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M.RAPHAEL
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Der heimliche Dualismus der Konzilskirche

Heute am Weißen Sonntag hören wir im Evangelium von der Bekehrung des ungläubigen Thomas (Joh 20,19-31). Sie ist ganz entscheidend, um die leibliche Verfasstheit des Heils zu verstehen. Der Herr steht mit Seinem Leib auf, der einerseits durch verschlossene Türen gehen, aber eben auch berührt und gefühlt werden kann. Die Auferstehung ist kein mentales Konstrukt, was bedeuten würde, dass der Herr mit einer völlig anderen Gespenstergestalt oder überhaupt nur als Stimme aus dem Off erscheinen könnte. Nein, er steht auf mit Seinem unverwechselbaren und klar identifizierbaren Leib. Der Leib herrscht und bestimmt den Geist und das Bewusstsein.

Die moderne Welt erkennt objektive Realität nur im Materiellen. Das entspricht genau der Leiblichkeit des Heiles. Der menschliche Geist und sein Bewusstsein sind subjektive, d.h. nicht verpflichtende und deshalb jederzeit veränderbare Produkte der Psyche. Es sind mentale Setzungen für die es keine Wahrheit gibt, sondern nur pragmatische Vor- oder Nachteile.

Das Gehirn produziert den Geist. Der Geist nimmt Einfluss auf das Gehirn und dadurch auf den ganzen Körper. Leib und Seele stehen in Wechselwirkung. Die leibliche Verfassung einschließlich der gesamten Lebensbedingungen eines Menschen bestimmen seine Möglichkeiten. Wer kein musikalisches Talent hat, kann nicht Musiker werden. Wer klein ist, kann nicht Basketballer werden. Überall erlebt der Mensch physische Vorgaben, die seine Lebensoptionen gnadenlos einschränken. Wenn die Kunst nicht aus dem Bauch kommt, dann ist sie eine Kopfgeburt, die als völlig irrelevant angesehen wird. Selbst die objektive Gültigkeit der Kunst hängt von ihrer Einbettung in die leibliche Verfasstheit der menschlichen Existenz ab. Das Leben ist ein lebendiger materieller Organismus, der auf allen Ebenen miteinander verbunden ist und kreuz-moduliert. Das schränkt die menschliche Selbstbestimmung soweit ein, dass die Handlungsfreiheit im Gegensatz zur Entscheidungsfreiheit ernsthaft bezweifelt werden muss. Man geht wohl nicht zu weit, wenn man die Menschen, die nicht durch den Herrn erlöst sind, an den Seilen des Puppenspielers Satan tanzen sieht, gerade wenn sie sich für frei halten.

Auf die Fremdbestimmung durch die Materie hat die neuzeitliche Wende vom ontologischen zum mentalistischen Paradigma reagieren wollen. Descartes trennt die Wirklichkeit in die res extensa und die res cogitans, in die Materie und den Geist. Dieser Dualismus gilt mehr oder weniger bis heute.

Der menschliche Hochmut will selber über das Leben bestimmen. Der Wille des Menschen soll geschehen. Er will nicht Gott gehorchen. Die traditionell katholische Sicht der Lebenswelt als ein von Gott vorgegebener Liebesorganismus, in den sich der Mensch gehorsam mit seinen Talenten zu integrieren hat, wird ersetzt durch die Vorstellung eines toten materiellen Universums in dem der Mensch tun und machen kann, was er will. Damit das möglich wird, benutzt er die Naturwissenschaften, um größtmögliche Kontrolle über alle fremdbestimmenden Faktoren gewinnen zu können. Heute geht das bis zur Verleugnung der Geschlechtlichkeit in Form des Gendering. Die Medizin wird immer weiter „optimiert“. Demnächst soll es Maschinenimplantate geben, damit der Mensch endlich auch körperlich (sic.) zu einem vollkommen selbstbestimmten Gott werden kann.

Dieser Dualismus ist das Problem der Konzilskirche. Sie hat die leibliche Verfasstheit des Heils vergessen. Ihre Vertreter wollten nicht für die Wahrheit gegen die akademische Welt der Wissenschaften kämpfen. Sie wollten auch denkende „Intellektuelle“ sein. Deshalb haben sie nicht mehr den tiefen Abgrund zu dem Protestantismus erkennen können, der ja gerade die heilsnotwendige Leiblichkeit immer völlig verneint hat. Wie sollen Protestanten Wahrheit haben, wenn ihr Glaube eine rein mentale Setzung ist? Was nicht körperlich passiert, geschieht nicht vor Gott. Wenn zwei Männer sexuellen Verkehr miteinander haben, dann ist das nicht ein Vorgang, den eine Biologin in einem Zoo völlig wertfrei beschreiben würde, sondern es ist eine Todsünde. Der Materie ist dort, wo sie nicht entsprechend der Liebesordnung des Gesamtorganismus behandelt wird, die Sünde und damit die Vernichtung eingeschrieben. Wer seinen Körper schändlich behandelt, wird früher oder später chronisch leiden. Wenn sich die Auferstehung nach dem Tod darüber hinaus leiblich vollzieht, dann wird auch die Leidensmöglichkeit in die Ewigkeit eingehen. Das ist die Hölle.

Weil unsere Konzilsintellektuellen das alles vergessen hatten, haben sie im Konzil mit Absicht eine doppeldeutige Sprache benutzt, um der katholischen Kirche ihren Absolutheitsanspruch zu nehmen. Man kann nur noch den Kopf schütteln:

youtube.com/watch?v=Ow02xx312c0
michael7
Man kann auch nicht sagen: "Das Gehirn produziert den Geist", denn Materie kann keinen Geist hervorbringen.
Der menschliche Geist kommt von Gott, der ihm von Seinem Geist mitgeteilt hat, ihn eingehaucht hat, wie die Genesis sagt.
Richtig muss man sagen: Der Geist wirkt über bestimmte Organe (Gehirn, Nervensystem ...), die Gott dafür erschaffen hat, auf den Leib und macht ihn zum lebendigen …More
Man kann auch nicht sagen: "Das Gehirn produziert den Geist", denn Materie kann keinen Geist hervorbringen.
Der menschliche Geist kommt von Gott, der ihm von Seinem Geist mitgeteilt hat, ihn eingehaucht hat, wie die Genesis sagt.
Richtig muss man sagen: Der Geist wirkt über bestimmte Organe (Gehirn, Nervensystem ...), die Gott dafür erschaffen hat, auf den Leib und macht ihn zum lebendigen Ebenbild Gottes.
michael7
Man könnte den Modernismus natürlich als "Dualismus" bezeichnen, weil er an der absoluten und immer gültigen Wahrheit nicht mehr festhält. Da gibt es dann unabhängig von der "religiösen Wahrheit" die "weltliche Wahrheit", die eben mehr oder weniger vom Zufall bestimmt wird.
Weil damit aber neben der absoluten und unveränderlichen Wahrheit, die Gott ist, eine andere "Wahrheit" eingeführt wird, …More
Man könnte den Modernismus natürlich als "Dualismus" bezeichnen, weil er an der absoluten und immer gültigen Wahrheit nicht mehr festhält. Da gibt es dann unabhängig von der "religiösen Wahrheit" die "weltliche Wahrheit", die eben mehr oder weniger vom Zufall bestimmt wird.
Weil damit aber neben der absoluten und unveränderlichen Wahrheit, die Gott ist, eine andere "Wahrheit" eingeführt wird, wird Gott von Seinem Thron gestoßen und eigentlich die Materie als die letzte und einzige "Wahrheit" aufgerichtet. Wahrheit wird dann "evolutionär", weil auch die "Welt" ja nie gleichbleibt.
Gott wird dann "kosmisch" gedacht (vgl. Theilhard de Chardin), also pantheistisch oder monistisch, und ebenfalls "evolutionär" oder willkürlich.
Auch der Protestantismus ist eine solche Abkehr von Gott. Nach Luther gibt es Vernunft und Erkenntnismöglichkeit nur noch im innerweltlichen Bereich, im Hinblick auf übernatürliche Wahrheit(en) ist Vernunft oder Freiheit nach ihm aber nur noch eine "Hure", die ohne eigenes und wirkliche Erkenntnis- oder Entscheidungsvermögen bleibt.
Descartes suchte dieser Sicht durch den Hinweis auf den Vorrang des Geistes vor der Materie zu begegnen. Der Mensch ist zur Wahrheit fähig durch seine geistige Natur, die ihn zum Ebenbild Gottes macht.
Das ist nicht dualistisch, sondern letztlich christlich. Es geht nicht um willkürliche mentale Setzungen wie in jeder Irrlehre und auch im Modernismus, sondern um Rückbindung aller Erkenntnis von Wahrheit an die erste und absolute Wahrheit, die nur Gott (und nicht die Materie) sein kann.
Nicht der Leib, sondern der Geist macht den Menschen aus, gibt ihm erst die "Form", wie es die mittelalterliche Theologie ausdrücken würde, macht ihn zum Ebenbild Gottes und damit zur Erkenntnis von absoluter, ewig gültiger Wahrheit fähig.