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Vermehrung von Fisch auf das Gebet der ehrw. Klara Isabella Gherzi

Die Ehrwürdige, am 23. 10. 1742 in Pontedecimo bei Genua geboren, trat 1758 bei den Klarissen in Gubbio (Abruzzen) ein und wurde mit 36 Jahren zur Äbtissin gewählt und dann immer wiedergewählt, obwohl sie seit 1782 unter großen Schmerzen bettlägerig war. Sie leitete das Kloster mit Hilfe ihrer Vikarin. Zu den höchsten mystischen Gnaden erhoben, starb Klara Isabella am 27. Oktober 1800.

Ihre reiche charismatische Begabung (besonders Voraussagungen) ist in dem Summarium super virtutibus, Romae 1881, p. 482–553, sehr gut belegt. Die folgenden Texte sind den Aussagen der Seiten 531–551 entnommen.


Zeuge IV, Mutter Klara Angelika Gherzi, leibliche Schwester der ehrwürdigen Dienerin Gottes, Äbtissin im Kloster der Allerheiligsten Dreifaltigkeit in Gubbio, 62 Jahre alt, erklärte zu Fragepunkt 24: Ungefähr drei Jahre vor ihrem Übergang zum Himmel kaufte ich selbst für das Vigilfasten zum Fest des hl. Laurentius am Tage vorher an der Klosterpforte von einem Landmann genau dreieinhalb Pfund Flußfische. Ich zahlte entweder einen halben Paoli oder sechs Bajocchi für das Pfund. Ich ließ sie in die Grotte bringen, sie sollten am nächsten Tag gekocht werden, und zwar nur für die Gäste. Am Morgen des Vigiltages ging Schwester Paula Fanucci, die jetzige Vikarin, damals Köchin, zu der Dienerin Gottes und sagte ihr in meiner Gegenwart, zu Mittag könne kein Gericht vorgesetzt werden und in der Speisekammer fände sich nichts mehr. Die Dienerin Gottes antwortete: „Sind da nicht die Fische, welche Angelika gekauft hat?“ Darauf antwortete ich ihr, daß die nur für die Gäste ausreichten. Sie befahl, daß man sie hole, und sie wurden in einer Schüssel mit Wasser gebracht. Sie legte eine Hand in die Schüssel und rührte in ihr herum und sagte dann, zu der Köchin gewandt, sie solle die Fische kochen in zwei großen Töpfen, in denen man das Essen für die Kommunität zu kochen pflegt. Diese Anordnung schien mir eine Verrücktheit zu sein; die sehr gehorsame Köchin jedoch ging in die Küche und führte getreu aus, was ihr die Dienerin Gottes befohlen hatte . . . Die gewohnten Portionen für die Schwestern und die Zöglinge, im ganzen etwa 40 Personen, wurden eingeteilt . . . Nach dem Essen eilte die genannte Köchin, wie mir diese vielmals erzählte, obwohl ich selbst auch dabei war, zu der Dienerin Gottes und sagte: ‚Mutter, Ihr habt das Wunder gewirkt, der Fisch hat für alle gereicht.‘ ‚Nein‘, erwiderte diese, ‚nicht ich habe das gemacht, sondern Euer Gehorsam.‘ Dies also möchte ich sagen, das war ein Wunder. Aber soll man es glauben? Wir waren so gewöhnt an solche Dinge, daß man nicht sonderlich darauf achtete, und auch dieses Wunder wäre draußen nicht bekanntgeworden, wenn das Fräulein Angelina Fabiani, unser Zögling, heute unsere Mitschwester, es nicht seiner Frau Mutter erzählt hätte. – –

Zeuge V, Mutter Paula Maria Fanucci, Profeßschwester im Kloster der Allerheiligsten Dreifaltigkeit von Gubbio, 71 Jahre alt, antwortete auf die Frage, ob die Dienerin Gottes zu ihren Lebzeiten ein Wunder gewirkt habe: Ich antworte mit einem klaren Ja, und ich bin bereit, auf der Stelle ein großes zu berichten, das unter meinen Händen geschehen ist. Bevor einige Vigilfasttage vor Heiligenfesten im Kirchenjahr abgeschafft wurden – kurze Zeit vor der Einführung der Republik –, begab ich mich am Vigiltage des hl. Laurentius um den halben Vormittag an das Bett der Dienerin Gottes, um ihr zu sagen, daß es unmöglich gewesen sei, in den Läden oder sonstwo gesalzene oder andere Fische zu bekommen, um sie den Schwestern zum Mittag zu geben, und ich wisse nicht, was da zu tun sei. Ich war damals Köchin, und zu meiner Aufgabe gehörte es, für den Tisch der Nonnen zu sorgen. Die Dienerin Gottes war eine kurze Zeit still, wie wenn sie mit sich zu Rate ginge, dann antwortete sie: „Sind da nicht noch die Fische, die gestern gekauft wurden?“ Schwester Klara Angelika, die zugegen war und tags zuvor selbst die Fische gekauft hatte, antwortete: Diese da könnten unmöglich für die Kommunität langen, da es nur ein paar seien, und sie seien nur den Gästen zugedacht. Tatsächlich waren es so wenige, daß ihr Gewicht nur dreieinhalb Pfund betrug, wie ich von derselben Schwester Klara Angelika gehört hatte, und wenn sie fertig gemacht waren, mußten sie noch weniger wiegen. Die Schwester sagte mir, daß es Flußfische seien, und dafür habe ich sie auch angesehen. Die Dienerin Gottes hörte nicht auf die Schwierigkeiten, welche die Schwester machte, und, indem sie versicherte, sie würden für alle ausreichen, schickte sie mich, sie aus der Grotte zu holen, in der sie aufbewahrt wurden. Ich merkte, daß Schwester Klara Angelika diese Anweisung der Dienerin Gottes für verrückt hielt, und sie zeigte sich verärgert. Ich jedoch, um es offen zu sagen, durch die Erfahrung belehrt, daß etwas, wenn sie gesagt hatte, es würde ausreichen, tatsächlich ausreichte, und mochte es noch so wenig sein, dachte an nichts anderes, als zu gehorchen, und ich sagte mir, ohne im geringsten daran zu zweifeln: „Dieses Mal wird man wirklich etwas Großes sehen.“

Ich brachte also in einer Schüssel mit Wasser die besagten Fische, die darin lagen, und ich sah und stellte fest, daß es genau dreieinhalb Pfund sein konnten, wie Schwester Klara Angelika gesagt hatte, und ich hielt sie der Dienerin Gottes hin. Die legte ihre rechte Hand in das Wasser, und indem sie etwas zwischen den Fischen rührte, sagte sie nur: „Es ist genug, genug, nehmt sie und kocht sie.“ Ich beobachtete, daß die Fische, als sie sie berührte, mehr wurden. Sicher ist, daß das Wasser unter meinen Augen weniger wurde und die Fische mehr, doch noch nicht genug, um für die ganze Kommunität zu reichen.

Jedoch wuchs bei diesem Anblick mein Vertrauen immer mehr. Die Dienerin Gottes übergab mir also nach ein paar Augenblicken wieder die Schüssel, und ich eilte fort, um die Fische zu kochen, da es schon spät war. Sie befahl mir noch, sie in zwei großen Töpfen aufs Feuer zu setzen, wie sie für die Mahlzeiten der Kommunität gebraucht werden. Ich ging mit großer Freudigkeit in die Küche und sagte meinen Gefährtinnen, nämlich der Schwester Angelika Margareta Baldassarini, die schon verstorben ist, und Schwester Maria Elisabeth Beni: „Heute gibt es sicher ein Wunder“, und ich ließ mir von der Baldassarini die beiden Töpfe geben, um die Fische da hineinzutun. Diese jedoch fragte mich, sozusagen über mich sich lustig machend: „Genügt nicht ein Topf? Was wollt Ihr denn in den anderen tun?“ Ich antwortete ihr, so wolle es die Mutter haben, und so müsse es geschehen, das Wunder würde sie dann schon sehen. Die Gefährtinnen wollten nicht an das Wunder glauben, das ich voraussagte. Nachdem die Fische in beide Töpfe gelegt und aufs Feuer gestellt waren, habe ich die Küche keinmal verlassen, so daß ich als Augenzeuge bekunden kann, daß niemand noch etwas in die besagten Töpfe getan hat, da ich selbst mit meinen eigenen Händen die Gewürze hinzugegeben habe. Es kam die Zeit des Mittagessens, und zu allererst gab ich der Gastschwester, welche das Essen für den Pater Beichtvater, für den P. Liberatus von Cellono, der für den Gottesdienst in der Kirche hinzugekommen war, und den Laienbruder soviel Fisch, wie sie wollte, und sie nahm reichlich davon. Danach befahl ich unter Staunen und Freude, 48 Portionsteller, wie sonst auch, bereitzustellen, um ebenso viele Portionen von dem Fisch auszuteilen für die 48 Personen, die, wie mir scheint, an diesem Tage kein Fleisch aßen. Wenn es keine 48 waren, wie mir in diesem Augenblick ein Zweifel ankommt, so fehlten aber doch mit Sicherheit nicht mehr als drei oder vier an dieser Zahl. Ich teilte die Portionen ein wie gewöhnlich, versuchte in keiner Weise zu sparen, denn ich wollte das Wunder handgreiflich haben. Tatsächlich griff ich es mit der Hand, indem der Fisch völlig ausreichte für alle Schwestern und Zöglinge und erst ausging, als der letzte Teller versehen war. In den Töpfen war nichts mehr, die Teller wurden also ins Refektor hineingegeben, und ich war außer mir vor Freude. Ich glaube, daß zwei oder drei überzählige Portionen stehengeblieben waren und daß auch ein paar Schwestern nicht davon gegessen haben, so daß ich am folgenden Tage noch fünf oder sechs Zuteilungen anrichten konnte. Um diese zu bekommen, bedrängten mich einige der Schwestern, nicht bloß, wie ich glaube, wegen der guten Qualität und des Geschmackes, den diese Fische, wie mir versichert wurde, gehabt hätten – bessere hätten sie nie gegessen –, als aus Frömmigkeit, weil es sich um Wunderfisch handelte. Eine der Schwestern, die mir am meisten zusetzte, um von dem Übriggebliebenen zu bekommen, war Schwester Amante Maria Amici. Als an dem Vigiltage von Laurentius besagtes Gericht ins Refektor hineingegeben war, wie ich gesagt habe, eilte ich sofort, voller Freude, die Dienerin Gottes aufzusuchen, und rief ihr schon von weitem zu, mir Luft machend: „Mama, das Wunder ist geschehen.“ Sie aber erwiderte mir kein Wort. Als ich an ihr Bett gekommen war und die Vorhänge aufhob und wiederholte, das Wunder sei geschehen, empfing sie mich nicht mit ihrer gewohnten Freude, vielmehr fand ich ihre Augen voll Tränen, und sie antwortete mir mit knappen Worten: „Das Wunder, das habt Ihr gemacht mit Eurem Gehorsam“, und sie schickte mich alsbald fort. Ich glaube, damit ich nur nicht ihr die wunderbare Vermehrung zuschrieb, die ich erzählt habe. Darum ging ich ziemlich beschämt von ihr fort, weil ich sah, daß ihr die Neuigkeit in keiner Weise lieb war, die ich ihr gebracht hatte. Es ist noch zu sagen, daß nach der Suppe weder für die Kommunität noch für die Gäste sonst noch etwas zu essen dagewesen wäre, und infolgedessen konnte man sich keine Sparsamkeit erlauben, da Fasttag war[1]. Wenn also zu diesem Tag Fisch zu kaufen gewesen wäre, so würden sicher 15 Pfund nicht genügt haben. Dieses Ereignis verursachte größte Freude in der ganzen Gemeinschaft, und nach dem Essen war es allgemeiner Gesprächsgegenstand. Die einen priesen den Herrn, andere bewunderten die Tugendkraft seiner Dienerin, wieder andere lobten die Qualität des Fisches, den sie gegessen hatten. Aber mit der Dienerin Gottes selbst konnte man wenig oder nichts über derartiges reden, vielmehr zeigte sie, wie bei mir, daß ihr solche Reden nicht gefielen. An diesem selben Tage kam die Frau Gräfin Theresia Fabiani ins Sprechzimmer, die drei ihrer Töchter hier ins Kloster zur Erziehung gegeben hatte. Und diese erzählten ihr von dem Wunderessen, das sie an diesem Tage gekostet hatten, und die Mutter posaunte es sofort aus, so daß es in wenigen Stunden die ganze Stadt wußte. Als am Abend der Pater Liberatus nach San Girolamo zurückkehrte und er unterwegs den Herrn Grafen Bentivogli traf, zog ihn dieser auf wegen des guten Mittagessens, das er bekommen habe, wie ja besagter Herr Graf sehr zu scherzen geneigt ist. Außer diesem großartigen Wunder habe ich keine genauen Erinnerungen an andere, welche die Dienerin Gottes zu ihren Lebzeiten gewirkt hat. Denn zu Zeiten der Dienerin Gottes geschahen sehr viele Vermehrungen unter meinen Händen. Auf ihr Wort hin reichte jede noch so kleine Menge aus, was heutzutage weder bei mir noch bei anderen der Fall ist. – –

Die nächstfolgende Zeugin, Zeuge VI, Mutter Maria Magdalena Gherzi, leibliche Schwester der Dienerin Gottes, Profeßschwester im Kloster der Allerheiligsten Dreifaltigkeit von Gubbio, 61 Jahre alt, sagte zu Frage 24 aus: Viele Jahre, bevor sie zum Himmel ging, hatte die Kommunität an einem Heiligenvigiltage – um welchen es sich handelt, weiß ich nicht mehr – nichts für das Mittagessen. Schwester Klara Angelika, damals Einkäuferin, hatte eine kleine Menge Flußfische gekauft, die dem Kloster angeboten war, so wenig, daß sie kaum für die Gäste hätte reichen können. Da keine gesalzenen Fische noch anderes da war, wollte die Dienerin Gottes diesen gekauften Fisch sehen, indem sie sagte, er würde für die ganze Kommunität ausreichen. Schwester Paula Maria Fanucci, die Köchin, brachte ihn ihr ans Bett in einer mit Wasser gefüllten Messingschüssel. Ich sah das, denn ich war damals als Hilfe zur Pflege der Dienerin Gottes beigegeben und mir war klar, daß es zu wenig sei, wie ich oben gesagt habe. Als man der Dienerin Gottes die Schüssel hinhielt, steckte sie die Hand hinein, rührte in ihr herum und sagte: „Nun gut, das ist genug, genug.“ Dann befahl sie der genannten Köchin, sie solle die Fische mit Mandelsaft in zwei großen Töpfen kochen. Die Köchin gehorchte und kochte sie in der angegebenen Weise. Als die Zeit zum Essen gekommen war, teilte sie die gewohnten Portionen aus für die Kommunität, die damals, wie mir scheint, gut vierzig Personen zählte, sowie für den Pater Beichtvater, der an diesem Tage außer seinem Begleiter auch den P. Liberatus bei sich hatte. Die Zuteilung, wie sie die Köchin vornahm, war für alle die richtige, wie ich an der Portion sehen konnte, die auch mir gereicht war. Ich aß aber nicht davon, weil ich noch nichts von der wunderbaren Vermehrung wußte. Ich wollte sie stehenlassen für die, die zur zweiten Tischzeit zum Essen kämen, ich dachte nämlich, daß für diese nichts mehr übrig wäre. Ich bat also, zu der Dienerin Gottes zurückgehen zu dürfen, um Schwester Klara Angelika abzulösen, die bei ihr war, und verließ die speisenden Schwestern. Mir scheint, die besagte Köchin befand sich schon nahe bei dem Bett der Dienerin Gottes und erzählte mit Begeisterung die wunderbare Vermehrung, die geschehen war. Die Dienerin Gottes antwortete ihr nur wenige Worte: Das sei die Wirkung ihres Gehorsams gewesen und ihrer Bereitschaft, etwas zu tun, das ihrer Vernunft als widersinnig erschien. Ich erfuhr darauf Genaueres von der Köchin selbst, daß sie die Fische schon in der Schüssel mehr werden sah, als die Dienerin Gottes sie hin und her bewegte, und dann während des Einteilens der Portionen, die sich ohne Zweifel auf mehr als vierzig beliefen. Mir scheint es sicher zu sein, daß auch von diesen Portionen etwas übrigblieb. Alle Nonnen jubelten über dieses Wunder, von dem sie erfuhren, als sie die Wunderspeise gegessen hatten, und von dieser sagten sie immer wieder, wie außerordentlich köstlich dieser Fisch geschmeckt habe, und mir tut es leid, daß ich ihn nicht auch gekostet habe. – –

Zeuge IX, Mutter Maria Elisabeth Beni, Profeßschwester im Kloster der Allerheiligsten Dreifaltigkeit zu Gubbio, 55 Jahre alt, erklärte zu Frage 24: Folgendes ist das Wunder, das unter meinen Augen geschah und durch diese meine Hände gegangen ist. Einige Jahre nach meiner ewigen Profeß war ich in der Küche beschäftigt zusammen mit Schwester Paula Maria Fanucci und Schwester Angela Margareta Baldassarini. An einem Vigiltage fehlte das Essen für die Schwestern. Etwas Flußfisch war angekommen, wenn es auch nicht weniger als drei Pfund war, so war es doch sicher nicht mehr als vier. Schwester Paula, die Küchenchefin, trug diesen wenigen Fisch, der in eine Schüssel mit Wasser gelegt war, zusammen mit mir an das Bett der Dienerin Gottes und sagte zu ihr: „Was gibt man heute den Schwestern? Dieses bißchen Fisch reicht kaum für den Beichtvater und seinen Begleiter.“ Die Dienerin Gottes legte ihre Hände in die Schüssel und, indem sie den wenigen Fisch hin- und herbewegte, begann sie: „Seht, Paula, er wird sehr wohl auch für die Schwestern reichen“, und wie wenn sie die Einteilung mit ihren eigenen Händen machen wollte, nahm sie die größten Fische heraus. „Diese“, sagte sie, „sind für die Gäste, der Rest für die Schwestern.“ Ich lachte mir eins, und Schwester Paula zuckte mit den Schultern, und indem sie den Kopf schüttelte, gab sie zu verstehen, daß sie nicht glaubte, es könne reichen. Als sie aber Befehl erhielt, sie solle außerdem Mandeln zerstampfen und die Fische in die gewöhnlichen Töpfe zum Kochen tun, ging Schwester Paula mit den Schlüsseln in den Händen zusammen mit mir fort in die Küche. Unterwegs hörte ich sie nichts anderes sagen als: „Das muß reichen! . . . möglich! . . . gehorchen wir!“ Tatsache ist, daß, als die Töpfe fertiggemacht waren und die für die Gäste bestimmten Fische in einen Topf gelegt waren, verteilte sie die übrigen auf die anderen Töpfe. Während sie das tat, sagte sie zu mir und den anderen: „Dieser Fisch scheint einem unter den Händen mehr zu werden“, und sie fuhr fort: „Es wird tatsächlich mehr“, und wirklich vermehrte sich der Fisch so sehr, daß alle Töpfe gefüllt waren wie sonst. Es ist zu bemerken, daß man für die Kommunität und die Gäste niemals weniger als 15 Pfund Fisch benötigt, und die Kommunität von damals war ungefähr ebenso stark wie heute, sie zählte nämlich ungefähr 50 Personen. Zur Essenszeit teilten wir Köchinnen die Portionen für eine jede zu, und sie fielen reichlicher aus als gewöhnlich. Nach Tisch ging ich, um die Teller zu holen, und ich fand, daß eine Menge übriggeblieben war, ausreichend, einen Topf für weitere 15 Schwestern zu füllen. Nicht, als ob die Schwestern oder einige von ihnen nicht von dem Fisch gegessen hätten. Ich fand, daß jede von ihrer Portion gegessen hatte und hörte später, daß alle, nicht nur mit der Größe der Zuteilung, sondern auch mit der Qualität des Fisches sehr zufrieden waren und sie ausgezeichnet gefunden hatten. Dies wurde mir auch von dem P. Liberatus von Celleno bestätigt, der als Gast hinzugekommen war und von dem ich selbst es nachher gehört habe. Außer mir vor Staunen, neckte ich Schwester Paula, indem ich sagte: „Ihr erklärtet, es würde nicht reichen, nun seht Ihr, wieviel davon noch übriggeblieben ist!“ Schwester Paula ging dann, um über alles der Dienerin Gottes zu berichten. Diese ermahnte sie, immer auf den Herrn zu vertrauen, der nicht fehlen würde, seinen Dienerinnen in ihren Nöten zu helfen, wie mir Schwester Paula selbst sagte. Die Kunde von diesem Wunder flog durch das Kloster und drang auch nach draußen und erfüllte alle mit Staunen. Man schrieb es den Verdiensten unserer Dienerin Gottes zu. – –

Die lange Aussage des P. Liberatus über das, was er an diesem Tage im Kloster gehört hatte, sowie die von zwei Schwestern, welche das Wunder erlebt hatten, können, weil sie nichts enthalten, was noch nicht gesagt ist, übergangen werden, ebenso aus der folgenden des Klosterbeichtvaters das, was schon mehrfach bezeugt ist. Dieser, P. Franziskus Maria von Diano, Lektor der Theologie bei den Franziskanern von der Reform, 70 Jahre alt, Zeuge III, erklärte: Das Geschehen ereignete sich im Jahre 1797, wenn ich mich nicht sehr irre . . . Es war die Schwester Paula Fanucci, wenn ich mich nicht irre, die es mir damals erzählt hat . . . Die Mutter Äbtissin wußte, daß die Kommunität damals aus 48 Nonnen und Zöglingen bestand . . . Trotzdem sagte sie, wobei sie die Fische mit den Händen berührte, zu Schwester Paula gewandt, mit sichtlicher Freudigkeit: „Habt Glauben! Vertraut auf Gott, und es wird sicher für alle reichen.“ Schwester Paula erwiderte: „Aber das ist doch nicht möglich, sehen Sie nicht, wie wenig das ist?“ Jene faßte nochmals die Fische an und sprach: „Diese beiden größten sind für den Beichtvater und seine Leute, die anderen für die Schwestern.“ „Ich werde gehorchen, aber sie sind so wenig, daß sie nicht ausreichen können, ich werde sie in eine Pfanne tun . . .“ „Nein, tut sie in zwei, Ihr werdet sehen, daß es reicht.“ Schwester Paula zuckte mit den Schultern, ging in die Küche . . . und kochte den Fisch in zwei Töpfen. Als sie dann nacheinander die Fische herausnahm, um die Portionen einzuteilen, schien es ihr, daß sie größer würden und sich mehrten, so daß sie für alle reichten. Und nach Tisch konnte sie sogar sehen, was auch die anderen Schwestern sahen, daß mehr als eine ihren Teil nicht einmal aufgegessen hatte. Sicher mehr als anderthalb Pfund waren für uns drei aufgetischt worden, Beichtvater, Begleiter und den hinzugekommenen Gast. Ich fürchte also nicht zu kühn zu sein, wenn ich erkläre, daß derselbe Jesus Christus, der auf die Bitte des Apostels Philippus am See von Genesareth das Wunder der Vermehrung der fünf Fische wirkte, dieses in kleinem Maße erneuern wollte auf das Gebet dieser seiner Dienerin hin zur Beglaubigung ihrer Heiligkeit, zu seiner Ehre und zur Erbauung ihrer Gemeinschaft. Ich war überrascht und voll Staunen und wollte mir Sicherheit über die Sache verschaffen. Darum befragte ich außer anderen die vor kurzem verstorbene Schwester Maria Seraphina Galeotti, die mir sagte, es sei eine Tatsache, daß alle Ordensfrauen von diesem Fisch gegessen hätten. „Jawohl“, erwiderte ich, „aber es war nur eine Kostprobe?“ „Nein“, antwortete sie, „seien Sie sicher, Pater Beichtvater, alle haben eine reichliche Portion bekommen, und einige haben sie nicht einmal aufgegessen.“ – Dies ist der Gnadenerweis oder das Wunder, das ich mit meinen Ohren vernommen habe und zum Teil mit meinen eigenen Augen gesehen habe und über das ich mir durch Befragung Sicherheit zu verschaffen suchte bei jenen, die es sowohl gehört als auch gesehen hatten.

Zeuge 24, von Amts wegen berufen, der erlauchte Herr Dominikus Pascali, Advokat und Lektor für Zivilrecht an der Universität Fermo, 55 Jahre alt, erklärte zu Fragepunkt 7 und 16: Es war gelegentlich der amtlichen Bestandsaufnahme der Kornvorräte eines jeden Klosters zur Feststellung, wieviel Korn sie den Behörden für die Bevölkerung abgeben könnten. An einem der ersten Tage des genannten Monats – an das genaue Datum kann ich mich nicht erinnern – begab ich mich im Einverständnis mit der Mutter Äbtissin und ihrer Ordensfrauen in die Klausur des Klosters. Da es ihr selbst unmöglich war, mich zu begleiten, weil sie seit Jahren bettlägerig war und schwer leidend, mußte ich selbst mich an ihr Bett begeben, um ihre Stellungnahme und die der andern Schwestern zu erfahren. Von diesen begleitet, suchte ich sie auf. Die Vorhänge ihres Bettes wurden aufgezogen, und kaum sah mich die Äbtissin, als sie mir unter vielen Zeichen von Güte die Freude bekundete, mich kennenzulernen. Sie hieß ihre Schwestern, mich auf die Kornböden zu begleiten, und bat mich, anschließend sie wieder aufzusuchen. Ich ging mit ihnen, nahm alles zur Kenntnis und stellte die Kornmenge fest, die an verschiedenen Stellen lagerte. Darauf begab ich mich wieder an ihr Bett, und in Gegenwart ihrer Ordensfrauen bekundete ich meine Auffassung, daß keine und nicht einmal die kleinste Menge Korn abgeliefert werden könne. Denn ich hatte gesehen, daß der Vorrat an Korn für den Unterhalt des Klosters selbst nicht bis zum kommenden September reichen würde. Jedoch die Äbtissin bat mich mit erbauender Unterwürfigkeit um Verzeihung, wenn sie mir widerspreche, und sagte, es handele sich um die Armen des Herrn und um die Versorgung der Bedürftigen in der Stadt, darum sei sie entschlossen, ohne weiteres die Hälfte des Vorrats abzugeben. Es war reizend zu sehen, wie die Schwestern bei diesem Vorschlag betroffen waren, denn auch ihnen war klar, daß ihr ganzer Kornvorrat höchstens bis zum Monat August reichen würde, und wenn davon die Hälfte weggegeben wäre, würde ihnen ihr Korn nur noch während des ganzen Juni reichen. Ich fand diese Aufregung sehr verständlich. Darum mühte ich mich, die Dienerin Gottes von ihrem Vorhaben abzubringen, aber sie beharrte bei ihrer Bereitschaft, indem sie immer wieder sagte, der Herr würde nicht verfehlen, für seine Ordensgemeinde zu sorgen. Ich habe dann gehört, daß einige Tage später die Hälfte des Korns den Herren Verwaltern der Getreidevorsorge für die behördliche Verteilung ausgehändigt wurde, und ich weiß, daß auf Anordnung der Äbtissin die gesamte andere Hälfte zu Mehl vermahlen und in die Mehlkasten geschüttet wurde. Ich weiß, daß dieses Mehl in wunderbarer Weise während vieler Monate gereicht hat, und ich werde bei passender Gelegenheit [d. h. wenn Fragepunkt 24 behandelt wird], über das Ganze genaue Angaben machen können, soweit ich darüber Bescheid weiß. Denn ich habe wiederholt mit der Dienerin Gottes selbst und mit anderen Schwestern hierüber gesprochen. Ich werde dann ebenso auch über das Wunder der Fischvermehrung sprechen, über das vielleicht ihre Mitschwestern schon ausgesagt haben. Denn da dieses zu der Zeit geschah, als ich sie oft zu besuchen hatte, wurde es mir von ihr bis in einzelne bestätigt, jedoch so, daß ich nicht glauben sollte und konnte, der Himmel habe ein solches Wunder im Hinblick auf sie gewirkt, sondern allein als Belohnung für den blinden Gehorsam der Köchin auf ihren Befehl.

[1] Das Mittagessen war also die einzige volle Mahlzeit des Tages.

Aus: Wilhelm Schamoni, Wunder sind Tatsachen. Eine Dokumentation aus Heiligsprechungsakten, 2. Auflage, Würzburg/Stein am Rhein/Linz 1976, S. 208-215.
Moselanus
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