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Medien machen Meinung (Der Ruf des Königs)

Medien machen Meinung
Wie verschieden man über kirchliche Themen berichten kann

Von Pater Markus Christoph SJM

Medien leisten einen wichtigen Beitrag für das gesellschaftliche und kirchliche Leben. Dabei ist von Anfang klar, dass jeder Autor aus einer ganz bestimmten Perspektive schreibt. Ein Artikel berichtet nie einfach nur von einem Ereignis, sondern offenbart immer auch etwas über den Autor und die Zeitschrift, die den Text veröffentlicht hat. Das ist auch beim Ruf des Königs nicht anders… Für den Leser ist es da durchaus hilfreich und wichtig, sich des jeweiligen Fokus stets bewusst zu sein. Dies gilt nicht nur für den Blickwinkel, aus dem ein Ereignis berichtet wird, sondern genauso für die Auswahl der Themen, die es in eine Zeitschrift oder Zeitung geschafft haben. Im kirchlichen Bereich ist das in den letzten Wochen an zwei Beispielen deutlich geworden.

„Papst Franziskus korrigiert offen Papst Benedikt XVI.“
...so die Schlagzeile am 22. Oktober 2020 auf DiePresse.com. Auf Zeit.de war zu lesen: „Papst Franziskus befürwortet die Homo-Ehe.“ Spiegel.de schrieb ganz direkt, Papst Franziskus habe eine „Abkehr von der kirchlichen Lehre“ vollzogen. Bei der New York Times hieß die Schlagzeile: „In Shift for Church, Pope Francis Voices Support for Same-Sex Civil Unions“. Und katholisch.de berichtete: „Papst Franziskus befürwortet Lebenspartnerschaften Homosexueller. (…) Homosexuelle seien Kinder Gottes und ein Teil der Familie – die Kirche solle sie willkommen heißen.“ Was war geschehen? Tags zuvor war in Rom der Dokumentarfilm „Francesco“ uraufgeführt worden. Der Film von Regisseur Evgeny Afineevsky versucht, einen Überblick über das Leben und Wirken des Pontifex zu geben und dabei speziell sein soziales Engagement in den Blickpunkt zu rücken: seinen Einsatz etwa für Menschen am Rande der Gesellschaft oder für Arme und Migranten. Dabei geht es auch um den Umgang mit nicht-heterosexuellen Menschen. Im Film wird der Papst wie folgt zitiert: „Wir müssen ein Gesetz zur eingetragenen Lebenspartnerschaft aufsetzen. Auf diese Weise sind sie rechtlich abgesichert. Dafür habe ich mich eingesetzt.“ Und weiter: „Sie sind Kinder Gottes und haben das Recht auf eine Familie. Niemand sollte wegen so etwas ausgeschlossen oder unglücklich werden.“ Die Botschaft, die anlässlich des Filmdebuts von den Medien in die Welt hinaus transportiert wurde, lautete ungefähr wie folgt: Papst Franziskus hat die kirchliche Lehre zum Thema Homosexualität geändert. Auch die Kirche will sich zukünftig dafür einsetzen, dass homosexuelle Menschen als Familie leben können, denn jeder Mensch hat ein Recht auf Familie. Solche Partnerschaften sollen nach Meinung des Papstes mit der Familie gleichgesetzt und gesetzlich abgesichert werden. Erst knapp zwei Wochen später erfolgte eine Richtigstellung aus Rom (am 2. November 2020). Das vatikanische Staatssekretariat ließ allen Bischöfen weltweit ein Rundschreiben zukommen, das erklärte, die fraglichen Zitate im Dokumentarfilm seien aus zwei verschiedenen Kontexten genommen und im Film auf missverständliche Weise in einen gemeinsamen Zusammenhang gesetzt worden. Dies habe zu falschen Interpretationen geführt; die kirchliche Lehre bleibe unverändert. Der erste Teil der Papstaussage beziehe sich darauf, dass innerhalb einer Familie Kinder mit homosexueller Orientierung nicht diskriminiert werden dürften – von den eigenen Eltern, Geschwistern oder Verwandten. Jeder Mensch habe ein Recht auf eine Familie – damit meinte der Pontifex die Herkunftsfamilie der betroffenen Menschen, nicht aber homosexuelle Lebensgemeinschaften. Gegenstand der zweiten Aussage war laut Vatikan ein argentinisches Gesetzesvorhaben vor zehn Jahren zur eherechtlichen Gleichstellung homosexueller Paare. Damals sei es Kardinal Bergoglio ein Anliegen gewesen, der gegenseitigen Verantwortungsübernahme von homosexuellen Partnern eine Rechtsform zu geben. Gleichzeitig habe er sich gegen eine rechtliche Gleichstellung mit der Ehe gewandt. Die Erklärung des Staatssekretariates erfolge – so hieß es – auf ausdrücklichen Wunsch des Kirchenoberhaupts. Damit war klargestellt, dass Papst Franziskus nichts an der diesbezüglichen Lehre der Kirche ändern wollte. Kirchliche Medien brachten dazu kurz einen Hinweis. Katholisch.de schrieb: „Vatikan stellt Papst-Äußerung zu homosexuellen Partnerschaften klar“. Und auf Domradio.de war zu lesen: „Vatikan erklärt Papst-Äußerung zu Homosexuellen. Aus dem Kontext genommen“. In vielen weltlichen Medien, die zuvor über die vermeintliche Kursänderung groß berichtet hatten, ging die Richtigstellung unter. Mit der Auswahl von Themen macht man Meinung!

„Übt Papst Franziskus Kritik am Synodalen Weg?“
Diese Meldung war am 25. November 2020 in Die Tagespost zu lesen. Im Rahmen seiner wöchentlichen Generalaudienz (derzeit als Videoansprache) hatte der Papst erklärt, er sei manchmal „sehr traurig“, wenn er eine Gemeinschaft sehe, die guten Willens sei, die aber in die falsche Richtung gehe, weil sie glaube, der Kirche mit Versammlungen zu helfen, als wäre sie eine politische Partei. Wörtlich erklärte der Pontifex: „Aber, die Mehrheit, die Minderheit, was halten Sie von diesem, jenem, dem anderen... Und das ist wie eine Synode, ein synodaler Weg, den wir einschlagen müssen...' - Ich frage mich: Wo ist der Heilige Geist dort? Wo ist das Gebet? Wo gibt es Gemeinschaftsliebe? Wo ist die Eucharistie?“ Es bestehe die Gefahr, so der Papst, dass sich eine kirchliche Gemeinschaft auf die Weise einer politischen Partei entwickle. „Veränderungen werden vorgenommen, als wäre sie ein Unternehmen, durch Mehrheit oder Minderheit... aber es gibt keinen Heiligen Geist.“ Dabei sei die Gegenwart des Heiligen Geistes das Kennzeichen dafür, dass eine Gemeinschaft als Kirche wachse. In einer Anspielung an seinen Brief an die Katholiken in Deutschland im Juni 2019, in dem er den missionarischen Aspekt der Kirche unterstrich, erklärte er in der jetzigen Ansprache: „Vergessen wir nie dieses Wort Benedikts XVI.: Die Kirche wächst nicht durch Proselytismus, sie wächst durch Anziehung. Wo der Heilige Geist fehlt, und er ist es, was zu Jesus hinzieht, gibt es keine Kirche. Es gibt einen netten Club von Freunden, nun ja, mit guten Absichten, aber es gibt keine Kirche, es gibt keine Synodalität.“ Die medialen Reaktionen auf die Ansprache von Papst Franziskus fielen sehr verschieden aus. Während bei den weltlichen Medien (die für den Synodalen Weg – zumindest anfangs – durchaus Interesse gezeigt hatten) der päpstliche Einwurf unbeachtet bliebt, erkannten manche kirchliche Medien hier eine deutliche Kritik am deutschen Projekt. „Papst Franziskus warnt vor falschem ‚Synodalen Weg‘ und falscher Synodalität“, berichtete Catholic News Agency. Andere kirchliche Medien erwähnten zwar die Aussage des Papstes, legten in ihrer Berichterstattung den Schwerpunkt aber auf die bald erschienene Stellungnahme des ZDKs. „Synodalen Weg kritisiert? ZdK nimmt Papst-Äußerung gelassen“ (katholisch.de). Thomas Sternberg, Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), schloss ausdrücklich aus, Papst Franziskus könne sich mit seiner Aussage auf den deutschen Synodalen Weg bezogen haben. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass Papst Franziskus mit Hinweis auf die spirituelle Dimension von Kirche demokratische Entscheidungen über Strukturen und Organisationsformen verhindern will.“ Und katholisch.de ergänzte, dass „der Papst den Dialog zur Zukunft kirchlichen Lebens in Deutschland nicht ausdrücklich“ nannte. Die Beispiele zeigen, wie verschieden sich über kirchliche Ereignisse berichten lässt – und auch tatsächlich berichtet wird. Wenn Jesus im Evangelium des ersten Adventsonntags seine Jünger zu beständiger Wachsamkeit aufgerufen hat, so dürfen wir dieses Wort durchaus auch als Mahnung für unseren Umgang mit den Medien verstehen.
Maria Katharina
Deswegen gebe ich auch null auf diese Informationsquellen. Lediglich aus dem Grund, dass ich sehen/hören will, wie weit das Böse schon fortgeschritten ist.
Nur deshalb schalte ich kurz mal das Radio an. Fernsehen schaue ich sowieso so gut wie nie. Ist mir die Zeit dafür zu kostbar.
Auch Tageszeitungen habe ich noch nie gehabt. Brauche ich auch keine!
Erfahre auch so alles, was ich brauche!
Ich …More
Deswegen gebe ich auch null auf diese Informationsquellen. Lediglich aus dem Grund, dass ich sehen/hören will, wie weit das Böse schon fortgeschritten ist.
Nur deshalb schalte ich kurz mal das Radio an. Fernsehen schaue ich sowieso so gut wie nie. Ist mir die Zeit dafür zu kostbar.
Auch Tageszeitungen habe ich noch nie gehabt. Brauche ich auch keine!
Erfahre auch so alles, was ich brauche!
Ich will ja schließlich keine Fake-News!🤪
Waagerl
Geht mir genau so!