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Hans-Peter Raddatz: Rassismus als moderne Kultur-Umkehrung (www.die-neue-ordnung.de/)

Nr. 4 / 2020 August 74. Jahrgang

Hans-Peter Raddatz
Rassismus als moderne Kultur-Umkehrung

Oder: Wie „Toleranz“ eine neue Gottheit aus der Taufe hebt

Systemische Randbedingungen
Der Impetus des Modernen – als tiefgreifender Kulturwandel nichts Geringeres als Macht an sich – trennt wie jede Epoche eine elitär konstruierte, mit Propaganda-Begriffen verdaulich gemachte „Neue Welt“ von der „alten“ Massenwelt der faktisch noch gelebten, aber zu ändernden Wirklichkeit. Dieser Prozeß, den man marxistisch-nazistisch „Systemüberwindung“ nennt, läuft in aus der Evolution und Geschichte bekannten Strukturen ab, unterscheidet sich aber durch seine enorme Größenordnung und Technifizierung von seinen historischen Vorgängern des kulturellen „Aufstiegs und Falls“. Wie sich zeigen läßt, mag diese Dimension allenfalls vergleichbar sein mit der Gesamtheit der Übergänge von den altorientalischen Hochkulturen über iudaeopersico-hellenische Zwischenphasen in das griechisch-römisch-christlich gewandelte, später mit dem Islam konfrontierte Europa. Indem die Moderne in der multikulturell-interreligiös dogmatisierten Gegenwart eindeutige Merkmale der politreligiösen, wirtschaftsethischen, humanmoralischen Dekadenz entwickelt, lassen die faktischen Sozialfolgen der Auflösung „alter“ Rechts-, Arbeits- und Bildungsstrukturen die Euro-Bürger spüren, daß sie Zeugen bzw. Opfer einer monströsen Desinformation über die Aushöhlung ihrer Staaten und der eigenen Zukunft werden. Dies insofern, als die Moderne mit dem maximal aufgespannten, historisch einmaligen Anspruch antritt, alle Nationen, Religionen und Kulturen in einer „Weltgesellschaft“ zu vereinigen und so auch die beteiligten Gottheiten zu einer „Höchsten Kraft“ bzw. „Intelligenz“, die man soziologisch „Komplexität“ nennt, zu abstrahieren. Wie sich mit dem Toleranzbegriff der Aufklärung abzeichnete, trifft sie mit Allah auf einen kompatiblen Impuls, konnte nach den Weltkriegen ihre politische Wirkmacht mit den Signalen des Zweiten Konzils sowie als „Turns“ verharmlosten Denk-Diktaten (cultural, cognitive, linguistic, financial) verstärken und über die Universitäten, Medien, Partei- und Konzern-Stiftungen, Kirchen etc. nachhaltig verbreiten. Diese immense Dimension wurde vom Verfasser als dritte Stufe einer Moderne vorgestellt, die sich über Renaissance und Aufklärung in die technisch und monetär geprägte Globalisierung als dritte Stufe des Totalitarismus (nach Faschismus und Kommunismus) entwickelt. Während sie sich als „demokratischer Kulturdialog“ tarnte (s.u.), hat sich der Wandel mit den „Turns“ deutlich verstärkt – den einen als Fortschritt, den anderen als Dekadenz (NO 1-2/20). Alsbald wurde ebenso deutlich, daß sich mit der relativistischen 68er-Ideologie der US-geführten Frankfurter Schule (Horkheimer, Adorno, Marcuse etc.) die rotbraune Moderne-Tradition unter dem Logo der Multikultur als pseudo-demokratische Kultur-Revolution fortsetzen ließ. Sie grenzt alle ihrem Fortschritt schädliche, „reaktionäre“ Faktoren aus, allen voran die als „repressiv“ pauschalisierte Vorgängerkultur, die mit einer aggressiven, im Verlauf sich selbst radikalisierenden Diffamierung konfrontiert wurde. Wer auf Bürgerrechte und/oder christliches Naturrecht pochte, wurde zu einem „Brandstifter“ bzw. „Islamophoben“ und driftet derzeit in den grenzwertigen Status des „Rassisten“, der den Neo-Totalitarismus unserer Zeit signalisiert. Da es um lange Zeiträume geht, deren Produkte heute oft als „alt“, „rückständig“ oder gar „patriarchal“ verworfen werden, ist darauf zu verweisen, daß es gerade auch in der Moderne Denkmuster und Begrifflichkeiten gibt, die hier weitaus häufiger und ausgeprägter als in anderen Kulturen auftreten, wobei aus moderner Sicht die Euro-Zivilisation griechisch-römisch-christlicher Provenienz ihrerseits als „andere Kultur“ zu gelten hat. Mithin führt die Umkehrung, soweit der Systemüberwindung nützlich, zu Spiegeleffekten, die Böse in Gut verdrehen (s.u.) und einst als patriarchal und rückständig geltende Kulturen bzw. Ideologien wie Buddhismus und Islam zu Maßstäben kultivierter Zivilisation umkehren, „von denen wir lernen können“. Wie in jedem Machtwechsel bereitete sich der Strukturwandel in zunächst verdeckten Formationen vor, die seit jeher auf die historisch gewachsene META-Methodik zur Schaffung eines „neuen“, d.h. lenkbaren Menschen zurückgreifen. Sie ist ebenso alt wie der Kulturprozeß selbst, kommt ursprünglich aus den Mysterien des alten Orients und entwickelte sich mit der Kombination aus Mysto-Esoterik und Techno-Administration (META) in die Hermetik (Magie, Alchemie, Astrologie, Gnosis, Kabbala) des Euro-Mittelalters und Islam – ein Vorgang, den Theologie und Philosophie ausweichend formulieren, weil sie Teilnehmer des Machtgangs sind. Eben dies bedingt die Zwänge zu Zweideutigkeit und Täuschung, die seit jeher die organisierte Esoterik unter Verschwörungsverdacht stellen, aber aufgrund ihrer unumkehrbaren Dominanz die Massenkontrolle auch in Machtübergängen und Kultur-Revolutionen gewährleisten. Solches kennzeichnet das Elitenprivileg als Recht des Stärkeren, das in zeitlosen Mustern und der Kritik daran schon die antiken Sophisten mit der Galionsfigur Sokrates umtreibt. Hier liefert Machtexperte Machiavelli (gest. 1527) Hinweise, die sogar die Spiegelung der Kultur-Umkehrung ankündigen. Denn sein Fürst (Il principe) ähnelt dem heutigen Machthaber „durch die erzieherische Kontrolle, die sich mit Intrige, Betrug, Vertragsbruch und Gewalt ausstattet und die darin Begabten zu den Guten und die einfältigen, eher der Masse zuneigenden Tölpel, die auf die Verfassung pochen, zu den Bösen stempelt“ (H. Münkler, Macchiavelli, 333 – 2004, Kursiv. v. Verf.). Zwischen 1200 und 1300 vollendeten Orient und Okzident die ein halbes Jahrtausend zuvor durch den Stop des Djihad bei Tour und Poitiers (732) bestätigte Spaltung. Das „Morgenland“ installierte die Scharia, das „Abendland“ die Anfänge der Moderne, die mit der Renaissance und Reformation vermehrte Fahrt aufnahm. Im Verlauf entpuppte sie sich als zunehmend revolutionäres Übergangsmedium zwischen Religion und Wissenschaft, in dem eine politsoziale Ästhetik das Unikat der europäischen Staatlichkeit hervorbrachte und in der Kirche die Reaktion der Jesuiten auslöste. Sie begleiteten die Kolonisierung mit Beiträgen zur Vermittlung von politischer Zivilisierung und christlicher Bildung und lieferten mit ihrer strengen Organisation dem „Dritten Stand“ die Vorlage für säkulare Formen der ordinierten Esoterik, die unter hochtrabenden Namen eine Aura zwischen Verschwörung und Spießer-Verein entfalteten. Wenngleich sie die politische Infiltration zum Erfolg führten, beeindruckte das gebildete Zeitgenossen wie Theodor Fontane (gest. 1898) nicht. Ihm zufolge „lief das Meiste in den geheimen Gesellschaften des 18. Jahrhunderts auf Herrschsucht und Eitelkeit, Täuschung und unmittelbaren Betrug hinaus“ (M. Agethen, Geheimbund und Utopie, 25, 31 – 1984, Kursiv. v. Verf.). Während sich darin der existentielle Rassismus der Eliten gegenüber den massenhaft Beherrschten und Kolonisierten abzeichnet, öffnete der Fortschritt der Kolonisierung in der industriellen Revolution eine gigantische Vermögensschere zwischen der neuen Profit-Dimension und der Verarmung bzw. Verelendung der Massen sowohl in den Kolonien als auch in Europa. Sie löste wesentlich drei systemische Konsequenzen aus: die globale Expansion der Geldwirtschaft, den Aufstieg des Sozialismus sowie die Emigration der entwurzelten Chancenlosen, der Kolonisierten nach Europa und Amerika und der „pauperisierten“ Europäer fast nur nach Amerika. Parallel zum Erfolg der Physik verband sich ein mechanisiertes Sozialverständnis mit dem elitären Dominanzbewußtsein, das unter dem Eindruck der Kolonisierung den existentiellen Rassismus weiter verstärkte. Er fügte dem „alten“ Rassismus gegen Juden, Frauen und Schwarze nun alles hinzu, was die moderne Dynamik zur politischen Radikalität und Arbeitsversklavung behinderte. Mit dem Arier-Glauben des 19. Jh. entfalteten sich die inflationären Reden vom „Aufstieg und Fall der Kulturen“ und neuen „Links-Rechts“-Mustern – eine universale Matrix, in welcher der Euro-Diskurs seine diversen Theorien, Ideologien und Propaganda-Konzepte bis heute verortet. Dies um so mehr, als sich die kirchenkritische Aufklärung und ihre esoterischen Machtorden als Neo-Kirche einer Vernunft-Religion verstanden, die das angeblich obsolete Christentum ersetzen sollte. Da jede Machtform sich als „Wahrheit“ versteht, waren in diesem Rahmen Fehlhandlungen des Machtklerus, die zwar unstrittig, aber Sache kircheninterner Diskussion sind, als pauschaler „Priestertrug“ aufzublähen und auf die ganze Kirche auszudehnen, die man der Masse als Wurzel allen Übels präsentierte. Hier wiederholte sich freilich nur eine historisch bewährte Routine, die das Denken des konstruktiven Kompromisses ausschaltet und als „multikulturelles“ Privileg der Eliten seit jeher die Macht-Vorgänger diffamiert, um die eigene Legitimation zu sanktionieren. In der fortschreitenden „Reife“, d.h. Radikalisierung der Moderne erschien es daher nicht nur möglich, sondern eher logisch, die monströsen Massenmörder der rotbraunen Extremismen in „gefallene Engel“ und im aktuellen „Dialog“ mit der Islamisierung die Langzeit-Genozide des Djihad in „Anstrengungen im Glauben“ umzutaufen. Deren „liberale“, Mistreiter, die sich in den Gründerfiguren des Industriekapitals, heute in den CEO’s der globalen Konzerne verkörpern, flankieren die sichtbaren Vertreter der Staaten, die unter Anglo-Ägide in die Weltkriege drifteten und in der Europäischen Union eine effiziente Lenkstruktur zwischen Demokratie, Markt und Despotie entfalteten. Darin wirkt der elitäre Rassismus, dessen Begriff zuerst als national eingeengtes Herrschaftsmittel im Oben-Unten-Links-Rechts-Raster des 19. Jh. (s.o.) erkennbar wurde. Kongenial beschreibt er die wurzelhafte Asymmetrie zwischen Macht und Masse, zwischen herrschender „Rasse“ und beherrschter Klasse, in der – nicht nur um des Reimes willen – auch die „Kasse“ eine universale Rolle spielt. In dem so illustren wie einprägsamen Achsenkreuz von Rasse, Masse, Klasse, Kasse manifestiert sich die Wechselwirkung zwischen Natur und Kultur-Evolution, die mit den Logikformen der Dialektik und Komplementarität die Unterschiede in der Welt betont oder löscht – nach jeweiligem Bedarf der Weltdeutung (vgl. NO 1-20).

„Göttlicher“ Rassismus und christliche Kulturation
Seit jeher drückt sich die Fundamental-Spaltung im Konflikt zwischen dem theophilosophischen Naturrecht auf humanes Sein und sozial-ethische Toleranz sowie dem elitären Rassismus „höherer“ Ordnung aus, dessen Palette psychotechnischer Massenlenkung – Suggestion, Infiltration, Indoktrination, Administration – als kultureller Impetus seine natürliche Parallelen in der traditionellen Ordens-Esoterik hat. Ebenso natürlich wird deren Macht-Intelligenz vom konditionierten Massengehorsam kaum verstanden, was in dumpfem Unbehagen am Herrschaftsstil und in mediokren Verschwörungstheorien sowie in der Massenneigung zum Ausdruck kommt, in den Herrschenden übernatürlich Begabte, Erleuchtete, Erlesene usw. sehen zu wollen. Damit kommt eine quasi-göttliche Ermächtigung der Eliten ins Spiel, die mit dem kosmischen Einheitsgott der Hermetik eine alternative Weltgestaltung legitimiert. Er erscheint nun als konkret wirksames, hochesoterisches Vexierbild, das zwischen Staat, Markt, Multikultur und Interreligion schillert und den „alten“ Menschen jene Pluralität verordnet, die sie in der „Komplexität der Funktionsvernetzung“ verwertet. Das folgenreiche Vexierspiel ergibt sich automatisch, weil systembedingt aus dem Täuschungsprivileg des Machtmodus, das in der immensen Dimension der Kultur-Revolution daher eine weit gefaßte Religions-Ideologie erfordert. Sie muß die bisherigen „Subjektphilosophien“ (s.o.) übersteigen und läßt sich vielleicht im Meta-Konzept des „Kulturgedächtnisses“ (J.+ A. Assmann) finden. Hier kommt die Esoterik-Religion der historischen Machtorden zum Zuge, die seit den orientalischen Hochkulturen speziell erleuchtete Übermenschen in gott ähnliche Funktionen einsetzten, sich mithin als Kontrollinstanz aller Religionen und Kulturen verstehen und eine gesonderte Betrachtung erfordern. Die Assmann-These besteht in einem umfassenden „Kulturgedächtnis“, das auf den skalierbaren Gewaltebenen des verschwindenden bzw. verbotenen Denkens beruht (s.o.). Indem es somit den „humanwissenschaftlichen“ Diskurs insgesamt umfaßt, erlangt das Konzept Bedeutung, weil es das Kulturgedächtnis der Moderne im Vergessen des Alten unterstützt, somit auch die „alte“ Ethik zu entsorgen hilft und notwendig den existentiellen Rassismus in der Durchsetzung der geistig nivellierten, technisch vernetzten Weltgesellschaft fördert. Im Klartext fordert die Assmann-These einen behaupteten Primär-Gegensatz zwischen A) dem viertausendjährigen, polytheistischen Paganismus und B) der zweitausendjährigen, monotheistischen Offenbarungs-Religion, der einen Sekundär-Gegensatz zwischen der ebenso behaupteten Toleranz von A und Intoleranz von B bedingt und die Tertiär-Gegensätze der Geschichte hervorruft, die sich einzig und allein in blutiger Missionierung, Kreuzzügen, Religionskriegen und den Konflikten zwischen Kirche und Adel ausdrücken sollen. Aus dieser Sicht hat die Moderne, indem sie eine atheistische Renaissance des Paganismus betreibt, die offenbar böse Gewalt des Monotheismus – vor allem kraft „aufklärerischer Toleranz“ – nahezu überwunden. Zugleich ist den Menschen das Kulturgedächtnis des orientalischen Guten näherzubringen, das aus den ägyptischen Mysterien kommt und mit dem Islam als monotheistischer Ausnahme den Globalisierungs-Glauben an die „Höchste Intelligenz“ etablieren kann (J. Assmann, On God and Gods, 17). Wie inzwischen erkennbar, ist der Rassismus eine Funktion des Elitenprivilegs, die auf der Massenseite die Toleranz fordert, was bei der Bandbreite des Assmann-Konzepts eine mögliche Maximierung rassistischer Gewalt bedeutet. Insofern versteht sich von selbst, daß eine solche Religions-Philosophie einen ebenso maximalen Horizont für die im Machtmodus angelegten Täuschungsroutinen und Psycho-Projektionen aufspannt und beste Ideologie-Bedingungen für die Verwirklichung der multikulturell-interreligiösen Weltvision schafft. Um so hinderlicher kommt das trinitarische Unikat des christlichen Monotheismus zum Vorschein. Im human orientierten Denken allgemein sowie in einer Zeitschrift wie dieser speziell drängen sich „natürlich“ die Kernsätze des Jesus Christus auf, der mit dem „Ersten Stein“ die Schuld der Mächtigen an den zentralen Übeln der Welt und den Perversionen der humanen Vernunft – Machtmißbrauch, Frauenunterdrückung, Geldgier und Dämonenglaube – bloßlegte und mit der trinitarischen Öffnung des Denkens die Zeiten wendete. Wie tief im Elitenprivileg eine maskuline Über-Dominanz aus mythischer Vorzeit wurzelt, machten die Vorgänger-Kulturen der Griechen und Römer deutlich, deren elitärer Rassismus mit einer Sklavenwirtschaft und kompatiblen Herren-Ideologie einherging. Dazu parallel leiteten sie in frappierend ähnlicher Weise die Frauenunterdrückung aus einer männlichen Gottesnähe und deren „Recht“ auf Konkubinat, Ehebruch, Vergewaltigung und Inzest her, die ihrerseits Relikte der orientalischen Mysterien enthielten und im Islam wiederkehren (Raddatz, Allahs Schleier, 117ff., 278ff.). Daß jede Änderung der Frauenposition sich auf die Sozialordnung und ihre Machtfaktoren auswirkt, versteht sich von selbst und hat in jeder Kultur und Religion einen entsprechend hohen rechtlichen und ethischen Stellenwert. Abgesehen vom frauenspezifischen Rassismus im Islam, der in den Djhad integriert und gesondert zu behandeln ist, zeigten schon die ersten Ansätze der christlichen Emanzipation bis weit in die Kirchengeschichte hinein, wie schwer es klerikaler Praxis fiel, die jesuanische Neuerung umzusetzen (ebd., 60ff., 200ff). Beispielhaft war dies am Märtyrer-Apostel Paulus abzulesen, der als griechisch gebildeter Jude unter römischer Herrschaft das Damaskus-Erlebnis erfuhr. Von der Wucht der Jesus-Erscheinung getroffen, wurde er zwar zum so epochalen wie sprachgewaltigen Botschafter des Evangeliums, der aber notwendig auch Merkmale des Übergangs zwischen alter und neuer Zeit mit sich trägt. Neben den Kernsätzen Jesu, die die Macht selbst in die Schranken weisen und somit jede Form von Rassismus löschen, gehört Paulus zu denjenigen, die die Zweideutigkeit des Christentums zwischen klarem Anti-Rassismus und unklarer Frauen-Emanzipation exemplarisch demonstrieren. In einem der häufigsten Zitate überhaupt heißt es zunächst: „Es gibt nicht mehr Juden und Griechen, nicht Sklaven und Freie, nicht Mann und Frau, denn ihr alle seid einer in Jesus Christus“ (1. Kor. 12f.), aber daneben soll zugleich auch gelten: „Wie es in allen Gemeinden der Heiligen ist, sollen die Frauen in den Gemeinden schweigen, denn …sie sollen sich unterordnen, wie auch das (jüdische) Gesetz sagt (1. Mose 3, 16). Wenn sie aber etwas lernen wollen, so sollen sie daheim ihre eigenen Männer fragen, denn es ist schändlich für eine Frau, in der Gemeinde zu reden“ (3. Kor. 14) Diese Struktur wurde in Europa von der GRICO, der Greco-Romano-Iudaeo-Christo-Ordo-Mischkultur zivilisiert, aber aufgrund ihrer jüdisch-christlich kultivierten Vielfalt und Toleranz natürlich nicht gleichgeschaltet, so daß sich ein Grundbestand des urwüchsigen, kelto-germanischen Paganismus erhielt. Davon unberührt blieb der Islam, der mit der Mega-Wende des 13. Jh. seine schon koranisch festgelegte Selbstdefinition gegen die GRICO-Kultur bestätigte und eine lange, polit-theologische Diskussion beendete. Sie war allerdings schon nach einem guten Jahrhundert des Djihad um das Mittelmeer und der blutigen Vertreibung der prochristlichen Umayyaden-Dynastie (750) entschieden, brauchte allerdings weitere sieben Jahrhunderte, um mit den Osmanen die griechische Ostkirche anhand des Massakers von Konstantinopel (1453) endgültig zu Fall zu bringen (vgl. Raddatz. Von Allah zum Terror?, 61ff. – 2002). In der Anpassung der lateinischen Westkirche, die sich seit dem Konzil den esoterischen Methoden öffnete und mit geduldiger Suggestion, Infiltration, Indoktrination, Administration (s.o.) in einer „Anstrengung des Glaubens“ ihre Organisation umstrukturierte, zeichnete sich eine konsequente Abstraktion des trinitarischen Prinzips zur „Höchsten Intelligenz“ ab. Hier denkt man seit einigen Jahren über die Fusionen Gott-Allah, Bibel-Koran, Mission-Djihad nach, so daß sich sechs Jahrhunderte nach Konstantinopel die „christliche“ Integration Europas in den Islam vollenden könnte. Indem sich damit auch die jesuanische Zeitenwende, die paulinisch verkündete, humane Emanzipation der „Juden von Griechen, der Sklaven von Freien, der Frauen vom Mann“ beendet, kann sich die radikale Eliminations-Strategie der „alten“ (rotbraunen) Extremismen aufgrund der multikulturell-interreligiös diktierten „Toleranz“ in den ultimativen Rassismus einer globalen Kommando-Harmonie steigern. Dessen totalitäre Dimension drückt sich in der scheinparadoxen Verabsolutierung des modernen Relativismus aus (s.o.), der indes auf einer langen Tradition machtnützlicher Philosophie beruht und in Kant und Hegel kongeniale Vordenker hat. So wie die „Toleranz“ der Interreligion den „alten“ Juden und Christen einen religiösen, wenn nicht „wahnhaften“ Rassismus und die „tolerante“ Multikultur der „alten“ bürgerlichen Euro-Kultur einen kulturellen bzw. „repressiven“ Rassismus zur Last legt, entsteht in der aktuellen, geldnormierten Macht-Expansion der Globalisierung der Ultimative Rassismus (UR), den der selbstlaufende Prozeß der Kultur-Revolution erzwingt. Denn nach den radikalen Relativismen des Inter- und Multi-Rhetorik kommt er aus dem dritten Zwangspartikel des ebenso ultimativen Trans, das auch im allgemeinen Sprachgebrauch mit Bedeutungen eines 1. hinüber, 2. darüber hinaus, 3 hindurch bekannt ist. In jedem Falle werden offenbar Grenzen überschritten, in 1 und 2 horizontal und vertikal, in 3 als Durchdringung, die Parallelen in den komplexen Korrelationen der aktuellen „transhumanen“ Vernetzungs-Ideologie hat. Sie lehnt sich an bio-physikalische Funktionen der Perforation, Perkolation, Infiltration und mathematischen Kybernetik an, die Denkweisen und Assoziationen fördern, Religionen verändern und schließlich in der Globalisierung ganze Kulturen transformieren. Wie erwähnt muß dazu der „alte“, d.h. selbst denkende Mensch verschwinden, ein Postulat, das der „humanwissenschaftliche“ Diskurs der Universitäten Europas seit der „Aufklärung“ so oft wiederholt hat, daß M. Foucault (gest. 1984), eine Art Platzhirsch der „Subjektphilosophie“ in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, in zynischer Poetik vom humanen Sein als „Gesicht im Sand“ sprach, das langsam aber sicher „von den Wellen des Meeres weggespült wird“. Darin macht sich die UR-Energie, die Radikalität des Ultimativen Rassismus geltend, die sich schein-„transzendent“ in der Ur-Kraft, der „Höchsten Intelligenz“ der Kultur-Revolution abbildet und vorläufig im Rassismus des TransGender kulminiert. Dessen Transgression überschreitet die Geschlechter und die humane Reproduktion, also insgesamt die Pro- und Regressionen der Inter- und Multi-Zwänge. Denn wenn der denkende Mensch verschwindet und sich so auch der konstruktiven Ethik des Nächsten entledigt, ist der Status erreicht, der ihn in kultureller Rückabwicklung zum Herden- oder Maschinen-Teil „qualifiziert“. Solches beschert dem Elitenprivileg die Basis der optimierten, weil „religionsfreien“ Massen-Manipulation, erzwingt aber zugleich den Rassismus gegen den Menschen, wie man ihn aus der Geschichte kannte. Den Inter- und Multi-Vorstufen gemäß, die die Alt-Religion und Alt-Kultur verdrängen, muß die UR-Kraft nun die verantwortliche Spezies beseitigen, die sich im „alten“ und „weißen“ Menschen und – einmal mehr – im ubiquitären Juden konzentriert. Diese weitere Radikalisierung hat bereits begonnen, indem vom konkreten Feindbild des „alten weißen Mannes“ die Rede ist, dem im Zuge der systemhaften Vermännlichung ausufernder Macht die „alte weiße Frau“ ohne große Verzögerung folgen wird. Während beide per Abtreibung und Verhütung ihre Reproduktion verhindern, ist auch ihr frühes Ableben zumindest per Euthanasie zu unterstützen. Dabei kann sich das Trans-Bild durch die „Transhumanz“ abrunden, das nomadische Nähren der Herden auf entfernten Weiden, das seine „humane“ Entsprechung in der globalen Migration findet. Ganz ähnlich werden hier verarmte, entwurzelte Menschenmassen als „Körperströme“ (M. Foucault) von den Ober- „Hirten“ der Esoterik-Orden, die zuvor kraft „Entwicklungshilfe“ d.h. Privatisierung der nicht-westlichen Ressourcen für sich gesorgt hatten, nun in großem Stil in die „reichen“ Länder des Westens verschoben. Den dort „länger Lebenden“, d.h. der abgelehnten Bürgerkultur restchristlicher Prägung lassen sich mithin die Folgekosten der Globalisierung aufbürden und in einem zweiten Durchgang die erfolgreichen Routinen des „interkulturellen“ Abgrasens wiederholen. Hier schlägt das Geld-Herz der Kultur-Umkehrung, die sich der Asymmetrie elitärer Bereicherung und prekärer Enteignung verdankt und bei Widerständen die System-Reflexe des Ultimativen Rassismus auslöst.

Islamischer Rassismus und Kolonisierung
Während wir zu Beobachtern werden, deren kurze Lebenszeit ein seltenes Zeitfenster für den Blick in den langen Weltwandel öffnet, verweisen die Muslime mit Stolz auf ihre glorreiche Geschichte, die in der Propaganda der Muslimbruderschaft, des Islam-Pendants der Euro-Esoterik, als mystisch verklärte Vergangenheit der wie es heißt, „politischen Verlogenheit und moralischen Verkommenheit“ des Westens gegenübersteht. Derweil mühen sich die Vordenker des interreligiös zerstreuten „Kulturdialogs“, die Differenzen zwischen den Religionen und Kulturen in esoterischer Alchemisten-Tradition zu einer biotechnischen Paarung bzw. Deckung zu bringen. Geht es nach der kultur-revolutionären Ideologie, die ihrer „Natur“ gemäß nicht ohne Anleihen bei Bolschewismus und Nazismus auskommt, werden sich „Risiken und Chancen“ sowie im Grunde alle Unterschiede so sicher „befruchten“, „bereichern“ und „befreien“, daß die Frage aufkommt, wieso bei solch prästabilisierter Harmonie sich nicht schon längst das offenbar genetisch angelegte NeoKalifat Europa aufgerichtet hat und statt dessen mit der desolaten EU die islamische Wertung der „politischen Verlogenheit und moralischen Verkommenheit“ bestätigt. Allerdings schließt sich hier wieder der Kreis der machttechnischen Kolonie-Logik und dies gleich zweifach. Denn eine europäische Version der islamischen Wertung, die sich in gleicher Weise gegen den Islam richten würde, ist ausgeschlossen, weil der Glaube an Allah aus Sicht des „Kulturdialogs“ die Höchstform der religiösen Kultiviertheit und Toleranz überhaupt erzeugt hat. Hinzu kommt, daß die „alte“ Euro-Kultur sich aus dieser Sicht auf die Kreuzzüge verkürzen, problemlos auf die anti-islamische Islamkritik als „Islamophobie“ verlängern läßt und so zugleich die Abwertung innerhalb der Eigenkultur verdoppelt. Denn indem sie die Inquisition als Mutter der Gewalt verabsolutiert, die mit der Kirche und von ihr begünstigten „patriarchal repressiven Strukturen“ des Bürgertums die multikulturell-interreligiöse Zukunft Europas verbaut, kann bzw. muß die Kultur-Revolution sich immer islamischer gebärden. Da das Ganze seit dem Zweiten Konzil mit zunehmender Stringenz in den Staaten der EU gepredigt wird, wobei Koran und Tradition des Islam einen Kanon des radikal bio-ideologischen Rassismus gegen den „Unglauben“ beisteuern, kann unmittelbar einleuchten, daß mit dem nun islaminduzierten, dritten Totalitarismus der Moderne (s.o.) ein damit kompatibler, sich fortlaufend weiter aufheizender Rassismus einhergeht. Dessen existentielle Radikalität hilft zu erklären, wieso die Kulturwandler auch die banalsten Abweichungen kritischer Ungläubiger vom islamisch dominierten Dogma der Multikultur mit einem überdimensionierten „Rassismus“ beantworten. Die Inflation dieses Begriffs ist eine Funktion institutioneller Islam-Ermächtigung, die mit der Dekadenz des Rechtsund Bildungswesens in den EU-„Demokratien“ bis 2025 noch deutlichere Einschnitte erwarten läßt (vgl. NO 3/20), vielleicht sogar eine „interkulturelle“ Wiederholung der rotbraunen Machtergreifungen in den politischen Raum stellt. Und nicht nur das: In den letzten Beiträgen wurde das mythische Potential des modernen Denkverfalls deutlich, das archaische Formen des Horden-Verhaltens reaktiviert und den Grenzbegriff des Rassismus in die logische Folgestufe des Totalitarismus überführt: offizielle Gewalt und Steigerung der Perversion. Denn die „Kultur“-Revolution zerstört kraft Abtreibung und Euthanasie die Ethik der Familie und holt mit dem Gender-„Recht“ die Homo-Pädo-Sexualität aus dem „Hinterhof repressiver Strukturen“ – eine fundamentale Verdrängung der Frau und natürlichen Geburt, die einen – noch nicht benannten – Rassismus der ultimativen Selbstzerstörung „zeugt“. In dieser Eigendynamik zeichnet sich freilich die generelle Steigerung in den bio-technischen Rassismus der Moderne ab, der sich im Netz der Funktionen und Korrelationen dem Typus eines Schaltsystems künstlicher Intelligenz annähert und jede Funktionsstörung system-immanent aufspürt und behebt. Die aktuellen Gebetsmühlen und Verhaltens-Reflexe der Sozial-Kybernetik sind das Wunschergebnis der „Vordenker“ des Denkschwunds, die im Tunnel der System-Dynamik, wie sie selbst sagen, „keine Alternative“ haben, also auf Beseitigung von Abweichungen programmiert sind. Dem hier aufgespannten Horizont entspricht ein sich prozeßhaft anpassender Kulturbegriff, der dem Neo-Dogma der Multikultur die damit kompatible Dimension einer langfristigen Entstehung verleiht. Denn die genauere Betrachtung zeigt, daß die Hauptkräfte des europäischen Geistes – England, Frankreich, Deutschland – in das Verständnis von Kultur (in dieser Reihenfolge) zentrale Akzente einbrachten, die sich vom 16. ins 18. Jahrhundert erstrecken und in den biotechnisch-monetär ideologischen Kriterien der modernen Kultur-Revolution wiederkehren: die „Pflege“ der Masse als Anleihe bei der Agrikultur, die „Pflege“ des Massen-„Intellekts“ zur Nutzung einer funktional vernetzten, d.h. konditionierten Quasi-Versklavung, die „Pflege“ der Masse zur Lenkung des impliziten Gewaltpotentials (vgl. Metzler-Lexikon Literatur- und Kulturtheorie, 391 – 2008). Eine auffallende Gemeinsamkeit der drei „Pflege“-Formen besteht in der offensichtlichen Erkenntnis, es beim Menschen, wie massenhaft und herdenartig auch immer, mit einem ganz besonderen Wesen zu tun zu haben. Dies zwang die drei politreligiös begleiteten Varianten dazu, vom anthropologischen Merkmal des Menschen als einmaliger, weil denkender, vom Tier unterschiedener Person Kenntnis zu nehmen, diese Eigenschaft aber im Zuge der biotechnisch-monetär ideologischen Kulturwende wegzuzüchten und in die harmonische „Pluralität der Weltgesellschaft“ münden zu lassen. Im Rahmen der Globalisierung läuft der Prozeß auf eine kolossale Kolonisierung der Menschheit hinaus, die bereits biblische Nuancen zeigt (NO 3/20). Bekanntlich fiel deren ursächliche Basis, die man Toleranz nennt, nicht vom Himmel, sondern ist ein welthistorisches Kultur-Unikat, das in vielen Konflikten erkämpft und von den Aufklärern auf die erwähnte Weise erschlichen wurde. Ihre Forderung nach Freiheit und Gleichheit aller Kulturen und Religionen, die heute unter dem Dogma der Multikultur bzw. Interreligion läuft, kann also, speziell in der Selbstdefinition der Moderne gegen die Altkultur, nur auf deren Kosten realisiert werden, weil alle anderen Kulturen und Religionen die singuläre Qualität der gewachsenen Toleranz nicht aufweisen. In der modernen Gegenkultur verbindet sich nun allerding auf so systemische wie verschwiegene Weise der Rassismus als das Pendant der Toleranz mit dem elitären Deutungs- bzw. Täuschungsprivileg. So einmalig sich die in der Altkultur erworbene, von ihrer Nachfolgerin erschlichene Toleranz darstellt, als so einmalig radikalisiertes Phänomen erweist sich der moderne Rassismus, der ein Unikat unter den Rassismen der Kulturen bildet. Mit der Privatisierung der öffentlichen Einrichtungen (Telekom, Strom, Gesundheit etc.) breitet er sich als monetär „gesegnete“ Neo-Mission mit Bürgerkriegen aus und erschleicht mit der Endlos-Litanei des „Friedens“ und unter der Monstranz der „Demokratie und Menschenrechte“ den Anspruch auf eine Welt-Despotie, die man „globale Kultur“ nennt. Das bedingt die multikulturell-interreligiöse Ideologie, der zufolge die Zweifel oder gar Kritik am Anderen allgemein als um so „rassistischer“ vorzuverurteilen ist, je höher der Reinheitsgrad der „Toleranz“ steigt, der den nicht-westlichen Kulturen und nicht-christlichen Religionen – primär Islam und Buddhismus – seit der Aufklärung zugewachsen ist. So kehrte die Kultur-Umkehrung auch die Stoßrichtung des Rassismus um, wobei sich die umfassende Psycho-Projektion der modernen Defizite auf ihr bürgerlich-christliches Feindbild unausweichlich zur Geltung bringen muß. Zwischen den europäischen Kolonisatoren. die die anderen Kulturen und Religionen biotechnisch-monetär ausbeuteten, und den interkulturellen Strukturwandlern, die heute mit dem Shareholder Value auch den neuen Moral Value der realen Kommando-Toleranz steigern, besteht kein wirklicher Unterschied. Die Spiegelung zwischen Macht und Masse spiegelt sich ihrerseits in der einschlägigen Propaganda, in der damals wie heute die Dominanz ersterer die Demut der letzteren produziert bzw. nutzt. Die Aufklärer kolonisierten die fremden Kulturen, weil ihre Menschen dumm, faul, sexgierig zu sein hatten und mit sonstigen Defiziten der Amoral die Europäer geradezu „provozierten“, ihnen die Botschaft einer – ohne Ausnahme einträglichen – Zivilisation zu bringen. Und nicht nur das: Nach diesem Muster waren die Kolonien zu Protektoraten (Schutzgebieten), Vieh-Gehegen nicht unähnlichen Reservaten auszubauen. Sie ermöglichten den Vorwand, die Kolonisierten zu „schützen“ bzw. ihnen beizubringen, sich wie es hieß, vor sich selbst zu schützen. Dieser „Selbstschutz“ bestand wesentlich in der Plünderung ihrer Rohstoffe, Besitzstände und Arbeitskräfte, wobei die bekannten Auswüchse der Gewalt teilweise durch die parallele, christliche Missionierung gemildert wurden. Anhand seiner enormen Einträglichkeit kann einleuchten, daß der Selbstschutz mit seinen mafiosen Schutzgeldzahlungen seit Urzeiten das Recht des Stärkeren begleitet und im Islam ein exaktes Pendant in der Dhimma (Schutz, Schuld) findet. Diese Einrichtung berechtigt bzw. verpflichtet die Muslime, nun auch „religionsfrei“ in Europa, Juden und Christen einen Jahrestribut für einen „Schutz“ zahlen zu lassen, der vor dem sofortigen Tod bewahrt, Wer nicht zahlt, stirbt.

Die Rassismus-Analyse des Albert Memmi
Zu den wenigen Soziologen, die sich von der Geld- und Laufbahn-Attraktion des Katheder-Gehorsams lösten, gehört Albert Memmi (gest. 2020), der selbst arabo-jüdischer Herkunft, den Rassismus als Zentralinstrument elitärer Ermächtigung definierte: „Der Rassismus ist die verallgemeinerte oder verabsolutierte Wertung tatsächlicher oder fiktiver Unterschiede zum Nutzen des Anklägers und zum Schaden seines Opfers, mit der seine Privilegien oder seine Aggressionen gerechtfertigt werden sollen.“ In seinen beiden essayistischen „Portraits des Kolonisierten“ bzw. „De-Kolonisierten“, zwischen denen die zweite, mit obigen „Turns“ gesättigte Hälfte des 20. Jahrhunderts liegt, kommt die systemische Unveränderbarkeit des Machtmodus mit einer intellektuellen Souveränität zum Vorschein, die im aktuellen Akademie-Diskurs der interkulturellen Gleichschaltung selten anzutreffen ist. Denn der daraus abgeleitete, faktische Begriff einer rassistischen Kolonisierung die unabhängig von Kultur, Religion und Zeit „ihre Privilegien und Aggressionen rechtfertigt“, beschreibt nichts anderes als die elitäre Asymmetrie des evolutionären Machtmodus. Denn wie Memmi schildert, stellten die Linken Frankreichs erstaunt fest, daß sie mit der angeblich „antirassistischen“ Gleichheit der Menschen etwas forderten, was sie auf eine seltsame Augenhöhe mit dem „Rassismus“ der Rechten brachte, die mit der Ungleichheit das genaue Gegenteil behaupteten. Die Augenhöhe entstand mit der Feststellung auf beiden Seiten, daß es „schlecht sei, anders zu sein“, wobei der Maßstab für dieses „Andere“ bereits vorlag: „Sie gingen implizit oder explizit davon aus, daß es ein Vorbild gebe und daß dieses gute Beispiel von den Herrschenden verkörpert wurde. Für die einen wie für die anderen bedeutete Anders-sein letztlich, anders als der Beherrscher zu sein (Rassismus, 50f. – Hamburg 1992). Was immer geschah – Ausgrenzung, Vertreibung, Vernichtung der Ethnien und „Rassen“ oder eine der vielen Mischformen – beide Seiten gingen unklar mit dem Thema um, die Rechten, „weil sie außerdem wußten, daß sie dabei ihre Privilegien verlieren würden. Für die Linken andererseits war es undenkbar, daß man etwas anderes in Anspruch nehmen konnte, als ihnen zu gleichen. Sie hätten einen freigeistigen sozialistischen und internationalistischen Kolonisierten gewollt, aber keinen Mohammedaner, Fetischisten oder Juden! … Die Perspektive des Herrschenden einzunehmen hieße sie zu akzeptieren, sich selbst mit dessen Augen zu sehen, seiner zerstörerischen Verachtung zuzustimmen“ (ebd., 53, Kursiv. v. Verf.). Letztere Feststellung verwirklichte sich mit der Islamisierung der Moderne, weil sie nicht nur durch den mystisch-esoterischen Orientalismus des 19. Jh. vorbereitet war (s.u.), sondern anhand des gemeinsamen, rassistischen Juden- und Christenhasses den eigenen Totalitarismus nun auf der Basis „demokratischer Religionsfreiheit“ für Allahs Interessen fortsetzen konnte – nichts anderes also als „sich selbst mit dessen Augen zu sehen, seiner zerstörerischen Verachtung zuzustimmen“, an der Koran und Tradition keinerlei Zweifel lassen. Während sich Memmis Rassismus-These erneut sachlich bestätigt, erfaßt sie auch die elitäre Täuschungspraxis, die mit dem „Dialog mit dem Islam“ eine Propaganda effizienter Esoterik betreibt und einen Wandel vorgaukelt, der mit dem Djihad ihre Existenz und Kultur zerstört. Denn „häufig ist außerdem der verborgene Sinn wichtiger, aufschlußreicher als der manifeste Inhalt. Der eigentliche Sinn des Rassismus ist verschleiert, weil er eine Ungerechtigkeit enthüllen würde. Von daher erklärt sich die auf der Hand liegende Nützlichkeit einer Täuschung der Opfer: Man kommt auf diese Weise ihren Rektionen zuvor, die möglicherweise die eigenen Absichten durchkreuzen würden. Man kann doch nicht in aller Ruhe zugeben, daß man Privilegien hat!“ (ebd., 65 – Kursiv. v. Verf.). Nach der Täuschung kommen Drohung und Gewalt, die Memmi aus dem Psycho-Paar Angst und Aggression herleitet, dem Antrieb einer jeden Borderline-Störung, zu der rassistische Ausfälle gehören. Die Angst vor dem Anderen, Fremden, Unbekannten ist um so größer, je geringer Bildung und Wissen sind, die den Akteur zur Sublimierung befähigen könnten. In der Gegenkultur des Denkschwunds ist mithin die fortlaufende Steigerung der Angst-Aggression-Spirale garantiert, so daß mit dem Fortschritt der Kulturumkehrung die systemische Steigerung des Rassismus einhergeht. Damit nicht genug, zwingt die Konstellation den Rassisten, seine Angst vor den eigenen Defiziten, die sich mit der narzißtischen Sehnsucht nach Reinheit und Vollkommenheit verbindet, als Schuld auf den Anderen, vielleicht gar mit Kritik Störenden zu projizieren. Das führt in die bekannte Mechanik des Sündenbocks, den wir im „Dialog“ als „rassistische“ zumindest „islamophobe“ Gestalt und in der Moderne allgemein als „rassistische“ zumindest „repressive“ Bürgerkultur vorfinden. Memmis Fazit läuft hier auf die Moderne als Quasi-Utopie hinaus, weil mit ansteigender Zahl der „reinen, vollkommenen“ Rassisten die Vorstellung eines Diesseits-Paradieses, eines bukolischen Arkadien entsteht, das auch die grenzenlose Einfuhr und Versorgung des islamischen Gottesvolks zu erklären hilft. „Der Rassist schmachtet nach dem Bild eines vollkommenen Heimatlandes, dessen Merkmale er nur mit Mühe genauer beschreiben könnte … Damit wird auch die Gewalt gegen jeden Eindringling, jeden Fremden verständlich, der die angestrebte Harmonie zu beeinträchtigen oder zu verhindern droht“ (ebd., 70, 71). Vorliegend sind die Eindringlinge natürlich mit den einheimischen Nichtmuslimen identisch, deren Zahl zwar durch Geburtenschwund und Euthanasie abnimmt, aber mit Druck auf die Lebensumstände, Steuern und Abgaben, nicht zuletzt Auswanderung, weiter dezimiert werden kann. Solange der Rassismus vorherrscht, und das ist unter den Dogmen der Multikultur und Interreligion unabweisbar der Fall, werden sich rechtliche, kulturelle und finanzielle Toleranz – oder auch Ausbeutung – als massenseitige „Gegenleistung“ fortsetzen.

Einige ergänzende Bemerkungen
Zwar können wir aus Platzgründen das Thema nicht weiter vertiefen, doch sollten einige Aspekte dieses ideologisch verzerrten Komplexes angefügt werden, um das Verständnis der Betrachtung abzurunden. Es kann einleuchten, daß der halbtausendjährige Wandel einer so komplexen Kultur wie der Europas nicht im Vorbeigehen erläutert ist, ansonsten der erreichte Stand nicht als Problem empfunden würde. Es sind einige Szenarien zu skizzieren, die den geschichtlichen Hintergrund bilden und in der Euro-Variante auf dem erwähnten 68er-Relativismus gegen vermeintlich „repressive Strukturen“ einer zugleich dämonisierten Bürgerkultur beruht. Dieses Schema ist nur eine, allerdings wichtige Facette moderner Macht, deren deutsche Version sich in der linksradikalen Nachfolge der Kaiser- und Nazi-Reiche als Überwinderin der jüdisch-christlichen Altkultur versteht. Seit der Neuzeit (um 1500), spätestens ab der Aufklärung (um 1800) erscheint sie als Makrotrend universaler, wissenschaftlich geförderter Systemüberwindung, dessen Tiefgang und Tragweite eben auch nur in wissenschaftlich erarbeiteten System-Mustern erkennbar werden kann und das denkfreie Vorurteil, die „Mutter des Rassismus“, strikt verbietet. Da unsere Darstellung einen umfassenden Übergang in den Griff nimmt, flossen zunächst auffallend viele Anführungszeichen und abstufende Vor-Partikel wie Anti-, Neo-, Pseudo-, Quasi- etc. ein. Wissenschaft und Technik schufen zwar allgemein verbesserte Lebensumstände, andererseits aber eine verstärkte Machtfülle bei zunehmend dehumanisierten Eliten. Sie kommt in den militant-rassistischen Strukturen des Kolonialismus, National-Sozialismus (Faschismus) und International-Sozialismus (Kommunismus) zum Ausdruck und setzte sich nach den Weltkriegen mit dem scheinmoralischen, eher monetär bestimmten Quartett von Liberalismus, Demokratie, Toleranz und Menschenrechten fort. Unter den Flaggen von Freihandel, Multikultur und Interreligion richtete sie ihre Institutionen gegen das souveräne Gemeinwohl der Staaten aus und mündete mit der US-geführten Autorität der UN-Organisationen (IMF, WTO, WHO etc.) in den konsum- und umweltorientierten, islamisch konnotierten Global-Sozialismus der „Neuen Weltordnung“. Dies bedingt den Einstieg in eine vordergründig schwierige Materie, die sich der Retorte akademischer Sozialplanung mit einer Flut von Imperativen – Kultur-Toleranz, Umwelt-Verantwortung, Gender-Identität – immer doktrinärer einengt. Diese prägnante Version der unveränderbaren Herrschaftsschere der Wenigen über die Vielen, der Erleuchteten, Erlesenen, Geweihten etc. über die Masse, deren Gehorsam mit jeweils zeit-„gerechten“ Idolen, Göttern, Religionen, Ideologien und sonstigen Leitmotiven – heute in Gestalt einer kritikimmunen, multikulturellen Toleranz – gewährleistet wird. Das im Machtmodus verankerte Elitenprivileg stützt sich auf immer gleiche, historisch gewachsene Machtorden mit der „Kette der Wesen“ (A. Lovejoy), der illustren P-Kollaboration von Patriarchen, Propheten, Priestern, Potentaten, Philosophen, Professoren, Politikern, die die zivilisatorische Kultur-Evolution begleiten. Sie ist zwar nicht vom Himmel gefallen, operiert aber seit dem Neolithikum mit der Führung der Horden. Klans, Stämme, Völker etc. durch elitäres Wissen von übernatürlichen Kräften der Natur-Evolution, die zunehmend himmlisch erscheinen und schließlich in die Götter- und Sprachenwelt der orientalischen Hochkulturen münden. Ebenso urwüchsig zeigt sich der evolutionäre Massengehorsam, der dem asymmetrischen Elitenprivileg naturhaft zuwächst. In der Kultur-Evolution nimmt er moralische Formen einer übernatürlichen Dauerschuld an, die in Tributen, Opfern, Ritualen und Ehrfurcht vor der Gottesnähe der Privilegierten zu zahlen ist, ohne jemals – dem Stein des Sisyphos nicht unähnlich – getilgt werden zu können. Die Unveränderbarkeit der Struktur wurde weltgeschichtlich ein einziges Mal mit dem jesuanischen Ereignis in Frage gestellt, das die Schuld am Bösen in der Welt vom Kopf auf die Füße stellte. Denn es war nun die Macht selbst, die mit dem „ersten Stein“ beweisen sollte, ohne Schuld zu sein. Was folgte, ist durch eine uferlose Literatur theologisch und soziophilosophisch bekannt und für die Zwecke der Systemanalyse „nur“ anhand der politreligiösen Entwicklung und der darin feststellbaren Verschiebungen der Machtfaktoren wichtig. Gleichwohl blieb die Schuld als geradezu in Stein gemeißelter Zwang zu jenem Gehorsam, den die Beherrschten aller Zeiten den Eliten und ihren Gottheiten „schuldig“ sind. Daran hat auch die Moderne nichts geändert, sondern im Gegenteil neue Formen des Gehorsams erzeugt, die die Aufklärer in den existentiellen Eliten-Rassismus als Funktion der Kultur-Revolution auf der Basis der komplementären Massentoleranz überführten – ein Konzept, das wie die Praxis beweist, in der Tat die Altkultur umkehrt und niedrigste Instinkte befähigt, die Regierung von Staaten zu übernehmen. Ein prominentes Beispiel moderner Gehorsams-Schuld ist natürlich Kants Kategorischer Imperativ, jenes Instrument der Aufklärung, das im Grunde jede Moral zum Gesetz erheben kann, obwohl es widersinniger Weise aus einer „selbstverschuldeten Unmündigkeit herausführen“ soll. Wir haben in früheren Beiträgen diese Diskrepanz ausführlich behandelt und knüpfen hier an die Zeitgeschichte an, in der die Alliierten nach 1945 das Schuldprinzip auf Deutschland konzentrierten. Unter dem Motto „Gerade wir Deutschen“ ließ sich in der Nachkriegs-Erziehung ein Schuldbewußtsein als Lenkinstrument von kaum übertroffener Effizienz verankern. Es nutzt die Holocaust-Opfer als logisches Resultat einer lückenlosen Gewaltgeschichte der Deutschen und Christen, die sich in ein Horrorszenario unbegrenzter Schuld-Tradition in Willkür, Krieg, Inquisition, Kreuzzügen und weiteren, christlich verschuldeten Schreckensbildern verwandelt. Leicht erkennbar löscht dieses Patent jeden Anspruch auf Mitsprache und ermöglichte mithin eine neue „Qualität“ der Bildung in den Institutionen, die kraft solcher Indoktrination keine Argumente brauchten und daher auch den Denkschwund als zentrales Ergebnis der Kultur-Umkehrung anführen. Daraus folgte ein aggressiver Endlos-Reflex, den „die Demokratie aushalten“ mußte, was den Anspruch auf verbriefte Bürgerrechte wie die Freiheit der Meinung in „Intoleranz“ und den unveräußerlichen Anspruch des Volkes auf das Land in „völkischen Rassismus“ drehte. Wie oben hergeleitet, erzeugt dieser Trend mit der Fülle seiner aggressiven Projektionen eine neue Dimension des Rassismus, die „keine Alternative“ zur Gewalt hat.

Dr. Hans-Peter Raddatz, Orientalist und Finanzanalytiker, ist Autor zahlreicher Bücher über die moderne Gesellschaft, die Funktionen der Globalisierung und den Dialog mit dem Islam

Die Neue Ordnung ist eine seit 1946 erscheinende christliche Zeitschrift mit sechs Ausgaben pro Jahr. Chefredakteur ist der römisch-katholische Sozialethiker und Dominikaner Wolfgang Ockenfels und Herausgeber das Institut für Gesellschaftswissenschaften Walberberg, dessen Vorsitzender er ist.

Weitere DNO-Artikel von Dr. Raddatz finden Sie auf meinem Privatblog kirchfahrter.wordpress.com
Simon Tolon
Danke fürs Einstellen, wird noch einmal ganz in Ruhe gelesen. Eine erste Anmerkung zum Thema Umbruch": Umbruchgeschichten: Die Erzählung der Zeiten