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Das hat Schott nicht verdient! (summorum-pontificum.de)

6. September 2018

Der „Schott“ hat heute – ebenso wie die Abtei Beuron – nur noch einen Schatten der Bedeutung, die beide vor hundert Jahren hatten. Dennoch hielt es die offiziöse Website der deutschen Bischöfe für angebracht, des 175. Geburtstag von Namensgeber Anselm Schott zu gedenken:
Leise murmelt der Priester die Liturgie. Lateinisch, mit dem Rücken zur Gemeinde liest er die heilige Messe. Das Kirchenvolk lebt in seiner eigenen Andacht, betet den Rosenkranz. Allein das Schellengeläut konzentriert die Aufmerksamkeit der Gemeinde auf das Mysterium der Wandlung: die heilige Messe nach tridentinischem Ritus. Das ist die liturgische Praxis, in die Friedrich August Schott am 5. September 1843 im württembergischen Staufeneck geboren wurde.
Ach ja – Dummheit stirbt nicht aus. Was lesen wir da sonst noch:
Aus den durch den preussischen Kulturkampf aus ihrem Kloster vertriebenen Beuroner Benediktinern „werden Migranten“ - wie passend. Und im übrigen ebnete Anselm Schott mit seinem deutschen Missale den „Weg zur Liturgiereform“, auch wenn der1886 gestorbene „den Riesenerfolg seines Andachtsbuches (sic!) zum Gebrauche der Laien bei der heiligen Messe nicht mehr lange erleben“ konnte. Denn:
1903 stellte sich Papst Pius X. mit seinem zündenden Leitwort von der "tätigen Teilnahme" an die Spitze der liturgischen Erneuerung. "Der Schott" wurde eine Verständnisbrücke auf dem Weg zur Gemeinschaftsmesse nach der Liturgiereform des Konzils.

Daran ist mehr falsch, als hier in einem Beitrag korrigiert werden kann – nur kurz etwas zur behaupteten Brückenfunktion des Schott zur Liturgiereform.
Der Schott steht ebenso wie das Werk der meisten Träger der „liturgischen Bewegung“ bis in die 50er Jahre in vollständigem Gegensatz zur „Gemeinschaftsmesse“, die von der Bugnini-Kommission nach dem Konzil und in vielfältigen Abweichungen von dessen Vorgaben am Reißbrett konstruiert worden ist. Das große Ziel der echten „liturgischen Bewegung“ bestand darin, die Gläubigen durch Katechese und praktische Verständnishilfen dazu zu befähigen, die hl. Messe so, wie sie historisch geworden war und sich langsam entwickelte, mit Andacht mitfeiern zu können. Sie wollten keine großen Veränderungen der Messe, sondern eine Veränderung auf Seiten der Gläubigen.

Die Reformatoren seit den 50er Jahren sahen das gerade umgekehrt: Sie wollten die Heilige Messe so verändern, daß sie dem „Verständnis der Menschen von heute“ mehr entgegen kommt. Ob und in welcher Weise eine solche Veränderung als echte „Reform“ möglich ist, bleibt eine diskussionswürdige Frage. Daß die Konstrukteure des Novus Ordo bei diesem Vorhaben jämmerlich gescheitert sind, weil aus der „Reform“ eine „Deform“ geworden ist, kann nach 50 Jahren praktischer Erfahrung mit den Ergebnissen nicht mehr bestritten werden.

P. Anselm Schott OSB aus Staufeneck mit dieser Deformation in irgendeiner Weise in Verbindung zu bringen, ist Teil des Verblendungsgefüges, das nicht nur den Autor des Artikels auf katholisch.de daran hindert, die Realität in der Kirche des Jahres 2018 wahrzunehmen.