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2 SEL. ANNA KATHARINA EMMERICK Das bittere Leiden unseres Herrn Jesus Christus

Jesus geht nach Jerusalem Am Morgen, während die beiden Apostel in Jerusalem die Vorrichtungen zum Osterlamm trafen, nahm Jesus noch von den heiligen Frauen und Lazarus und seiner Mutter in Bethanien…More
Jesus geht nach Jerusalem

Am Morgen, während die beiden Apostel in Jerusalem die Vorrichtungen zum Osterlamm trafen, nahm Jesus noch von den heiligen Frauen und Lazarus und seiner Mutter in Bethanien einen rührenden Abschied, lehrte und ermahnte sie im allgemeinen. Ich sah den Herrn mit seiner Mutter allein sprechen und erinnere mich einzelner Reden, unter anderm: er habe Petrus, den Glauben, und Johannes, die Liebe, nach Jerusalem zur Bereitung des Passahs gesendet. Von Magdalena, welche ganz sinnlos durch Betrübnis war, sagte er: sie liebe unaussprechlich, aber ihre Liebe sei noch vom Fleisch umgeben, und darum werde sie ganz wie von Sinnen aus Schmerz. Er sprach auch vom verräterischen Zustand des Judas, und die heilige Jungfrau bat noch für denselben. Judas war wieder unter dem Vorwand, allerlei zu besorgen und zu bezahlen, von Bethanien nach Jerusalem gelaufen, und Jesus fragte am Morgen die neun nach ihm, obschon er wohl wußte, was er trieb. Judas
lief den ganzen Tag bei den Pharisäern umher und redete alles mit ihnen ab; es wurden ihm sogar die Kriegsknechte gezeigt, die den Herrn gefangennehmen sollten. Er berechnete alles genau mit den Wegen hin und her, so daß ihm immer eine Entschuldigung seiner Abwesenheit blieb; erst kurz vor dem Osterlammessen kam er wieder zu dem Herrn. Ich
habe alle seine Pläne und Gedanken gesehen. Als Jesus mit Maria über ihn sprach, sah ich vieles von seinem Wesen. Er war tätig und dienstfertig, aber voll Geiz, Ehrsucht und Neid, und er kämpfte nicht gegen diese Leidenschaften. Er hat selbst Wunder getan und in Jesu Abwesenheit Kranke geheilt. Als der Herr der heiligen Jungfrau verkündete, was ihm bevorstehe, bat sie ihn so rührend, er möge sie mit ihm sterben lassen. Er aber ermahnte sie, in ihrem Schmerz ruhiger zu sein als die andern Frauen, und sagte ihr auch, daß er auferstehen und wo er ihr erscheinen werde. Sie weinte jetzt nicht viel, aber sie war gar traurig und von einem erschütternden Ernst. Der Herr dankte ihr wie ein frommer Sohn für alle Liebe, er umfaßte sie mit seiner Rechten und drückte sie an seine Brust. Er sagte ihr auch, er werde im Geiste sein Abendmahl mit ihr halten und bestimmte die Stunde, da sie es empfangen werde. Er nahm noch von allen einen sehr rührenden Abschied und lehrte über vieles. Jesus ging gegen Mittag mit den neun Aposteln von Bethanien nach Jerusalem; es folgte ihm auch ein Haufen von sieben Jüngern, welche, außer Nathanael und Silas, meistens aus Jerusalem und der Gegend waren; ich erinnere mich unter ihnen des Johannes Markus und des vor wenigen Tagen aufgenommenen Sohnes der armen Witwe, welche am vorigen Donnerstag, heute vor acht Tagen, da Jesus am Opferstock im Tempel lehrte, ihr Scherflein geopfert hatte; die heiligen Frauen folgten später nach. Er ging mit seinen Begleitern verschiedene Wege um den Ölberg und im Tale Josaphat, ja bis zum Kalvarienberg hin und her; es war ein Wandeln unter stetem Lehren. Er sagte unter anderem zu den Aposteln, bis jetzt habe er ihnen sein Brot und seinen Wein gegeben, heute wolle er ihnen sein Fleisch und sein Blut geben. Alles wolle er ihnen schenken und lassen, was er habe; dabei sah der Herr so rührend aus, als gieße er sein Inneres aus, als verschmachte er aus Liebe, sich hinzugeben. Seine Jünger verstanden ihn nicht; sie meinten, er spreche vom Osterlamm. Es ist unaussprechlich, wie liebevoll und geduldig er in seinen letzten Reden zu Bethanien und hier gewesen. Die heiligen Frauen kamen später in das Haus der Maria Markus. Die sieben Jünger, welche dem Herrn nach Jerusalem gefolgt waren, machten diese Wege nicht mit; sie trugen Päcke von Osterzeremonienkleidern nach dem Coenaculum, legten sie in die Vorhalle und begaben sich in das Haus der Maria Markus. Als Petrus und Johannes mit dem Abendmahlskelch von dem Haus der Seraphia nach dem Coenaculum kamen, lagen schon alle diese Zeremonienmäntel in der Vorhalle, welche jene und andere Jünger hingetragen hatten. Es waren auch von ihnen die nackten Wände des Saales mit Teppichen behängt und die Luken in der Decke geöffnet worden; auch werden drei hängende Lampen zugerüstet. Dann gingen Petrus und Johannes zum Tal Josaphat und riefen den Herrn und die neun Apostel. Die Jünger und Freunde, welche auch das Osterlamm im Coenaculum mitaßen, kamen später.

Letztes Ostermahl

Jesus und die Seinigen aßen das Osterlamm in Coenaculum in drei getrennten Genossenschaften von Zwölfen, deren jeder einer als Hausvater vorstand. Jesus aß es mit den zwölf Aposteln im Saal des Coenaculums. Getrennt in den Seitenhallen aß es Nathanael mit zwölf Jüngern und ebenso mit zwölf andern Eliachim, ein Sohn des Kleophas und der Maria Heli und Bruder der Maria Kleophä; er war ein Jünger Johannes des Täufers. Drei Osterlämmer wurden für sie im Tempel geschlachtet und besprengt. Es war aber ein viertes Lamm da, das im Coenaculum geschlachtet und gesprengt wurde, und dieses aß Jesus mit den Zwölfen, jedoch dem Judas unbewußt, da dieser sich allerlei Geschäfte gemacht hatte, bei der Schlachtung nicht zugegen gewesen und schon Wege zum Verrat gegangen war; er kam erst kurz vor dem Essen des Osterlammes. Das Schlachten des Lammes für Jesus und die Apostel war ungemein rührend. Es geschah in der Vorhalle des Coenaculums, und Simeons Sohn, der Levit, half dabei. Die Apostel und Jünger
waren zugegen und sangen den 118. Psalm. Jesus lehrte hierauf von einer neu eintretenden Zeit, und wie nun das Opfer des Moses und die Bedeutung des Osterlammes werde erfüllt werden; darum aber müsse das Lamm so geschlachtet werden, wie jenes in Ägypten, aus welchem sie jetzt wirklich ausziehen sollten. Gefäße und alles Zugehörige waren bereit; es ward ein schönes Lämmchen gebracht, das mit einem Kranz geschmückt war, welcher ihm abgenommen und der heiligen Jungfrau gesendet ward, die sich abseits bei den anderen Frauen befand. Das Lamm ward nun um die Mitte des Leibes mit dem Rücken auf ein Brettchen gebunden, und ich dachte noch dabei an Jesus an der Geißelsäule. Den Kopf des Lammes hielt Simeons Sohn in die Höhe, und Jesus stach ihm mit einem Messer in den Hals und gab dasselbe dann dem Sohne Simeons, der fortfuhr, das Lamm zu bereiten. Jesus schien mit Schüchternheit und Schmerz das Lamm zu verwunden und tat es sehr schnell und ernst. Das Blut wurde in ein Becken gefaßt und ein Ysopzweig gebracht, welchen Jesus in das Blut tauchte; dann ging er an die Türe des Saales und bezeichnet die zwei Pfosten und das Schloß mit dem Blut und steckte den blutigen Zweig über die Oberschwelle der Tür; dabei redete er feierlich und sagte unter anderm: es solle der Würgengel hier vorübergehen; sie sollten sicher und ruhig hier anbeten, wenn er, das wahre Osterlamm, geschlachtet sei; es solle hiermit eine neue Zeit und ein neues Opfer beginnen und bis ans Ende der Welt fortdauern. Dann begaben sie sich an den Osterherd am Ende des Saales, wo einst die Bundeslade gestanden; es war bereits Feuer dort. Jesus sprengte das Blut an diesen Herd und weihte ihn zu einem Altar; das übrige Blut und Fett ward unter den Altar ins Feuer gegossen. Jesus wandelte hierauf, Psalmen singend, mit den Aposteln im Coenaculum umher und weihte es zu einem neuen Tempel ein. Alle Türen waren dabei verschlossen. Indessen hatte Simeons Sohn das Lamm ganz zubereitet; es steckte an einem Spieß, die Vorderbeine waren an ein Querholz, die Hinterbeine an den Spieß geheftet. Ach! es sah ganz wie Jesus am Kreuz aus und wurde nun nebst den drei andern Lämmern, die vom Tempelschlachten hergebracht worden waren, in den Ofen zum Braten gestellt. Sie sagte nochmals: die andern Osterlämmer der Juden wurden alle im Vorhof des Tempels geschlachtet; und zwar an drei Orten: für die Vornehmen, die Geringen und die fremden Leute. Das Osterlamm Jesu war nicht im Tempel geschlachtet, alles andere tat er streng nach dem Gesetz. Er hat auch nachher darüber gesprochen. Das Lamm war nur ein Vorbild; er selbst sollte am morgigen Tage das Ostlerlamm sein; ich weiß nicht mehr, was er darüber sagte. Auf diese Weise lehrte Jesus die Apostel vom Osterlamm und dessen Erfüllung, und als die Zeit herannahte und Judas auch gekommen war, wurden die Tische bereitet. Sie legten Reisezeremonienkleider an, die in der Vorhalle lagen, andere Schuhe, einen weißen Rock wie ein Hemd und darüber einen Mantel, vorn kurz und hinten länger; sie schürzten sich in den Gürteln und hatten auch die weiten Ärmel geschürzt. So ging jede Schar zu ihrem Tisch; die zwei Scharen der Jünger in die Seitenhallen, der Herr aber und die Apostel in den Saal des Coenaculum. Sie nahmen Stäbe in die Hand und wandelten paarweise zum Tisch, wo sie an ihren Plätzen standen, die Stäbe im Arm lehnend, mit emporgehobenen Armen. Jesus aber, in der Mitte des Tisches stehend, hatte zwei kleine, oben etwas gekrümmte Stäbe, gleich kurzen Hirtenstäben, von dem Speisemeister empfangen. Sie hatten an einer Seite einen Haken wie einen abgehauenen Zweig. Jesus steckte sie kreuzweise vor der Brust in den Gürtel und stützte die emporgehobenen Arme im Gebet auf die Haken. Er konnte sich so rührend, auf diese Stäbe gelehnt, bewegen; es war, als habe er das Kreuz, dessen Last er bald auf die Schultern nehmen sollte, noch stützend unter den Schultern. So sangen sie:«Gebenedeit sei der Herr Gott Israels» sowie: «Gelobt sei der Herr»usw. Nach vollendetem Gebet gab Jesus den einen Stab dem Petrus, den andern dem Johannes, welche sie weglegten oder von Hand zu Hand an die Apostel gehen ließen, was ich mich nicht mehr recht bestimmt erinnere. Der Tisch war schmal, ungefähr so hoch, daß er einem stehenden Mann einen halben Fuß hoch über die Knie reichte, in der Form eines Zirkelabschnittes. Jesus gegenüber, in der inneren Seite des Halbkreises, war eine freie Stelle zum Auftragen. Wenn ich mich recht entsinne, standen zur
Rechten Jesu Johannes, Jakobus der Ältere, Jakobus der Jüngere; dann an der rechten schmalen Breite des Tisches Bartholomäus; neben diesem an der inneren Seite des Kreistisches Thomas und neben diesem Judas Iskarioth – zur Linken Jesu stand Petrus, dann Andreas, Thaddäus, an der linken schmalen Breite Simon und neben diesem an der innern Tischseite Matthäus und Philippus. In der Mitte des Tisches stand eine Schüssel mit dem Osterlamm. Sein Kopf ruhte auf den gekreuzten Vorderfüßen; die Hinterfüße waren lang ausgestreckt; rundumher auf dem Rande der Schüssel lag Knoblauch; daneben befand sich eine Schüssel mit dem Osterbraten und zu beiden Seiten eine Schale mit grünen Kräutern, welche dichtgedrängt aufrecht wie wachsend standen, und eine andere Schale mit kleinen Bündelchen von bittern Kräutern, gleich Balsamirkräutern; dann noch vor Jesus eine Schale mit gelbgrünem Kraut und eine mit einer bräunlichen Brühe. Die Teller der Essenden waren runde Brotkuchen; sie bedienten sich beinerner Messer. Der Speisemeister legte nach dem Gebet das Messer zum Zerlegen des Osterlammes vor Jesus auf den Tisch. Er setzte einen Becher mit Wein vor den Herrn und füllte aus einer Kanne sechs Becher, welche immer zwischen zwei Aposteln standen. Jesus segnete den Wein und trank; die Apostel tranken zwei und zwei aus einem Becher. Der Herr zerlegte das Osterlamm, und die Apostel reichten nach der Reihe ihre Brotkuchen mit einer Art Klammer hin und empfingen jeder sein Teil und aßen es sehr geschwind, indem sie das Fleisch mit den beinernen Messern abschabten. Die Knochen wurden nachher verbrannt. Sie aßen auch noch schnell von dem Lauch und grünen Kraut, das sie in die Brühe tauchten. Das Osterlamm genossen sie stehend; nur lehnten sie etwas auf den Lehnen der Sitze. Jesus brach auch eines der Osterbrote und bedeckte einen Teil davon; das andere verteilte er. Sie aßen nun auch die Brotkuchen. Dann wurde wieder ein Becher mit Wein gebracht; Jesus aber dankte und trank nicht davon. Er sprach: «Nehmet den Wein und teilt ihn unter euch; denn ich werde von nun an keinen Wein mehr trinken, bis das Reich Gottes kommt.» Nachdem sie zwei und zwei getrunken hatten, sangen sie, dann betete oder lehrte Jesus, und es folgte hierauf noch ein Händewaschen. – Nun aber legten sie sich wirklich auf die Sitze nieder. Alles Frühere war stehend, nur zuletzt etwas aufgelehnt und sehr geschwind geschehen. Der Herr hat auch ein Lamm zerlegt, welches den heiligen Frauen in ein Seitengebäude gebracht wurde, wo sie ihr Mahl hatten. Sie aßen nun Kräuter, Salat und die Brühe; Jesus war ungemein innig und heiter; ich habe ihn nie so gesehen. Er sagte auch den Aposteln, allen Kummer zu vergessen. Auch die heilige Jungfrau am Tisch der Frauen war heiter. Es war so rührend, wenn die andern Frauen zu ihr traten und sie am Schleier zogen, mit ihr zu sprechen, wie sie sich dann so einfach wendete.

Das letzte Abendmahl Als es Abend wurde, begab er sich mit den zwölf Jüngern zu Tisch. Und während sie aßen, sprach er: Amen, ich sage euch: Einer von euch wird mich verraten und ausliefern (Mt 26, 2021).

Jesus redete anfangs noch gar lieblich mit ihnen, während sie speisten; hierauf aber ward er ernster und traurig. Er sprach: «Einer unter euch wird mich verraten, einer, dessen Hand mit mir auf einem Tische ist.» Jesus aber teilte eines der Kräuter, nämlich Lattich, von dem nur eine Schüssel da war, auf seiner Seite aus, und dem Judas, der ihm schräg gegenüber saß, hatte er befohlen, ihn auf der andern Seite auszuteilen. Da Jesus nun von einem Verräter sprach und alle darüber sehr erschrocken waren und da er sagte: Einer, dessen Hand mit mir auf dem Tische ist oder dessen Hand mit mir in die Schüssel taucht, was so viel heißt, als: Einer der Zwölf, die mit mir essen und trinken, einer, mit dem ich mein Brot teile, so verriet er Judas dadurch nicht an die andern, denn mit der Hand in die Schüssel tauchte war ein allgemeiner Ausdruck für die vertraulichste Gemeinschaft; und doch wollte er auch Judas dadurch warnen; denn er tauchte wirklich beim Austeilen des Lattichs die Hand mit ihm in eine Schüssel. Jesus aber sagte weiter: «Nun geht zwar des Menschen Sohn hin, wie von ihm geschrieben steht, wehe aber dem Menschen, durch den der Menschensohn verraten wird! Es wäre ihm besser, wenn er nicht geboren wäre.»
Da waren die Apostel alle sehr bestürzt und fragten abwechselnd: «Herr, bin ich es? » Denn alle wußten wohl, daß sie ihn nicht ganz verstanden. Petrus aber beugte sich hinter Jesus zu Johannes hin und winkte ihm, den Herrn zu fragen, wer es sei; denn er, der oft Verweise von Jesus erhalten, war ängstlich, er möge ihn meinen. Johannes aber lag zur Rechten des Herrn, und weil alle, auf dem linken Arm lehnend, mit der rechten Hand aßen, so lag Johannes mit dem Haupte der Brust Jesu zunächst. Er näherte sein Haupt daher der Brust Jesu und fragte: «Herr, wer ist es?» Da ward er es inne, daß Jesus den Judas meinte. Ich sah Jesus nicht mit den Lippen sprechen: «Der, dem ich den Bissen eintauche und gebe»; ich weiß auch nicht, ob er es leise zu Johannes sagte; Johannes aber vernahm es, indem Jesus den Bissen Brot mit Lattich umwunden in die Brühe tauchte und dem Judas mit großer Liebe reichte, welcher eben auch fragte: «Herr, bin ich es?»wobei Jesus ihn gar lieblich ansah und ihm eine allgemeine Antwort gab. Dieses war aber ein gebräuchliches Zeichen der Liebe und Vertraulichkeit, und Jesus tat es mit herzlicher Liebe, ihn zu mahnen und nicht zu verraten vor den andern. Judas war aber innerlich ganz ergrimmt. Ich sah während der ganzen Mahlzeit ein kleines Ungeheuer zu seinen Füßen sitzen, das ihm manchmal bis zum Herzen hinaufstieg. Ich sah nicht, daß Johannes dem Petrus das wieder sagte, was er von Jesu vernommen, aber er blickte nach ihm und beruhigte ihn.

Die Fußwaschung

Sie standen nun von der Mahlzeit auf, und während sie ihre Kleider wieder so anlegten und ordneten, wie sie es bei feierlichem Gebet pflegten, trat der Speisemeister mit zwei Dienern herein, den Osterlammtisch abzuräumen und aus der Mitte der umgebenden Lagerstühle beiseite zu schieben. Als dies geschehen, trug Jesus ihm auf, Wasser in die Vorhalle bringen zu lassen, und er verließ wieder mit den Dienern den Saal. Jesus stand nun mitten unter den Aposteln und sprach eine ziemliche Weile mit Feierlichkeit zu ihnen. Ich habe aber so vieles gehört und gesehen bis jetzt, daß es mir nicht möglich ist, den Inhalt der Lehre des Herrn sicher anzugeben. Ich erinnere mich, daß er von seinem Reich, von seinem Hingang zum Vater sprach und wie er ihnen vorher noch alles zurücklassen wolle, was er habe, usw. Er lehrte dann auch von der Buße, von Erkenntnis und Bekenntnis der Schuld, von der Reue und Reinigung. Ich fühlte aber, daß dieses einen Bezug auf die Fußwaschung hatte, und ich sah auch, daß alle ihre Sünden erkannten und bereuten, außer Judas. Diese Rede war lang und feierlich. Nach ihrer Vollendung sendete Jesus den Johannes und Jakobus den Jüngeren, des bestellten Wassers halber, in die Vorhalle und befahl den Aposteln, die Lagerstühle in einen halben Kreis zu stellen, worauf er in die Vorhalle ging, seinen Mantel ablegte, sich schürzte und ein Tuch umband, von welchem das längere Ende niederhing. Unterdessen gerieten die Apostel in eine Art von Wortwechsel, wer die erste Stelle unter ihnen haben werde; denn da der Herr so bestimmt ausgesprochen hatte, er würde sie verlassen und sein Reich sei nahe, bestärkte sich von neuem die Meinung in ihnen, er habe irgendeinen geheimen Hinterhalt, einen irdischen Triumph, der im letzten Moment hervorbrechen werde. Jesus befahl in der Vorhalle dem Johannes, ein Becken in die Hände zu nehmen, und ließ Jakobus den Jüngeren einen Schlauch voll Wasser vor der Brust tragen, dessen Röhre sich über den Arm gelehnt ergoß, und nachdem er Wasser aus dem Schlauch in das Becken gegossen hatte, ließ er die beiden in den Saal folgen, in dessen Mitte der Speisemeister ein größeres leeres Becken gestellt hatte. In so demütigem Aufzug in die Tür des Saales tretend, verwies Jesus den Aposteln ihren Streit mit wenigen Worten, unter anderem sprechend: daß er selbst ihr Diener sei; sie sollten sich auf die Stühle setzen, auf daß er ihnen die Füße waschen könne. Da setzten sie sich nach der Reihe, wie sie zu Tisch gelegen, auf die Lehnpolster der Stühle, die im Halbkreis standen, und hatten die entblößten Füße auf den Sitzpolstern stehen. Jesus ging von einem zum andern und schöpfte ihnen mit der Hand Wasser aus dem von Johannes untergehaltenen Becken über die
nacheinander vorgehaltenen Füße. Dann faßte er das lange Ende des Tuches, womit er umgürtet war, in beide Hände und fuhr damit abstreifend und trocknend über die Füße und nahte dann dem zunächst Sitzenden mit Jakobus. Johannes aber leerte jedesmal das gebrauchte Wasser in das in der Mitte des Saales stehende Gefäß aus und nahte dem Herrn wieder mit dem Becken. Da goß Jesus wieder aus dem Schlauch des Jakobus in das Becken über die Füße des Apostels und tat wie zuvor. Der Herr aber war, wie bei der ganzen Ostermahlzeit, ungemein rührend und freundlich, auch bei diesem demütigen Fußwaschen ganz voll Liebe, und er tat es nicht wie eine Zeremonie, sondern wie eine heilige Liebeshandlung ganz von Herzen, so daß er auch seine Liebe dabei aussprach. Da er nun zu Petrus kam, weigerte sich dieser aus Demut und sagte: «Herr, solltest du mir die Füße waschen?» Und der Herr sagte:«Was ich tue, weißt du jetzt nicht, nachher sollst du es erfahren.» Und mir war, als spreche er noch allein zu ihm: «Simon, du hast es verdient, von meinem Vater zu erkennen, wer ich bin, woher ich komme und wohin ich gehe, du hast es allein erkannt und ausgesprochen; und ich will meine Kirche auf dich bauen, und die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwältigen. Es soll auch meine Kraft bei deinen Nachfolgern bleiben bis ans Ende der Welt.» Jesus zeigte auf ihn und sagte zu den andern: Petrus solle ihnen in Anordnung und Aussendung seine Stelle vertreten, wenn er selbst von ihnen gegangen sein werde. Petrus aber sprach: «Nimmermehr sollst du mir die Füße waschen.» Und der Herr erwiderte: «Wenn ich dich nicht wasche, so hast du keinen Teil an mir.» Da sagte Petrus wieder: «Herr, wasche mir dann nicht nur die Füße, sondern auch die Hände und das Haupt.» Jesus sagte hierauf: «Wer gewaschen ist, der ist ganz rein, und braucht nur die Füße zu waschen. Ihr seid auch rein, aber nicht alle»; dabei dachte er an Judas. Er hatte aber in der Lehre von der Fußwaschung gesprochen als von einem Reinigen von täglichen Sünden, weil die Füße an der Erde ungeschickt wandelnd sich immer wieder verunreinigen. Diese Fußwaschung war geistlich und eine Art Absolution; Petrus aber nahm es in seinem Eifer als eine zu große Demütigung seines Meisters; er wußte nicht, daß dieser, um ihm zu helfen, sich morgen bis zum schmählichen Tod des Kreuzes aus Liebe demütigen werde. Als er aber Judas die Füße wusch, war er ungemein rührend und freundlich und drückte sein Angesicht an seine Füße und sagte leise zu ihm, er möge sich bedenken; schon ein Jahr gehe er mit Verrat und Untreue um; Judas aber schien es nicht bemerken zu wollen und sprach mit Johannes; da ärgerte sich Petrus an ihm und sagte: «Judas! Der Meister spricht mit dir.» Da sagte Judas zum Herrn etwas Allgemeines, Ausweichendes, wie: «Herr, das sei ferne!» Die andern aber hatten Jesu Rede zu Judas nicht vernommen, denn er sprach leise, und dann hörten sie nicht zu; auch waren sie mit Anlegung ihrer Sohlen beschäftigt. Judas' Verrat aber schmerzte den Herrn bei seinem ganzen Leiden am meisten. Er wusch aber auch noch die Füße des Johannes und Jakobus. Zuerst setzte sich Jakobus, und Petrus hielt den Schlauch, dann setzte sich Johannes, und Jakobus hielt das Becken. Jesus lehrte nun über die Demütigung, und wie der Dienende der Größte sei, und wie sie einander auch die Füße künftig in Demut waschen sollten, und mancherlei in bezug auf den Streit, wer der Größte sei, was in den Evangelien steht. Jesus legte nun seine Kleider wieder an, und die Kleider, welche zuerst beim Osterlamm geschürzt gewesen waren, hatten die Apostel jetzt auch wieder weit und lang angelegt.

Einsetzung des heiligen Sakramentes

Auf Befehl des Herrn hatte der Speisemeister den Tisch wieder zugerüstet und ihn etwas erhöht; er ward mit einem Teppich, worüber eine rote und dann eine durchbrochene weiße Decke lag, bedeckt wieder in die Mitte geschoben. Dann stellte der Speisemeister einen Wasserkrug und einen Weinkrug unter den Tisch. Petrus und Johannes holten nun aus dem abgetrennten Raum des Saals, wo der Osterlammherd war, den Kelch, den sie aus der Wohnung der Seraphia dahin gebracht hatten. Sie trugen ihn in seinem Behälter zwischen sich auf den Händen, und es war anzusehen, als trügen sie einen Tabernakel. Sie setzten diesen Behälter vor Jesus auf den Tisch. Es stand dabei ein länglich runder Teller mit drei dünnen, weißlichen Osterbroten, die mit regelmäßigen Furchen gerippt waren; in der Breite waren etwa drei solche Bissen, und der Kuchen war etwa noch einmal so lang wie breit; die Brote waren bedeckt, und er hatte sie schon bei der Ostermahlzeit zum Bruch vorgeritzt und eine Hälfte des dort gebrochenen Brotes dazu unter die Decke gelegt. Es standen auch ein Wein- und Wassergefäß da und drei Büchsen, eine mit flüssigem Öl, eine leer und ein Spatel. Das Brotbrechen und Austeilen und das Trinken aus einem gemeinsamem Kelch am Schluß des Mahles war aber schon seit alten Zeiten als ein Zeichen der Verbrüderung und Liebe bei Willkommen und Abschied gebräuchlich. Ich meine, es muß auch in der Schrift davon vorkommen. Jesus aber erhob es heute zum allerheiligsten Sakrament. Es war bis jetzt eine vorbildliche Handlung gewesen. Durch des Judas Verrat kam unter den Beschuldigungen bei Kaiphas auch dieses vor: er habe zu den Passahgebräuchen etwas zugesetzt, das neu sei. Nikodemus bewies aber aus Schriftrollen, daß diese Sitte des Abschiedes eine alte sei. Jesu Stelle war zwischen Petrus und Johannes; die Türen waren geschlossen, alles sehr geheim und feierlich. Als nun die Hülle von dem Kelch abgenommen und in den abgeteilten Raum des Saales zurückgetragen wurde, betete Jesus und sprach sehr feierlich. Ich sah, daß Jesus ihnen das Abendmahl und die ganze Handlung auslegte; ich sah es, als ob ein Priester den andern die heilige Messe lehre. Er zog hierauf aus der Platte, worauf die Gefäße standen, einen Schieber heraus, nahm ein weißes Tuch, das über dem Kelch hing, herab und breitete es über die ausgezogene Fläche. Ich sah ihn dann eine runde Platte von dem Kelch herabnehmen und auf die bedeckte Fläche stellen; dann nahm er die auf dem nebenstehenden Teller liegenden Brote unter ihrer Verhüllung hervor und legte sie auf die Platte vor sich hin; die viereckiglänglichen Brote ragten an beiden Seiten über die Platte, deren Rand in der Breite jedoch hervorsah. Hierauf stellte er den Kelch sich etwas näher und setzte einen kleineren Becher, der in ihm stand, heraus und die sechs kleinen Becher, welche den Kelch umgaben, rechts und links zur Seite. Dann segnete er das Osterbrot und, ich meine, auch die nahestehenden Öle und hob nun die Platte mit den Osterbroten mit beiden Händen empor, schaute gen Himmel, betete, opferte, setzte die Platte nieder und deckte sie zu. Hierauf nahm er den Kelch, ließ sich von Petrus Wein und von Johannes Wasser, das er segnete, hineingießen und schöpfte mit dem kleinen Löffel noch ein wenig Wasser hinein. Nun segnete er den Kelch und hob auch ihn betend und opfernd empor und setzte ihn nieder. Er ließ sich von Petrus und Johannes Wasser über den Teller, worauf die Osterbrote gelegen hatten, auf die Hände gießen, und mit dem Löffel, den er aus dem Fuß des Kelches genommen, schöpfte er von dem Wasser, das über seine Hände gelaufen, auf ihre Hände; dann wurde diese Schale herumgereicht, und sie wuschen alle die Hände darin. Ich weiß nicht, ob alles dies genau so folgte, aber dieses alles und anderes, was mich sehr an die heilige Messe erinnerte, sah ich mit großer Rührung. Er wurde unter diesen Handlungen immer inniger und inniger und sagte: er wolle ihnen nun alles geben, was er habe, sich selbst; da war es, als gösse er sich ganz aus in Liebe, und ich sah ihn ganz durchsichtig werden; er war wie ein leuchtender Schatten.
Er brach aber in dieser Innigkeit betend das Brot in die vorgeritzten Bissen und legte sie turmförmig auf die Platte; von dem ersten Bissen brach er mit den Fingerspitzen ein wenig und ließ es in den Kelch fallen. In demselben Augenblick, da er dieses tat, hatte ich ein Bild, als empfange die heilige Jungfrau das Sakrament geistlicher Weise, obschon sie hier nicht anwesend war. Ich weiß jetzt nicht, wie ich dieses sah, aber es war mir, als sehe ich sie vom Eingang zur offenen Seite des Tisches heranschweben und dem Herrn gegenüber das Sakrament empfangen; dann sah ich sie nicht mehr. Er hatte ihr am Morgen in Bethanien gesagt, er wolle sein Passah geistlicher Weise mit ihr feiern und hatte ihr die Stunde bestimmt, wo sie, im Gebet abgesondert, es im Geiste empfing. Er betete und lehrte noch; alle seine Worte gingen wie Feuer und Licht aus seinem Munde in die Apostel ein, außer in Judas. Nun aber nahm er die Platte mit den Bissen, von der ich nicht mehr bestimmt weiß, ob er sie auf den Kelch gestellt hatte, und sprach: «Nehmet hin und esset, das ist mein Leib, der für euch gegeben wird.» Dabei bewegte er seine Rechte wie segnend darüber; und als er dieses tat, ging ein Glanz von ihm aus, seine Worte waren leuchtend und ebenso das Brot, das wie ein Lichtkörper in den Mund der Apostel stürzte; es war, als fließe er selbst in sie hinein; ich sah alle wie von Licht durchdrungen, nur Judas sah ich finster. Zuerst reichte er es Petrus, dann dem Johannes; nun winkte er dem Judas, der ihm schräg gegenübersaß, zu nahen; er war der dritte, welchem er das heilige Sakrament reichte. Aber es war, als wiche sein Wort von dem Munde des Verräters zurück. Ich war so entsetzt, daß ich nicht mehr genau sagen kann, was ich dabei empfand. Jesus aber sagte zu ihm: «Was du tun willst, das tue bald.» Jesus fuhr fort, den noch übrigen Aposteln das heilige Sakrament zu reichen; sie nahten paarweise, und einer hielt dem andern eine kleine steife gesäumte Decke unter, die über dem Kelch gelegen hatte. Jesus aber hob den Kelch bei den beiden Ringen gegen sein Angesicht empor und sprach die Worte der Einsetzung hinein. Er war in dieser Handlung ganz verklärt und wie durchsichtig; er war in das übergehend, was er gab. Er ließ Petrus und Johannes aus dem Kelch, den er in Händen hielt, trinken und setzte ihn nieder, und Johannes schöpfte mit dem kleinen Löffel von dem heiligen Blut aus dem Kelch in die kleinen Becher, die Petrus den Aposteln hinreichte, welche paarweise aus einem Becher tranken. Auch Judas hat, aber ich entsinne mich dessen doch nicht ganz gewiß, noch den Kelch genossen; er ging aber nicht an seinen Ort zurück, sondern verließ gleich das Coenaculum. Die andern, weil Jesus ihm gewinkt hatte, meinten, er habe ihm ein Geschäft aufgetragen; er ging weg ohne Gebet und ohne die Danksagung; da kannst du sehen, wie übel es bestellt ist, wenn man ohne Dankgebet vom täglichen und vom ewigen Brot hinweggeht. Ich hatte während des ganzen Mahles bei Judas' Füßen die Gestalt eines kleinen roten Ungeheuers sitzen sehen, das ihm manchmal bis zum Herzen hinaufkam; sein einer Fuß war wie ein kahler Knochen. Als Judas vor der Tür war, sah ich drei Teufel um ihn; einer fuhr ihm in den Mund, einer trieb ihn, einer lief vor ihm her. Es war Nacht; es war, als leuchteten sie ihm; er lief wie ein Rasender. Einen Rest des heiligen Blutes, der in dem Kelch übrig war, goß der Herr in den kleinen Becher, der in dem Kelch gestanden; dann hielt er die Finger über den Kelch und ließ sich von Petrus und Johannes Wasser und Wein darüber gießen. Diese Nachspülung ließ er die beiden wieder aus dem Kelch trinken und den Rest, abermals in die Becher geschöpft, an die übrigen Apostel gelangen. Hierauf trocknete der Herr den Kelch aus, setzte den Becher mit dem Rest des heiligen Blutes hinein, stellte die Platte mit dem übrigen konsekrierten Osterbrot darauf und den Deckel darüber und deckte das Tuch wieder über den Kelch, den er auf seine Unterlage zwischen die kleinen Becher zurückstellte. Ich habe nach der Auferstehung die Apostel von dem übrigen des heiligen Sakramentes genießen sehen. Ich erinnere mich nicht, gesehen zu haben, daß der Herr es selbst genossen, ich müßte es denn übersehen haben. Als er es gab, gab er sich, so daß er mir wie ausgeleert und in barmherziger Liebe ergossen erschien. Es ist dieses unaussprechlich. Ich habe auch nicht gesehen, daß Melchisedek, als er Brot und Wein opferte, es selbst genossen. Ich habe auch gewußt, warum die Priester es nehmen, da Jesus es nicht nahm.
Während sie dieses sagte, sah sie sich plötzlich um wie eine Zuhörende; sie erhielt eine Erklärung darüber, vermochte aber nur folgendes davon mitzuteilen: «Hätten es Engel gespendet, sie hätten es nicht empfangen; empfingen es aber die Priester nicht, so wäre es längst verlorengegangen; dadurch wird es erhalten.» Alle Verrichtungen Jesu während der Einsetzung des heiligen Sakramentes gingen sehr geregelt und feierlich und doch lehrend und unterweisend vor sich; auch sah ich nachher die Apostel sich einiges mit Zeichen in die kleinen Rollen bemerken, die sie bei sich trugen. Seine Wendungen rechts und links waren feierlich wie immer in den Gebetshandlungen. Alles zeigte den Keim der heiligen Messe. Ich sah auch die Apostel beim Heranschreiten und andern Gelegenheiten sich priesterlich gegeneinander beugen.

Geheimlehren und Weihungen

Jesus hielt nun noch eine Geheimlehre; er sagte ihnen, wie sie das heilige Sakrament fortsetzen sollten zu seinem Gedächtnis bis ans Ende der Welt, und lehrte sie das Hauptsächliche in der Weise des Gebrauches und der Mitteilung, und auf welche Art sie das Geheimnis desselben nach und nach lehren und aussprechen sollten, und wann sie von dem übrigen wieder nehmen, wann der heiligen Jungfrau es reichen und, so er ihnen den Tröster gesendet, es selbst konsekrieren sollten. Dann aber lehrte er sie vom Priestertum und der Salbung und der Bereitung des Chrisams und der heiligen Öle. Es standen drei Büchsen, zwei mit verschiedenem Balsam und Öl, und auch Baumwolle bei dem Kelchapparat; man konnte sie aufeinander stellen. Er lehrte sie viele Geheimnisse darüber, wie die Salbe zu mischen, an welchen Stellen des Leibes sie anzuwenden und bei welchen Gelegenheiten. Ich erinnere mich unter anderm: als er einen Fall erwähnt, wo das heilige Abendmahl nicht mehr anwendbar sei, vielleicht bezog es sich auf die heilige Ölung; es ist mir jedoch nicht mehr ganz klar bewußt. Er sprach von verschiedenen Salbungen, auch von jener der Könige, und wie selbst ungerechte Könige, welche gesalbt seien, eine innere geheimnisvolle Gewalt vor andern besäßen. Er tat aber von der zähen Salbe und dem Öl in die leere Büchse und mischte beides; ich weiß nicht mehr bestimmt, ob der Herr erst hier oder schon bei der Opferung der Brote das Öl benedizierte. Ich sah hierauf, daß Jesus den Petrus und Johannes salbte, welchen er bei der Einsetzung des heiligen Sakraments auch von dem Wasser, das über seine Hände geflossen war, über die ihrigen gegossen hatte, und die den Kelch, von seiner Hand gehalten, getrunken hatten. Er schritt aus der Mitte des Tisches etwas zur Seite, legte dem Petrus und Johannes die Hände zuerst auf die Schultern und dann auf das Haupt. Sie mußten hierauf die Hände zusammenlegen und die Daumen kreuzen. Der Herr bestrich ihnen, die vor ihm sich tief beugten, ich weiß nicht, ob sie knieten, die Daumen und ersten Finger mit der Salbe und machte ihnen damit ein Kreuz auf das Haupt. Er sagte ihnen auch, dieses solle bis ans Ende der Welt bei ihnen bleiben. Auch Jakobus der Jüngere, Andreas, Jakobus der Ältere und Bartholomäus erhielten Weihen. Ich sah auch, daß der Herr dem Petrus die schmale Zeugbahn, welche sie um den Hals trugen, über der Brust kreuzweise verschlang und den andern von der rechten Schulter unter dem linken Arm quer über die Brust legte. Doch weiß ich nicht mehr bestimmt, ob dieses schon bei der Einsetzung des heiligen Sakraments oder erst jetzt bei der Salbung geschah. Ich sah aber — wie, das ist unaussprechlich —, daß Jesus ihnen durch diese Salbung etwas Wesentliches und zugleich Übernatürliches gab. Er sagte ihnen auch, nach dem Empfange des Heiligen Geistes würden sie zuerst Brot und Wein selbst konsekrieren und auch die andern Apostel salben. Ich hatte hierbei einen Blick, wie Petrus und Johannes am Pfingstfest vor der großen Taufe den andern Aposteln die Hände auflegten, und daß acht Tage nachher dasselbe mehreren Jüngern geschah. Ich sah auch, daß Johannes nach der Auferstehung Jesu der heiligen
Jungfrau zum ersten Male das heilige Sakrament reichte. Es ist dieses Ereignis ein Fest der Apostel gewesen; die Kirche hat es nicht mehr, aber in der triumphierenden Kirche sehe ich den Tag noch feiern. Auch in den ersten Tagen nach Pfingsten sah ich nur Petrus und Johannes das heilige Sakrament konsekrieren; später geschah es auch von andern. Der Herr weihte ihnen auch Feuer in einem erzenen Kessel; es glühte immer nachher, auch nach längerer Abwesenheit, und wurde neben dem Standort des heiligen Sakraments in einem Raum des ehemaligen Osterherdes bewahrt, wo sie es immer zu geistlichem Gebrauch holten. Alles, was Jesus bei der Einsetzung des heiligen Abendmahles und der Salbung der Apostel tat, geschah sehr geheim und ward auch nur als Geheimnis fortgelehrt und ist bei der Kirche bis heutzutage wesentlich geblieben, jedoch durch Eingebung des Heiligen Geistes nach ihren Bedürfnissen erweitert worden. Bei der Bereitung und Weihe des heiligen Chrisams taten die Apostel Handreichungen, und als Jesus sie salbte und ihnen die Hände auflegte, geschah es mit Feierlichkeit. Ob Petrus und Johannes beide zu Bischöfen oder nur Petrus zum Bischof und Johannes zum Priester gesalbt wurden und welchen Grad von Würde die vier andern erhielten, vergaß die Erzählerin zu bemerken. Die verschiedene Art, wie der Herr dem Petrus und den andern die schmale Zeugbahn um den Hals schlang, scheint auf verschiedene Grade der Weihe zu deuten. Nachdem diese heiligen Handlungen vorüber waren, wurde der Kelch, wobei auch die geweihten Salben standen, mit seinem Übersturz bedeckt und so das heilige Sakrament von Petrus und Johannes in den hinteren, durch einen in der Mitte sich öffnenden Vorhang, abgeschiedenen Raum des Saales getragen, der nun das Allerheiligste war. Das heilige Sakrament stand über dem Rücken des Osterlammofens nicht sehr hoch. Joseph von Arimathäa und Nikodemus bewahrten ihnen das Heiligtum und das Coenaculum immer in ihrer Abwesenheit. Jesus hielt nun noch eine lange Lehre und mehrere Gebete mit großer Innigkeit; es war oft, als ob er mit seinem himmlischen Vater spräche; er war ganz voll Geist und Liebe. Auch die Apostel waren voll Freude und Eifer und fragten um Verschiedenes, worauf er ihnen antwortete. Von diesem allen steht, glaube ich, manches in der Heiligen Schrift. Er sprach während dieser Reden einiges zu Petrus und Johannes, die ihm zunächst saßen, allein, was sie später in Beziehung auf früher Gesagtes, was er ihnen anführte, den andern Aposteln und diese den Jüngern und heiligen Frauen nach Maßgabe ihrer Reife zu solcher Erkenntnis mitteilen sollten. Zu Johannes allein aber sprach er mehreres, wovon ich mich jetzt nur entsinne, daß er länger als die andern leben werde und etwas von sieben Kirchen, von Kronen, Engeln und solchen tiefsinnigen Bildern, mit welchen er, wie ich glaube, eine gewisse Zeit bezeichnete. Die andern Apostel fühlten eine leise Eifersucht bei diesem einzelnen Vertrauen. Er sprach auch einigemal von seinem Verräter und sagte: jetzt tut er dieses, jetzt tut er jenes — was Judas eben tat; und da Petrus sehr eifrig war, er wolle gewiß treu bei ihm ausharren, sagte Jesus: «Simon! Simon! Den Satan gelüstet es nach euch; er möchte euch wie Weizen sieben; ich habe aber für dich gebetet, daß dein Glaube nicht nachläßt, und wenn du nun einmal ganz bekehrt bist, dann stärke deine Brüder.» Da aber Jesus sprach, wo er hingehe, könnten sie ihm nicht folgen, sagte Petrus, er wolle ihm bis in den Tod folgen, und da erwiderte Jesus: «Wahrlich, ehe der Hahn dreimal kräht, wirst du mich dreimal verleugnen.» Als er sie aber auf die harte Zeit aufmerksam machte, die bevorstehe, und sie fragte: wenn ich euch ohne Beutel, Tasche und Schuhe ausschickte, habt ihr je Mangel gehabt? Da sagten sie: «Nein». Er aber sprach, jetzt solle jeder, der einen Beutel und eine Tasche habe, sie nehmen, und wer nichts habe, der solle sein Kleid verkaufen und sich ein Schwert anschaffen, denn nun müsse das auch erfüllt werden: er ist unter die Übeltäter gerechnet worden. Alles, was von ihm geschrieben steht, das gehe jetzt in Erfüllung. Sie verstanden das aber leiblicher Weise, und Petrus zeigte ihm zwei Schwerter; sie waren kurz und breit wie Hackmesser. Jesus sagte: «Es ist genug; laßt uns von dannen gehen.» Da sprachen sie den Lobgesang; der Tisch ward zur Seite gestellt, und sie zogen nach der Vorhalle.
Hier traten seine Mutter und Maria Kleopha und Magdalena zu ihm und baten ihn gar flehentlich, nicht nach dem Ölberg zu gehen; denn es sei ein Gerücht, man wolle ihn gefangennehmen. Jesus aber tröstete sie mit wenigen Worten und schritt rasch durch sie hin; es mochte gegen neun Uhr sein. Sie zogen schnell nach dem Ölberg, den Weg hinab, den Petrus und Johannes am Morgen zum Coenaculum heraufgekommen waren. * Ich habe zwar das Ostermahl und die Einsetzung des heiligen Sakramentes immer so gesehen; ich gab mich aber sonst der Rührung so hin, daß ich nur einzelne Teile klar wußte; ich habe es jetzt deutlicher gehabt; es ist eine unbeschreibliche Mühe; denn man sieht in jedes Herz hinein und sieht die Liebe, die Treue des Herrn und weiß alles, was noch kommt; es ist dann ganz unmöglich, alle äußeren Handlungen noch dazu genau zu beobachten; man ist von Bewunderung, Dank und Liebe ganz aufgelöst, kann das Mißverstehen der andern nicht begreifen, fühlt den Undank der ganzen Welt und seineeigene Sünde. — Jesu Osterlammessen war schnell und ganz richtig nach dem Gesetz; die Pharisäer hatten hie und da einige Weitläufigkeiten mehr.

Blick auf Melchisedek

Als unser Herr Jesus den Kelch ergriff bei der Einsetzung des heiligen Sakraments, hatte ich auf einmal ein Nebenbild aus dem Alten Testament. Ich sah Abraham vor einem Altar knien, sah in der Ferne allerlei Volk mit Tieren und Kamelen kriegerisch ziehen; sah einen feierlichen Mann neben Abraham hintreten, der denselben Kelch, den Jesus in der Hand hatte, vor Abraham auf den Altar stellte, und ich sah, daß dieser Mann Scheine wie Flügel an den Schultern hatte; er hatte sie nicht wirklich, es waren nur Scheine, um mir anzudeuten, daß er ein Engel sei. Es ist dieses das erste Mal, daß ich Flügel an einem Engel sah. Es war aber Melchisedek. Hinter Abrahams Altar stiegen drei Rauchwolken auf; die mittelste gerade und hoch, die beiden andern niedriger. Ich sah dann zwei Linien von Gestalten bis auf Jesus. David und Salomon waren auch darunter; es war dieses der Stamm bis auf Jesus(ob der Kelchbesitzer, der Opfernden oder der Geschlechtsstamm, vergaß sie zu sagen). Ich sah über Melchisedek, Abraham und einigen Königen Namen, und so kam ich auf Jesus und den Kelch zurück. Am 3. April 1821 sagte sie ekstatisch: Das Opfer Melchisedeks geschah in dem Tal Josaphat auf einem Hügel; ich kann die Stelle jetzt nicht finden. Melchisedek hatte den Kelch schon. Ja, ich sehe, Abraham mußte von seinem Opfer schon etwas wissen und auch, daß er kam; denn er baute einen schöneren und festeren Altar, als ich je gesehen, und es war eine Laube darüber, ein Zelt; es war auch wie ein Sakramentshäuschen darin, wo Melchisedek den Kelch hineinstellte. Die Becher, woraus er zu trinken gab, waren wie von Edelstein. Es war auch ein Loch auf dem Altar, wie ich meine, zum Opfer. Abraham hatte auch so eine schöne Herde herbeigeführt. Als Abraham früher das Geheimnis der Verheißung empfing, wurde ihm auch eröffnet, daß der Priester des Allerhöchsten das Opfer vor ihm feiern werde, das durch den Messias eingesetzt und zu ewigen Zeiten dauern würde. Er war darum voll Ehrfurcht und Erwartung, als Melchisedek durch ein paar laufende Boten, deren er sich oft bediente, seinen Besuch anmelden ließ. Darum baute er auch den Altar schön und machte eine so schöne Laubhütte darüber. Ich sah auch, daß Abraham einige Gebeine von Adam, wie immer beim Opfer, auf dem Altar aufstellte; Noah hatte sie schon in der Arche gehabt; sie flehten dabei Gott an, die Verheißung zu erfüllen, welche er diesen Gebeinen getan; diese aber war der Messias. Abraham sehnte sich nach dem Segen Melchisedeks.
Es waren auf dem Feld umher viele Leute und Tiere, Päcke und Lasten, und der König von Sodom war bei Abraham im Zelt. Alles war still und feierlich umher. Melchisedek kam von dem nachmaligen Jerusalem her; er hatte dort Wald geebnet und mehrere Gebäude gegründet; ein halbzirkelförmiges war halb vollendet und ein Palast angefangen. Er kam mit einem grauen Lasttier; es war kein Kamel, auch nicht wie unsere Esel; es hatte einen kurzen, breiten Hals und war sehr schnell. Es war breit beladen; auf der einen Seite trug es ein großes Gefäß mit Wein, das an der Seite platt war, wo es gegen den Leib des Tieres lag. Auf der andern Seite trug es einen Kasten, worin flache, nebeneinanderstehende Brote mit allerlei Gefäßen waren. Die Becher, wie kleine Fäßchen gestaltet, waren durchsichtig wie Edelsteine, nicht wie Gold und Silber. Abraham ging ihm entgegen. Ich sah Melchisedek in die Laube hinter den Altar treten, Brot und Wein emporhebend opfern, segnen und brechen; die Feier hatte etwas von der heiligen Messe. Abraham empfing weißeres Brot als die anderen und trank aus dem nachmaligen Einsetzungskelch (es war aber noch kein Fuß daran). Es ward nachher in kleinen Bechern Wein von den vornehmsten Anwesenden dem Volke umher verteilt und auch Brotbissen. Es war nicht konsekriert, Engel können nicht konsekrieren, aber es war gesegnet, und ich sah es leuchten, alle, die es empfingen, waren erquickt und zu Gott erhoben. Abraham ward auch von Melchisedek gesegnet; ich sah, daß dieses ein Vorbild sei, als weihe er ihn zum Priester; denn Abraham hatte das Geheimnis der Verheißung schon, daß aus ihm das Fleisch und Blut des Messias hervorgehen sollte; und ich hatte mehrmals die Weisung, daß Melchisedek dem Abraham prophetisch auf den Messias und dessen Opfer die Worte bei diesem Segen zu erkennen gab: Der Herr sprach zu meinem Herrn: setze dich zu meiner Rechten, bis ich meine Feinde zum Schemel deiner Füße lege. Der Herr hat es geschworen, und es wird ihn nicht gereuen: Du bist ein Priester ewiglich nach der Ordnung Melchisedeks. Ich sah auch, daß David, als er diese Worte im Psalm schrieb, ein Gesicht vom Segen Melchisedeks über Abraham hatte. Ich sah aber, daß Abraham bei dem Empfang des Brotes und Weines prophezeite und ungefähr so viel sagte als: hierbei scheidet, was Moses den Leviten gibt; ich verstand nämlich, daß er Moses und die Leviten prophetisch meinte. Ob Abraham dieses Opfer auch je selbst geopfert hat, weiß ich jetzt nicht. Ich sah, daß Abraham nachher den Zehnten gab von Vieh und von seinen Schätzen; ich weiß nicht, was Melchisedek damit machte; ich glaube, er teilte es wieder aus. Melchisedek erschien nicht alt; er war schlank, groß, ungemein ernst und sanft; er hatte ein langes, weißes Gewand an, so weiß, wie ich kein irdisches Kleid gesehen; Abrahams weißes Gewand schien trüb dagegen. Es schien ganz wie leuchtend; er legte einen Gürtel mit Buchstaben um und setzte eine weiße, gefältete Mütze auf den Kopf bei seinem Opfer wie die Priester nachher, die noch nicht waren. Seine Haare waren lang und hellblond, wie lichte, lange Seide; er hatte einen kleinen gespaltenen, spitzen, weißen Bart, sein Antlitz glänzte. Alles war voll Ehrfurcht gegen ihn, seine Gegenwart machte alles still und ernst. Es wurde mir gesagt: er sei ein priesterlicher Engel und Bote Gottes. Er war gesendet, allerlei heilige Einrichtungen zu machen; er führte Völker, versetzte Stämme, gründete Orte. Ich habe ihn viel früher als Abraham hie und da vorbereitend gesehen, nachher nicht mehr.
parangutirimicuaro
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Aus dem Heiligen Evangelium nach Johannes - Joh 13,1-15.
Es war vor dem Paschafest. Jesus wusste, dass seine Stunde gekommen war, um aus dieser Welt zum Vater hinüberzugehen. Da er die Seinen, die in der Welt waren, liebte, erwies er ihnen seine Liebe bis zur Vollendung.
Es fand ein Mahl statt, und der Teufel hatte Judas, dem Sohn des Simon Iskariot, schon ins Herz gegeben, ihn zu verraten und …More
Aus dem Heiligen Evangelium nach Johannes - Joh 13,1-15.
Es war vor dem Paschafest. Jesus wusste, dass seine Stunde gekommen war, um aus dieser Welt zum Vater hinüberzugehen. Da er die Seinen, die in der Welt waren, liebte, erwies er ihnen seine Liebe bis zur Vollendung.
Es fand ein Mahl statt, und der Teufel hatte Judas, dem Sohn des Simon Iskariot, schon ins Herz gegeben, ihn zu verraten und auszuliefern.
Jesus, der wusste, dass ihm der Vater alles in die Hand gegeben hatte und dass er von Gott gekommen war und zu Gott zurückkehrte,
stand vom Mahl auf, legte sein Gewand ab und umgürtete sich mit einem Leinentuch.
Dann goss er Wasser in eine Schüssel und begann, den Jüngern die Füße zu waschen und mit dem Leinentuch abzutrocknen, mit dem er umgürtet war.
Als er zu Simon Petrus kam, sagte dieser zu ihm: Du, Herr, willst mir die Füße waschen?
Jesus antwortete ihm: Was ich tue, verstehst du jetzt noch nicht; doch später wirst du es begreifen.
Petrus entgegnete ihm: Niemals sollst du mir die Füße waschen! Jesus erwiderte ihm: Wenn ich dich nicht wasche, hast du keinen Anteil an mir.
Da sagte Simon Petrus zu ihm: Herr, dann nicht nur meine Füße, sondern auch die Hände und das Haupt.
Jesus sagte zu ihm: Wer vom Bad kommt, ist ganz rein und braucht sich nur noch die Füße zu waschen. Auch ihr seid rein, aber nicht alle.
Er wusste nämlich, wer ihn verraten würde; darum sagte er: Ihr seid nicht alle rein.
Als er ihnen die Füße gewaschen, sein Gewand wieder angelegt und Platz genommen hatte, sagte er zu ihnen: Begreift ihr, was ich an euch getan habe?
Ihr sagt zu mir Meister und Herr, und ihr nennt mich mit Recht so; denn ich bin es.
Wenn nun ich, der Herr und Meister, euch die Füße gewaschen habe, dann müsst auch ihr einander die Füße waschen.
Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt habe.

Lektionar. Rechte: staeko.net

Origenes (um 185-253)

Priester und Theologe
Kommentar zu Johannes, § 32,25–35.77–83 (trad. © Evangelizo)

„Wenn ich dich nicht wasche, hast du keinen Anteil an mir“
„Jesus, der wusste, dass ihm der Vater alles in die Hand gegeben hatte und dass er von Gott gekommen war und zu Gott zurückkehrte, stand vom Mahl auf“. Was vorher nicht in Jesu Händen war, wird ihm vom Vater in seine Hände gelegt: nicht nur bestimmte Dinge und andere nicht, sondern alles. David hatte gesagt: „So spricht der Herr zu meinem Herrn: Setze dich mir zur Rechten, und ich lege dir deine Feinde als Schemel unter die Füße“ (Ps 110(109),1). Die Feinde Jesu waren nun tatsächlich ein Teil von diesem „Alles“, von dem er wusste, dass sein Vater es ihm gegeben hatte. […] Wegen jener, die in die Gottferne gegangen waren, ist er, der von Natur aus den Vater nicht verlassen will, in die Gottferne gegangen. Er ist aus Gott herausgetreten, damit alles, was sich von Gott entfernt hatte, mit ihm, in seiner Hand, zu Gott zurückkehrt, nach seinem ewigen Plan. […] Was tat Jesus denn, als er den Jüngern die Füße wusch? Hat Jesus ihnen nicht, indem er sie wusch und mit dem Tuch, mit dem er umgürtet war, abtrocknete, die Füße schön gemacht, in dem Moment, als sie die frohe Botschaft verkünden sollten? Damals erfüllte sich meiner Meinung nach das Prophetenwort: „Wie sind die Freudenboten willkommen, die Gutes verkündigen!“ (vgl. Jes 52,7; Röm 10,15). Wenn Jesus aber schon die Füße der Jünger wäscht und sie schönmacht: Wie soll man dann die wahre innere Schönheit derer beschreiben, die er ganz „mit dem Heiligen Geist und mit Feuer“ tauft (Mt 3,11)? Die Füße der Apostel wurden schön, damit […] sie die heilige Straße betreten und in dem wandeln konnten, der gesagt hat: „Ich bin der Weg“ (Joh 14,6). Denn jeder, dem die Füße von Jesus gewaschen wurden – und nur er –, folgt diesem lebendigen Weg, der zum Vater führt; dieser Weg hat keinen Platz für schmutzige Füße. [...] Um diesem lebendigen und geistlichen (vgl. Hebr 10,20) Weg zu folgen, müssen die Füße von Jesus gewaschen werden, der seine Kleider ablegte […], um an seinem eigenen Leib den Schmutz ihrer Füße aufzunehmen, mit diesem Leinen, das sein einziges Kleidungsstück war, denn „er hat unsere Krankheit getragen“ (Jes 53,4).