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Wofür schuf Gott die Ruhe? Glaube.Leben.

katholischde 7.7.2020 Ich lebe in einer Gesellschaft, in der viel zu tun zu haben und beschäftigt zu sein eine Auszeichnung dafür sind, dass ich ein fleißiger Mensch bin. Volle Terminkalender und …More
katholischde 7.7.2020 Ich lebe in einer Gesellschaft, in der viel zu tun zu haben und beschäftigt zu sein eine Auszeichnung dafür sind, dass ich ein fleißiger Mensch bin. Volle Terminkalender und To-Do-Listen markieren einen gewissen gesellschaftlichen Status. Sich auszuruhen gilt dem gegenüber als Faulenzerei und Faulheit. Dass hier etliche unserer Kategorien ziemlich durcheinandergeraten sind, das macht die Schöpfungsgeschichte unmissverständlich klar. Was ich an der Schöpfungsgeschichte liebe, ist dieses herrliche Bild des sechsten Tages: Gott schafft den Menschen. Gott schafft Adam und Eva und setzt die beiden splitterfasernackt in das Paradies. Dann dreht er mit ihnen eine Runde durch den Garten und zeigt ihnen all die Herrlichkeiten, die im Paradies auf sie warten und macht ihnen deutlich, was in den kommenden Tagen an Arbeit für sie zu erledigen ist. Und nachdem Gott diese Runde mit Ihnen vollendet hat, weist er sie noch auf das Entscheidende hin: Übrigens, morgen ist hier Feiertag, morgen ist hier Ruhe. Bevor Adam und Eva überhaupt auch nur einen Finger gerührt haben, bevor sie auch nur einen einzigen Funken an Arbeit investiert haben, ist das erste was sie zu tun haben die Ruhe. Der Höhepunkt und die Krone der Schöpfung ist eben nicht der Mensch. Das Ziel der Schöpfung ist die Ruhe. Am siebten Tag schafft Gott den Sabbat. Und die Menuchah, das hebräische Wort für Ruhe bedeutet so viel wie Klarheit und Frieden. Darin soll all unser Tun, all unser Handeln seinen Ausgang nehmen. Und ich zumindest aus meinem Alltag kenne das nur allzu gut, wenn ich mich wieder einmal in meinen Aufgaben und To-Do-Listen verzettelt habe, dann fehlt mir genau das: Die Klarheit und der innere Frieden. Das allerdings ist Gott so wichtig, dass das der Höhepunkt all dessen ist, was Gott für den Menschen wollte. Die Christen haben daraus lebenspraktische Konsequenzen gezogen und die sogenannte Rekreation erhielt damit ihren festen Platz in unserer spirituellen Tradition. Rekreation bedeutet auf Deutsch so viel wie „Neuschöpfung“ oder „noch einmal geschaffen werden“. Und damit ist deutlich gemacht worden, dass wenigstens einmal in der Woche der Mensch aussteigen muss aus seinem ganzen Machertum und seinen ganzen To-Do-Listen. Wenigstens einmal in der Woche soll und muss der Mensch zurückfinden in seinen inneren Frieden, seine innere Klarheit und seine Ruhe, um von da aus wieder neu loszulegen, um von da aus wieder seine Arbeit und seine Gedanken zu sortieren und zu organisieren. Und das macht eben auch deutlich, dass der Mensch nicht das letzte Maß aller Dinge ist. Ich behalte nicht das letzte Wort, sondern das liegt bei Gott. Und Ruhe ist damit kein Luxusgut, sondern Ruhe ist ein existentieller und notwendiger Bestandteil meines Lebens.
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