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Hans-Peter Raddatz: Islamische Konsequenzen der Kultur-Revolution (www.die-neue-ordnung.de/)

Nr. 2 / 2020 April 74. Jahrgang

Hans-Peter Raddatz

Islamische Konsequenzen der Kultur-Revolution

Die Kirche in der Logik-Falle

zwischen Offenbarung und Allah


1. Das politreligiöse Problem

Wie aus den letzten Darstellungen der „globalen Kulturmoral“ und anderen Beiträgen des Verfassers hervorgeht, begründet der asymmetrische Modus zwischen Macht und Masse als unveränderbares Menschheitsmuster nicht nur die Herrschaft der Eliten an sich, sondern auch deren Privileg zur Täuschung der Menschen kraft jeweiliger Weltdeutung. Der aktuelle Kulturwandel wird vom Vatikan begleitet, der im „Islamdialog“ seit dem Zweiten Konzil die Gottheiten zu einem „Höchsten“ (Johannes Paul II.) vereinen will. Dies folgt hermetischer Tradition, deren gnostisch-pagane Machtorden speziell seit der Aufklärung, noch dazu vom literarischen Orientalismus inspiriert, die Gräben zwischen Bibel und Koran, Mission und Djihad, Recht und Scharia etc. einebnen wollen. Die System-Analyse bietet mit einer historisch-ästhetischen Subjekt-Objekt-Logik die wissenschaftliche Methode zur Prüfung solcher Phänomene, die raumzeitlich skalierbar ist, d.h. Langzeit-Prozesse mit Kurzzeit-Ereignissen korreliert. Sie erbringt Erkenntnisse, die sich aus Islam- und Moderne-Analysen ergeben und den globalen Strukturwandel, primär den christlich-bürgerlichen Kulturschwund in Europa, politsozial einstufen lassen. Da diese Systemprüfung das humane „Sinnloch“ (G. Gamm) der technischen Systemtheorie füllt, werden die Logik-Wurzeln des christlichen Gedankens im Bewußtsein erkennbar (s.u.). Es geht um die Dimension Gott-Welt-Mensch, die Metaphysik der Macht, wobei der Islam und das ein Jahrtausend lang christlich geprägte Europa ihre Kulturen mit unterschiedlichen Menschenbildern und Weltanschauungen entwickelten, die zu historischen Konflikten führten. Also ist auch deren logischen Gründen nachzugehen, die die Folgen abschätzen lassen, wenn sie geleugnet werden – ein uraltes Muster, das von jedem Weltwandel provoziert wird, und z.B. noch zur Zeit Arthur Schopenhauers (gest. 1859) Philosophien als „falsch“ einstufte, „die die Grundideen des Christenthums leugneten“ (Parerga I,1, 158). Das hat sich diametral geändert, indem die moderne Tendenz zu politsozialer Radikalität mentale Zwangsstrukturen und Perversionsformen mit Borderline-Qualität enthält, die im EU-Rahmen derzeit die Dekadenz in vor-zivilisatorische Zustände begünstigt. In den „Ursachen und Folgen der Islamisierung“ sind die Institutionen auf ihre Islamizität zu untersuchen, inwieweit sie „falsch“ sind, weil sie „die Grundideen des Islam leugnen“, aber machtlogisch korrekt, weil alle Akteure des antikulturellen Wandels die einheimischen Bürger täuschen.

Auf dem Weg zu einer geldnormierten Arbeitsmasse, der an sozialistische Praktiken anknüpft, sehen die „Führer“ der Staaten, Konzerne und Medien in altkulturellen Christen ein verbal und später physisch disponibles Feindbild. Sie propagieren Allahs Djihad als „Anstrengung im Glauben“, die den Prozeß der Verdrängung in der Islamregion vollendet und in Europa „religionsfrei“ fortsetzt. Unter dem Diktat des Freihandels vollzieht sich ein Strukturwandel, der mit dem fiktiven Begriff der „Interreligion“ die Auflösung der demokratischen Staatenwelt und ihrer kulturellen Wurzeln vorantreibt, eine Dynamik, die primär das Christentum, sekundär das Judentum trifft. In diesem Kontext wird die theopolitische Kirchengeschichte wichtig, die in ihrer seelsorgerischen und kulturbildenden Menschenführung auch klerikalistische Züge annahm, weil die Auslegung des Gottesreichs die politische Willensbildung des Stifters überwog. Wie oft diskutiert, besteht letztere im so naturrechtlichen wie systemischen Verbund aus der Abwertung der Macht und des Geldes sowie der Aufwertung der Frau und des sich seiner individuellen Existenz bewußten Denkens. Der machtklerikale Tonus verhinderte natürlich die christliche Humanität nicht, die die Zeiten wendete und die Fundamente für eine menschenbezogene Weltkultur legte, war aber deutlich genug, den esoterisch-paganen Gegnern die bekannten Vorwände der Religionskritik zu liefern, die mit dem Klerus auch das Christentum traf und ein Basismotiv der Moderne bildet. Mit den hermetischen Elementen der Kabbala, Gnosis, Mystik etc. mündete der Epochentrend in die „Aufklärung“, deren Ideologie mit ihren Begriffen von Freiheit und Gleichheit massenwirksam verschleiert, daß sie, wie ihre Extreme grauenhaft bestätigten, die Zerschlagung der christlich-jüdisch geprägten Menschheitskultur anstrebt. Die Massenfunktion besteht in der kollektiven Projektion der Grausamkeit auf die Kirchengeschichte und in der technischen, mit Unterhaltung gemischten Verbesserung der Lebensverhältnisse.

Sie täuscht über die Mechanismen der Machtverschärfung hinweg, denn je gleicher die Massen, desto freier die Eliten! Die „Eliten“ waren so frei, Westeuropa unter dem Logo des Humanismus mit „reformatorischen“ Religionskriegen zu überziehen, mit der Gewalt Napoleons die Segensbotschaft der „Vernunftreligion“ zu verkünden und auch den Orient dabei nicht zu vergessen. Die Philosophen der Aufklärung und ihre Epigonen höhlten die christliche Offenbarung als „Betrug“ und die Trinität akademisch als „Polytheismus“, populistisch als „Kannibalismus“ aus, als Verirrungen, die die Vernunft vernebelt und nur Kreuzzüge und Inquisition produziert hätten. Dergestalt ihre Gewaltzwänge auf das Feindbild projizierend, brachte die „neue Vernunft“ sowohl den Fortschritt der Wissenschaft als auch die Varianten totalitärer Sozialismen hervor. Die radikalnationale Revolution und ihre marxistische Parallele entwuchsen den Strömungen des Konservatismus, Sozialismus und Kommerz-Liberalismus und formten die moderne Politreligion mit den soziologischen Liturgien der Komplexität, Toleranz und Kontingenz. Seit jeher christenfeindlich motiviert, betreibt sie in „interreligiösem Respekt“ eine epochale Kulturwende, die primär mit dem Djihad – dem „Frieden des Islam“ – die Zivilisation und Menschen der Altkultur „demokratisch“ verdrängt. Dies kennzeichnet den faktischen Machtmodus Europas, der dem Elitenprivileg quasi-göttliche Qualitäten mit der Lizenz zum Völkermord verlieh, indem die Extreme in zwei Weltkriegen über den Kontinent hinwegfegten. Nach kurzer Gewaltpause wuchsen ihre Ideologien unter US-Ägide und im Schutz der nominellen EU-Demokratien zu einer Rot-Braun-Front zusammen, die mit der Religionsfreiheit des Islam ihre Imperiums-Ambitionen reaktivierte. Finanziert durch die Globalisierung der Arbeit und den Anstieg der Börsen, saugt sie ihr Feindbild aus, das christlich-kulturelle Wertesystem und dessen Offenbarung. Letztere soll in einer Weltgesellschaft aufgehen, unter dem Oxymoron eines „Dekonstruktivismus“, der den effektiven Destruktivismus beschönigt.

Hier tritt die Systemanalyse mit Klärungen an, die die „säkulare“ Gegenreligion der Moderne offenlegen. Mit Distanz zur Theologie ist die Logik des kulturellen Naturrechts der Religion zu betrachten, deren Verlust infolge anti-kultureller Ursachen und Folgen der Islamisierung alle westlichen Institutionen tangiert. Diesem Trend als interkultureller und interreligiöser Welt-Revolution steht die christliche Offenbarung und ihr trinitarisches Gottesprinzip entgegen, deren menschenbezogene Singularität die Aggression aller Kultur-Revolutionäre antreibt. Wir müssen daher die gängige Formel der „jüdisch-christlichen“ Kultur abschwächen, weil der irrige Eindruck entsteht, daß paritätische Beiträge zur Identität des europäischen Geistes geleistet wurden. Dem konnte nicht so sein, weil sich das jüdische Profil zum Überleben in der Diaspora schärfte und den hohen Anteil von Juden in Wissenschaft und Wirtschaft erzeugte. Diese sind aber Motoren des antikulturellen Kulturwandels – eine fatale Rückkopplung, die Juden als Feinde der Altkultur erscheinen läßt und den Antisemitismus konserviert. Selbst Teil des Machtprivilegs, können die rabbinischen Eliten dies nicht verhindern, weil sie Bibel- und Talmud-Traditionen folgen, die das böse Schicksal als göttliche Strafe ausweisen. Zudem nährt die komplexe Moderne auch selbsthassende Juden, die „Palästina“ stützen, weil es Israel bekämpft. Um die vielschichtige Gott-Welt-Mensch-Konstellation transparent werden zu lassen, bedarf es einer systemischen Straffung der Begriffe, denn die Wende der Kultur verdankt sich wesentlich der perfiden Genialität des Idealismus und seiner „kritischen Philosophie“. Deren mörderisches Potential hebelt man nicht im Vorbeigehen, geschweige denn im modernen Fragment-Denken aus, weil dies der Grund des Dilemmas ist. Niemand kann sich mit dem Stuhl anheben, auf dem er sitzt, und eben dies ist das Paradox des dominanten Atheismus, der mit dem Theismus voraussetzt, was er als unbewiesen zu beseitigen sucht.


2. Der Sündenfall der Denktäuschung

Einen Zugang zu dem Problem bietet das Phänomen der Gravitation, die als ungelöstes Rätsel die klare Zweck- und Regelmäßigkeit des Universums erhält. Noch rätselhafter erscheint die Entstehung des Lebens, die aus den Stoffen des Kosmos schöpft und die Phänomene der Natur – Myzele, Pflanzen, Tiere, Menschen – schafft, die zeitlich begrenzt sind, aber die Formen – als Gattung im Grunde unsterblich – beibehalten. Es folgt als Meta-Rätsel das Bewußtsein des sich selbst denkenden und die Welt betrachtenden Menschen. In der MachtMasse-Schichtenschere erzeugt und befolgt er unter elitärer Führung die Religionen und Ideologien, die seit der Neuzeit mit „neuen Menschen“ und wissenschaftlich beschleunigt, in die moderne Ersatz-Welt der Artefakte führen. So kann von Kulturgravitation die Rede sein, die in ihrer universalen Herkunft auch Strukturen der materiellen Evolution übernimmt. Im Gegensatz zum Leben gilt dies zunächst weniger für das Folgephänomen des Bewußtseins, das die Welt und sich selbst in permanenter Spiegelung ortet. Dies vollzieht sich zwischen Metaphysik und Physik, zwischen Sein-Werden-Erkennen-Wollen, und illustriert mit der Willensfreiheit ein machtbedingtes Menschheitsproblem. Während die Eliten immer schon Vorteile aus der täuschbaren Wahrnehmung zogen, lavierten sie die Menschen „interreligiös“ zwischen Schöpfung und Evolution, Prozeß und Offenbarung in die Katastrophen des 20. Jahrhunderts. So hielt die anti-agnostische „Wissenschaftskritik“ die Jahrtausend-Epochen Moses – Jesus und Paulus – Luther für vergleichbare „Evolutionen“ (Walter, Vital Science – Analogy of Gravitation, 1899, Vorwort). Der Machtmodus ist hier ein Techno-Spiegel der Kulturgravitation, deren Skalierbarkeit (s.o.) die Flexibilität des Elitenprivilegs garantiert. Da dies das Massen-Bewußtsein steuert und die Welt auch Selbst-Betrachtung ist, dominiert der Zwang zur Ambivalenz, der das Denken mit suggestiven Machtworten lenkt und in der Kritischen Philosophie des deutschen Idealismus eine fundamentale Rolle spielt. Die Willensfreiheit als Lebensnerv des Machtmodus steht im Zentrum einer Diskussion, die seit dem Sündenfall alle wichtigen Denker beschäftigt. Während sich darüber sowohl bei Sophisten als auch Kirchenvätern einiges finden läßt, kommt das Weltproblem nach der Scholastik und der Wissens-Reform des Francis Bacon (gest. 1627) nachhaltig durch René Descartes (gest. 1650) zur Sprache, der mit dem Cogito das Denken und mit dem Zweifel die Wissenschaft auf moderne Wege brachte. Mit seinem epochalen Raum-Zeit-Achsenkreuz formte er die Welt mechanistisch um, fügte aber methodische Anleitungen hinzu. Wer sie nicht beachte, falle der Irreführung des „Betrügergotts“ anheim, der ihn in den magischen Obskurantismus zurückführe und zum „Affen“ mache. Die Nutzung der Wahrnehmung für Machtzwecke zwischen Raum, Zeit und Kausalität ist das analytisch unverzichtbare Verdienst Kants (gest. 1804). Er erklärte die vom Bewußtsein erkennbare Welt zu Erscheinungen, stellte sie der nicht erkennbaren Welt, dem Ding an sich und einem Bewußtsein überhaupt gegenüber, machte das Gebilde in „Als-ob“-Annahmen relativierbar und erhob es mit der fiktiven Massenmoral des „Kategorischen Imperativs“ zum PseudoGesetz. Dieses Patent der Denk-Manipulation nährt alle Philosophien der Nachwelt und die Illusion, „sich aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit herauszuführen“, bewahrte den Denker indes nicht vor existentieller Angst: „Es scheint doch, man müsse, sobald man annimmt Gott als allgemeines Urwesen … auch einräumen, die Handlungen des Menschen … in der Kausalität eines von ihm unterschiedenen höchsten Wesens“ (Kritik der prakt. Vernunft).

Analytisch ebenso wichtig ist die „Welt als Wille und Vorstellung“ des Arthur Schopenhauer (gest. 1859), der sich als „Vollender Kants“ verstand, indem er dessen Logik-Lücken bei den Begriffen von Freiheit und Gewissen gnadenlos destruiert. Er bestreitet ihm das Recht, über eine universale Moral zu urteilen, „an dem sich nicht nur die Philosophien aller Zeiten und Länder die Zähne stumpf gebissen haben, sondern demselben auch alle Götter des Orients und Occidents ihr Daseyn verdanken“ (Über die Grundlage der Moral, 151ff.). Bei letzteren entsteht eine Sonderstellung des Christentums, die sich von seinem Buddha-Respekt optimistisch abhebt. Dies verdankt sich der Kritik an Kants Destruktion, die die Raum-Zeit-Sinne manipuliert, wobei Schopenhauer betont, daß eine „Philosophie für die Regierung“ dem christlichen Prinzip zuwiderläuft. Der Willensphilosoph konturiert ein von den „Lohngelehrten“ verschwiegenes Bewußtsein, das dem Menschen den Raum äußerlich und die Zeit innerlich vermittelt. Hier entsteht ein gedankliches Potential grenzenloser Ausdehnung, das in der Subjekt-Objekt-Dialektik der Welt seine Existenz betrachtet. Deren Vielheit in Raum und Zeit folgt unbekannten Kausalitäten, die das Bewußtsein hervorbrachten, aber im Menschen nicht lokalisierbar sind.

Die Forschung kennt nur Funktionen, die im „W-Netz“ – Wahrnehmung-Wissen-Wille-Wahn – wechselwirken. Ein Ort des Bewußtseins, das sich zudem mit den Rätseln des Schlafs und Traums verbindet, ist bislang wissenschaftlich nicht konkretisierbar. „Was für ein Zustand zu dieser Zeit an jenem Ort eintreten muß, ist die Bestimmung, auf welche sich ganz allein die Gesetzgebung der Kausalität erstreckt … Das subjektive Korrelat der Materie oder der Kausalität, denn Beide sind Eines, ist der Verstand und er ist nichts außerdem … Die erste, einfachste, stets vorhandene Äußerung des Verstandes ist die Anschauung der wirklichen Welt … Sie ist die Erkenntnisweise des reinen Verstandes, ohne welchen es nie zur Anschauung käme, sondern nur ein dumpfes, pflanzenartiges Bewußtseyn der Veränderungen des unmittelbaren Objektes übrig bliebe …“ (Bd. 1,1, 38,39). Hier stellt der Philosoph den Quantensprung des Bewußtseins heraus, das notwendig an der Wirklichkeit teilhat, weil es als deren Beobachter die geistige Fortsetzung des Weltprozesses ist, zugleich auf dessen materieller Basis beruht und im Macht-Masse-Modus die Welt wahrnimmt und verändert. Nachdem er Kants Denkfehler betont und ihre Wiederkäuer verspottet hat, beschließt Schopenhauer sein Konzept (Parerga I,1, 114f.), das so unbewußt wie logisch dem christlichen Offenbarungs- bzw. Trinitäts-Bewußtsein nahekommt (s.u.). Sein archimedischer Punkt ist die Zeit, die die auf den Verstand reduzierte Vernunft ad absurdum führt, weil sonst die denkfreie Pflanzenexistenz ansteht, die er Kants Meta-Täuschung anlastet. Bewegungen in Raum und Zeit sind nur durch Unterschiede wahrnehmbar, die einen Beobachter brauchen. Wenn sich das Bewußtsein auf bloße Erscheinungen stützt, kann es keine Erfahrung aus der Wirklichkeit schöpfen, weil es sich selbst gleich bleibt, indem es mit den Veränderungen der Zeit denkfrei vorrückt und irgendwann ver-rückt wird. Mit den abstrakten Zutaten des „An sich“ und „Überhaupt“ bildet Kants VernunftRezeptur das Patent „geistiger Kastraten“ (Schopenhauer) und wurde mit dem „Als ob“-Schlupfloch zum meistzitierten Garanten moderner Prothesentechnik.

Da das Ganze schlicht oktroyiert wird, der Mensch aber im Laufe des Lebens, wie verdummt auch immer, Veränderungen feststellen kann, „muß hiezu im Bewußtseyn selbst etwas Unbewegliches seyn … welches als Subjekt dem Lauf der Zeit … unverändert zuschaut“ (ebd.) – eben jenes „von ihm unterschiedene höchste Wesen“ des unsicheren Kant. Das „Unbewegliche“ ist die Metaphysik des Humanum als Pendant zum Beharren der Materie in der Dingwelt, das der moderne Destruktivismus un-bedingt unterdrückt. Indem die Kern-Philosophie der „Human“-Wissenschaften im Bewußtsein die Fähigkeit blockiert, sich mit den Erscheinungen wahrzunehmen, driftet die Masse in die Gleichschaltung. Dabei steigert die asymmetrische Machtschere die Elitenprivilegien umgekehrt proportional, bis das System chaotisch kollabiert, weil wie seine Gewaltwellen demonstrieren, der „Strukturwandel“ zum Struktur- und Kulturbruch wird. Im Maße der Technisierung ebnet sich der Geist der Unterscheidung ein und wird durch eine Zwangsharmonie ersetzt, die man „Komplementarität“ nennt, was die neue „Logik“ schafft, nach der A gleich B ist. Die Einebnung signalisiert einen Schwundprozeß, der auf dem Bewußtsein selbst beruht. Denn indem es sich als Subjekt im Subjekt-Objekt-Verlauf wahrnimmt – in der Anthropologie die Exzentralität (H. Plessner) – weiß es, daß es auch ein Nichtbewußtsein sein kann, was individuell nach geistiger Abwesenheit „zu Bewußtsein“ kommt und kollektiv unbewußt in den Nihilismus führt, der sich gegenwärtig anbahnt. Der vom Akademielohn unabhängige Schopenhauer spricht der Philosophie das Recht ab, die individuelle Vernunft auf den technischen Verstand zu reduzieren, so daß die Welt nicht nur aus der „Komplexität“ bloßer Erscheinungen besteht, die der „lukrativen Afterphilosophie“ zufolge beliebig ausfallen soll. Aus dieser gottähnlichen Multiwelt – in der Soziologie Kontingenz – leitet er eine Inflation von Klein-Dämonen ab, die „weder Hand noch Fuß“ haben (ebd., 129) und den religionskritischen Philosophen krypto-christlich erscheinen lassen (s.u.). Denn jeder denkende Mensch kann sich dem Zwang entziehen und feststellen, daß die Erscheinungen in dem Maße erfahrbar werden, in dem das SelbstBewußtsein die Denkblockaden seiner Zeit und somit seine evolutionären Vorstufen übersteigt. Während der Affe z.B. bei Nietzsche und Kafka als Ikone für den Massenmenschen und im Islam als Ebenbild des Unglaubens fungiert, bemüht sich die „Forschung“, seine Gene im Humangenom aufzuspüren. Das christliche Offenbarungs-Denken setzt dagegen am Menschen als Ebenbild Gottes an und weicht dabei schon im Ansatz von den „jüdischen Vätern“ ab. „Gott sprach, lasset uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei“ (1. Mos. 1, 26), ein Plan, den Gottes Allmacht mit dem Sündenfall scheitern ließ, weil ansonsten die Menschheit nicht hätte entstehen können. So bezog sich das teuflische Versprechen, wenn vom Baum der Erkenntnis gegessen würde, die Gottähnlichkeit zu erlangen, nur auf das Bild, das von Gott auf den Menschen abstrahierte. Die göttlichen Merkmale – Allmacht, Allwissen, Allgegenwart (Ewigkeit) – enthielt es natürlich nicht, weil das „All“ fehlt, ganz zu schweigen von moralischen Qualitäten wie Allgüte, Allwahrhaftigkeit und Allgerechtigkeit.

Eben darum gaukelte das Versprechen die Göttlichkeit menschlicher Merkmale vor – die biblische Version des Machtmodus –, denn der Unterschied zwischen Gotteswort und Auslegung spiegelt die eherne Schere zwischen Elitenbefehl und Massengehorsam. Wie die Geschichte beweist, „wähnt“ sich Macht um so göttlicher, d.h. wahnhafter, je mehr sie vom „All“ hinzufügt und zum Motor des Bösen in der Welt, d.h. der Erbsünde wird. Dieser Kontext gehört zur Botschaft des Kirchenstifters und ist Angriffsfeld der antitrinitarischen Gegner, wird aber eher den Geführten als den Führern angelastet, was herrschaftstechnisch korrekt ist, aber die jesuanische Machtkritik nicht wirklich würdigt (s.o.). Wenn das „All“ überwiegt, d.h. der Machtwahn beginnt, artet Herrschaft in Zwang und Perversion aus, reißt alle Schranken humaner Ordnung zwischen Leben und Tod nieder und scheint derzeit wieder in eine solche Phase einzutreten. Während dies früher als ultimative Sünde galt, ist es in der antikulturellen Weltdeutung eine Tugend, die zu kritisieren die Verdikte des islamophoben und antisemitischen Rassismus provoziert und auf dem Weg zur Todsünde ist. Daß der Vatikan Allah gleichbildlich mit Gott „wähnt“, kann alle Dogmen aufheben, weil ersterer im Koran letzteren aufhebt, ein Kontext, der für die „Ursachen und Folgen der Islamisierung“ strukturell und existentiell zu prüfen ist.


3. Systemdefizite zwischen Religion und Ideologie

Die Reformation bietet dazu erste Ansätze. Während das Ablaßgeschäft ihren äußeren Anlaß bildet, liegt ihr als inneres Motiv vor allem die Abschwächung des Sündengedankens und so auch des Papsttums zugrunde. Ihre Vertreter gaben zu, daß die Luther-Bibel vieles verschweige, lehnten es aber ab, sich den Erklärungen der römischen Theologen zu unterwerfen. Anhand des Ablasses stellte der juristisch und theologisch versierte Luther die Irrtumsfreiheit des Papsttums und der Konzile in Abrede. Ihnen hielt er entgegen, daß die Religion keine Sache einer Bürokratie, sondern des Menschen sei, der sich allein durch den Glauben an Gottes Wort (sola fide – sola scriptura) rechtfertige und – ob Sünder oder nicht – des göttlichen Gnadenerweises würdig zeige (sola gratia): „Es muß ein jeglicher allein darum glauben, daß es Gottes Wort ist und er inwendig befinde, daß es Wahrheit sei“ (zit. Mock, Abschied von Luther, 81). Daß damit Kriterien der Kirche entfielen – Priesterweihe, Werkfrömmigkeit, Beichte, Ehesakrament etc. – ist Stoff einer riesigen Theologie-Literatur, an der sich die Systemanalyse nicht beteiligen kann. Ihr Interesse konzentriert sich auf die historische Entwicklung abstrakter Gründe, die zu konkreten, politsozialen Folgen führen. So sagt Luther weiter: „Durch das innere Urteil urteilt jeder, durch den Heiligen Geist oder die besondere Gabe Gottes erleuchtet, mit höchster Sicherheit und entscheidet die Dogmen und Meinungen aller“ (ebd.). Indem der Reformator damit jedem Credo ideologischer Machtambitionen die göttliche Weihe einhauchen wollte, zwang ihn die machtwidrige Relevanz der christlichen Offenbarung, den trinitarischen Gottesbegriff zu entkernen. Theologisch als menschheitliche Erlösung und Neustart der Schöpfungsordnung gewertet, erfüllt das Evangelium die biblisch-mosaische Offenbarung nicht nur spirituell. Mit den Kernsätzen der jesuanischen Zeitenwende (s.o.) legt es der Macht politsoziale Zügel an, kam damit aber weder im historischen Amtsklerus, noch in der amtskritischen Reformation zu angemessener Geltung. Da der Heilige Geist „weht, wo er will“, verflüchtigt er sich aus Luthers Denken. Der Gottmensch, dessen Leben und Tod zum Leitbild der menschlichen Werke wurden, war der Trinität zu entnehmen und zum Appendix der Offenbarung zu verkleinern (additus ad eam). Die neue „Freiheit des Christenmenschen“ sieht die Welt nach machtgemäßen Vorgaben, spaltet sich in Sekten und verliert allmählich das offenbarte Maß zwischen Gut und Böse, Mensch und Unmensch. Damit war auch die Vernunft eines Thomas von Aquin (gest. 1259) gefährdet. Nach ihrer aristotelischen Logik konnte Gott keine entgegengesetzten Urteile fällen, A konnte nicht gleich B sein. Darin sah Luther eine abwegige Freiheit, nämlich zwischen Glauben und Vernunft, Evangelium und Existenz Bindungen herzustellen, die einen Willens-Freiraum öffneten. Die jesuanische Offenbarung, die das Menschsein von der Macht emanzipierte, war daher zu wandeln in ein Manipulations-Potential, das das Humanum an die Weltbilder der Fürsten (eius religio) und an die Kontrolle der „Prädestination“ anpaßt. Es verengt sich mit der Ausweitung der elitären Privilegien und bildet Vorstufen zu den Ersatz-Gottheiten der Moderne sowie zur Annahme Allahs. Der löscht die Gegensätze, indem er als Negativ-Konzept des Heiligen Geistes und „bester Täuscher“ in die Irre führt, wen er will und fürstlich dazu berechtigt, „das Richtige zu befehlen und das Falsche zu verbieten“ (3/111). Dieser Kontext läßt sich weniger mit dem aktuellen Betrug des „Islamdialogs“, sondern mit Methoden der „alten“ Wissenschaft erhellen, wenn Ursachen und Folgen der Islamisierung für die Gegenwart verstanden sein sollen. Denn mit der bekämpften Unabhängigkeit des Bewußtseins gerät die ebenso bekämpfte Offenbarung, ob geglaubt oder nicht, in eine systemische Sonderposition im philosophischen Diskurs, die sie zur Teilnehmerin und wie zu beweisen ist, mit dem trinitarischen Prinzip zur Kraft der menschheitlichen Beobachtung macht. Die Systemanalyse allgemein und Kantkritik speziell stoßen natürlich nicht auf ungeteilte Zustimmung. Während zu ersterer die Gegenvorschläge ausbleiben, sollen Kants Begriffe von Gewissen und Sittlichkeit als Grundlagen moderner Ethik auch kirchlich anschlußfähig sein. Zwar trifft dies auf die Zeitkirche, nicht aber auf die Kirche zu und wurde hinreichend widerlegt, doch sind die Zweifel aus der Sicht linientreuer Frömmigkeit verständlich, weil sich Kants Ambivalenz als Philosophie des Katholizismus verwerten läßt (Hugo Bund, Berlin 1913). Sie beruht auf dem „Ding an sich“ als Plagiat des Gedankendings, das zwischen Antike und Scholastik als Medium der Ästhetik und machthaltigen Übergangs vom Gedachten zum Gemachten, vom Wort zur Tat diskutiert wird (Kobusch, Sein und Sprache, 70f.). Kant und das Nachfolge-Trio Fichte-Hegel-Schelling griffen es auf und inspirierten mit ambivalenter Rhetorik die Zweiteilung der Philosophie in Analytik und Organik, die sich im Rot-Braun-Sozialismus abbilden und in den heutigen Destruktivismus führten.

Dessen begriffliche Unklarheit (s.u.) stützt den „Dialog“ des globalsozialistischen Kulturabbaus, der mit dem 68er-Schub den „Marsch durch die Institutionen“ einleitete und sich schon bald nach dem Zweiten Konzil auch der Infiltration der Priesterseminare widmete. Kant und Fichte stehen für das Bewußtsein des elitären Ich, und letztere beiden für dessen Radikalisierung in eine „Vaterschaft des Totalitarismus“ (E. Cassirer). Sie ließ die Diskurs-Literatur, auch durch den Respekt sozialistischer Autoren vor den eher „rechten“ Mystizismen M. Heideggers, E. Jüngers und C. Schmitts, zu einer medial geölten Maschine des obsessiven Abschreibens degenerieren. Die Dauer-Geburt der Moderne speist sich parasitär aus den geldnormierten Kahlschlägen der Euro-Kultur und legt die Axt an das Humanum, das Naturrecht des Christlichen. Mit Technologien der Massenkontrolle setzt sie Traditionen der Staats-Konzern-Kollaboration fort, die aus Denk- und Geburtenschwund, Umweltzerstörung, Verarmung, Migration, und Sterbehilfe endloses und nun auch zinsloses Geld „schöpft“. Letztere wird so zufällig wie systemgünstig vom Erfolg des Corona-Virus unterstützt, der primär die Alten trifft und offiziell „60-70 Prozent“ aller Bürger (O-Ton Regierung) erkranken lassen soll. Damit zurück zur Subjekt-Objekt-Dialektik des Bewußtseins, die in der Logik der Offenbarung eine zentrale Rolle spielt und auf Menschheitsebene das trinitarische Prinzip hervorbrachte. Nach den Hinweisen in der Ebenbild-Diskussion ist die Offenbarung mit der Kategorie zu prüfen, in der das Bewußtsein zugleich Teilnehmer und Beobachter des Weltprozesses ist. Die Humanwissenschaft mit Komplexität, Toleranz und Kontingenz, die Orden der Neuen Weltordnung mit Gnosis, Mystik und Esoterik, die Naturwissenschaft mit Quantendynamik und Kunstintelligenz nutzen magisch wirksame Mittel mit Prothesenfunktion (NO 06/19). Hier wirken die suggestiven Eigenschaften des Gedankendings, die mit der „Selbstschaffung“ der Gesellschaft bzw. „zweiten Schöpfung“ der technischen Übernatur den „säkularen“ Eliten quasi-göttliche Funktionen zuwachsen und sie daher irrational ausufern lassen Scheinkompatible Begriffe wie „Strukturkopplung“ durch „Leitdifferenz“ (Niklas Luhmann) vernebeln die Einebnung des Denkens im Bildungsschwund, der „zur Reflexion unfähig“ (P. Bürger), die Gebetsmühle akademischen Abschreibens antreibt. Damit ist die Luhmann-Methode nicht erschöpft, sondern zeitigt durchaus bemerkenswerte Ergebnisse, indem der Soziologe zur Beobachtung seines Systems den islamischen Teufel (iblis) als „Substitut für Gott“ einsetzt. Dies führt Günter Schulte in „Der blinde Fleck in Luhmanns Systemtheorie“ näher aus: „Rollen wir noch einmal mit Luhmann den Fall des Teufels auf …

’Während der christliche Teufel nur Gott beobachten will (und dies doch wohl durchaus im Sinne Gottes), und darüber zu Fall kommt, schafft Gott (Allah) den Teufel des Islam unter dem Namen des Iblis direkt durch die paradoxe Weisung: verehre Adam! Iblis aber hält Gott (Allah) für das einzige verehrungswürdige Wesen; er kann deshalb diese Weisung weder befolgen, noch ablehnen. Er muß entscheiden und wird, so oder so, zum Bösen … Er weiß besser als Gott (Allah) selber, was Gott (Allah) zukommt – das Schicksal eines Beobachters, und sündigt damit…‘“ (258f. – „Allah“-Klammern v. Verf.). Die paradoxe Gut-Böse-Schaltung wiederholt sich in der Ja-Nein-Codierung der Kybernetik bis hin zur Sozialvernetzung, deren programmtechnische Steuerung den humanen Gottesbegriff umkehrt, „indem sie die symbolisch-diabolische Handhabung von Sinn gewährleistet. Während so die Systeme gegen ihren Selbstmord geschützt sind, ist dies bei der realen Menschheit nicht der Fall … So kann es nicht wundernehmen, daß Luhmanns Kommunikationssysteme in technisierter, d.h. codierter Form die „Hölle“ sind, und zwar Überlebenshöllen. Sie gehen auf teuflische Weise nicht an ihrer Paradoxie zugrunde“ (Ebd., 95). Um so deutlicher erscheint die zuallerletzt von Atheisten bestrittene Energie, die ihre Segnungen asymmetrisch auf Elite und Masse verteilt mit a) der sozialtechnischen Dehumanisierung der Gesellschaft, b) der wachsenden Vermögensschere und c) der zwanghaften Einschleusung der Muslime als Gottesvolk. Sie sind Kriterien des sicheren Fortschritts der weltrevolutionären Systemüberwindung, die die totale Denk- und Verhaltens-Nivellierung anstrebt und mit automatenhaften Angriffen auf den trinitarischen Christengott ihren gefährlichsten Gegner „offenbart“. Diese Feindbildung, die alle der „Vernunftreligion“ dienlichen Gottheiten nutzt, um sich radikal gegen das Christentum zu definieren, bedingt im Gegenzuge, dies mit darin gespiegelten Mitteln zu überprüfen. Das heißt im Klartext, daß sich ein solches Feindbild mit der Übernatürlichkeit des Bewußtseins und der Offenbarung verabsolutiert und auch mit diesen Kriterien in Frage zu stellen ist. Da die Kulturwandler sie unentwegt angreifen und mit der Gebetsmühle der „Toleranz“ verdrängen, erschleichen sie ein wirksames Negativbild, das sie „demokratisch“ zum parasitären Mißbrauch und zur Ausbeutung der Altkultur auf systemrelevanter Basis „berechtigt“, ethisch, rechtlich, finanziell, kulturell. Daß sie trotz allen materialistischen Getöses offensichtlich selbst nicht vom Transzendentalen loskommen, zeigen die Rituale der Extremismen und die Vergötterung ihrer Führer, die sich in Allahs Gottesvolk fortsetzt, das Europa in jeder Hinsicht „bereichern“ soll. Flankierend lasten die Kultur-Revolutionäre der theologischen Konkurrenz, speziell der katholischen, zum Selbstschutz alle Übel dieser Welt, vor allem Habgier und Pädo-Sexualität an, wenngleich deren Führungen die interreligiöse Ideologie strikt befolgen und sich „offenbar“ an deren Spitze setzen, indem sie Vorkehrungen treffen, Allah anbeten zu lassen. Als „spirituelle“ Avantgarde der Kultur-Revolution bestätigen sie den Verlust des seiner selbst bewußten Bewußtseins, sollten sie je darüber verfügt haben, der sie in die reine Subjekt-Objekt-Relation verflacht. Sie sind Opfer und Täter der Moderne-Ideologie, indem sie zu Feinden des eigenen Naturrechts werden, das im Recht auf Menschsein besteht und wenn die Demokratie intakt wäre, das Recht auf Religionsfreiheit des christlichen Geistrechts hätte. Zur logischen Prüfung des Kontextes ist der Gottesbegriff des Offenbarungs-Denkens zugrunde zu legen, der wie die All-Dimension zeigt (s.o.), durch nichts bedingt, keiner menschlichen Eigenschaft vergleichbar und auch mathematisch nicht erreichbar ist. Er hat als Weltschöpfung keinen Anfang und erfüllt die Unmöglichkeit, Subjekt und Objekt, A und B zugleich zu sein. Erst mit Jesus öffnet sich eine dritte Dimension, der nicht geschaffene Durchbruch zum Denken, das von der Macht distanziert und das Gedankending in Frage stellt.

Mit dem Heiligen Geist offenbart sich ein göttliches „Bewußtsein“, das dem menschlichen Zugriff entzogen ist, aber human erfaßbar wird, weil es trinitarisch zugleich sich selbst und über Jesus die Menschheit betrachtet und im Spiegel dieser Dreiheit die Denkstruktur der Individualität hervorbringt. Mit der jesuanischen Präsenz zwischen Gott und Welt wird die völlig neue Ethik der menschenbezogenen Moral geboren, die die Zeitenwende bewirkt und eine Weltkultur mit einem ebenso neuen Bewußtsein in Gang setzt. Es erweist sich als Stachel in der Substanz menschenfeindlicher Macht, weil es offenbart, d.h. der Machbarkeit entzogen ist. Diese Eigenschaft versucht Muhammad sechs Jahrhunderte später dem Koran zu geben, nun militant profanisiert im Djihad, dem die islamische Systemüberwindung gegen Christen (und Juden) obliegt. Während die übernatürliche Präsenz des Gottmenschen in der Eucharistie den Einzelnen an das erinnert, was ihn zum Menschen macht, ist es auch die kulturwendende Zwanghaftigkeit der Dauergegner, ob Gnosis oder Islam, ihr Inneres in eine Hölle zu verwandeln, die die Welt zum Paradies machen soll. Wie die Subjekt-Objekt-Logik und ihre theo-philosophische Entwicklung zeigen, läßt sich diese menschheitliche Bewußtseinswende mit keiner Weltdeutung vergleichen, weil sie den Macht-Modus durchbricht und das Unmenschliche des Elitenprivilegs offenbart. Kein Zufall also, daß selbst die Kirche immer schon extern und intern mit diesem Fundamentalproblem konfrontiert war und nun mit ihrer Führung der Welt beispielhaft demonstriert, daß das Personal jeder Institution zum Täter und Opfer des modernen Denkschwunds wird.


4. Die Epochenvernunft des Kajetan von Weiller

Bei Interpretationen dieser umfassenden Art kommt oft der Begriff der „Wechselwirkung“ ins Spiel, der auf „human“-wissenschaftlicher Ebene die Transzendenz in die Immanenz zieht. Wie gesehen, geht es machtpolitisch um die funktionale „Relation“ der Einzelnen mit dem Ganzen, die sie modern vereinzelt, weil der Mensch sich aus vernetzten Rollen definieren soll, die auf neoreligiösen Begriffen als Gottesersatz beruhen. Ob sich das Transzendentale in einer „Vorsehung“, „Komplexität“ oder auch im „Frieden des Islam“ verbirgt – immer sind es Schutz-Metaphern für das Herrschaftsmotiv des Elitenprivilegs. Kehrt man dies um, „erscheint“ der ideologische Reflex: „ … die mechanische Metapher an sich ist kein geeignetes Mittel zur Eliminierung … menschlicher Beziehungen, denn Mechanismen sind selbst subjektiv konditionierte Erzeugnisse, und ihre besonderen Eigenarten … sind genau das, was erklärt werden muß. Für sich gesehen, präsentieren die Maschinen ein Rätsel, keine Erklärung“ (A. Sutter, Göttliche Maschinen, 58 – Frankfurt 1988). Das Rätsel klärt sich im Spiegel-Rätsel des Subjekt-Objekt-Bewußtseins am Beispiel des kartesischen Cogito. Dessen Zweifel unterscheidet die Dingwelt zwischen Realität und Erscheinung und wurde zum Anathema der Subjekt-Philosophie von den Kantianern über die Euro-Destruktivisten bis hin zu den Anglo-Pragmatisten und ihren 68er Mutanten, die allesamt den „Vorrang des Objekts“ fordern. Seit dem Zweiten Konzil sieht die Kirche in Rom das kaum anders, nicht nur weil sie den Zweifelsphilosophen schon zu dessen Lebzeiten verfolgen ließ, sondern im etwaigen islamischen Austausch der Dogmen das Cogito als westliche Errungenschaft unabhängigen Denkens ablehnen muß. Das hat im Verbund mit der radikal-philosophischen Globalideologie fatale Folgen. Hier gerät das Cogito sogar zum Kategorienfehler (G. Ryle), dessen Vertreter keinen Anspruch auf Existenz haben. Die Psycho-Projektion auf das Feindbild Descartes realisiert dessen Prognose der Vertierung (s.o.) und dreht die Spirale des Denkschwunds, die die Entmenschlichung erzwingt – fortgesetzt im Netz-Funktionalismus, der als Motor der antikulturellen Dehumanisierung gern die „Väter des Totalitarismus“ und deren Freiheitsbegriff der „Einsicht in die Notwendigkeit“ (Hegel) nutzt. Sie spiegelt sich selbst im Eliten-Bewußtsein des Islam, denn dies sieht die Freiheit im Kadavergehorsam eines „Volksviehs“ (Koran 25/44), das „keinen Zwang im Glauben“ fühlen kann und darf (2/256). In dem islamisch ritualisierten „Kulturdialog“ kommt die „säkulare“ Politreligion zum Ausdruck, deren Liturgie in der Wiederholung relationaler Beziehungen besteht und mit der Komplexität fortlaufender Vernetzung die gnostisch-physikalische Gottheit des „Höchsten“ (s.o.) bzw. „Unbewegten Bewegers“ (Aristoteles) anbetet. Denn die Wechselwirkungen erzeugen die Chimäre einer Ersten Ursache, die zwar keine Weltschöpfung, aber die Ur-Prothesen erklärt – Urnebel, Urknall, Urschlamm etc. – die alle Unterschiede und das emanzipierte Denken schwinden läßt. Schopenhauer sieht darin eine „Alarmkanone“, die den Verlust der Begriffe und das Versinken des Humanen im Bodenlosen ankündigt.

Dies erscheint als krypto-christliche Auslegung des Philosophen (s.o.) und kongeniales Signal für die Kirche, zumindest in Europa, die wenn sich der politsoziale Abbau des menschenbezogenen Offenbarungs-Bewußtseins fortsetzt, zum Systemelement der modernen „Überlebenshölle“ wird (s.o.). Das erkannte schon vor zwei Jahrhunderten Kajetan von Weiller (gest. 1826), Professor der Philosophie und geweihter Priester mit Klostererfahrung, der unbeeindruckt von Hierarchien, die fatal-letale Wirkung der „totalitären Väter“ offenlegte (Der Geist der allerneusten Philosophie, der Herren Schelling, Hegel und Kompagnie, München 1804). Seine Analysen der „allerneusten“ Vernunft sind auch heute von ungebrochener Aktualität, indem sie mit frappierenden Parallelen zur Gegenwart aufwarten. Ihre Zeitkritik beseitigt jeden Zweifel an den Langzeit-Wurzeln der Kultur-Revolution, deren „Vernunft“ heute nahtlos an die damalige „Logik“ anschließt. So können die Werke dieses Autors nur als „unbedeutend“ bewertet werden (Deutsche Biographie), speziell in der Kirche, obwohl (oder weil) er die philosophische Wahrheit der Offenbarung anstrebt. Schon in der Einleitung wird deutlich, daß Weiller die elitäre Hybris der „Herren“ anvisiert, die sich nicht an „Sackträger, Kameltreiber und Bauknechte“ wenden, sondern in „höheren Welten“ schwelgen will und Argumenten unzugänglich ist. So spricht er weder zu „genußsüchtigen Eleganten“, noch zum Volk, die er gleichermaßen als unfähig und denkfaul einstuft, sondern zu jenen Gebildeten, die „gewohnt sind, selbst zu denken“ und für bloße Behauptungen triftige Belege verlangen. Dabei nimmt er Konflikte mit den „Höheren“ in Kauf, weil sie sich „von keiner weltlichen Hand“ entweihen lassen wollen. So kann bereits der politreligiöse Machtmodus und die Ähnlichkeit des vorgestellten Systems mit der „selbst-schaffenden“ Funktions-Vernetzung unserer Zeit erkennbar werden: „Sie verursachen nur ein durch Stöße von außen bewirktes, in sich aber todtes Treiben und Getrieben werden ohne Absicht und ohne Sinn, also nur einen wilden, reißenden Mechanismus“ (S. IX). Darin erkennt er eine nach 300jähriger Verpuppung profanisierte Scholastik.

Die frühere Form, die in Denkschleifen über die Relationen von Begriffen diskutierte, aber mögliche Wirklichkeiten erzeugte, sei zur Neo-Scholastik der „neuesten“ Philosophie erstarrt. Deren Angriff auf die trinitarische Form war im Begriff, das Denken selbst zu beseitigen und die Diskussion auszuschließen, was mit dem „reißenden Mechanismus“ zu befähigen schien, eine neue Welt zu erzwingen. Möglichkeiten konnten kraft Willkür in Wirklichkeiten überführt werden – die aufklärerische Radikalisierung des scholastischen Gedankendings. Dazu setzte die „berüchtigte Kunst der Theurgie“ (Gottzeugung) Begriffe in die Welt, von Spinoza, Leibniz und den „neuesten Philosophen“ zu hoher Blüte gebracht, die die Phantasie befähigten, Dämonen für möglich zu halten, freilich ohne zu begründen, wieso gleichzeitig das Bewußtsein eine tabula rasa und die Sinneseindrücke leere Hirngespinste sein sollten. So geraten schon damals die Menschen zu Relationsbündeln, die sich in der Wechselwirkung zur Masse verdichten und beizeiten auch Volk und Staat zu Dämonen werden lassen. „Ob außer den Widersprüchen der Gedanken nicht etwa noch ein Widerstreit der Sachen statt haben kann, das beunruhigt einen solchen Denker nicht“ (S. 24). Das Ergebnis war und ist dasselbe: die Einheit von Gott, Welt und (elitären) Menschen, die nun in Allah einen neuen Halt zu finden scheint. Die auf Schelling gestützte, „logische“ Bedingung der Kulturwandler lautet: Da die Wahrnehmung fehlerhaft und der Irrtum die Regel ist, ansonsten die Altkulturellen gar nicht auf die Idee des Beweises kommen könnten, ist das, was sie Denken nennen, unzulässig. Ihre gesamte Geistesgeschichte ist ein einziges Sammelsurium von Fragmenten, eine Organisation des Irrtums, die schon bei erster Befragung wie ein gigantisches Kartenhaus zusammenbricht. Da es keine Wahrheit gibt und jeder Beweis irgendwann nichtig wird, ist nach den Gesetzen von Ursache und Wirkung bzw. des ausgeschlossenen Dritten jeder Sinneseindruck, zu schweigen vom Beweis, der Anlaß für den nächsten Irrtum. Was sollen da eigentlich Argumente und Urteile zu suchen haben, die mit defekten Wahrnehmungen nur Reihen von Gedanken erzeugen, die man von einer Ansammlung frecher Verkehrtheiten nicht unterscheiden kann? Daraus folgt: Mit jedem Argument entfernen sich die Altkulturellen von der Wahrheit dessen, was sie Unsinn und Perversion nennen. Sie sind Epigonen des Sisyphos, die fortwährend die Steine ihrer Gedanken bergauf rollen, ohne jemals zu einem Ergebnis zu kommen. Mithin wäre es doppelter Unsinn, auf ihre Argumente einzugehen, was als Alternative den „Sinn“ ergibt, sie mit dem Gegenteil ihrer Sprache – formlose Schmähung und Drohung – zu überziehen, heute praktiziert im „Islamdialog“, der zu aggressiver Bürgerverhöhnung gerät und mit „interkultureller Korrektheit“ den Kult einer Dauerbeichte erzwingt. Also ist das Kontinuum der Relationen zwischen Menschen und Dingen in der Wechselwirkung mit Natur und Welt der einzige Kontext von Belang. Er birgt die gnostische Wahrheit des „Höchsten“, mit dem Weiller den „Satz des Einerley“ verbindet – die Folge der alogischen Abstraktion zur ultimativen Gleichheit. Aus „Alles ist sich selbst gleich“ wird „Alles ist allem anderen gleich“ und ergibt Alles ist Eines (S. 127) – die Basis für den „kommenden Gott“ aus dem Orient (Schelling). Indem nun Alles in Einem war, konnte auch A gleich B sein, und das Netz der Relationen zum Füllhorn der „Komplexität“ werden, „aus dem todten Satze der Einerleyheit … eine unglaublich fruchtbare Manipulation“ (117). Daß sie auch furchtbar werden kann, beweist der Destruktivismus der Zwangsharmonie, der seine Extreme bis zum Massenmord antrieb und nun in der Zwangsimmigration die Gewalt Allahs als „Frieden des Islam“ rechtfertigt. Daraus folgt der „eigentliche Gottesbeweis“, denn wer nicht nur den Irrtum allein, sondern den Sinn seiner Gattung sieht, kann den Irrtum zum System des Unsinns machen, wobei die Altkulturellen nicht verhindern können, daß ihr sogenannter Gott die andere Seite hervorkehrt, die sie Teufel nennen (99 ff.) – jene Konstellation, die in der Spiegelung mit dem Islam Iblis zur Darstellung bringt (s.o.). Auf dieser Basis hat die Offenbarung als Menschheits-Irrtum zu gelten, der jeden Kampf rechtfertigt und im Djihad Allahs seine endzeitliche Erfüllung findet. Das heißt auch, daß Widerstand ein Menschheitsverbrechen ist, das Jesus zum Antichristen macht, der in Allahs Umkehrung der Apokalypse die Kreuze zerbricht und den Christen den im Koran versprochenen Tod bringt. Die ersten Zitatproben aus Kajetan von Weillers islamisch ergänztem Sujet vermitteln eine Vorstellung von der philosophischen Qualität seines Werkes, das enormes Gewicht für die Beurteilung der „Ursachen und Folgen der Islamisierung“ hat. Werke wie dieses, das nicht nur dem Denken, Gemeinwohl und Glauben dient, sondern auch die Antilogik langfristig bestätigt, sind in der Kultur-Umkehrung strafbarer Unsinn. Dennoch kommt ihre Stunde, wenn die menschenfeindliche Sinnlosigkeit ihre Grenzen im Bewußtsein humaner Existenz erreicht, an den „Pforten der Überlebenshölle“ (s.o.). Macht kann es einebnen, aber nicht überwinden, weil ihre elitäre Asymmetrie vom Humanum existentiell abhängt, sich in der Radikalisierung gegen sich selbst wendet und um so sicherer erstickt, je inhumaner sie wird – die Botschaft der Offenbarung.


Dr. Hans-Peter Raddatz, Orientalist und Finanzanalytiker, ist Autor zahlreicher Bücher über die moderne Gesellschaft, die Funktionen der Globalisierung und den Dialog mit dem Islam.

Die Neue Ordnung ist eine seit 1946 erscheinende christliche Zeitschrift mit sechs Ausgaben pro Jahr. Chefredakteur ist der römisch-katholische Sozialethiker und Dominikaner Wolfgang Ockenfels und Herausgeber das Institut für Gesellschaftswissenschaften Walberberg, dessen Vorsitzender er ist.

Weitere Beiträge des Autors aus dieser Zeitschrift finden Sie unter dem Schlagwort Hans-Peter Raddatz“ auf meinem Privatblog kirchfahrter.wordpress.com.