Starkes Wort!

Predigt von Pater Theo Klein SCJ

Papst Franziskus hat die Weltsynode 2021-2023 einberufen. Diese Synode wendet sich an alle Christen – hier in Luxemburg wie auch auf der ganzen Welt. Ihr Thema heißt: „Für eine synodale Kirche – Gemeinschaft, Partizipation und Mission“. Was bedeutet das für einen sterblichen Menschen, wie Sie und mich: Gemeinschaft, Partizipation, Mission?

Erlauben Sie mir ein Gedankenspiel: Ich lade Euch ein, mit mir auf den Bahnhof der Kirche zu gehen, wo die Züge in die Zukunft zusammengestellt werden. Im Bahnhof der Kirche entdecken wir 6 Gleise, auf denen viel Züge, manche auch mit Verspätung in die Zukunft abfahren.

Da ist das erste Geleise in die Tiefe. Die Kirche bewahrt und kultiviert in der Tiefe den Schatz, der niemals ein Verfallsdatum hat, nämlich das Evangelium. “Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen“ (Lk 21,33). Unsere Kirche braucht keine Oberflächlichkeit. Sie braucht in dieser turbulenten Zeit vielmehr eine Wende nach innen. Karl Rahner sagte, die Kirche der Zukunft muss eine mystische Kirche sein, oder sie wird weitgehend nicht sein. Das erste Gleis heißt Hören auf das Wort Gottes, auf die Tradition der Kirche, Hören auf die Zeichen der Zeit.

Das zweite Geleise nenne ich den Horizont, die Weite, den geistigen und pastoralen Horizont. „Du führst mich hinaus in die Weite“ (Ps 18,20). Für die Zukunft braucht die Kirche den weiten Horizont. Die Kirche braucht Menschen, die keine Scheuklappen haben, sonst werden wir abgestellt wie eine Sekte. Wir müssen auf den Hauptstrecken bleiben, um uns nicht auf Nebengeleise abdrängen lassen. Wir brauchen Menschen, die unterscheiden zwischen dem was wesentlich ist, und dem was unwesentlich ist. Eine Frage ist die Zulassung zu den Sakramenten von wiederverheirateten Geschiedenen. Es sind oft gute Leute. Die Statistik gibt nicht die geistige Situation unserer Leute wieder. Wir brauchen Geleise in die pastorale Welt, weil heute, viele, viele Menschen auf dem Weg sind. Wir müssen schauen, dass wir den Leuten nicht unnötigerweise das Einsteigen in die Züge erschweren oder verweigern.

Auf dem Bahnhof der Kirche der Gegenwart müssen Geleise in die Geborgenheit angeboten werden. Dieses Angebot entspricht zutiefst dem, was Jesus gesagt hat. Gerade heute, wo vielen Menschen ein rauer Gegenwind ins Gesicht geblasen wird, brauchen wir alle diese Geborgenheit. Schauen wir auf die Kinder, die aus zerbrechlichen Ehen kommen. Oder wieviel Einsamkeit, Isolation gibt es oft hinter einer Fassade. Ein schönes Bild für die Geborgenheit ist der Schoss der Mutter. Ja, auch Gott ist für uns wie ein Mutterschoß. Wieviel Geborgenheit aus seinem Glauben konnte Dietrich Bonhoeffer erfahren, als er kurz vor seiner Hinrichtung den Text schrieb: „Von guten Werken wunderbar geborgen“. Umso mehr ist es makaber, dass die meisten Menschen nicht in Kriegen sterben, sondern im Mutterschoß. Wäre es nicht an der Zeit ein Appell an alle Ärzte Gynäkologen, Hebammen, Pflegepersonal, Politiker und die Kirche zu richten, alle Menschen in unserer Gesellschaft zu sensibilisieren, einen Tag für das ungeborene Leben einzuführen? Deshalb muss die Kirche auf dem Bahnhof der Gegenwart Züge der Geborgenheit für jeden Menschen seit der Empfängnis bis zum letzten Atemzug anbieten. „Schalom“ drückt die Geborgenheit aus.
Ein weiteres Geleise in die Zukunft ist das neue Kirchenbewusstsein. Dieses Bewusstsein heißt: Kirche, das sind wir. Kirche sind wir alle und nicht nur eine Gruppe. Das gibt Hoffnung.

Wir brauchen auch das Geleise der Hilfsbereitschaft. Viele Menschen sind auf diesem Geleise engagiert. Wie sind wir auf diesem Geleise beteiligt?
Und dann haben wir als letztes Geleise in die Zukunft das Geleise des Mutes und des Vertrauens. Wenn wir alles im Bereich unserer Möglichkeiten tun und dem Wort Gottes Priorität geben, können wir uns darauf verlassen, dass uns die Gnade Gottes begleitet.

Die Kirche muss sich der wichtigsten Frage stellen: Was will Gott? „Gott will, dass alle Menschen gerettet werden » (1.Tim2,4). En ce sens, la synodalité permet à tout le Peuple de Dieu d’avancer ensemble, à l’écoute de l’Esprit Saint et de la Parole de Dieu, pour participer à la mission de l’Église dans la communion que le Christ établit entre nous. Ce cheminement commun nous insistera à renouveler nos mentalités et nos structures écclésiales afin de vivre l’appel de Dieu pour l’Eglise au milieu des signes actuels des temps.

Wir brauchen in der Kirche Züge, die über die Grenzen fahren. Paulus ist über die Grenze des Judentums gefahren. Menschen haben in der Kirche oft Schallmauern durchbrochen. Als Beispiel erwähne ich Charles de Foucauld, der heute am 15. Mai 2022 von Papst Franziskus heiliggesprochen wird. Er führte ein bewegendes, turbulentes Leben, bis er die Mitte seines Lebens entdeckte: Jesus Christus. Vor seiner Bekehrung war er ein Lebemensch, der in Saus Braus lebte. Er war ein Playboy, der mit Prostituierten Partys feierte. Er ließ nichts anbrennen lassen. Aber bei diesem hedonischen Lebensstil quälte ihn eine innere Leere, Traurigkeit, Überdruss. Nach außen hin überspielte er jedoch alle Melancholie mit aristokratischer Arroganz. Bis dass er in Paris in Kirche St. Augustin geht und ein Gebet spricht: „Gott, wenn du existiert, lass mich dich erkennen“. Abbé Huwelin fordert Charles de Foucauld auf zu beichten. Eine bedingungslose Bekehrung vollzieht sich: er empfängt von Gott den Glauben und alle Fasern seiner Existenz antworten mit einem definitiven „Ja“. Er schreibt: „Sobald ich wusste, dass es einen Gott gibt, war mir klar, dass ich für ihn leben würde“.

Ja, wir haben viele Vorbilder, die für Gott gelebt haben: Maria und alle Heiligen. Für wen leben wir? Wie sehen wir unsere Gegenwart und Zukunft?
Die Oktave lädt uns während der Zeit der Weltsynode eine Reise auf dem Geleise in die Zukunft ein, das bereits mehr oder weniger befahren ist. Bleiben wir nicht stehen, denn dies würde bedeuten, wir geraten früher oder später auf das Abstellgleis.