Augusta Raurica

Ausgelöst durch den Neubau des Prattler Busbahnhofs im Grenzbereich zu Augst findet von April bis Juni 2022 eine Ausgrabung statt. Der Ausgrabungsbereich liegt westlich ausserhalb der antiken Stadt an der sogenannten «Basiliastrasse», die Augusta Raurica mit Basel verband.

Die römische Basiliastrasse ersetzte eine frühere, etwas südlich davon liegende Kiessstrasse, die wohl nur kurz genutzt wurde. Die auf einem künstlichen Damm angelegte Basiliastrasse wurde zu römischer Zeit immer wieder neu aufgekoffert, wie mehrere übereinanderliegende Kiesschüttungen zeigen. Die Fahroberfläche bestand bei jeder Schicht aus einem Sand-Kies-Gemisch welches mit gebranntem Kalk gefestigt wurde. So entstand eine glatte Oberfläche, in der sich heute noch die Spurrinnen der Wagen abzeichneten. Wurden diese Spurrinnen und Schlaglöcher zu tief, ebnete man sie mit Sand aus, bevor eine nächste Kiesschicht darüber verteilt wurde.

Entlang der Basiliastrasse erstreckte sich das Nordwestgräberfeld; nördlich der Strasse auf einer Länge von rund 800m, südlich der Strasse brechen die Grablegungen auf Höhe des Abzweigers Frenkendörferstrasse ab. Interessanterweise fehlen im Ausgrabungsbereich sämtliche Hinweise auf Gräber bzw. Grabmonumente. Es ist unklar, wieso hier keine Personen bestattet wurden. Möglicherweise wurde das Gräberfeld aufgegeben, bevor der Bereich südlich der Strasse belegt werden konnte oder aber der Boden eignete sich, z. B. aufgrund von Nässe, nicht für Bestattungen.
Südlich der Strasse konnten wir zwei parallel zur Strasse verlaufende Gräben fassen. Darin und in den Planierschichten darüber lagen viele Funde; nebst Tierknochen auch Eisennägel, Keramik- und Ziegelfragmente. Unklar ist, woher die Funde stammen. Insbesondere die Baukeramikfragmente können nicht als Verlustfunde kategorisiert werden. Möglicherweise wurde das Areal als Schutt- bzw. Abfalldeponie verwendet, wie dies für den Bereich nördlich der Strasse im 3. Jh. n. Chr. nachgewiesen ist.



Ausgrabung Neubau Curiastrasse 1 (April bis Juni 2022)

Ausgelöst durch ein Neubauprojekt findet in diesem Jahr von April bis Juni eine Notgrabung in der Oberstadt von Augusta Raurica statt. Dabei werden wir noch unbekannte Bereiche eines bereits zum grössten Teil in den 1960er Jahren ausgegrabenen Gebäudekomplexes («Insula 20») untersuchen.

Die Insula 20 befand sich an bester Lage im Herzen der antiken Koloniestadt direkt neben dem Forum und der Curia. Sie bestand aus einem sogenannten Peristylgebäude, also einem repräsentativen Bau mit Innenhof im Stile einer römischen Stadtvilla, und einem separaten Gewerbebau im Südosten. Die diesjährige Grabung befasst sich mit den südwestlichen Gebäudeteilen, die in den 1960er-Jahren nur partiell ausgegraben wurden. Damals interpretierte man die Befunde als Wohn- oder Gewerbegebäude. Ob die von uns in diesem Jahr ausgegrabenen Gebäudereste zum Peristylgebäude gehören oder das östlich angrenzende Gewerbehaus ein eigenständiges Gebäude war, ist vorerst noch unklar.

Die ersten Gebäude der Insula 20 wurden vermutlich bereits in augusteischer Zeit (Ende 1. Jh. v. Chr./Anfang 1. Jh. n. Chr.) zunächst noch aus Holz errichtet. Im fortschreitenden 1. Jh. n. Chr. wurden die Holzgebäude zusehends mit Steinbauten ersetzt. Im Verlaufe des 3. Jh. erlebte das Römische Reich eine tiefgreifende politische, soziale und wirtschaftliche Krise, die auch in Augusta Raurica deutlich zu spüren war. Grosse Teile der Stadt wurden verlassen, wie auch die Insula 20. Nach und nach zerfiel das Gebäude. Wie wir an verschiedenen Stellen nachweisen können, wurde das verlassene Gebäude bereits in der Antike auf der Suche nach wiederverwendbarem Baumaterial (v. a. Dachziegel und Mauersteine) systematisch geplündert.

Ausgrabung Ruder (August bis Oktober 2021)

Ausgelöst durch ein Neubauprojekt auf dem Areal der ehemaligen Sägerei «Ruder» fand im Jahr 2021 eine Notgrabung statt. Der Bereich lag ausserhalb der eigentlichen Siedlungsfläche von Augusta Raurica, im Perimeter des sogenannten Nordwestgräberfelds.

Ca. 30-50 m nördlich der römischen Ausfallstrasse in Richtung Basel konnten dabei rund 60 Bestattungen des 1. und 2. Jh. gefasst werden. Beim Grossteil der Gräber (41) handelt es sich um Brandbestattungen, daneben stiessen wir aber auch auf 19 Körpergräber, darunter auf die Bestattungen von 15 Neonaten (Neugeborenen). Gemäss römischem Brauch durften verstorbene Kinder unter einem bestimmten Alter (vor den ersten Zähnen) nicht kremiert werden. Die Tatsache, dass es sich bei einem Viertel der freigelegten Gräber um Neonatenbestattungen handelt, zeigt schlaglichtartig auf, mit was für einer hohen Kindersterblichkeit in der Antike gerechnet werden muss.
Während bei den Körperbestattungen kaum Beigaben mit ins Grab gegeben wurden, fanden wir in den Grabgruben der Brandbestattungen sehr häufig mehr oder weniger stark fragmentierte Gefässkeramik, aber auch vereinzelt vollständige Gefässe aus Keramik oder Glas, immer wieder Münzen und ab und zu Öllämpchen und Fibeln. Neben den Gräbern kamen aber auch noch andere spannende Befunde zutage: Erstmals konnten wir im Nordwestgräberfeld etwa eine Verbrennungsgrube entdecken. Darin wurden die Leichname verbrannt, um sie anschliessend im Gräberfeld zu bestatten. Weiter konnten wir ganz am östlichen Grabungsrand die Fundamente einer gut 31 m langen Mauer fassen. Es handelt sich dabei um eine bislang unbekannte Umfassungsmauer, die einen östlich der Grabungsfläche befindlichen Bereich des Gräberfeldes vom Rest separierte. Aufgrund von Altfunden aus dem früheren 20. Jh. ist es denkbar, dass dort eher privilegierte Bevölkerungsschichten bestattet worden sind, während die Funde und Befunde auf unserer Grabungsfläche dafür sprechen, dass es sich hier um die Gräber von einer breiteren Bevölkerungsschicht handelt.





Ausgrabung Rheinlust (April bis Juli 2021)

Ausgelöst durch ein Neubauprojekt auf dem Areal des ehemaligen Gasthauses «Rheinlust» und der westlichen Nachbarparzelle fand im Jahr 2021 eine Notgrabung statt. Der Bereich liegt an den westlichen Ausläufern des sogenannten Nordwestgräberfeldes von Augusta Raurica. Dieses Gräberfeld erstreckte sich entlang der westlichen Ausfallstrasse der römischen Siedlung auf rund 800 m Länge, im Bereich der heutigen Rheinstrasse auf dem Gemeindegebiet von Augst respektive Pratteln.

Bei den Grabungen wurden insgesamt 21 Bestattungen aus dem 1. und 2. Jh. n. Chr. freigelegt; 20 Brandbestattungen und eine Körperbestattung. Sämtliche Gräber liegen innerhalb eines rund 10 m breiten Streifens entlang der antiken Ausfallstrasse in Richtung Basel.

Zudem kamen vier Grabmonumente zum Vorschein, die sich prominent entlang der Strasse aufreihten und allen Durchreisenden die Bedeutung des hier bestatteten Personenkreises demonstrierten. Solcherlei Grabmonumente konnte sich nur eine privilegierte Bevölkerungsschicht leisten.

Im Verlauf des 3. Jh. wandelte sich die Funktion des Gräberfelds in diesem Bereich. Die Grabmonumente wurden abgerissen und wiederverwendbares Baumaterial abgeführt. Nach Ausweis der bis zu einem halben Meter mächtigen, die Reste der Monumente überlagernde Schuttschicht aus Abbruchschutt wurde das nicht brauchbare Material an Ort und Stelle belassen. Die darin enthaltenen recht zahlreichen Siedlungsabfälle weisen zudem darauf hin, dass man das Areal noch eine Zeit lang als Schutt- respektive Abfalldeponie nutzte.







Die Ausgrabungen in Augst (BL)

Cavendish
Danke. Ohne Kenntnis der Vergangenheit gibt es keine Orientierung für die Zukunft.