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Ich werde den Deutschen nie verzeihen

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Holocaust-Überlebende Katharina Hardy schildert ihre Rettung

Befreiung von Auschwitz-

KZ-Überlebende: «Ich werde den Deutschen nie verzeihen»

In Auschwitz hat Katharina Hardy einen Teil ihrer Verwandten verloren. Sie überlebte die KZ Bergen-Belsen und Ravensbrück. Der Schrecken des Holocaust verfolgt die gebürtige Ungarin und eingebürgerte Schweizerin bis heute.

Autor:Remi Bütler

«Sie fanden mich zufällig, ich lag allein in einer Baracke. Plötzlich hoben mich zwei englische Soldaten auf eine Bahre. Ich schrie vor Schmerzen, da ich nur noch Haut und Knochen war und 29 Kilogramm wog», erzählt Katharina Hardy. Am 15. April 1945 wurde sie mit rund 60'000 überlebenden Häftlingen von britischen Truppen aus dem KZ Bergen-Belsen befreit. Hunger, Krankheit und Tod waren allgegenwärtig im Lager.

Die damals 16-Jährige verlor die Haare und musste wieder gehen lernen. Innere Verletzungen hinderten sie am Essen und Trinken. Erst im Juni 1945 konnte sie mit 35 Kilo das Lazarett verlassen.

Ich lebe damit. Aber verarbeitet habe ich das nie.

Autor:Katharina Hardy
KZ-Überlebende

Die Erinnerungen schmerzen noch immer. Die Zeit hat die seelischen Wunden nicht heilen können. «Ich lebe damit. Aber verarbeitet habe ich das nie.» Stets habe sie geglaubt, stark genug zu sein. Deshalb war Psychotherapie nie ein Thema.

Gedenken an die Opfer des Holocausts

Legende:Überlebende verlassen das Konzentrationslager Auschwitz im Januar 1945.IMAGO IMAGES

Während des Dritten Reiches ermordeten die Nationalsozialisten im Konzentrationslager Auschwitz über eineinhalb Millionen Männer, Frauen und Kinder. Am 27. Januar 1945 befreite die Rote Armee die Gefangenen.
In den Tagen zuvor wurden noch etwa 56'000 Häftlinge von den Nazis aus dem Gebiet «evakuiert» und grösstenteils in Todesmärschen nach Westen getrieben. Die Sowjettruppen fanden nur noch etwa 7000 Gefangene vor, von denen in den folgenden Tagen trotz medizinischer Hilfe viele verstarben.
Die Vereinten Nationen erklärten den 27. Januar im Jahr 2005 zum Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocausts.

Zwei Konzentrationslager, Ravensbrück und Bergen-Belsen, hat Katharina Hardy überlebt. Ihren Vater traf sie erst nach dem Krieg wieder in Budapest. Die Mutter, die ältere Schwester und mehrere Verwandte starben, wurden ermordet, etwa in Auschwitz.

Legende:Nur der Vater und Katharina Hardy überlebten. Die Mutter und die ältere Schwester fanden während des Holocausts den Tod.SRF

Einen Ehering für ein Glas Milch

Im März 1944 besetzten die Nazis auch Ungarn. «Pfeilkreuzler» errichteten mit deutscher Billigung ein Schreckensregime, dem mehrere Zehntausend Juden zum Opfer fielen. Ende 1944 wurden Katharina Hardy und ihre Mutter aus der Hauptstadt deportiert. Am 28. Dezember sahen sie sich zum letzten Mal. Die Mutter war unterwegs an Ruhr erkrankt. Mit deren Ehering liess sich eine Wache bestechen. «Sie konnte sich nicht mehr bewegen und wollte unbedingt noch einmal ein Glas Milch trinken. Sie war überglücklich, dass dies möglich war.» Dann trieben Soldaten mit Peitschen Katharina auf die nächste Etappe. Sie vermutet, dass ihre Mutter erschlagen oder erschossen wurde – mit 44 Jahren.

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Hardy: Ich werde den Deutschen niemals verzeihen

Aus News-Clip vom 21.01.2022.
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Was gab Katharina Hardy die Kraft zum Überleben? Darauf hat die heute 93-Jährige eine erstaunliche Antwort. «In der ganzen Zeit, als ich in Ravensbrück und Bergen-Belsen war, dachte ich kein einziges Mal an Mutter, Vater und Schwester. Dies wirkte wie ein Schutz.» Geholfen habe ihr zudem die Hoffnung, ihre Liebsten wiederzusehen, ein enormer Überlebenswillen und der starke Wunsch, eine eigene Familie zu gründen.

Antisemitismus – ein Leben lang

Bis heute hat Katharina Hardy ein distanziertes Verhältnis zum Land der Täter. «Ich werde Deutschland und den Deutschen nie verzeihen für das, was sie getan haben. Nie, nie!» Sie traue den Deutschen nicht.

Es gab für mich nie eine Zeit ohne Antisemitismus.

Autor:Katharina Hardy
KZ-Überlebende

Die Judenfeindlichkeit sei nach wie vor präsent, sagt eine Frau, die schon als Kind bespuckt und geschlagen wurde, und stellt traurig fest: «Es gab für mich nie eine Zeit ohne Antisemitismus.»

Halt und Kraft in der Familie

Nach dem Krieg heiratete Katharina Hardy in Ungarn. 1956 flüchtete sie mit ihrem Mann, einem Maschineningenieur, in die Schweiz, wo sie sich einbürgern liessen. Auch er hat jüdische Wurzeln. Die drei Kinder sind evangelisch getauft. «Ich wollte ihnen mein Schicksal ersparen.»


Legende:Die 93-Jährige hat ihre Wohnung in Zürich zu einer Gedenkstätte an ihre Lieben gemacht.SRF

Als Geigerin machte sie international Karriere. Die Familie gab ihr Halt und Kraft. Katharina Hardy und ihr über 100-jähriger Mann haben in Zürich Wurzeln geschlagen. Die Wohnung gleicht einem kleinen Museum. Viele Fotos und Gemälde erinnern an Menschen, die im Holocaust ihr Leben verloren haben.

Befreiung von Auschwitz - KZ-Überlebende: «Ich werde den Deutschen nie verzeihen»
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Erschreckend, dass die heutige Generation der Deutschen immer noch nicht versteht was in Auschwitz passierte. Das einzige was hier passt ist "Bitte um Vergebung". Ich sperre die Kommentare.
Fiat voluntas tua
Wie gerne würde ich ihr helfen. Bin selber halbe Ungarin und lebe in Zürich. Vielleicht fügt Jesus ein Treffen … 🙏🏻🙏🏻🙏🏻
Marienfloss
Frau Hardy muss ich als Nachkriegskind angesichts dieses Dramas nur zutiefst bedauern und im Namen aller Deutschen um Verzeihung bitten, wenngleich damit der erlittene Schmerz nicht rückgängig gemacht werden kann. Angesichts der Erfahrungen mit dem Holocaust kann ich nur die deutsche Politik vor totalitären Zwangsmaßnahmen in Sachen Corona-Impfpflicht warnen. Scheinbar ist unseren Politikern …More
Frau Hardy muss ich als Nachkriegskind angesichts dieses Dramas nur zutiefst bedauern und im Namen aller Deutschen um Verzeihung bitten, wenngleich damit der erlittene Schmerz nicht rückgängig gemacht werden kann. Angesichts der Erfahrungen mit dem Holocaust kann ich nur die deutsche Politik vor totalitären Zwangsmaßnahmen in Sachen Corona-Impfpflicht warnen. Scheinbar ist unseren Politikern kein Geschichtswissen zuteil geworden, was aber nicht als Entschuldigung dienen kann.
nachrichten-lebensrecht
Da wandte sich Petrus an Jesus und fragte: »Herr, wie oft muss ich meinem Bruder vergeben, wenn er immer wieder gegen mich sündigt? Siebenmal?« – 22 »Nein«, gab Jesus ihm zur Antwort, »nicht siebenmal, sondern siebenundsiebzigmal!«
(Matthäus 18,21-22)
Cavendish
Als Christ habe ich das große Glück, vollkommene Vergebung zu erfahren. Das ermöglicht es mir, sie auch meinen Mitmenschen auszusprechen: "Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern". Dieses Erlebnis wünsche ich auch Frau Hardy.
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Versuchen Sie zuerst Auschwitz selber zu überleben, erst dann sagen Sie es dieser Frau persönlich.
Cavendish
@aron, wer hatte es in Auschwitz schon in der Hand, das eigene Überleben zu sichern, wo Willkür alles unberechenbar machte? Auschwitz steht für Völkermord und berührt damit eine weit über das Individuelle hinausgehende dämonische Dimension. Sowohl Schuld wie Vergebung sind dagegen Kategorien individueller Verantwortung und Befreiung. Man kann es nicht verlangen, aber wünschen, dass jemand das …More
@aron, wer hatte es in Auschwitz schon in der Hand, das eigene Überleben zu sichern, wo Willkür alles unberechenbar machte? Auschwitz steht für Völkermord und berührt damit eine weit über das Individuelle hinausgehende dämonische Dimension. Sowohl Schuld wie Vergebung sind dagegen Kategorien individueller Verantwortung und Befreiung. Man kann es nicht verlangen, aber wünschen, dass jemand das erfährt, was Edith Stein geprägt hat.
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@Cavendish es war eigentlich nicht an Sie. Aber selbst mit Wünschen wäre ich da sehr vorsichtig wenn man selber nicht weiss wovon man spricht.
Cavendish
@aron, kein Mensch lebt das Leben eines anderen Menschen. Dennoch muss niemand alles Grauen der Welt selbst durchleiden, um zur Erkenntnis gelangen zu können, dass alles vom HERRN aufgefangen und getragen wird. Diese Erkenntnis durchzieht den gesamten Tanach - gesteigert durch das Leiden des Erlösers am Kreuz, das zu durchleben ebenfalls nicht von jedem Menschen erwartet werden kann und wird.
aron>
@Cavendish Muss ich das jetzt genau ausprechen. Die Deutschen sollten lieber schweigen wenn es um Ratschläge für die Auschwitzüberlebenden geht.
Cavendish
@aron, das Evangelium reduziert sich glücklicherweise weder auf Ratschläge noch auf die Zuständigkeit irgendeines Volkes. Auch kann heute glücklicherweise von niemandem mehr gefordert werden, mit dem christlichen Bekenntnis die Zugehörigkeit zum jüdischen Volk abzulegen - unabhängig von irgendeinem Pass.
aron>
Das Evangelium von @Cavendish wohl schon. 😊