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Nicht die Juden in Kapharnaum, sondern die Anhänger der Eucharistie (Rom-Kurier)

Rom-Kurier
November - Dezember 2020 Nr. 243

Nicht die Juden in Kapharnaum, sondern die Anhänger der Eucharistie

Der vor 20 Jahren empfundenen Schmerz war so groß, daß ich ihn bis heute noch nicht vergessen habe Damals hörte ich, wie ein Priester, der ein sehr gutes Herz hatte, erklärte: „Wer weiß, was Jesus sagen wollte, als er verlauten ließ: «Dies ist mein Leib… dies ist mein Blut…?“ Doch diese Erklärung konnte meinen Glauben nicht erschüttern. Auch dann blieb ich ruhig, als ich später noch viel schwerwiegendere Äußerungen vernahm: Gewöhnlich erhielt ich Anregungen, das Geheimnis des allerheiligsten Altarssakramentes zu studieren und zu vertiefen. Dabei empfand ich immer neue Freude; als noch größeres Erstaunen mein Herz erfüllte, konnte ich innerlich ausrufen: „Ja, dies ist der Herr Jesus (Dominus est). Das allerheiligste Altarssakrament verkörpert wirklich den Heiland, Gottes Sohn, Gott selbst“. Wohlan, dies waren einige Bemerkungen für meine lieben Leser. „Die Verheißung“ Nachdem der Heiland die Brote vermehrt hatte, und ihn darauf die Volksmenge umdrängte, da geschah es (nach den glaubenswürdigsten Zeitangaben) im März des Jahres 29 nach Christi Geburt, daß er alle Anwesenden in der Synagoge von Kapharnaum aufforderte, seinen Worten zu glauben und in besonderer Weise ihm zu vertrauen. Liebe Freunde, bitte lest das sechste Kapitel des Johannes-Evangeliums vollständig durch! Als die Juden ihn aufforderten, ein Zeichen seiner Glaubwürdigkeit zu geben, erinnerte er daran, wie in der Wüste Moses ihnen auf wunderbare Weise das Manna gegeben hatte. Jesus ver-sprach darauf, daß nicht mehr Moses, sondern Gott Vater selbst das „Brot vom Himmel“ geben werde. Als das Volk nach diesem Brot verlangte, da erklärte der Heiland, „das Brot des Lebens“ sei er selbst. Wer ihm zustimmt und glaubt, werde keinen Hunger und keinen Durst mehr empfinden. Da die Juden aber meinten, sie würden die irdische Herkunft von Jesus kennen, warfen sie ihm vor, er könne nicht vom Himmel gekommen sein. Der göttliche Meister betonte seine Verheißung, daß jedermann, welcher an Ihn glaube, das ewige Leben erhalte, weil Er „das Brot vom Himmel“ sei.
Von diesem Zeitpunkt an nahm die Rede eine andere Wendung, da Jesus, den Unglauben der Anwesenden erkennend, wiederum erklärte, er sei das vom Himmel herabkommende Brot. In besonderer Weise fügte er noch hinzu, das Brot, von dem er spreche, sei sein eigenes heiliges für das Leben der Welt bestimmte Fleisch. Die Juden, welche aus Kapharnaum stammten, die Einwohner besagter Stadt, erhoben Einspruch und sagten: „Wie kann uns dieser sein Fleisch zu essen geben?“ (Jo. 6, 53). Da betonte Jesus: „Wahrlich, wahrlich ich sage euch, wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht essen und sein Blut nicht trinken werdet, so werdet ihr das Leben nicht in euch haben. Wer mein Fleisch ißt und mein Blut trinkt, der hat das ewige Leben; und ich werde ihn am jüngsten Tage auferwecken. Denn mein Fleisch ist wahrhaft eine Speise, und mein Blut ist wahrhaftig ein Trank. Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich bleibe in ihm. Gleich wie mich der lebendige Vater gesandt hat, und ich durch den Vater lebe, so wird auch der, welcher mich isst, durch mich leben (Jo, 6, 26 – 58). Die Wahrheit und die Wirklichkeit Die Rede Jesu ist so klar, daß seine wiederholten Darlegungen die Deutung ausschließen, die Interpretation sei nur gleichnishaft und sinnbildlich und im übertragenen Sinn zu verstehen. Drei Gründe sprechen dafür: 1.) So sehr betont Jesus die wörtliche Bedeutung seiner Verheißung, daß er sich keine Mühe gibt, dazu Erklärungen zu geben; so erlaubt er, daß „viele Jünger“ fortgehen; ja er riskiert sogar, daß auch die zwölf Apostel ihn verlassen (Jo. 6, 65 ff). Die Sprache ist entschieden, rein menschlich gesehen unverständlich: die vollkommene Annahme seiner Predigt setzt großen Glauben, Verfügbarkeit und Gehorsam gegenüber seinem Wort voraus, denn dies hat er auch unter anderen Umständen bei seinen Gesprächspartnern vorgefunden (Jo. 3, 4-6; 4, 11-16; 8, 56-58). 2.)

Die Kirchenväter hatten keine Schwierigkeit, den letzten Teil der eucharistischen Rede des Heilands wörtlich zu verstehen. Dafür brachten sie klare, ja sogar sehr sichere Gründe vor; sie konnten hervorheben, daß Jesu Fleisch wahrhaft eine Speise und sein Blut wahrhaft ein Trank, die Worte Speise und Trank sind im eigentlichen Sinn wörtlich zu nehmen, allein der Text lasse den Unterschied zwischen essen und trinken klar erkennen. 3.) Der wörtliche Sinn der Aussage, daß Christus die Absicht hat, Sein Fleisch für das Leben der Welt aufzuopfern, entspricht auch der anderen, wörtlich zu nehmenden Erklärung, Er habe Sein Fleisch zur Speise hingegeben. Wie bei der Menschwerdung Gottes der göttliche Sohn das Wesen der menschlichen Natur körperlich angenommen hat, so kann er der Aufforderung, wahrhaftig Sein Fleisch zu essen, auch den realen Sinn geben; auf welche Weise dies dann geschah, muß geheimnisvoll bleiben. Die Einsetzung der Eucharistie Niemals hat Jesus das in Kapharnaum gegebene Versprechen zurückgezogen; weder verschob er die Verheißung noch machte er das Verständnis dafür leichter und annehmbarer, selbst wenn der hl. Petrus und die anderen elf Apostel Ihn verlassen hätten. Aber Petrus und die anderen Apostel bleiben auf der Seite des Heilands. Dagegen erhoben viele Leute in Kapharnaum Protest (da schau hin, die ersten Protestanten!). Wie später dann die Lehrmeister der heutigen Modernisten, nämlich Luther, Calvin und Cramner wollten sie den in der Eucharistie gegenwärtigen Heiland nicht anerkennen, sie lehnten Ihn ab. Die Verheißung, daß Er das Brot des Lebens sei, erfüllte Jesus ein Jahr später beim letzten Abendmahl; die Weise, wie Er es tat, war unmißverständlich und eindeutig. Die geschichtlichen Quellen dieses großen Ereignisses sind die Evangelien nach Matthäus, Markus und Lukas; auch der heilige Paulus gehört dazu (1. Kor. 11, 23-25) In dem altehrwürdigen und heiligen Text des Kanons der römischen Messe steht es so geschrieben: „Er nahm am Abend vor Seinem Leiden Brot… in Seine… Hände… segnete es, brach es und gab es Seinen Jüngern mit den Worten: Nehmet hin und esset alle davon: Das ist mein Leib. In gleicher Weise nahm Er nach dem Mahl auch diesen wunderbaren Kelch in Seine… Hände, dankte Dir abermals und gab ihn Seinen Jüngern mit den Worten: „(Nehmet hin und trinket alle daraus)! Das ist der Kelch Meines Blutes, des neuen und ewigen Bundes – Geheimnis des Glaubens – das für euch und für viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden.“
Oftmals wurden gegen den wörtlichen Sinn dieser Äußerungen Jesu Einwände erhoben.
Daß sie unbegründet sind, zeigt folgende Darlegung.

1.) Die Weise, wie der Heiland formulierte, schließt offenbar den übertragenen, bildlichen Sinn der Worte Brot und Wein aus; diese beiden Substanzen haben keine Ähnlichkeit und Analogie mit dem menschlichen Körper und dem Blut, sodaß der Ausdruck den bildlich zu verstehenden Sinn begründen könnte.

2.) Die Seltsamkeit der zugrunde gelegten Metapher hätte den Heiland verpflichtet, die Jünger zu warnen, auf daß sie keinen groben Irrtum begehen. Als alle am Vorabend seines Leidens und Todes den feierlichen Augenblick erleben durften, hätte Jesus, wie jede maßgebende und den rechten Sinn besitzende Person die Pflicht gehabt, in sehr einfachem Stil unzweideutig den richtigen Ausdruck zu wählen, um das wirkliche und wahrhaft sichere Andenken an seine Person und seine Freundschaft zu hinterlassen, denn alles soll nicht nur das Sinnbild und Zeichen vom Ihm sein, sondern wirklich seine Person selbst darstellen.

3.) Da die Apostel bereits die in Kapharnaum von Jesus gehaltene Predigt gehört hatten, erinnerten sie sich sicherlich daran, wie viele Jünger Anstoß nahmen, daß der Meister nach ihrer Ansicht zu harte Worte gebrauchte; deshalb waren die Zwölf in der Lage einzusehen und anzunehmen, daß Seine Worte („das ist mein Leib … das ist mein Blut“) und auch seine Gesten außergewöhnlich, aber sehr real waren. Sie konnten feststellen, wie die über Brot und Wein gesprochenen Worte und die im letzten Jahr gehörte schwer verständliche Behauptung: „…mein Fleisch ist wahrhaftig eine Speise, und mein Blut ist wahrhaftig ein Trank“ (Jo 6, 56) einander entsprechen und vollkommen übereinstimmen.

4.) Der Leib, der geopfert werden und das Blut, welches vergossene werden sollte war nicht bildlich sondern real und wirklich zu verstehen; ebenso zeigte das Brot, welches er zu essen einlud, keinen symbolisch zu verstehenden sondern einen wirklichen Körper und der Wein, den er zu trinken anbot, das wahre Blut. Was Jesus nun sagen wollte, haben wir vor uns: Das Brot, welches er wirklich in seinen Leib und den Wein, den er wahrhaftig in sein Blut verwandelte, ist mit einem Wort gesagt. Er selbst, alles ist vollkommen da. Der Leib, das Blut, die Seele und die Gottheit des Menschensohnes; den Glauben an diese Wahrheit hat die katholische Kirche seit ihren Anfängen durch ihre heilige Überlieferung immer gelehrt. „Die Gläubigen der ersten Stunde“ Von der ersten Stunde an verstanden die Anhänger Jesu ihren Meister. In der Apostelgeschichte 2, 42 berichtet der heilige Evangelist Lukas, wie am Anfang die bekehrten Gläubigen „in der Gemeinschaft des Brotbrechens und im Gebet… beharrten“. Das Neue Testament gebraucht den Ausdruck „das Brotbrechen“, um anzuzeigen, daß der Priester den Ritus im eigentlichen Sinne des Wortes, nämlich die Feier der hl. Messe vollzieht. Dafür wollen wir einige Beispiele anführen. In der Stadt Troas waren die Gläubigen zusammen gekommen, um das Brot zu brechen (Apg. 20, 11). Auch der in der gleichen Zeit lebende Autor der „Didache“ spricht von dem gebrochenen Brot (9, 3-4; 14, 1; 6, 8). Der hl. Evangelist Lukas berichtet Kapitel 24, 30-35, wie zwei Jünger den auferstandenen Heiland erkannten, als Er in Emmaus das Brot brach. Die im Bereich der entstehenden Kirche ganz allgemein vollzogene (religiöse) Handlung war zum heiligen Ritus geworden, denn zu jener Zeit war die hl. Messe in jeder christlichen Gemeinde bekannt und verbreitet. Damals schrieb der heilige Apostel Paulus an die Gläubigen von Korinth seinen ersten Brief in dem er sagte: „…ich habe vom Herrn empfangen, was sich euch auch überliefert habe, daß der Herr Jesus in der Nacht, in der er verraten wurde, das Brot nahm und dankte, es brach und sprach…“ (1. Kor. 11, 23 ff, nach der Übersetzung von Allioli).

Folgender Zusatz verdient es, geoffenbart zu sein: „Wer nun unwürdig diese Brot ißt oder den Kelch des Herrn trinkt, der ist schuldig des Leibes und Blutes des Herrn“ (Vers 27) … „Denn wer unwürdig ißt und trinkt, der ißt und trinkt sich das Gericht, indem er den Leib des Herrn nicht unterscheidet“ (Vers 29). Der Wert einer solchen Aussage ist ungeheuer groß, weil der hl. Paulus dieses Zeugnis, aus dem Jahre 57 nach Christi Geburt, gleichzeitig mit der Abfassung der Evangelien niedergeschrieben hat. Auf entschiedene Weise betonte der Apostel die grundlegende Identität des verwandelten Brotes und Weines mit dem Blut und dem Leib des Herrn. In seinem Brief an die Hebräer bestätigt der hl. Paulus, wie die Kirche schon in der Zeit ihres Entstehens an das Opfer des Neuen Bundes fest geglaubt hat. Das Priestertum Jesu-Christi ist „nach der Ordnung des Melchisedechs“, der „Gott Brot und Wein darbrachte“ (Heb. 5, 6-10; 6, 20; 7, 11; 7, 21). Selbst der von der Kirche verurteilte Modernist A. Loisy sollte folgende Wahrheit anerkannt haben: „Die Darbringung des Leibes und Blutes des Bundes bilden die Grundlage des Hebräerbriefes über das einzigartige Priestertum und Opfers Jesu Christi“. Mit einem Wort zusammengefaßt, der Brief des hl. Paulus an die Hebräer ist der Nachhall und die Weiterentwicklung von dem, was der Apostel den Korinthern geschrieben hat. Wir fassen zusammen: Von der ersten Stunde an hat die Kirche, ohne etwas zu erfinden, das gefeiert, was sie von ihrem Gründer, dem höchsten und ewigen Priester Jesus Christus gelernt hat; die aus der apostolischen Zeit stammende Kirche hat die Wahrheit vollkommen bestätigt: Die beiden vom Herrn konsekrierten Substanzen von Brot und Wein sind der Leib und das Blut des Herrn selbst. Die Überlieferung der Kirchenväter So wie Gott den Glauben an die Apostel vermittelt hat, ging er in seiner Gesamtheit an die heute richtig bezeichneten „Apostolischen Väter“ über; dies geschah im ersten und zweiten Jahrhundert. Des hl. Petrus Nachfolger auf dem Stuhl von Antiochien, der hl. Ignatius von Antiochien schrieb in seinem Brief an die Christen von Smyrna: „Die Eucharistie ist der Leib unseres Erlösers Jesu Christi; derselbe Leib hat für unsere Sünden am Kreuz gelitten, ihn erweckte der himmlische Vater wieder zum Leben“ (PG 5, 713).

In seiner Schutzschrift (Apologie) betonte der hl. Justinus: „Wir empfangen kein gewöhnliches Brot und keinen gewöhnlichen Trank, denn wie unser Erlöser Jesus durch das Wirken des Heiligen Geistes Mensch geworden ist, indem er zu unserem Heil Fleisch und Blut annahm, so lehren wir, daß die Speise, über welcher der Priester mit dem von Jesus Christus stammenden Gebet die hl. Messe gefeiert hat, durch die Wandlung der Leib und das Blut des Heilands selbst geworden ist“ (PG 6, 428) Der aus der Schule des hl. Polykarp stammende heilige Irenäus, ein Jünger des hl. Lieblingsapostels Jesu und Evangelisten Johannes schrieb folgendes: „Wie der Heiland selbst bestätigt hat, ist dieser Kelch sein eigenes Blut… Wie der Heiland bestätigte, ist dieses Brot sein eigener Körper“. Durch Gottes Worte („dies ist mein Leib“, und „dies ist mein Blut“) wurden Brot und Wein zur Eucharistie; die Eucharistie aber ist Christi Leib und Blut (Adv haere. IV, 18, 4; PG, 7; IV, 5, 33-2; PG 7, 1124). Wir fassen zusammen: Im Osten und Westen (des römischen Reiches) ist dies der gemeinsame auf die Apostel und Jesus selbst zurückgehende Glaube. Da der Meister selbst gesagt hatte: „Dies ist mein Leib, dies ist mein Blut“ muß er gut gewußt haben, was er sagte und tat. In seinen eigenen Händen – folglich in den Händen jedes Priesters – verwandelte sich das Brot und der Wein in seinen Leib und sein Blut, in die eigene Person selbst. Die Eucharistie ist keine beliebige Sache, sondern verkörpert Jesus selbst, seine anbetungswürdige Person, Gottes Sohn, der einzige Erlöser der Welt. Der französische Dichter Pascal (1623 – 62) schrieb in seinem Werk Les pensées (Die Gedanken): „Wenn Jesus Gott ist, wie er Gott ist, wenn das Evangelium wahr ist, wie es wirklich wahr ist, welche Schwierigkeit besteht dann, an all dies zu glauben?“

Deshalb, liebe Freunde, gilt folgendes: Wir sind keine Einwohner von Kapharnaum, welche den Heiland verließen, als er vom Brot des Lebens, d.h. von sich selbst gesprochen hat, sondern sind entschiedene Anhänger der Eucharistie. Wir gehen vor der kleinen weißen Hostie, wenn sie konsekriert ist, immer auf die Knie und beten sie mit folgenden Worten an: Du bist der Heiland, mein Gott und mein Herr. Mein Gott ich will mit Dir auch eine kleine Hostie sein. Die Hostie mit Jesus-Hostie: das ist der Katholik, das ist das Leben.
Candidus sì sì no n, 30.06.2019
studer
Splendida expositio medullae medullae merae veritatis fidei