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M.RAPHAEL
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Zwei offensichtliche Fehler im zeitgenössischen Denken

Das zeitgenössische Denken hat zwei gewaltige Hürden in Form falscher Grundvorstellungen errichtet, die schon im Ansatz den Weg zum Glauben an den wahren Gott verhindern.

1. Fehler: Der Glaube ist eine Entscheidung der menschlichen Vernunft. Der Mensch überlegt sich Argumente für oder gegen Gott. Er wägt die Vor- und Nachteile ab. Am Ende dieses Prozesses glaubt er dann zu glauben oder eben nicht. Über die Existenz Gottes entscheidet er wie über die des Weihnachtsmann. Der Glaube ist für ihn ein Fürwahrhalten von etwas, was wohl eher eine Fiktion ist.

Es folgt eine lange Diskussion, die genau von diesem falschen Denken, dass der Mensch der Urheber des Glaubens ist, bestimmt wird:

youtube.com/watch?v=LN0QlfOMRpg

Man braucht sich diese ganzen Abwägungen nicht anzutun, allerdings können sie der rationalen Durchdringung des eigenen Glaubens dienen und damit die entsprechende Diskursfähigkeit schärfen. Trotzdem, die Grundfrage stimmt nicht. Dann kann es auch keine richtige Antwort geben, in Abwandlung von, „es gibt kein richtiges Leben im falschen“.

Die Wahrheit ist, dass Gott der Urheber des Glaubens ist. Er klopft an unsere unsterbliche Seele an und bittet um Einlass. Mit ihr sagt der Mensch ja oder nein. Seine überzeitliche Seele und nicht seine irdische zeitliche Vernunft oder sein Wissen entscheidet über seine Gottesbeziehung.

Für den wahrhaft Gläubigen, d.h. der, der sich Gott für die mystische Hochzeit schon immer geöffnet hat, ist der Glaube ein Erkennen der himmlischen Tatsachen und nicht ein Fürwahrhalten von etwas, was im Vergleich mit der Natur irreal ist und man deshalb Argumente suchen muss, um sich einbilden zu können, dass man trotzdem daran glaubt. Der wahre Gläubige zweifelt nicht mehr. Er braucht keine Argumente für die Liebe, die ihn erfasst hat. Die Liebe steht über jedem Argument. Wer sie erklären will, kennt sie nicht. Die göttliche Liebe ist da wie der Dobratsch, der wunderschöne und traumhafte Hausberg von Villach. Sie ist nur unsichtbar. Aber sie ist da, gewaltig, massiv und unzerstörbar.

Die göttliche Liebe verändert sich nicht. Sie weiß, was sie vom Geliebten und der gesamten Menschheit will. Deshalb kann sich jeder wahre Gläubige nur wundern, wenn Konzilstheologen, Gläubige ihrer eigenen Vernunft, auf einmal auf die Idee kommen, dass Gott Seine Meinung ändern könnte, wenn die menschliche Vernunft es auf Grund gesellschaftlicher Veränderungen für opportun hält, die religiösen Grundvorstellungen zu ändern. Aber der Dobratsch ist wie er ist. Ihn kann man nicht verändern. Er ist perfekt. Entsprechend kann sich die Lehre der Heiligen Kirche nicht ändern. Sie kann sich im Gang durch die Geschichte nur immer besser selbst verstehen.

In diesem Sinne gilt, dass die Gottesbeziehung im Kern persönlich ist. Sie ist nicht abstrakt. Wenn ein Konzilstheologe behauptet, dass die göttliche Wahrheit auch in anderen Religionen ist, dann versteht er genau das nicht. Dann wird er von seiner abstrahierenden menschlichen Vernunft geleitet. Er vergötzt die Mathematik, die ja überall gilt. Wegen seiner Vernunft hält er sich für übermächtig und in der Lage, über den göttlichen Willen zu urteilen. Das ist das Problem der Konzilskirche. Sie hat den Heiligen Geist durch das eigene Denken ersetzt. Ich muss nicht glauben, dass der nette Hindu oder mein Eichhörnchen in die Hölle gehen. Ich weiß es einfach nicht. Ich urteile weder in die eine noch in die andere Richtung. Wenn der Hindu es mag, sich im dreckigen Ganges zu „reinigen“, dann ist das seine Sache. Niemand kann zum Heil gezwungen werden. Wie soll ich ihm göttliche Wahrheit zusprechen, wenn diese einzig und allein im Fleisch und Blut des Herrn enthalten ist? Meine wahre Aufgabe ist es, Tag und Nacht die Liebesbeziehung zu Gott zu verstärken und so Seinem Willen im kirchlichen und weltlichen Leben optimal zu entsprechen. Das reicht völlig.

Alles, was ich wissen muss, ist eingeschrieben in die unsichtbare Liebe, die ich empfange und der ich gefallen möchte. Mit meiner Vernunft versuche ich das in einem irdischen Sinn zu verstehen. Fides quaerens intellectum. Die menschliche Vernunft dient der göttlichen Liebesbeziehung. Sie ist nicht die Herrin über sie.

2. Fehler: Der willkürliche Abbruch der Suche nach der Wahrheit. Schon lange wundert mich etwas, was sytemimmanent nur von ganz mutigen Philosophen zum Thema gemacht wird, nämlich, dass sie, konfrontiert mit einem scheinbar unlösbaren Problem, aufhören nachzufragen. Jedes Phänomen, das von der zeitgenössichen Philosophie nicht erklärt werden kann, wird als gegebenes Faktum hingenommen und nicht weiter hinterfragt. Das gilt vor allem für die so unangenehme Frage, warum es überhaupt etwas gibt? Warum gibt es überhaupt so etwas wie etwas? Die Modernisten haben kein Problem zu sagen: „das ist halt so“. Dabei ist ja gerade das die Frage, die die natürliche Vernunft zur Gotteserkenntnis (noch nicht zum Glauben s.o.) führt. Gott ist nicht der Anfang einer Kausalkette. Gott ist der Grund jeglicher Existenz, z.B. auch der Mathematik und der Logik.

Auch Gabriel vermeidet diese Frage nach dem letzten Grund wie die Pest:

youtube.com/watch?v=YW61JdUXySw

Dennoch ist dieses Gespräch angenehm, weil es ziemlich auf der Höhe der Zeit ist. Es schult ebenfalls die Diskursfähigkeit. Gabriel weist den Physikalismus/Naturalismus, den Neurozentrismus (das Gehirn produziert den Geist), den moralischen Nihilismus (es gibt keine realen moralischen Werte, sondern sie werden kontextspezifisch vom Menschen gemacht) und später noch den Digitalismus (der menschliche Geist ist ein Rechenalgorithmus) zurück, aber erklärt nicht, wo oder warum es diese realen moralischen Werte geben soll? Das ist aber die Frage. Was ist mit dem Universalienstreit? „Moralische Realität gibt es einfach“, ist keine Antwort für einen Philosophen. Es wundert nicht, dass seine Ausführungen zur Gottesfrage am Ende ziemlich naiv sind. Da lobe ich mir fast die „Ethik“ von John Mackie und seinen Ausführungen zu den Metaebenen. Ich hatte mal die „Freude“, sein Buch im Frachtbereich des Frankfurter Flughafens zu lesen, während ich auf eine Luftfracht gewartet habe. Das war eine ganz eigene Erfahrung oder wie es unser geliebter Bruder Arnold gesagt hätte: „Das war eine ganz andere Angelegenheit!“

Aber die Atheisten wollen nicht glauben, also werden sie die letzten Fragen nicht stellen. Sind sie schlau? Nein, sie sind dumm!
michael7
Markus Gabriel präsentiert eine Art "Bewusstseinsphilosophie": Alles, was im Bewusstsein ist, ist nach ihm "wirklich", unterschieden allerdings durch "Tatsachenfelder".
Er hält zwar an objektiver Wahrheit fest, kommt allerdings in Schwierigkeiten, weil er die Absolutheit der Erkenntnis, vor allem die Erkenntnis der "ethischen Tatsachen" nicht wirklich vernünftig begründen kann. Das ethische "…More
Markus Gabriel präsentiert eine Art "Bewusstseinsphilosophie": Alles, was im Bewusstsein ist, ist nach ihm "wirklich", unterschieden allerdings durch "Tatsachenfelder".
Er hält zwar an objektiver Wahrheit fest, kommt allerdings in Schwierigkeiten, weil er die Absolutheit der Erkenntnis, vor allem die Erkenntnis der "ethischen Tatsachen" nicht wirklich vernünftig begründen kann. Das ethische "Soll" ist ja nicht absolut geltend durch unsere Setzung, sondern nur als Erkenntnis einer absoluten Wahrheit, die auch unabhängig von uns gilt.

Wie M.RAPHAEL richtig schreibt, vernehmen und erkennen wir als Vernunftwesen prinzipiell schon mit unserer natürlichen Vernunft einen Aufruf der Liebe Gottes, und nur von dieser Liebe her lässt sich auch unsere Pflicht, zu lieben, absolut einsehen: "Gott hat uns zuerst geliebt, darum müssen auch wir lieben!" (1Joh. 4,10f). Glaube ist also nicht völlig blind oder willkürlich, sondern eine Form des Erkennens, ja die höchste. Man kann sogar sagen, dass die Liebe die eigentliche Verwirklichung der Vernunft darstellt, denn Gott gab uns die Vernunft, damit wir Ihn, der die Liebe und die Wahrheit selbst ist, erkennen und lieben können!
Salzburger
GOMEZ DAVILA: "Nachdem wir aufmerksam einem vertraulichen Geflüster gelauscht haben, begreifen wir, daß der Mensch weniger Lektionen als Exorzismen benötigt." "Das Christentum ist ein Evangelium, keine Lektion.", d.h. keine unveränderlich-abstrakte Lehre, sondern eine (=3) konkret-sinnliche Person(en). Darum ist es z.B. sinn&wert-los, die Genies&Heiligen mit LieschenMüller-Dogmatik&Moral zu …More
GOMEZ DAVILA: "Nachdem wir aufmerksam einem vertraulichen Geflüster gelauscht haben, begreifen wir, daß der Mensch weniger Lektionen als Exorzismen benötigt." "Das Christentum ist ein Evangelium, keine Lektion.", d.h. keine unveränderlich-abstrakte Lehre, sondern eine (=3) konkret-sinnliche Person(en). Darum ist es z.B. sinn&wert-los, die Genies&Heiligen mit LieschenMüller-Dogmatik&Moral zu bewerten - die BeGnadeten müssen aus dem Ihnen von oben aufgezwungenen, unerbittlichen LebensGesetze heraus verstanden werden! [Die EinFältigen werden jetzt aufmaulen, daß wir damit Papst Franz mit Seinem "das Leben steht über der Lehre" recht geben - aber dieser versteht unter "Leben" ja eindeutig nicht das GOeTTliche wie wir, sondern das - menschliche!]
Sehr richtig auch, daß selbst die VorUrteile des "vorurteilsfreien Empiristen" auf IHM fußen: 1 Wahrheit, welche objektiv und unveränderlich und ewig ist und so nett, sich uns darzulegen - die dummen SelbstVerGötzer frönen alle einem naiven EngelsGlauben: "Renaissance, Aufklärung und Technokratie sind unbestreitbar Folgen des Christentums. Folgen, im wachsenden Maße unheilvoll, die in der christlichen Hoffnung das Vergessen der Erbsünde hervorbringt.": GOMEZ DAVILA
Salzburger
p.scr.: Irgendwelche primitiv-ungebildete GegenWarts-Zwerge sollten wir höchstens zu unserer ErHeiterung lesen.