und Predigt ein Vaterunser und ein Ave Maria beten. Das hat im alten Ritus allerdings nicht im Messbuch gestanden – es ist offenbar eine Neuschöpfung der Traditionalisten.
Warum der neuen Liturgie die Pracht der Messgewänder, der heiligen Geräte und des gregorianischen Chorals abgesprochen wird, erschließt sich mir nicht. Es hat früher genug unwürdig-verdreckte Gewänder und lieblos abgefeierte Gottesdienste gegeben, es gibt sie auch heute – das hat mit der alten oder neuen Liturgie nichts zu tun.
Ich gehöre nicht zu denen, die die alte Liturgie denen wegnehmen wollen, die sie mögen. Hier sollte Freiheit am Platz sein. Die Liturgie sollte allerdings von denen, die sie feiern, verstanden werden. Altertümlichkeit allein schafft das nicht! Norbert Keller, Pfarrer i. R., Castrop-Rauxel
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Methodisch problematisch (23.8.2021)

Zu „Ende eines Spuks“ von Daniel Deckers (F.A.Z. vom 17. Juli) und dem Leserbrief von Dr. Klaus Oppelt „Der gemeinsame Schatz aller Katholiken“ (F.A.Z. vom 19. August): Es dürfte im Wesentlichen auch dem zentralen Institutionsgedanken der katholischen Kirche widersprechen, wenn aufgrund individueller Erfahrung Rückschlüsse vom Ritus auf die „Vitalität und Zukunftsfreude“ der katholischen Gemeinschaft gezogen werden. Dies geschah jedoch im Brief von Dr. Klaus Oppelt. Der darin kritisierte Daniel Deckers beobachtete in dieser Zeitung, dass der Gebrauch des lateinischen „Missale“ von 1962 zu keiner Annäherung der Traditionalisten an Rom führte, sondern auch einen fruchtbaren Boden für jedwede Kritik an Reformideen der Kirche bildete. Über mögliche Motive, die den Papst zum Erlass des Schreibens „Traditionis custodes“ bewegt haben, wurde auch in dieser Zeitung viel berichtet. Im Kern geht es um Bekämpfung der Kritiker des Zweiten Vatikanischen Konzils sowie der Kirche und ihrer Institutionen insgesamt, deren Wirken sich oftmals auch in der Feier der traditionellen lateinischen Liturgie manifestiert. Dies jedenfalls scheint die Überzeugung des Papstes zu sein, ohne darin zugleich einen zwingenden Zusammenhang zu sehen. Das päpstliche Vorgehen nun durch individuelle positive Erfahrungen von Gottesdienstbesuchen der Bruderschaft St. Petrus in Besançon zu kritisieren erscheint aus zweierlei Gründen besonders zweifelhaft. Es ist schon methodisch problematisch, diesen Gottesdienst der Bruderschaft als „für die im außerordentlichen Ritus insgesamt gefeierten Messfeiern repräsentativ“ zu bewerten. Die Institutionen in Rom treffen Entscheidungen auf Grundlage umfassenderer Erkenntnisse. Zumal sich Einzelfälle auch leicht mit anderen Erfahrungen entkräften lassen. So hat mir die Umkehrung der Werte des Evangeliums in einem Gottesdienst der gleichen Bruderschaft St. Petrus in der Kirche Saint-Aignan in der französischen Stadt Chartres große Sorgen um die Vitalität und Zukunft der katholischen Kirche bereitet. Mit der Inbrunst des lateinischen Ritus wurde dort gegen Homosexuelle, Muslime und Protestanten gehetzt. Die meist jungen Gemeindemitglieder wurden auch aufgerufen, gegen den synodalen Weg der katholischen Kirche in Deutschland zu beten. Der Verzicht auf Selbstkritik, Zweifel und Toleranz kann kaum als Zukunftsfreude verstanden werden. Hinzu kam, dass der Gottesdienst in Zeiten starker Pandemiebeschränkungen stattfand und sich die Gläubigen an keine Hygienevorschriften hielten und teils dem vollen Gesang ohne Maske frönten und die Mundkommunion empfingen. Die latente Kritik an staatlichen Regeln und Institutionen verwundert in diesem Fall besonders, weil Gottesdienste in Kirchen, wie Saint-Aignan in Chartres, durch massive Präsenz des französischen Militärs geschützt werden müssen. Es verwundert nicht, dass der Erzbischof von Dijon im Juni entschieden hat, dass die Bruderschaft St. Petrus aus dem Erzbistum verwiesen werden soll. Freilich „blühende“ Zweige der katholischen Kirche abzuschneiden tut not, wenn im Einzelfall Fundamente des Evangeliums umgekehrt werden – so droht es durch Teile der Bruderschaft St. Petrus. Philipp Kratzer, Frankfurt am Main
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Ende eines Spuks (31.8.2021)

Wie man lesen kann, haben Daniel Deckers und viele andere immer noch nicht verstanden, was das Grundanliegen von Papst Benedikt mit Summorum Pontificum war: Es war Liturgie, nicht Kirchenpolitik. Es ging um die Schönheit der heiligen Messe und um das Verständnis diachroner Tradition in der Kirche. Aber man will nicht, dass junge Menschen sich der alten Liturgie zuwenden. Daher fragt man die betroffenen Gläubigen lieber erst gar nicht, auch wenn sonst viel von Synodalität geredet wird. Man spottet über Nostalgie und stellt alle, die an der alten Messe hängen – Priester wie Laien –, unter einen generellen Verdacht hinsichtlich ihrer Kirchentreue und Rechtgläubigkeit. Heraus gekommen ist nicht das Ende eines Spuks, sondern – bei allem schuldigen Respekt für den Pontifex – ein schlampiges Dokument, das Misstrauen atmet und nicht eint, sondern spaltet. Offizial Dr. Georg Müller, Schifferstadt
Rosenkranz
1. Sogar Jugendliche sagen beim Vergleich der beiden Formen, die alte sei frömmer. Aha, was soll sie denn sonst sein? Eine Religionslehrerin meinte, als sie die trid. Messe das 1. Mal sah, daß sei ja ein Ereignis. Klar, im Vergleich zum NOM.
2. Es ist kein Opfer des Leidens und Sterbens Jesu mehr an und Richtung Gott. Wenn man genau hinschaut, ist überall die ganze Richtung geändert. "Der Weg …More
1. Sogar Jugendliche sagen beim Vergleich der beiden Formen, die alte sei frömmer. Aha, was soll sie denn sonst sein? Eine Religionslehrerin meinte, als sie die trid. Messe das 1. Mal sah, daß sei ja ein Ereignis. Klar, im Vergleich zum NOM.
2. Es ist kein Opfer des Leidens und Sterbens Jesu mehr an und Richtung Gott. Wenn man genau hinschaut, ist überall die ganze Richtung geändert. "Der Weg der Kirche ist der Mensch" sagt der "heilige" Johannes Paul II. Leider Quatsch. "Ich bin der Weg." sagt Jesus. Der NOM ist ganz Richtung "Mensch", so die Gebetsrichtung des Priesters! Es ist ja nur ein Mahl, (Sagt Guardini ausdrücklich. Es sei kein Opfer! Der "heilige" Papst Paul VI ebenso in seiner 1. Anführung des NOM.) der Priester mit Augenkontakt zu den Gläubigen. Tabernakel weggedrängt, da unwichtig. Priester an seiner Stelle im Kreis mit dem Volk.
3. Dazu andere absolute NoGo's: Handkommunion, Priester achtet selbst im NOM nirgends auf Partikel, generell erlaubte Theatereinlagen, die regelmäßig lächerlich sind, wie Friedenskuß, Gabenprozession, Spontangebete usw. Man achtet nicht auf Gott, sondern der, der sich da gerade projiziert.
Vermatschte Anbiederungssprache, Verfälschung des Lateins (In der Schule gibt es eine 6, wenn man Latein so wie die Bischöfe "multis-viele" mit "omnibus-alle" übersetzt! Was der PP. Benedikt XVI ja auch verboten hat. Aber keiner gehorcht. Außer die Tradis natürlich.) usw usw usw...
SvataHora
...alte Messe "aus vielerlei theologischen Gründen überholt" - Sichwort: theologisch! Weil eben der alten Messe und der PseudoEucharistie zwei völlig unterschiedliche Theologien zugrunde liegen! "Die neue Messe kommt aus der Häresie und führt in die Häresie", wie EB Lefebrvre sagte.
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