Glauben wir wirklich alle an den selben Gott?
Wie kann man angesichts der schrecklichen Bilder von der brutalen Verfolgung der Christen in Syrien und im Irak auf die Idee kommen, zu behaupten, die Moslems würden den selben Gott anbeten wie die Christen? Und wenn der einzige und wahre, der einzig wahre Gott ein Gott der Liebe ist, wie können dann „gläubige Moslems“ wenn sie an diesen einzig wahren Gott glauben, Christen wegen ihres Glaubens verfolgen, enthaupten und kreuzigen? Von Franz Kronbeck.
Papst Benedikt XVI. hat in seiner berühmten Regensburger Rede im Jahre 2006 seine Finger in die Wunde gelegt, und er hat sie ganz schnell wieder zurückgezogen, als er gemerkt hat, daß er mit allzu viel Wahrheit über den Islam nicht nur den Haß der radikalen Islamisten, sondern auch den vieler Multikultur-Ideologen und relativistischer Theologen auf sich zog.
Papst Benedikt XVI. hat damals darauf hingewiesen, daß man alleine vom Dreifaltigen Gott sagen kann, „vernunftwidrig zu handeln (sei) dem Wesen Gottes zuwider“. Tatsächlich hat nur der Dreifaltige Gott jenes Maß an Wahrheit und Wahrhaftigkeit in sich, daß man sagen kann, die Vernunft gehöre zu seiner eigensten Natur – eben deshalb nennt der hl. Johannes den Sohn Gottes den „Logos“, „das Wort“.
Hätten die Theologen die Gedanken des Papstes aufgegriffen, hätten sie bemerkt, daß man in Entsprechung zur dritten Person Gottes ergänzen muß: Nur der einzig wahre Gott, der sich als der Drei-eine Gott geoffenbart hat, kann jene Seinsfülle in sich haben, die es ihm möglich macht, ein liebendes Verhältnis auch zur Kreatur zu haben.
So haben die Christen von Anfang an von den zwei Hervorgängen in Gott gesprochen: Gott-Vater zeugt als absoluter Seinsgrund in aller Ewigkeit und vor aller Zeit das Wort als Gott-Sohn, den urbildlichen Wahrheitsgrund, und aus beiden („filioque“) geht der Heilige Geist hervor, das ewige Band der Liebe, der absolute Liebesgrund: „Gottes Wesenheit und die Trinität sind der Sache nach völlig eins!“, so sagt es das Dogma. (Diekamp-Jüssen: Katholische Dogmatik, S. 285.)
Aus diesem Glauben heraus hat sich die katholische Kirche und daraus die christlich-abendländische Kultur entwickelt. Noch einmal: Nur wenn im Absoluten selbst schon in Form der innergöttlichen Hervorgänge nicht nur die Allmacht Gottes, sondern auch seine wesenhafte Wahrhaftigkeit und Liebe ausgebildet ist, kann die Seinsordnung der Welt und vor allem die menschliche Seele danach geprägt sein. Wenn der einzelne nun auch noch diese ihm geoffenbarte Wahrheit in freier Entscheidung im Glauben annimmt, wenn er bereit ist, aus der daraus hervorgehenden Gnade und den entsprechenden Sakramenten zu leben, dann kann sich eine christliche Gesellschaft ausbilden.
Die sogenannten „Werte“ der abendländischen Kultur wie Liebe, Mitleid, Wahrhaftigkeit, Ehrfurcht vor Gott, Ehrfurcht vor Mensch und Natur, und alle daraus hervorgehenden gesellschaftlichen Werte wie Freiheit, Gerechtigkeit, Rechtsstaatlichkeit, Bürgerrechte, Vertragstreue, Wissenschaft, Hochachtung der Frau, Mitmenschlichkeit, Verzeihung und Toleranz etc. (und alle darauf gegründeten gesellschaftlichen Einrichtungen) können einzig und alleine in einer auf den Glauben an den Dreifaltigen Gott begründeten Gesellschaft wachsen. Sofern es diese Dinge in einer atheistischen Gesellschaft gibt, handelt es sich durchwegs um Überreste einer einst christlichen Kultur!
Und umgekehrt gilt: Ein nicht-drei-einiger Gott könnte auch nicht jene Qualitäten in sich schließen, die ihn als allmächtig, wie auch als vernünftig-wahrhaftig und noch dazu als liebend ausweisen. Doch diesen Gott gibt es in Wirklichkeit nicht – das muß von Anfang an unmißverständlich gesagt sein; so deutlich, wie es auch Romano Guardini schon ausgesprochen hat: „Den 'Monotheos', der bloß ein personaler Gott des Islam und der Aufklärung ist, ist eine Reduktion, welche die Anmaßung der menschlichen Vernunft an die Offenbarung vorgenommen hat. Ihn gibt es nicht. Der Gott, den 'es gibt', ist der Dreieinige.“ (Romano Guardini: Die Existenz des Christen; Paderborn 1976, S. 257)
Die Geschichte hat es uns bewiesen, und die Politik wie die Gesellschaft stellt es uns täglich vor Augen: Wer den Sohn ablehnt, betet das Chaos an und die Revolution, und wer den Heiligen Geist ablehnt, verfällt dem Haß und der Gewalt.
An welchen Gott glauben die Christen?
An die Juden, das Volk des ersten Bundes, ist die Verheißung des Messias ergangen. Ihnen wurde der Erlöser versprochen, doch hat die Erlösung und der gekommene Messias jede menschliche Vorstellung und jedes vorstellbare Maß übertroffen: Der Messias war kein politischer Führer, kein bloßer Prophet oder ähnliches, und die Erlösung war ebenso nicht nur eine Befreiung von politischer Unterdrückung, von wirtschaftlicher Not oder ähnlichem, sondern: Gott selbst ist Mensch geworden, um sein Volk zu erlösen – nicht zunächst von gesellschaftlich verursachtem Elend, sondern vom Unterworfensein unter die Sünde und unter das Böse. Gott hat die Wurzel des menschlichen Elends ausgerissen. Der menschgewordene Gott hat die Herrschaft der Sünde über die Menschen gebrochen, er hat dem Satan und den Dämonen jenen Herrschaftsbereich, der ihnen durch den Sündenfall der Menschen und alle darauf folgenden Sünden zugefallen war, entrissen.
Und er hat es getan auf eine Art und Weise, die ebenfalls jede menschliche Vorstellung übertrifft: Er hat nicht ein neues politisches System errichtet, er hat auch nicht einfach die Feinde der unterdrückten Menschen zerschmettert, sondern er hat die Sünden der Welt auf sich genommen und ist zur Sühne unserer Sünden am Kreuz den schändlichen Tod eines Verbrechers gestorben.
Damit hat Gott den alten Bund zur Erfüllung gebracht und er hat zugleich einen neuen Bund gestiftet, einen ewigen Bund, den er im Blute seines Mensch gewordenen Sohnes gestiftet hat, und auf den hin der erste Bund nur wie ein schwaches Vorzeichen war; und er hat diesen Bund nicht nur für eine kleine Gruppe von Menschen reserviert, sondern er hat ihn der gesamten Menschheit angeboten: Wer an Jesus Christus glaubt, wer in ihm den Sohn Gottes erkennt und wer ihn annimmt, ist gerettet. Damit wäre eigentlich alles gesagt.
Das Christentum beruht also auf der Menschwerdung Gottes. Man nennt zwar gerne das Christentum in einem Atemzug mit den „anderen Offenbarungsreligionen“, aber man müßte, wie wir gesehen haben, präzisieren, daß die Christen nicht an irgend eine Botschaft glauben, sondern sie glauben an Jesus Christus, den Mensch gewordenen Gott. Und ebenso könnte man zwar in einem gewissen Sinne sagen, das Christentum sei aus dem Judentum hervorgegangen, doch ist diese Aussage sehr mißverständlich. Zwar ist der Gottessohn dem Fleische nach aus Maria von Nazareth und somit seiner menschlichen Natur nach aus dem jüdischen Volk hervorgegangen, und ist er der den Juden verheißene und von ihnen erwartete Messias. Doch wäre es eine völlige Verkennung des Christentums, würde man sagen, das Christentum sei als Religion aus dem Judentum hervorgewachsen – es ist keine jüdische Sekte oder Glaubensrichtung, sondern das Christentum ist die Religion derer, die Jesus Christus als den menschgewordenen Logos erkannt haben, und die ihm nachfolgen.
Die Zeugnisse der Schrift sind überwältigend. Nicht nur daß an über 50 Stellen des Neuen Testamentes Jesus Christus sich eindeutig und unmißverständlich und im vollsten und höchsten Sinne als der Sohn Gottes von Ewigkeit an zu erkennen gegeben hat, sondern alles, was er gesagt und getan hat, sämtliche Einrichtungen und Glaubenssätze der Kirche, ja das ganze nachfolgende Christentum ist darauf gebaut und nur von daher zu verstehen.
An welchen Gott glauben die Philosophen?
Jesus Christus hat sich den Juden unmißverständlich als Gott zu erkennen gegeben, als er von sich sagte: „Ehe Abraham war, bin ich“ (Johannes 8,58). Schließlich wurde er gerade wegen dieses eindeutigen und unmißverständlichen Zeugnisses seiner Gottheit vom Sanhedrin zum Tode verurteilt und gekreuzigt. Er hat damit den dem Moses im Dornbusch geoffenbarten Namens Gottes auf sich bezogen: „Ich bin der ich bin“ (2 Mose 3,14).
Die Christen und die christlichen Philosophen haben dies genau so verstanden: Der absolute Seinsgrund, der sich Moses als der einzige und allein wahre Gott zu erkennen gegeben hat, genau dieser ist es, der sich in Jesus Christus als der Dreifaltige Gott geoffenbart hat. Er ist nicht irgend eine durch menschliche Vorstellung oder politisches Kalkül absolut gesetzte und zum einzigen Gott erhobene Stammesgottheit, sondern Er ist der einzig wahre Gott, das absolut notwendige und einzigartige Prinzip aller Wirklichkeit. Weil die endlichen Dinge sich nicht selbst begründen können, muß es einen absoluten Seinsgrund geben, an dem alles, was ist, teilhat. Dieser und keine anderer ist der von Jesus Christus geoffenbarte Dreifaltige Gott. Das Johannes-Evangelium sagt es überdeutlich: „Wer mich sieht, sieht auch den Vater...“ (Joh. 14,9).
Schon die Kirchenväter haben damit die Quintessenz der antiken Philosophie, aber auch der philosophischen Kritik an den antiken Göttern aufgenommen, als sie im Dreifaltigen Gott den einzigen, notwendigen, absoluten Seinsgrund erkannten, um den die Philosophen und die Frommen aller Religionen sich sehnend bemühten, und den sie doch nicht erreichen konnten. Erst die atheistische Philosophie der Moderne hat im Verein mit der aufklärerischen Exegese wissenschaftsgläubiger Theologen des 19. Jahrhunderts diese Einheit von Philosophie und Offenbarungsglauben aufgebrochen. Wir stehen heute vor den Trümmern einer Philosophie, die dem gesunden Menschenverstand widerspricht, und einer (modernistischen) Theologie, die nicht mehr die Kraft hat, den Glauben an Christus auch philosophisch zu begründen und festzuhalten.
An welchen Gott glauben die Moslems?
Das Wort „Islam“ bedeutet „Unterwerfung“. Man kann das Wesen des Verhältnisses, das der Moslem zu seinem Gott hat, nicht präziser beschreiben, als mit genau diesem Wort: Unterwerfung, bedingungslose Unterwerfung unter die Willkür Allahs. Der Islam, so erklären uns die Religionsforscher, ist hervorgegangen aus einer seltsamen Mischung von alttestamentarisch-jüdischen und diversen christlichen Häresien (insbesondere des Nestorianismus), die zu Mohammeds Zeiten auf der arabischen Halbinsel anzutreffen waren. Daraus ergibt sich auch seine unerschütterliche Feindschaft gegen das Judentum und das Christentum. Die Doktrinen „Tawhid“ und „Shirk“ zeigen uns den anti-christlichen Charakter des Islam besonders deutlich. Das Wort „Tawhid“ bezieht sich auf den Glauben an die absolute Eingottheit. Für viele Muslime stellt der Glaube an die Trinität, genauer gesagt das Bekenntnis, daß Jesus Christus der eingeborene Sohn Gottes ist, eine der schlimmsten „Sünden“ dar, die es überhaupt gibt, ja das abscheulichste aller Verbrechen!
„Wahrlich, ungläubig sind diejenigen, die sagen: 'Allah ist der Messias, der Sohn der Maria.' Sure 5:17. Um die Lehre vom Tawhid zu verstehen, muss man wissen, daß es sich dabei um das absolut höchste Gebot im Islam handelt: Wie Tawhid das höchste Glaubensgebot ist, so ist Shirk die größte Sünde. Shirk bezeichnet nämlich Götzentum. Es gibt in Amerika eine weit verbreitete „Einladung zum Islam“, die uns zeigt, wie streng die Muslime „Shirk“ beurteilen. Dort heißt es: „Mord, Vergewaltigung, Kindesmissbrauch und Völkermord. Diese sind nur Beispiele der furchtbaren Verbrechen, die heute auf der Welt vorkommen. Gewöhnlich denken viele, dass es die schlimmsten Vergehen sind, die jemand begehen kann. Aber es gibt etwas, das noch schwerer wiegt, als all diese Verbrechen zusammen, nämlich Shirk“.
Dessen ungeachtet hat das 2. Vatikanische Konzil in Nostra Aetate den islamischen Allah als identisch mit dem dreieinigen Gott der Christen erklärt:
„Mit Hochachtung betrachtet die Kirche auch die Muslim, die den alleinigen Gott anbeten, den lebendigen und in sich seienden, barmherzigen und allmächtigen, den Schöpfer Himmels und der Erde, der zu den Menschen gesprochen hat. Sie mühen sich, auch seinen verborgenen Ratschlüssen sich mit ganzer Seele zu unterwerfen, so wie Abraham sich Gott unterworfen hat, auf den der islamische Glaube sich gerne beruft. Jesus, den sie allerdings nicht als Gott anerkennen, verehren sie doch als Propheten, und sie ehren seine jungfräuliche Mutter Maria, die sie bisweilen auch in Frömmigkeit anrufen. Überdies erwarten sie den Tag des Gerichtes, an dem Gott alle Menschen auferweckt und ihnen vergilt. Deshalb legen sie Wert auf sittliche Lebenshaltung und verehren Gott besonders durch Gebet, Almosen und Fasten.“
Die Unterwürfigkeit – etwas, wofür die Moslems sicher keine Hochachtung verspüren – mit der P. Johannes-Paul II nicht nur immer wieder den Islam gelobt, ja sogar im Jahre 1999 eine Pracht-Ausgabe des Koran geküßt hat, beruht auf einer völligen Verkennung des wahren Wesens des Islam. Der Islam-Experte Hans-Peter Raddatz sagt deshalb: „Wer eine knapp 2000-jährige Gottesidee und die daraus mühsam entwickelte Vorstellung der Menschenrechte auf den Müll der (Heils-) Geschichte wirft, ist weit offen für die Vereinnahmung durch manipulative Konzepte welche geeignet sind die 'Tradition' europäischer Gewaltsysteme fortzusetzen“. ... „Solange das neue Glaubensdiktat vom gemeinsamen Gott gilt, kann sich die Konvergenz der beiden Glaubensformen fortsetzen, wobei es sich allerdings um eine Einbahnstrasse handelt. Die Konvergenz vollzieht sich unter massiven Veränderungen der Kirche bei gleichbleibendem Islam. Es sind Kirchen, in denen Korane ausgelegt werden, und nicht Moscheen, in denen Bibeln liegen. Es sind Christen, die den Bau von Moscheen in Europa fördern, und nicht Muslime, die den Kirchenbau im Orient unterstützen. Es sind 'Christen', die in europäischen Moscheen 'beten' und Muslime, die in ihren Ländern Christen töten.“ (Hans-Peter Raddatz: „Von Allah zum Terror?“, S. 241 und S. 239.)
Die Deutsche Bischofskonferenz hat die blauäugigen Konzilsaussagen in ihrer Arbeitshilfe: „Christen und Muslime in Deutschland“ im Jahre 2003 noch übertroffen; sie sagt: „Christentum und Islam stellen zwei verschiedene Zugänge zu dem selben Gott dar“.
Wenn das so gemeint ist, wie es gesagt ist, stellt sich die Frage: Wer ist dieser „selbe“ Gott, zu dem die Christen wie die Moslems nach Ansicht der Deutschen Bischöfe beten? Der Dreifaltige Gott jedenfalls kann es nicht sein – die Worte und die Handlungen der Moslems beweisen dies nur zu deutlich. Beten die Christen (oder die Deutschen Bischöfe?) also zu Allah? Wenn nicht, dann bleibt als Möglichkeit nur ein drittes: Sie verehren ein dahinter stehendes (ein philosophisches?) Prinzip. Aber welches?
An welchen Gott glauben wir?
Es haben sich in der abendländischen Geschichte in den letzten 3 Jahrhunderten verschiedene politische Revolutionen ereignet, aber es hat hinter all diesen Revolutionen eine stille geistesgeschichtliche Revolution gegeben, in der die Grundlagen des Christentums, der christlichen Philosophie wie der christlichen Kultur gegen neue, dem Christentum feindliche Prinzipien ausgetauscht wurden.
Diese Apostasie hat schon im frühen 14. Jahrhundert begonnen, als die Philosophen anfingen, an der Gültigkeit der universellen Prinzipien des Seins und der Wahrheit zu zweifeln. Sowohl der aufkommende Humanismus, wie die daraus hervorgehende Gegenbewegung, die Reformation Luthers, haben aus dieser Verletzung der Wahrheit den modernen Subjektivismus und Anthropozentrismus geboren. Daraus kamen die Aufklärungsphilosophie, der Deutsche Idealismus, und daraus der Marxismus und der Darwinismus hervor, welche im Osten den Dialektischen Materialismus und im Westen die materialistische Dialektik in Form des heutigen Wissenschafts- und Fortschrittsglaubens gebaren. Diese geistesgeschichtliche Revolution war die eigentliche Tragödie des Abendlandes, und sie hat wie Fieberkrisen die verschiedenen Revolutionen, nicht nur in Frankreich und in Rußland, hervorgebracht, und damit gesellschaftliche Gegensätze, die sich in den katastrophalen Kriegen des 20. Jahrhunderts entladen haben.
Wir stehen heute mitten in der Kulturrevolution der sogenannten Post-Moderne; diese ist gerade im Begriff, die Prinzipien der christlichen Kultur und vor allem den Wahrheitsbezug nicht nur der Philosophie, sondern den aller Menschen mittels einer nie dagewesenen Zerrüttung der seelischen Grundlagen des Geisteslebens mit äußerster Brutalität und Konsequenz zu zerstören.
Die sogenannte „post-moderne“ Denkhaltung, für die nur die eine Wahrheit zählt, daß es nämlich keine Wahrheit gibt, reißt ganz folgerichtig das Naturrecht, die Schöpfungsordnung, die Wahrheit als solche zu Boden; sie „de-konstruiert“ alles Schöne, Wahre und Gute, aber auch das Heilige, ja vor allem das Heiligste, um es als Bruchstücke einer vom Menschen selbstherrlich konstruierten neuen Realität zu verwenden. Die Spaltung des Atomkerns und die Spaltung des Zellkerns, welche nach den Worten des Biologen Erwin Chargaff, Mitentdecker der DNA-Struktur, die Sündenfälle der Naturwissenschaften sind, sind von dieser geistesgeschichtlichen Revolution her erst als das verständlich, was sie sind: Ausdruck des prometheischen Aufstandes gegen Gott und seine Schöpfungsordnung.
Es wäre fatal, zu meinen, dieser Geist der (Post-) Moderne hätte vor der Kirche und der Theologie haltgemacht; seit Jahrhunderten hat er die ganze Welt durchfurcht, er hat wie ein negativer Sauerteig mit seiner Fäulnis die Kultur, ja vor allem die gesamte Denkweise des Abendlandes durchdrungen. Nein, wir täuschen uns nicht: Dieser post-moderne Geist ist nichts anderes als jener Geist, den die Kirche seit über 100 Jahren als „Modernismus“ verurteilt hat. Das moderne Denken wurde auf dem 2. Vatikanischen Konzil nicht erfunden, und es ist dort auch nicht zum ersten Mal in die Kirche eingedrungen; es ist dort nach Jahrhunderte langem Ringen zum obersten Gesetz erhoben worden – eine Ratifizierung markiert nicht den Anfang, sondern den Endpunkt einer historischen Entwicklung.
Diese neue, die modernistische Denkhaltung hat sämtliche Prinzipien des Glaubens zur Disposition gestellt; sie definiert den Glauben nicht mehr als ein „festes Für-wahr-Halten der von Gott geoffenbarten Wahrheit“, sondern als ein diffuses Gefühl, das in der menschlichen Seele aufsteigt, und das den Menschen nach einem letztlich unbestimmbaren „transzendentalen (Seins-) Horizont“ ausgreifen läßt, den er doch nie erreicht. Die Modernisten meinen nun, die Christen würden aufgrund der ihnen nun einmal zugefallenen Position in der Evolutionsgeschichte des menschlichen Geistes und d.h. aufgrund bloß geschichtlicher Umstände diesen „absoluten Seinshorizont“ eben den „Dreifaltigen Gott“ nennen, während die Buddhisten ihn das „Nirvana“, und die Moslems „Allah“ nennen. So ähnlich, wie der „Otto Normalverbraucher“ der Versicherungsstatistik zwar in den Gehirnen der Mathematiker „existiert“, aber doch nicht in der Realität, so ist auch dieser „transzendentale Seinshorizont“ nichts anderes als ein philosophisches Artefakt. Dieses Phantom vereinigt in sich das Ja und das Nein, das Sein und das Nichts, aber es ist ganz sicher nicht Gott. Es ist ganz sicher nicht jener allmächtige und liebende Gott, der uns durch sein Kreuzesopfer erlöst hat.
Die post-moderene Philosophie, die auf der Feindschaft zur ewigen, unwandelbaren Wahrheit gegründet ist, läßt es nun nicht mehr zu, diesen Trugschluß zu durchschauen. Die modernistische Theologie hat die Prinzipien der modernen Philosophie übernommen, so daß es auch für sie keine an sich bestehende, objektive, und vom Menschen grundsätzlich erkennbare Wahrheit mehr gibt – schon gar nicht, wenn es um Übernatürliches geht. Die modernistische Theologie ist zwar so „demütig“, zu sagen, daß der Mensch Gott nicht fassen kann (was richtig ist), aber sie ist auch so hochmütig, daß sie meint, ein philosophisches Konstrukt über den sich in seiner Menschwerdung als der Dreifaltige Gott offenbarenden Gott setzen zu dürfen. Deshalb verkommt das Dogma in der modernistischen Theologie zum Spielball der Moden und Launen des Zeitgeistes; und das Lehramt, das doch den wahren und unverfälschten Glauben zu wahren hätte, verfällt dem Subjektivismus, um zur willigen Gespielin politischer Gewalten zu werden.
Ist es in diesem Konzept immer noch jener Jesus Christus, den wir verehren, jener Mensch gewordene Gott an dem wir Christen seit 2.000 Jahren glauben? Ist es jener selbe Christus, der von sich gesagt hat: „Wer den Sohn nicht hat, der hat auch den Vater nicht“(1.Johannes 2:23,24)? Machen wir also die Gegenprobe!
An welchen Christus glauben die Rahner-Jünger?
Es steht den Theologen keineswegs frei, diese oder jene Philosophie zu benützen, um darauf aufbauend die Glaubenswahrheiten auszusprechen; man kann, auch als Laie, keineswegs frei auswählen zwischen irgend einer modernen Philosophie und der klassischen Philosophie, denn diese sind nicht mehr oder weniger geeignete Instrumente zur Erfassung der Wahrheit, sondern die (post-) moderne Philosophie definiert sich gerade durch den Ausschluß einer allgemeingültigen und prinzipiell durch den Menschen erkennbaren Wahrheit. Speziell die dialektische Philosophie hat den Bezug zur Wahrheit systematisch ausgeschlossen. Sie ist eine Ideologie, aber kein Weg zur Wahrheit.
Ganz besonders aber in die Irre geht man, wenn man meint, das Geheimnis der Menschwerdung Gottes mit den Mitteln der Dialektik ausdrücken zu können. Die Kirche lehrt, daß in der Person Christi die göttliche und die menschliche Natur hypostatisch vereinigt sind, so daß Christus in seiner Person zwei Naturen (die menschliche und die göttliche) vereint. ("Die göttliche und die menschliche Natur sind in Christus hypostatisch, d.i. in der Einheit der Person, miteinander verbunden" (L. Ott, Grundriß der katholischen Dogmatik, Freiburg 1981- 10, 174) Die modernistische Theologie hat sämtliche Glaubenswahrheiten ins Rutschen gebracht; wo diese nicht verbal geleugnet wurden, wurden sie zumindest umgedeutet. Tatsächlich gibt es nur zwei Dinge, an denen Karl Rahner so unbeirrbar festhält, wie die Theologen vor ihm an den Glaubenswahrheiten festgehalten haben: Die Befunde der modernen Exegese (und zwar auf dem Forschungsstand etwa des Jahres 1940. Vgl. Die Grundlagen der sogen. „Befunde“ der „modernen“ Exegese sind wissenschaftlich längst überholt, auch wenn das viele Theologen immer noch nicht wahrhaben wollen. Dazu: Marius Reiser: Bibelkritik und Auslegung der Heiligen Schrift. Vor allem aber: Helmut Pflüger: Wölfe im Schafspelz. Aufgrund archäologischer Funde kommt zu ähnlichen Ergebnissen: Michael Hesemann: Jesus von Nazareth.) und die Evolutionstheorie (Forschungsstand von etwa 1955, dem Todesjahr von Teilhard de Chardin. Vgl. Albert Drexel: Ein neuer Prophet? Teilhard de Chardin. Analyse einer Ideologie. Aschaffenburg 1971-2.).
Nur in Kombination dieser Prämissen und unter Zuhilfenahme der Philosophie Hegels, näherhin der jugend-schwärmerischen Phantastereien, die dieser als 25-Jähriger in seinen Jugendschriften niedergelegt hat, war es Rahner möglich, den christlichen Glauben von der Menschwerdung Gottes in das vor 50 Jahren noch moderne Konzept einer evolutiven Weltanschauung einzupassen. Rahner versucht zwar beständig, das eigentlich Christliche in diesem neuen Grundkonzept zu wahren, doch gelingt ihm das nicht. Es kann nicht gelingen, weil sich das Konzept einer evolutiven Weltanschauung zum christlichen Dogma, speziell zur Lehre von der Menschwerdung Gottes, so verhält, wie die materialistische Biologie des 19. und frühen 20. Jahrhunderts sich zum Leben verhält: Die Biologie endet da, wo das Leben beginnt, und das Leben endet da, wo die Biologie beginnt. (Dazu Max Thürkauf: „... aber Leben kann mit ausschließlich physikalisch-chemischen Prozessen nicht hervorgebracht werden, es läßt sich mit ihnen lediglich beeinflussen und – zerstören.” In: Max Thürkauf: Die Medizin und der Erkenntnisbereich der modernen Naturwissenschaft, in: Wissenschaft schützt vor Torheit nicht. Zürich, 1989 - 4, S. 44, f.)
In der Dialektik Hegels wird das Sein Gottes, des Absoluten, nicht als eine in sich, d.h. in der Wesenheit Gottes subsistierende Wirklichkeit verstanden, sondern Gott und Welt werden „dialektisch“ in Eins gesetzt – genau das ist der Sinn des berühmten Hegel'schen Begriffes des Absoluten als der „Identität der Identität und der Nichtidentität“ (G.F.W. Hegel: Differenz des Fichteschen und Schellingschen Systems, S. 96). Genau diese Identität kann es freilich für eine Philosophie, die am Nicht-Widerspruchsprinzip festhält, nicht geben, denn der erste und größte aller Unterschiede ist der zwischen dem Absoluten und dem Geschöpf. So aber verkehrt sich das Verhältnis von Gott und Welt im Sinne eines Pan-(en-)theismus, wodurch die Substantialität der Dinge aufgehoben wird, und genau so gut die Natur oder die Materie an die Stelle des Schöpfergottes treten kann.
Der hl. Thomas weist mit aller Ausdrücklichkeit den Pantheismus mit dem Argument zurück, Zeit (Welt) und Ewigkeit (Gott) dürften nicht so betrachtet werden, als sei nur die Zeit ein Teil der Ewigkeit, sondern die Seinsweise des Zeitlichen besteht durch Teilhabe (participatio) am Sein des Ewigkeit Gottes (vgl. dazu: Garrigou-Lagrange: De Deo Uno: S. 229. Sehr instruktiv zum Thema sind auch das IV. Buch der Summe gegen die Heiden von Thomas von Aquin, wo der hl. Thomas den Moslems erklärt, was unter der Menschwerdung Gottes zu verstehen ist. Schade nur, daß die Moslems den hl. Thomas genau so wenig lesen, wie die heutigen christlichen Theologen!). Die Dialektik hat nun die Teil-habe (des endlichen Seienden am Sein Gottes) verworfen, um das Verhältnis Gott/Welt bzw. Ewigkeit/Zeit und absolutes Sein/endliches Seiendes als ein Teil-sein zu bestimmen, so als wäre die Welt ein Teil Gottes.
Es ist also ein unendlich großer Unterschied, ob man im Sinne der Lehre der Teilhabe vom „Sein“ als dem absoluten Seinsgrund aller Wirklichkeit spricht, oder ob man dies als Dialektiker tut.
Der Trugschluß beruht nun darauf, daß man unter der Voraussetzung der Dialektik mit Hegel und Rahner das so verstandene absolute Sein „Gott“ nennen wird, um in panentheistischer Weise das Sein der Welt und das Sein Gottes mit einander zu vermischen bzw. zu vermengen.
Auf genau dieser „Identität der Identität und der Nichtidentität“ beruht der Glaube an die Möglichkeit einer universellen Evolution, wie sie Teilhard de Chardin vertritt: Weil in dieser Dialektik das Sein des Absoluten, und d.h. das Sein Gottes, nicht als eine in sich subsistierende Wirklichkeit verstanden wird, hat das endliche Seiende – eben kraft des in ihm angeblich innerlich waltenden absoluten Seins – nicht nur die Möglichkeit, sondern sogar die allgemeine Tendenz und Eigenschaft, beständig „sich selbst überbietend“ sich von einem Wesen ins andere zu verwandeln, genau so, wie der Darwinismus es ja von den biologischen Arten behauptet. Was aber steht, wenn man ernst nimmt, daß es immer schon das Göttliche ist, das im Endlichen waltet, am Ende dieser Entwicklung? Der Übergang der höchstentwickelten Natur, nämlich des Menschen, zu Gott: Die Marxisten glauben das auch, bloß drücken sie ihren Glauben nicht in christlicher, sondern in der Terminologie des Dialektischen Materialismus aus. Das ist der alte, schon in der Antike geglaubte Mythos von der Verwandlung der Gestalten hin zu den Göttern – wie sie in Ovids Metamorphosen so bildreich ausgesprochen sind.
Karl Rahners Polemik gegen den Person-Begriff, wie ihn die katholische Dogmatik verwendet, um die Menschwerdung Gottes zu artikulieren, rührt genau von da her, daß er die Einheit der Gottheit, die das christliche Dogma in der Person Christi festmacht, auf die Natur verschieben möchte. Damit relativiert er aber auch die Bedeutung der persönlichen Entscheidung des einzelnen Menschen gegenüber Gott. Rahner hält zwar verbal noch daran fest, daß der Einzelne durch seine freie Entscheidung die Annahme der Gnade verweigern kann, doch die von ihm vertretene All-Erlösungslehre spricht eine deutlichere Sprache: Wenn nicht mehr die Person, sondern die Natur der Ort der Einheit von Gott und Mensch ist, dann sind tatsächlich alle Menschen erlöst, ganz egal, ob sie das annehmen wollen oder nicht! („Der Gottmensch ist der erste Anfang des endgültigen Gelungenseins, der Bewegung der Selbsttranszendenz der Welt in die absolute Nähe zum Geheimnis Gottes. Diese hypostatische Union darf im ersten Ansatz nicht so sehr als etwas gesehen werden, was Jesus von uns unterscheidet, sondern als etwas, was einmal und nur einmal geschehen muß, wenn die Welt beginnt, in ihre letzte Phase einzutreten“ (Karl Rahner: Grundkurs des Glaubens; Freiburg i. Brsg., 1984, S. 183 – im Folgenden zitiert als GK).
Ebenso ist der Übergang von einer Artnatur (Wesenheit) in die andere, und ganz besonders die Gott-Werdung des Menschen eine Abstrusität ohne gleichen, weil sie die philosophisch absolut unmögliche Auflösung der bestehenden Wesenheiten aussagt – ganz abgesehen davon, daß sie die Grundlage des Christentums aufhebt. Die Einpassung der Menschwerdung in das evolutive Weltkonzept geht aber genau davon aus, auch wenn Rahner beständig und mit großem verbalem Aufwand versucht, uns diese Absurdität als die einzig mögliche Art und Weise zu verkaufen, heute noch von Christus zu sprechen. („Auf der einen Seite soll nicht einfach katechismusartig und in den traditionellen Formulierungen wiederholt werden, was das Christentum verkündigt, sondern es soll diese Botschaft - soweit es in einem solchen Versuch möglich ist neu verstanden und auf einen 'Begriff' gebracht werden“ (GK. S. 5.)
Der 2. Schritt in diesem philosophischen Hütchen-Spiel besteht nun darin, daß der Begriff „Gott“ gleichgesetzt wird mit dem „absoluten Geist“ (der Gott der Christen mit dem absoluten Geist Hegels). So wird der Ausgriff auf den transzendentalen Seinshorizont als Beweis für die dialektische Einheit des Menschen mit dem Sein ausgegeben, und dieses Sein wird als das Absolute ausgegeben, welches wiederum ausgegeben wird als der einzig wahre Gott. So erschwindelt sich der Mensch die Gottheit. Aus „Ihr werdet sein wie Gott“ wird: „ihr werdet eines Wesens sein mit Gott – in Jesus Christus, eurem Bruder“!
Man kann somit nur aus ganzem Herzen Bernhard Lakebrink zustimmen – er ist einer der ganz Wenigen, die sowohl die thomistische Philosophie, wie auch die Dialektik Hegels so gut kennen, daß sie die Tragweite dessen, was hier mit der katholischen Theologie geschehen ist, erfaßt haben.
Er sagt: „Was Rahner aus der traditionellen Lehre unserer Kirche macht, erweist sich als die Aufhebung der Drei-Persönlichkeit Gottes zugunsten der Einheit eines unbestimmten sogenannten 'heiligen Geheimnisses', als dessen heilsgeschichtliche Erscheinungsformen es eben bei uns ankommt und Wohnung nimmt.“ (B. Lakebrink: Rahners idealistisches Zerrbild vom Dreifaltigen Gott; in D. Berger (Hrsg.): Karl Rahner – Kritische Annäherungen; Siegburg, 2004, S. 211.)
Und bezogen auf die zweite Person Gottes urteilt Lakebrink über die Rahner'sche Theologie: „Und Jesus Christus? Was bleibt auf dieser anthropozentrischen Spielwiese von ihm überhaupt noch übrig? ... Von einer zweiten Person, der die menschliche Natur angenommen hat, von so etwas ist bei Rahner nicht mehr die Rede. Von diesem obsoleten Dogma unserer Kirche, wonach Jesus Christus der eingeborene Sohn des Vaters ist, geboren aus der Jungfrau Maria, ist hier nicht mehr die Rede, zumal sie von dem Priester Rahner mit der ätzenden Bemerkung abgetan wird: 'Man muß diesen traditionellen Aussagen der Dogmatik jenen mythologischen Eindruck nehmen, Gott habe in der Livree einer menschlichen Natur, die ihm nur äußerlich anhaftet, auf Erden nach dem Rechten gesehen, weil es vom Himmel aus nicht mehr ging.' (GK, S. 217). Diese Blasphemie des Jesuiten Rahner ist unerträglich.“ (Ebd., S. 216, f.)
Ist es also wirklich ein „Chris-lam“ (also eine Mischung aus Christentum und Islam), wie der Koran-Experte Raddatz meint, der vor der Tür steht? Würde Raddatz die Bibel so gut kennen wie den Koran, hätte er sehr schnell herausgefunden, daß etwas anderes bevorsteht, etwas, vor dem uns der Herr mit Nachdruck gewarnt hat: „ “Wird jedoch der Menschensohn, wenn er wiederkommt, auf der Erde noch Glauben finden?“ (Luk 18,8). Diese Worte sind nicht an Atheisten oder an Heiden gerichtet, sondern an die Christen; diese müssen gewarnt sein, denn gerade sie werden am Ende der Zeiten in der Gefahr stehen, Christus zu verleugnen und sich einen neuen Glauben, einen selbst gemachten Götzen, zu basteln, den sie über den geoffenbarten Gott stellen.
Papst Benedikt XVI. hat in seiner berühmten Regensburger Rede im Jahre 2006 seine Finger in die Wunde gelegt, und er hat sie ganz schnell wieder zurückgezogen, als er gemerkt hat, daß er mit allzu viel Wahrheit über den Islam nicht nur den Haß der radikalen Islamisten, sondern auch den vieler Multikultur-Ideologen und relativistischer Theologen auf sich zog.
Papst Benedikt XVI. hat damals darauf hingewiesen, daß man alleine vom Dreifaltigen Gott sagen kann, „vernunftwidrig zu handeln (sei) dem Wesen Gottes zuwider“. Tatsächlich hat nur der Dreifaltige Gott jenes Maß an Wahrheit und Wahrhaftigkeit in sich, daß man sagen kann, die Vernunft gehöre zu seiner eigensten Natur – eben deshalb nennt der hl. Johannes den Sohn Gottes den „Logos“, „das Wort“.
Hätten die Theologen die Gedanken des Papstes aufgegriffen, hätten sie bemerkt, daß man in Entsprechung zur dritten Person Gottes ergänzen muß: Nur der einzig wahre Gott, der sich als der Drei-eine Gott geoffenbart hat, kann jene Seinsfülle in sich haben, die es ihm möglich macht, ein liebendes Verhältnis auch zur Kreatur zu haben.
So haben die Christen von Anfang an von den zwei Hervorgängen in Gott gesprochen: Gott-Vater zeugt als absoluter Seinsgrund in aller Ewigkeit und vor aller Zeit das Wort als Gott-Sohn, den urbildlichen Wahrheitsgrund, und aus beiden („filioque“) geht der Heilige Geist hervor, das ewige Band der Liebe, der absolute Liebesgrund: „Gottes Wesenheit und die Trinität sind der Sache nach völlig eins!“, so sagt es das Dogma. (Diekamp-Jüssen: Katholische Dogmatik, S. 285.)
Aus diesem Glauben heraus hat sich die katholische Kirche und daraus die christlich-abendländische Kultur entwickelt. Noch einmal: Nur wenn im Absoluten selbst schon in Form der innergöttlichen Hervorgänge nicht nur die Allmacht Gottes, sondern auch seine wesenhafte Wahrhaftigkeit und Liebe ausgebildet ist, kann die Seinsordnung der Welt und vor allem die menschliche Seele danach geprägt sein. Wenn der einzelne nun auch noch diese ihm geoffenbarte Wahrheit in freier Entscheidung im Glauben annimmt, wenn er bereit ist, aus der daraus hervorgehenden Gnade und den entsprechenden Sakramenten zu leben, dann kann sich eine christliche Gesellschaft ausbilden.
Die sogenannten „Werte“ der abendländischen Kultur wie Liebe, Mitleid, Wahrhaftigkeit, Ehrfurcht vor Gott, Ehrfurcht vor Mensch und Natur, und alle daraus hervorgehenden gesellschaftlichen Werte wie Freiheit, Gerechtigkeit, Rechtsstaatlichkeit, Bürgerrechte, Vertragstreue, Wissenschaft, Hochachtung der Frau, Mitmenschlichkeit, Verzeihung und Toleranz etc. (und alle darauf gegründeten gesellschaftlichen Einrichtungen) können einzig und alleine in einer auf den Glauben an den Dreifaltigen Gott begründeten Gesellschaft wachsen. Sofern es diese Dinge in einer atheistischen Gesellschaft gibt, handelt es sich durchwegs um Überreste einer einst christlichen Kultur!
Und umgekehrt gilt: Ein nicht-drei-einiger Gott könnte auch nicht jene Qualitäten in sich schließen, die ihn als allmächtig, wie auch als vernünftig-wahrhaftig und noch dazu als liebend ausweisen. Doch diesen Gott gibt es in Wirklichkeit nicht – das muß von Anfang an unmißverständlich gesagt sein; so deutlich, wie es auch Romano Guardini schon ausgesprochen hat: „Den 'Monotheos', der bloß ein personaler Gott des Islam und der Aufklärung ist, ist eine Reduktion, welche die Anmaßung der menschlichen Vernunft an die Offenbarung vorgenommen hat. Ihn gibt es nicht. Der Gott, den 'es gibt', ist der Dreieinige.“ (Romano Guardini: Die Existenz des Christen; Paderborn 1976, S. 257)
Die Geschichte hat es uns bewiesen, und die Politik wie die Gesellschaft stellt es uns täglich vor Augen: Wer den Sohn ablehnt, betet das Chaos an und die Revolution, und wer den Heiligen Geist ablehnt, verfällt dem Haß und der Gewalt.
An welchen Gott glauben die Christen?
An die Juden, das Volk des ersten Bundes, ist die Verheißung des Messias ergangen. Ihnen wurde der Erlöser versprochen, doch hat die Erlösung und der gekommene Messias jede menschliche Vorstellung und jedes vorstellbare Maß übertroffen: Der Messias war kein politischer Führer, kein bloßer Prophet oder ähnliches, und die Erlösung war ebenso nicht nur eine Befreiung von politischer Unterdrückung, von wirtschaftlicher Not oder ähnlichem, sondern: Gott selbst ist Mensch geworden, um sein Volk zu erlösen – nicht zunächst von gesellschaftlich verursachtem Elend, sondern vom Unterworfensein unter die Sünde und unter das Böse. Gott hat die Wurzel des menschlichen Elends ausgerissen. Der menschgewordene Gott hat die Herrschaft der Sünde über die Menschen gebrochen, er hat dem Satan und den Dämonen jenen Herrschaftsbereich, der ihnen durch den Sündenfall der Menschen und alle darauf folgenden Sünden zugefallen war, entrissen.
Und er hat es getan auf eine Art und Weise, die ebenfalls jede menschliche Vorstellung übertrifft: Er hat nicht ein neues politisches System errichtet, er hat auch nicht einfach die Feinde der unterdrückten Menschen zerschmettert, sondern er hat die Sünden der Welt auf sich genommen und ist zur Sühne unserer Sünden am Kreuz den schändlichen Tod eines Verbrechers gestorben.
Damit hat Gott den alten Bund zur Erfüllung gebracht und er hat zugleich einen neuen Bund gestiftet, einen ewigen Bund, den er im Blute seines Mensch gewordenen Sohnes gestiftet hat, und auf den hin der erste Bund nur wie ein schwaches Vorzeichen war; und er hat diesen Bund nicht nur für eine kleine Gruppe von Menschen reserviert, sondern er hat ihn der gesamten Menschheit angeboten: Wer an Jesus Christus glaubt, wer in ihm den Sohn Gottes erkennt und wer ihn annimmt, ist gerettet. Damit wäre eigentlich alles gesagt.
Das Christentum beruht also auf der Menschwerdung Gottes. Man nennt zwar gerne das Christentum in einem Atemzug mit den „anderen Offenbarungsreligionen“, aber man müßte, wie wir gesehen haben, präzisieren, daß die Christen nicht an irgend eine Botschaft glauben, sondern sie glauben an Jesus Christus, den Mensch gewordenen Gott. Und ebenso könnte man zwar in einem gewissen Sinne sagen, das Christentum sei aus dem Judentum hervorgegangen, doch ist diese Aussage sehr mißverständlich. Zwar ist der Gottessohn dem Fleische nach aus Maria von Nazareth und somit seiner menschlichen Natur nach aus dem jüdischen Volk hervorgegangen, und ist er der den Juden verheißene und von ihnen erwartete Messias. Doch wäre es eine völlige Verkennung des Christentums, würde man sagen, das Christentum sei als Religion aus dem Judentum hervorgewachsen – es ist keine jüdische Sekte oder Glaubensrichtung, sondern das Christentum ist die Religion derer, die Jesus Christus als den menschgewordenen Logos erkannt haben, und die ihm nachfolgen.
Die Zeugnisse der Schrift sind überwältigend. Nicht nur daß an über 50 Stellen des Neuen Testamentes Jesus Christus sich eindeutig und unmißverständlich und im vollsten und höchsten Sinne als der Sohn Gottes von Ewigkeit an zu erkennen gegeben hat, sondern alles, was er gesagt und getan hat, sämtliche Einrichtungen und Glaubenssätze der Kirche, ja das ganze nachfolgende Christentum ist darauf gebaut und nur von daher zu verstehen.
An welchen Gott glauben die Philosophen?
Jesus Christus hat sich den Juden unmißverständlich als Gott zu erkennen gegeben, als er von sich sagte: „Ehe Abraham war, bin ich“ (Johannes 8,58). Schließlich wurde er gerade wegen dieses eindeutigen und unmißverständlichen Zeugnisses seiner Gottheit vom Sanhedrin zum Tode verurteilt und gekreuzigt. Er hat damit den dem Moses im Dornbusch geoffenbarten Namens Gottes auf sich bezogen: „Ich bin der ich bin“ (2 Mose 3,14).
Die Christen und die christlichen Philosophen haben dies genau so verstanden: Der absolute Seinsgrund, der sich Moses als der einzige und allein wahre Gott zu erkennen gegeben hat, genau dieser ist es, der sich in Jesus Christus als der Dreifaltige Gott geoffenbart hat. Er ist nicht irgend eine durch menschliche Vorstellung oder politisches Kalkül absolut gesetzte und zum einzigen Gott erhobene Stammesgottheit, sondern Er ist der einzig wahre Gott, das absolut notwendige und einzigartige Prinzip aller Wirklichkeit. Weil die endlichen Dinge sich nicht selbst begründen können, muß es einen absoluten Seinsgrund geben, an dem alles, was ist, teilhat. Dieser und keine anderer ist der von Jesus Christus geoffenbarte Dreifaltige Gott. Das Johannes-Evangelium sagt es überdeutlich: „Wer mich sieht, sieht auch den Vater...“ (Joh. 14,9).
Schon die Kirchenväter haben damit die Quintessenz der antiken Philosophie, aber auch der philosophischen Kritik an den antiken Göttern aufgenommen, als sie im Dreifaltigen Gott den einzigen, notwendigen, absoluten Seinsgrund erkannten, um den die Philosophen und die Frommen aller Religionen sich sehnend bemühten, und den sie doch nicht erreichen konnten. Erst die atheistische Philosophie der Moderne hat im Verein mit der aufklärerischen Exegese wissenschaftsgläubiger Theologen des 19. Jahrhunderts diese Einheit von Philosophie und Offenbarungsglauben aufgebrochen. Wir stehen heute vor den Trümmern einer Philosophie, die dem gesunden Menschenverstand widerspricht, und einer (modernistischen) Theologie, die nicht mehr die Kraft hat, den Glauben an Christus auch philosophisch zu begründen und festzuhalten.
An welchen Gott glauben die Moslems?
Das Wort „Islam“ bedeutet „Unterwerfung“. Man kann das Wesen des Verhältnisses, das der Moslem zu seinem Gott hat, nicht präziser beschreiben, als mit genau diesem Wort: Unterwerfung, bedingungslose Unterwerfung unter die Willkür Allahs. Der Islam, so erklären uns die Religionsforscher, ist hervorgegangen aus einer seltsamen Mischung von alttestamentarisch-jüdischen und diversen christlichen Häresien (insbesondere des Nestorianismus), die zu Mohammeds Zeiten auf der arabischen Halbinsel anzutreffen waren. Daraus ergibt sich auch seine unerschütterliche Feindschaft gegen das Judentum und das Christentum. Die Doktrinen „Tawhid“ und „Shirk“ zeigen uns den anti-christlichen Charakter des Islam besonders deutlich. Das Wort „Tawhid“ bezieht sich auf den Glauben an die absolute Eingottheit. Für viele Muslime stellt der Glaube an die Trinität, genauer gesagt das Bekenntnis, daß Jesus Christus der eingeborene Sohn Gottes ist, eine der schlimmsten „Sünden“ dar, die es überhaupt gibt, ja das abscheulichste aller Verbrechen!
„Wahrlich, ungläubig sind diejenigen, die sagen: 'Allah ist der Messias, der Sohn der Maria.' Sure 5:17. Um die Lehre vom Tawhid zu verstehen, muss man wissen, daß es sich dabei um das absolut höchste Gebot im Islam handelt: Wie Tawhid das höchste Glaubensgebot ist, so ist Shirk die größte Sünde. Shirk bezeichnet nämlich Götzentum. Es gibt in Amerika eine weit verbreitete „Einladung zum Islam“, die uns zeigt, wie streng die Muslime „Shirk“ beurteilen. Dort heißt es: „Mord, Vergewaltigung, Kindesmissbrauch und Völkermord. Diese sind nur Beispiele der furchtbaren Verbrechen, die heute auf der Welt vorkommen. Gewöhnlich denken viele, dass es die schlimmsten Vergehen sind, die jemand begehen kann. Aber es gibt etwas, das noch schwerer wiegt, als all diese Verbrechen zusammen, nämlich Shirk“.
Dessen ungeachtet hat das 2. Vatikanische Konzil in Nostra Aetate den islamischen Allah als identisch mit dem dreieinigen Gott der Christen erklärt:
„Mit Hochachtung betrachtet die Kirche auch die Muslim, die den alleinigen Gott anbeten, den lebendigen und in sich seienden, barmherzigen und allmächtigen, den Schöpfer Himmels und der Erde, der zu den Menschen gesprochen hat. Sie mühen sich, auch seinen verborgenen Ratschlüssen sich mit ganzer Seele zu unterwerfen, so wie Abraham sich Gott unterworfen hat, auf den der islamische Glaube sich gerne beruft. Jesus, den sie allerdings nicht als Gott anerkennen, verehren sie doch als Propheten, und sie ehren seine jungfräuliche Mutter Maria, die sie bisweilen auch in Frömmigkeit anrufen. Überdies erwarten sie den Tag des Gerichtes, an dem Gott alle Menschen auferweckt und ihnen vergilt. Deshalb legen sie Wert auf sittliche Lebenshaltung und verehren Gott besonders durch Gebet, Almosen und Fasten.“
Die Unterwürfigkeit – etwas, wofür die Moslems sicher keine Hochachtung verspüren – mit der P. Johannes-Paul II nicht nur immer wieder den Islam gelobt, ja sogar im Jahre 1999 eine Pracht-Ausgabe des Koran geküßt hat, beruht auf einer völligen Verkennung des wahren Wesens des Islam. Der Islam-Experte Hans-Peter Raddatz sagt deshalb: „Wer eine knapp 2000-jährige Gottesidee und die daraus mühsam entwickelte Vorstellung der Menschenrechte auf den Müll der (Heils-) Geschichte wirft, ist weit offen für die Vereinnahmung durch manipulative Konzepte welche geeignet sind die 'Tradition' europäischer Gewaltsysteme fortzusetzen“. ... „Solange das neue Glaubensdiktat vom gemeinsamen Gott gilt, kann sich die Konvergenz der beiden Glaubensformen fortsetzen, wobei es sich allerdings um eine Einbahnstrasse handelt. Die Konvergenz vollzieht sich unter massiven Veränderungen der Kirche bei gleichbleibendem Islam. Es sind Kirchen, in denen Korane ausgelegt werden, und nicht Moscheen, in denen Bibeln liegen. Es sind Christen, die den Bau von Moscheen in Europa fördern, und nicht Muslime, die den Kirchenbau im Orient unterstützen. Es sind 'Christen', die in europäischen Moscheen 'beten' und Muslime, die in ihren Ländern Christen töten.“ (Hans-Peter Raddatz: „Von Allah zum Terror?“, S. 241 und S. 239.)
Die Deutsche Bischofskonferenz hat die blauäugigen Konzilsaussagen in ihrer Arbeitshilfe: „Christen und Muslime in Deutschland“ im Jahre 2003 noch übertroffen; sie sagt: „Christentum und Islam stellen zwei verschiedene Zugänge zu dem selben Gott dar“.
Wenn das so gemeint ist, wie es gesagt ist, stellt sich die Frage: Wer ist dieser „selbe“ Gott, zu dem die Christen wie die Moslems nach Ansicht der Deutschen Bischöfe beten? Der Dreifaltige Gott jedenfalls kann es nicht sein – die Worte und die Handlungen der Moslems beweisen dies nur zu deutlich. Beten die Christen (oder die Deutschen Bischöfe?) also zu Allah? Wenn nicht, dann bleibt als Möglichkeit nur ein drittes: Sie verehren ein dahinter stehendes (ein philosophisches?) Prinzip. Aber welches?
An welchen Gott glauben wir?
Es haben sich in der abendländischen Geschichte in den letzten 3 Jahrhunderten verschiedene politische Revolutionen ereignet, aber es hat hinter all diesen Revolutionen eine stille geistesgeschichtliche Revolution gegeben, in der die Grundlagen des Christentums, der christlichen Philosophie wie der christlichen Kultur gegen neue, dem Christentum feindliche Prinzipien ausgetauscht wurden.
Diese Apostasie hat schon im frühen 14. Jahrhundert begonnen, als die Philosophen anfingen, an der Gültigkeit der universellen Prinzipien des Seins und der Wahrheit zu zweifeln. Sowohl der aufkommende Humanismus, wie die daraus hervorgehende Gegenbewegung, die Reformation Luthers, haben aus dieser Verletzung der Wahrheit den modernen Subjektivismus und Anthropozentrismus geboren. Daraus kamen die Aufklärungsphilosophie, der Deutsche Idealismus, und daraus der Marxismus und der Darwinismus hervor, welche im Osten den Dialektischen Materialismus und im Westen die materialistische Dialektik in Form des heutigen Wissenschafts- und Fortschrittsglaubens gebaren. Diese geistesgeschichtliche Revolution war die eigentliche Tragödie des Abendlandes, und sie hat wie Fieberkrisen die verschiedenen Revolutionen, nicht nur in Frankreich und in Rußland, hervorgebracht, und damit gesellschaftliche Gegensätze, die sich in den katastrophalen Kriegen des 20. Jahrhunderts entladen haben.
Wir stehen heute mitten in der Kulturrevolution der sogenannten Post-Moderne; diese ist gerade im Begriff, die Prinzipien der christlichen Kultur und vor allem den Wahrheitsbezug nicht nur der Philosophie, sondern den aller Menschen mittels einer nie dagewesenen Zerrüttung der seelischen Grundlagen des Geisteslebens mit äußerster Brutalität und Konsequenz zu zerstören.
Die sogenannte „post-moderne“ Denkhaltung, für die nur die eine Wahrheit zählt, daß es nämlich keine Wahrheit gibt, reißt ganz folgerichtig das Naturrecht, die Schöpfungsordnung, die Wahrheit als solche zu Boden; sie „de-konstruiert“ alles Schöne, Wahre und Gute, aber auch das Heilige, ja vor allem das Heiligste, um es als Bruchstücke einer vom Menschen selbstherrlich konstruierten neuen Realität zu verwenden. Die Spaltung des Atomkerns und die Spaltung des Zellkerns, welche nach den Worten des Biologen Erwin Chargaff, Mitentdecker der DNA-Struktur, die Sündenfälle der Naturwissenschaften sind, sind von dieser geistesgeschichtlichen Revolution her erst als das verständlich, was sie sind: Ausdruck des prometheischen Aufstandes gegen Gott und seine Schöpfungsordnung.
Es wäre fatal, zu meinen, dieser Geist der (Post-) Moderne hätte vor der Kirche und der Theologie haltgemacht; seit Jahrhunderten hat er die ganze Welt durchfurcht, er hat wie ein negativer Sauerteig mit seiner Fäulnis die Kultur, ja vor allem die gesamte Denkweise des Abendlandes durchdrungen. Nein, wir täuschen uns nicht: Dieser post-moderne Geist ist nichts anderes als jener Geist, den die Kirche seit über 100 Jahren als „Modernismus“ verurteilt hat. Das moderne Denken wurde auf dem 2. Vatikanischen Konzil nicht erfunden, und es ist dort auch nicht zum ersten Mal in die Kirche eingedrungen; es ist dort nach Jahrhunderte langem Ringen zum obersten Gesetz erhoben worden – eine Ratifizierung markiert nicht den Anfang, sondern den Endpunkt einer historischen Entwicklung.
Diese neue, die modernistische Denkhaltung hat sämtliche Prinzipien des Glaubens zur Disposition gestellt; sie definiert den Glauben nicht mehr als ein „festes Für-wahr-Halten der von Gott geoffenbarten Wahrheit“, sondern als ein diffuses Gefühl, das in der menschlichen Seele aufsteigt, und das den Menschen nach einem letztlich unbestimmbaren „transzendentalen (Seins-) Horizont“ ausgreifen läßt, den er doch nie erreicht. Die Modernisten meinen nun, die Christen würden aufgrund der ihnen nun einmal zugefallenen Position in der Evolutionsgeschichte des menschlichen Geistes und d.h. aufgrund bloß geschichtlicher Umstände diesen „absoluten Seinshorizont“ eben den „Dreifaltigen Gott“ nennen, während die Buddhisten ihn das „Nirvana“, und die Moslems „Allah“ nennen. So ähnlich, wie der „Otto Normalverbraucher“ der Versicherungsstatistik zwar in den Gehirnen der Mathematiker „existiert“, aber doch nicht in der Realität, so ist auch dieser „transzendentale Seinshorizont“ nichts anderes als ein philosophisches Artefakt. Dieses Phantom vereinigt in sich das Ja und das Nein, das Sein und das Nichts, aber es ist ganz sicher nicht Gott. Es ist ganz sicher nicht jener allmächtige und liebende Gott, der uns durch sein Kreuzesopfer erlöst hat.
Die post-moderene Philosophie, die auf der Feindschaft zur ewigen, unwandelbaren Wahrheit gegründet ist, läßt es nun nicht mehr zu, diesen Trugschluß zu durchschauen. Die modernistische Theologie hat die Prinzipien der modernen Philosophie übernommen, so daß es auch für sie keine an sich bestehende, objektive, und vom Menschen grundsätzlich erkennbare Wahrheit mehr gibt – schon gar nicht, wenn es um Übernatürliches geht. Die modernistische Theologie ist zwar so „demütig“, zu sagen, daß der Mensch Gott nicht fassen kann (was richtig ist), aber sie ist auch so hochmütig, daß sie meint, ein philosophisches Konstrukt über den sich in seiner Menschwerdung als der Dreifaltige Gott offenbarenden Gott setzen zu dürfen. Deshalb verkommt das Dogma in der modernistischen Theologie zum Spielball der Moden und Launen des Zeitgeistes; und das Lehramt, das doch den wahren und unverfälschten Glauben zu wahren hätte, verfällt dem Subjektivismus, um zur willigen Gespielin politischer Gewalten zu werden.
Ist es in diesem Konzept immer noch jener Jesus Christus, den wir verehren, jener Mensch gewordene Gott an dem wir Christen seit 2.000 Jahren glauben? Ist es jener selbe Christus, der von sich gesagt hat: „Wer den Sohn nicht hat, der hat auch den Vater nicht“(1.Johannes 2:23,24)? Machen wir also die Gegenprobe!
An welchen Christus glauben die Rahner-Jünger?
Es steht den Theologen keineswegs frei, diese oder jene Philosophie zu benützen, um darauf aufbauend die Glaubenswahrheiten auszusprechen; man kann, auch als Laie, keineswegs frei auswählen zwischen irgend einer modernen Philosophie und der klassischen Philosophie, denn diese sind nicht mehr oder weniger geeignete Instrumente zur Erfassung der Wahrheit, sondern die (post-) moderne Philosophie definiert sich gerade durch den Ausschluß einer allgemeingültigen und prinzipiell durch den Menschen erkennbaren Wahrheit. Speziell die dialektische Philosophie hat den Bezug zur Wahrheit systematisch ausgeschlossen. Sie ist eine Ideologie, aber kein Weg zur Wahrheit.
Ganz besonders aber in die Irre geht man, wenn man meint, das Geheimnis der Menschwerdung Gottes mit den Mitteln der Dialektik ausdrücken zu können. Die Kirche lehrt, daß in der Person Christi die göttliche und die menschliche Natur hypostatisch vereinigt sind, so daß Christus in seiner Person zwei Naturen (die menschliche und die göttliche) vereint. ("Die göttliche und die menschliche Natur sind in Christus hypostatisch, d.i. in der Einheit der Person, miteinander verbunden" (L. Ott, Grundriß der katholischen Dogmatik, Freiburg 1981- 10, 174) Die modernistische Theologie hat sämtliche Glaubenswahrheiten ins Rutschen gebracht; wo diese nicht verbal geleugnet wurden, wurden sie zumindest umgedeutet. Tatsächlich gibt es nur zwei Dinge, an denen Karl Rahner so unbeirrbar festhält, wie die Theologen vor ihm an den Glaubenswahrheiten festgehalten haben: Die Befunde der modernen Exegese (und zwar auf dem Forschungsstand etwa des Jahres 1940. Vgl. Die Grundlagen der sogen. „Befunde“ der „modernen“ Exegese sind wissenschaftlich längst überholt, auch wenn das viele Theologen immer noch nicht wahrhaben wollen. Dazu: Marius Reiser: Bibelkritik und Auslegung der Heiligen Schrift. Vor allem aber: Helmut Pflüger: Wölfe im Schafspelz. Aufgrund archäologischer Funde kommt zu ähnlichen Ergebnissen: Michael Hesemann: Jesus von Nazareth.) und die Evolutionstheorie (Forschungsstand von etwa 1955, dem Todesjahr von Teilhard de Chardin. Vgl. Albert Drexel: Ein neuer Prophet? Teilhard de Chardin. Analyse einer Ideologie. Aschaffenburg 1971-2.).
Nur in Kombination dieser Prämissen und unter Zuhilfenahme der Philosophie Hegels, näherhin der jugend-schwärmerischen Phantastereien, die dieser als 25-Jähriger in seinen Jugendschriften niedergelegt hat, war es Rahner möglich, den christlichen Glauben von der Menschwerdung Gottes in das vor 50 Jahren noch moderne Konzept einer evolutiven Weltanschauung einzupassen. Rahner versucht zwar beständig, das eigentlich Christliche in diesem neuen Grundkonzept zu wahren, doch gelingt ihm das nicht. Es kann nicht gelingen, weil sich das Konzept einer evolutiven Weltanschauung zum christlichen Dogma, speziell zur Lehre von der Menschwerdung Gottes, so verhält, wie die materialistische Biologie des 19. und frühen 20. Jahrhunderts sich zum Leben verhält: Die Biologie endet da, wo das Leben beginnt, und das Leben endet da, wo die Biologie beginnt. (Dazu Max Thürkauf: „... aber Leben kann mit ausschließlich physikalisch-chemischen Prozessen nicht hervorgebracht werden, es läßt sich mit ihnen lediglich beeinflussen und – zerstören.” In: Max Thürkauf: Die Medizin und der Erkenntnisbereich der modernen Naturwissenschaft, in: Wissenschaft schützt vor Torheit nicht. Zürich, 1989 - 4, S. 44, f.)
In der Dialektik Hegels wird das Sein Gottes, des Absoluten, nicht als eine in sich, d.h. in der Wesenheit Gottes subsistierende Wirklichkeit verstanden, sondern Gott und Welt werden „dialektisch“ in Eins gesetzt – genau das ist der Sinn des berühmten Hegel'schen Begriffes des Absoluten als der „Identität der Identität und der Nichtidentität“ (G.F.W. Hegel: Differenz des Fichteschen und Schellingschen Systems, S. 96). Genau diese Identität kann es freilich für eine Philosophie, die am Nicht-Widerspruchsprinzip festhält, nicht geben, denn der erste und größte aller Unterschiede ist der zwischen dem Absoluten und dem Geschöpf. So aber verkehrt sich das Verhältnis von Gott und Welt im Sinne eines Pan-(en-)theismus, wodurch die Substantialität der Dinge aufgehoben wird, und genau so gut die Natur oder die Materie an die Stelle des Schöpfergottes treten kann.
Der hl. Thomas weist mit aller Ausdrücklichkeit den Pantheismus mit dem Argument zurück, Zeit (Welt) und Ewigkeit (Gott) dürften nicht so betrachtet werden, als sei nur die Zeit ein Teil der Ewigkeit, sondern die Seinsweise des Zeitlichen besteht durch Teilhabe (participatio) am Sein des Ewigkeit Gottes (vgl. dazu: Garrigou-Lagrange: De Deo Uno: S. 229. Sehr instruktiv zum Thema sind auch das IV. Buch der Summe gegen die Heiden von Thomas von Aquin, wo der hl. Thomas den Moslems erklärt, was unter der Menschwerdung Gottes zu verstehen ist. Schade nur, daß die Moslems den hl. Thomas genau so wenig lesen, wie die heutigen christlichen Theologen!). Die Dialektik hat nun die Teil-habe (des endlichen Seienden am Sein Gottes) verworfen, um das Verhältnis Gott/Welt bzw. Ewigkeit/Zeit und absolutes Sein/endliches Seiendes als ein Teil-sein zu bestimmen, so als wäre die Welt ein Teil Gottes.
Es ist also ein unendlich großer Unterschied, ob man im Sinne der Lehre der Teilhabe vom „Sein“ als dem absoluten Seinsgrund aller Wirklichkeit spricht, oder ob man dies als Dialektiker tut.
Der Trugschluß beruht nun darauf, daß man unter der Voraussetzung der Dialektik mit Hegel und Rahner das so verstandene absolute Sein „Gott“ nennen wird, um in panentheistischer Weise das Sein der Welt und das Sein Gottes mit einander zu vermischen bzw. zu vermengen.
Auf genau dieser „Identität der Identität und der Nichtidentität“ beruht der Glaube an die Möglichkeit einer universellen Evolution, wie sie Teilhard de Chardin vertritt: Weil in dieser Dialektik das Sein des Absoluten, und d.h. das Sein Gottes, nicht als eine in sich subsistierende Wirklichkeit verstanden wird, hat das endliche Seiende – eben kraft des in ihm angeblich innerlich waltenden absoluten Seins – nicht nur die Möglichkeit, sondern sogar die allgemeine Tendenz und Eigenschaft, beständig „sich selbst überbietend“ sich von einem Wesen ins andere zu verwandeln, genau so, wie der Darwinismus es ja von den biologischen Arten behauptet. Was aber steht, wenn man ernst nimmt, daß es immer schon das Göttliche ist, das im Endlichen waltet, am Ende dieser Entwicklung? Der Übergang der höchstentwickelten Natur, nämlich des Menschen, zu Gott: Die Marxisten glauben das auch, bloß drücken sie ihren Glauben nicht in christlicher, sondern in der Terminologie des Dialektischen Materialismus aus. Das ist der alte, schon in der Antike geglaubte Mythos von der Verwandlung der Gestalten hin zu den Göttern – wie sie in Ovids Metamorphosen so bildreich ausgesprochen sind.
Karl Rahners Polemik gegen den Person-Begriff, wie ihn die katholische Dogmatik verwendet, um die Menschwerdung Gottes zu artikulieren, rührt genau von da her, daß er die Einheit der Gottheit, die das christliche Dogma in der Person Christi festmacht, auf die Natur verschieben möchte. Damit relativiert er aber auch die Bedeutung der persönlichen Entscheidung des einzelnen Menschen gegenüber Gott. Rahner hält zwar verbal noch daran fest, daß der Einzelne durch seine freie Entscheidung die Annahme der Gnade verweigern kann, doch die von ihm vertretene All-Erlösungslehre spricht eine deutlichere Sprache: Wenn nicht mehr die Person, sondern die Natur der Ort der Einheit von Gott und Mensch ist, dann sind tatsächlich alle Menschen erlöst, ganz egal, ob sie das annehmen wollen oder nicht! („Der Gottmensch ist der erste Anfang des endgültigen Gelungenseins, der Bewegung der Selbsttranszendenz der Welt in die absolute Nähe zum Geheimnis Gottes. Diese hypostatische Union darf im ersten Ansatz nicht so sehr als etwas gesehen werden, was Jesus von uns unterscheidet, sondern als etwas, was einmal und nur einmal geschehen muß, wenn die Welt beginnt, in ihre letzte Phase einzutreten“ (Karl Rahner: Grundkurs des Glaubens; Freiburg i. Brsg., 1984, S. 183 – im Folgenden zitiert als GK).
Ebenso ist der Übergang von einer Artnatur (Wesenheit) in die andere, und ganz besonders die Gott-Werdung des Menschen eine Abstrusität ohne gleichen, weil sie die philosophisch absolut unmögliche Auflösung der bestehenden Wesenheiten aussagt – ganz abgesehen davon, daß sie die Grundlage des Christentums aufhebt. Die Einpassung der Menschwerdung in das evolutive Weltkonzept geht aber genau davon aus, auch wenn Rahner beständig und mit großem verbalem Aufwand versucht, uns diese Absurdität als die einzig mögliche Art und Weise zu verkaufen, heute noch von Christus zu sprechen. („Auf der einen Seite soll nicht einfach katechismusartig und in den traditionellen Formulierungen wiederholt werden, was das Christentum verkündigt, sondern es soll diese Botschaft - soweit es in einem solchen Versuch möglich ist neu verstanden und auf einen 'Begriff' gebracht werden“ (GK. S. 5.)
Der 2. Schritt in diesem philosophischen Hütchen-Spiel besteht nun darin, daß der Begriff „Gott“ gleichgesetzt wird mit dem „absoluten Geist“ (der Gott der Christen mit dem absoluten Geist Hegels). So wird der Ausgriff auf den transzendentalen Seinshorizont als Beweis für die dialektische Einheit des Menschen mit dem Sein ausgegeben, und dieses Sein wird als das Absolute ausgegeben, welches wiederum ausgegeben wird als der einzig wahre Gott. So erschwindelt sich der Mensch die Gottheit. Aus „Ihr werdet sein wie Gott“ wird: „ihr werdet eines Wesens sein mit Gott – in Jesus Christus, eurem Bruder“!
Man kann somit nur aus ganzem Herzen Bernhard Lakebrink zustimmen – er ist einer der ganz Wenigen, die sowohl die thomistische Philosophie, wie auch die Dialektik Hegels so gut kennen, daß sie die Tragweite dessen, was hier mit der katholischen Theologie geschehen ist, erfaßt haben.
Er sagt: „Was Rahner aus der traditionellen Lehre unserer Kirche macht, erweist sich als die Aufhebung der Drei-Persönlichkeit Gottes zugunsten der Einheit eines unbestimmten sogenannten 'heiligen Geheimnisses', als dessen heilsgeschichtliche Erscheinungsformen es eben bei uns ankommt und Wohnung nimmt.“ (B. Lakebrink: Rahners idealistisches Zerrbild vom Dreifaltigen Gott; in D. Berger (Hrsg.): Karl Rahner – Kritische Annäherungen; Siegburg, 2004, S. 211.)
Und bezogen auf die zweite Person Gottes urteilt Lakebrink über die Rahner'sche Theologie: „Und Jesus Christus? Was bleibt auf dieser anthropozentrischen Spielwiese von ihm überhaupt noch übrig? ... Von einer zweiten Person, der die menschliche Natur angenommen hat, von so etwas ist bei Rahner nicht mehr die Rede. Von diesem obsoleten Dogma unserer Kirche, wonach Jesus Christus der eingeborene Sohn des Vaters ist, geboren aus der Jungfrau Maria, ist hier nicht mehr die Rede, zumal sie von dem Priester Rahner mit der ätzenden Bemerkung abgetan wird: 'Man muß diesen traditionellen Aussagen der Dogmatik jenen mythologischen Eindruck nehmen, Gott habe in der Livree einer menschlichen Natur, die ihm nur äußerlich anhaftet, auf Erden nach dem Rechten gesehen, weil es vom Himmel aus nicht mehr ging.' (GK, S. 217). Diese Blasphemie des Jesuiten Rahner ist unerträglich.“ (Ebd., S. 216, f.)
Ist es also wirklich ein „Chris-lam“ (also eine Mischung aus Christentum und Islam), wie der Koran-Experte Raddatz meint, der vor der Tür steht? Würde Raddatz die Bibel so gut kennen wie den Koran, hätte er sehr schnell herausgefunden, daß etwas anderes bevorsteht, etwas, vor dem uns der Herr mit Nachdruck gewarnt hat: „ “Wird jedoch der Menschensohn, wenn er wiederkommt, auf der Erde noch Glauben finden?“ (Luk 18,8). Diese Worte sind nicht an Atheisten oder an Heiden gerichtet, sondern an die Christen; diese müssen gewarnt sein, denn gerade sie werden am Ende der Zeiten in der Gefahr stehen, Christus zu verleugnen und sich einen neuen Glauben, einen selbst gemachten Götzen, zu basteln, den sie über den geoffenbarten Gott stellen.



